Offizielles Organ: AGRBM, BRZ, DVR, DGA, DGGEF , DGRM, D·I·R, EFA, OEGRM, SRBM/DGE
Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, A-3003 Gablitz
Journal für
Reproduktionsmedizin
und Endokrinologie
– Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology –
Andrologie • Embryologie & Biologie • Endokrinologie • Ethik & Recht • Genetik
Gynäkologie • Kontrazeption • Psychosomatik • Reproduktionsmedizin • Urologie
Indexed in EMBASE/Excerpta Medica/Scopus
www.kup.at/repromedizin
Online-Datenbank mit Autoren- und Stichwortsuche
Endometriose und Infertilität
Manolopoulos K, Suwandinata F, Tinneberg HR
J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2005; 2 (5), 291-295
20.-21. März 2026
Universitätsmedizin Mainz
ENDOKRINOLOGIE & FERTILITÄT
FÜR KLINIK & PRAXIS
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& Anmeldung unter
Einladung zu unserer wissenschaftlichen Veranstaltung Endo-Ferti-Forum
Brücke(n) zwischen Unikliniken und Praxen an Rhein und Main(z)
– die aus dem bisherigen Format „Ferti Forum“ ab 2026 hervorgeht –
Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und den lebendigen Austausch mit Kolleg:innen und Expert:innen aus Klinik und
Praxis. Freitagabend laden wir Sie herzlich zu einem entspannten Empfang ein –
eine perfekte Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und den T ag genussvoll ausklingen zu lassen.
Wissenschaftliche Leitung: Univ.-Professorin Annette Hasenburg, Dr. Susanne Theis, Universitätsmedizin Mainz,
Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, BVF Rheinland-Pfalz Dr. Rüdiger Gaase, BVF Hessen Dr. Klaus J. Doubek
Schirmherrschaften: Prof. Nicole Sänger, Uniklinik Bonn, Prof. Jan-Steffen Krüssel, Uniklinik Düsseldorf,
Dr. Annette Bachmann, Uniklinik Frankfurt am Main, Prof. Christine Skala, Uniklinik Köln
291J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 5/2005
Endometriose und Infertilität
K. Manolopoulos, F. Suwandinata, H.-R. Tinneberg
Endometriose ist eine der häufigsten gutartigen Erkrankungen der Frau und stellt oft eine Infertilitätsursache dar. Einerseits werden immunologi-
sche Faktoren, andererseits lokale mechanische Veränderungen dafür verantwortlich gemacht. Durch den etablierten Einsatz der Me thoden der
assistierten Reproduktion (ART) wurden Einblicke in der Follikulogenese, Fertilisation, Embryomorphologie und Implantation bei Endometriose-
patientinnen gewonnen. Weiterhin kontrovers diskutiert wird, ob die Endometriose, trotz Weiterentwicklung der Methoden der assi stierten Repro-
duktionsmedizin, heutzutage noch immer ein schwerwiegendes Fertilitätshindernis mit geringen Erfolgsaussichten darstellt.
Schlüsselwörter: Endometriose, assistierte Reproduktionsmedizin, In-vitro-Fertilisation (IVF), Schwangerschaftsrate
Endometriosis and Infertility. Endometriosis is one of the most common benign diseases of women and seems to represent a common cause for
infertility. It is supposed to be caused by immunological and/or local mechanical factors. The established use of assisted reproductive technologies
(ART) provides increasing knowledge about folliculogenesis, fertilisation, embryo development and pregnancy rates. Nevertheless , controversial
discussion about the success rates of ART in endometriosis exists although the progress of reproductive technologies is improvi ng constantly in
many ways. Despite all discussions the question remains still to be answered, whether or not endometriosis is indeed an important factor hindering
the establishment of pregnancy. J Reproduktionsmed Endokrinol 2005; 2 (5): 291–5.
Key words: endometriosis, assisted reproductive technology (ART), in-vitro fertilisation (IVF), pregnancy rate
Eingegangen: 06.08.2005, akzeptiert nach Revision: 30.08.2005
Aus der Universit äts-Frauenklinik Gie ßen, Justus-Liebig-Universit ät Gießen
Korrespondenzadresse: Dr. med. Konstantin Manolopoulos, U niversitäts-Frauenklinik Gießen, Justus-Liebig-Universität Gießen, D-35390 Gießen,
Klinikstraße 32; E-Mail:
[email protected]
D
ie Klinik der Endometriose ist mit einer Vielzahl von
Symptomen assoziiert, bei manchen Patientinnen
verläuft sie allerdings sogar asymptomatisch. Entspre-
chend schwierig gestaltet sich die Diagnose, da patho-
gnomonische Symptome und Marker fehlen. Die Diagno-
sesicherung dauert je nach Symptomen zwischen vier
und neun Jahren oder manchmal auch l änger (Tab. 1).
Die meisten Risikofaktoren basieren auf der Erkenntnis,
daß es sich um eine östrogenabhängige Erkrankung han-
delt, die mit einer retrograden Menstruation verbunden
ist. Die Erkrankung wird bei Frauen zwischen dem 12.
und 80. Lebensjahr beschrieben. Das durchschnittliche
Alter bei Diagnosesicherung liegt bei 28 Jahren [6].
Endometriose scheint eine genetische Basis zu haben [7].
Die Pr ävalenz von Endometriose bei Frauen im repro-
duktiven Alter wird in der Allgemeinbev ölkerung mit 4–
12 % angegeben [8, 9]. Endometriose kommt h äufiger
vor bei Frauen mit kurzen Zyklen (< 27 Tagen) und
Schmierbluten vor der Menses [10].
Die Prävalenz bei Patientinnen mit Kinderwunsch wird
mit 20–71 % beschrieben [11, 12]. Der Anteil der betrof-
fenen Patientinnen mit moderater bis fortgeschrittener
Endometriose (Stadium III –IV) betr ägt zwischen 19 %
und 43 %, jener mit minimaler und milder Endometriose
zwischen 58 % und 68 % [12].
Im Jahresbericht des Deutschen IVF-Registers 2003 wird
die Endometriose bei prospektiv evaluierten IVF-Zyklen
mit 10 % und bei ICSI-Zyklen mit 6 % angegeben [13].
Dies läßt darauf schließen, daß ein gründlicher Endome-
triosenachweis nicht immer gef ührt wird. In den USA ist
Endometriose die dritthäufigste Indikation für den Einsatz
reproduktionsmedizinischer Methoden nach tubarer und
andrologischer Indikation [14]. Retrospektive Untersu-
chungen belegen, daß die Fertilität bei Endometriose pro
Zyklus auf die Hälfte reduziert ist, verglichen mit Patien-
tinnen ohne Endometriose [15]. Bezugnehmend auf das
Endometriosestadium zeigt sich bei milder/minimaler
Endometriose und expektativem Vorgehen über einen
Zeitraum von sechs Monaten eine Wahrscheinlichkeit
von 28 %, eine Schwangerschaft zu erreichen [16].
Mögliche Infertilitätsursachen
bei Endometriose
Mögliche Ursachen der Infertilit ät bei Endometriose be-
stehen einerseits aufgrund der rezidivierenden lokalen
entzündlichen Veränderungen der Anatomie des kleinen
Beckens mit der Bildung von Adh äsionen und folgedes-
sen veränderter Motilität der Tube (gestörter „Ovum pick
up“-Mechanismus der Tube, Abb. 1A). Andererseits stel-
len Veränderungen auf ovarieller Ebene durch die redu-
zierte Steroidogenese und die erh öhte Apoptoserate in
den Granulosazellen sowie Ver änderungen der Zusam-
mensetzung der Interleukine ebenfalls einen weiteren
Sterilitätsfaktor dar (Tab. 2). Ovarielle Endometriome,
aber auch vorausgegangene Operationen am Ovar f üh-
ren häufig zu einer Verringerung des stimulationsfähigen
Ovarialgewebes (Abb. 1B).
Eine weitere Ursache der Infertilit ät bei Endometriose
scheint durch eine utero-tubare Transportstörung des ge-
richteten Spermientransports in Abhängigkeit der Ausbil-
dung einer Adenomyose (
Endometriosis genitalis interna)
erklärt zu werden [17 –19]. Eine Reihe von Ver änderun-
gen des peritonealen Milieus lassen vermuten, da ß die
Endometriose einen immunologischen Sterilit ätsfaktor
darstellt. In diesem Zusammenhang scheint den Zyto-
kinen eine besondere Bedeutung zuzukommen (Abb. 2).
Vassiliadis et al. [20] postulieren, da ß die endometriose-
bedingte Infertilität auf einer Veränderung unterschiedli-
cher Zytokine beruht. Eine Reduktion der durch die
Endometriose induzierten Spiegel von Interferon- α und
Tabelle 1: Verzögerung der Diagnosestellung einer Endometriose
Literatur Verz ögerung in Jahren
Schmerz Infertilit ät Total
Ballweg (2004) [1] –– > 9
Husby et al. (2003) [2] 6,7 ± 6,2 ––
Arruda et al. (2003) [3] 7,4 4,0 7,0
Dmowski et al. (1997) [4] 6,35 3,13 –
Hadfield et al. (1996) [5] 11,73 ± 9,05 (USA) ––
7,96 ± 7,92 (UK) ––
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
292 J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 5/2005
Tumor-Nekrose-Faktor-α erleichtern
Ovulation und Fertilisation, w ährend
eine Reduktion von Interleukin- β und
Colony-stimulating-factor-1 die Im-
plantation ermöglichen.
Auf endometrialer Ebene scheint die
Endometriose einen Einflu ß auf die
Implantationsrate zu haben. Letztend-
lich finden sich ebenfalls Beeintr äch-
tigungen der Spermatozoenfunktion,
wie z. B. eingeschränkte Spermatozo-
enmotilität. Diese k önnen zum einen
durch den erh öhten Spiegel an Inter-
leukin-6 und dessen l öslichen Rezep-
tor bedingt sein [21] oder zum anderen
durch eine bei Endometriosepatientin-
nen vermehrte Bindung von Sperma-
tozoen an das Tubenepithel [22].
Im Tiermodell konnte gezeigt werden,
daß Baboons mit minimaler Endome-
Tabelle 2: Übersicht möglicher Ursachen gest örter Fertilität bei Patientinnen mit Endometriose
Anatomie Ovar Uterus Endometrium Peritoneum Spermatozoen
Adhäsionen Gest örte Corpus- Adenomyose Pinopodien-Integrine Anzahl/Aktivit ät der Spermatozoen-
luteum-Funktion peritonealen Makro- phagozytose
phagen
Gestörter Apoptoserate der Gest örter 17 β-Östradiol lokal, Peritoneale T-Lympho- Spermatozoen-
Eizellaufnahme- Granulosazellen Spermientransport Aromataseaktivit ät ↓ zyten motilit ät ↓
und -transport-
mechanismus
„frozen pelvis“ Oocytenzahl und Hyper- und Genver änderungen NK-Zellaktivit ät ↓
-qualität ↓ Dysperistaltik (z.B. HOXA 10, -11,
CYP 450, GST, NAT 2,
GALT-Gene)
Verändertes Apoptoserate ↓ RANTES
intraovarielles Inflammatorische Zytokine
Milieu (IL-6, IL-1,TNF- α)
Veränderung der angio-
genetischen Faktoren
(IL-8, VEGF)
Gestörte T- und B-Zell-
Funktion
Abbildung 1A und B: Veränderungen der pelvinen Anatomie. A: Rechte Tube durch Salpingitis isthmica nodosa zerstört. B: Zerstörung des ovari-
ellen Gewebes durch eine Endometriosezyste.
Abbildung 2: Schematische Darstellung der immunologischen Veränderungen bei Endometriose
(IL-1β: Interleukin-1 β; PDGF: Platelet Derived Growth Factor; TGF α/-β: Transforming Growth
Factor α/β; IL-6, -8: Interleukin-6, -8; VEGF: Vascular Endothelial Growth Factor; EGF: Epider-
mal Growth Factor; IGF ’s: Insulin-like Growth Factors; PD-ECGF: Platelet-derived Endothelial
Cell Growth Factor; FGF ’s: Fibroblast Growth Factors; Endo1: Endophilin 1)
293J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 5/2005
triose eine monatliche spontane Schwangerschaftsrate
von 18 % aufwiesen, verglichen mit 24 % bei Tieren
ohne Endometriose. Weiterhin konnte gezeigt werden,
daß die Schwangerschaftsrate mit fortschreitendem Sta-
dium abnimmt [12]. Beim Menschen ergab die ENDO-
CAN-Studie, da ß die spontane kumulative Schwanger-
schaftsrate bei Endometriosepatientinnen nach laparo-
skopischer Diagnosesicherung ohne chirurgische Inter-
vention 15,7 % betrug [23]. Die spontane Schwanger-
schaftsrate nimmt mit steigendem Endometriosestadium
ab: milde Endometriose 53 % (Abb. 3A und B), moderate
25 % und fortgeschrittene Endometriose 0 % (Abb. 4, 5)
[24]. Die Unterschiede der spontanen Schwangerschafts-
raten in den Studien sind einerseits durch die exaktere
und fr ühere Diagnosestellung durch eine histologische
Sicherung bedingt und andererseits durch die Verbesse-
rung der medikamentösen Möglichkeiten.
Assistierte Reproduktion (IUI)
In einer randomisierten Studie bei Patientinnen mit mini-
maler und milder Endometriose zeigte sich, da ß die
Lebendgeburtenrate/Zyklus mit ovarieller Stimulation
signifikant besser war: 11 % vs. 2 % [25].
In einer retrospektiven Studie konnte gezeigt werden,
daß sowohl die Diagnose „Endometriose“ als auch das
„Stadium der Endometriose “ keinen Einflu ß auf die
Schwangerschaftsrate haben, verglichen mit Patientin-
nen mit andrologischem Sterilit ätsfaktor, idiopathischer
Sterilität, Ovulationsst örungen oder zervikalem Sterili-
tätsfaktor [26]. Allerdings ist die Aussagekraft dieser
retrospektiven Untersuchung aufgrund der geringen
Patientenzahlen wohl eingeschr änkt. In einer weiteren
retrospektiven Kohortenstudie untersuchten Omland
et al. [27] über 1000 Patientinnen hinsichtlich Lebend-
geburtenrate, Geminirate und Abortrate in Abh ängigkeit
von der Infertilit ätsursache (idiopathisch, minimale
Endometriose oder tubarbedingt). F ür alle 3 Parameter
zeigte die Gruppe der idiopathischen Infertilität im ersten
Behandlungszyklus bessere Ergebnisse (p < 0,05). In
einer gro ßen Metaanalyse von 5214 IUI-Zyklen [28]
sowie auch in kleineren prospektiven Studien [29] zeigte
sich, da ß die Schwangerschaftsrate bei minimaler und
Abbildung 3A und B: Milde Endometriose. A: ältere Implantate mit umgebender Narbenbildung. B: frische Implantate.
Abbildung 4: Schwere, tief infiltrierende Endometriose mit Adh äsions-
bildung.
Abbildung 5: Die spontane Schwangerschaftsrate nimmt mit steigen-
dem Endometriosestadium ab (modifiziert nach [24]).
294 J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 5/2005
milder Endometriose reduziert war. Gr ößere randomi-
sierte placebokontrollierte Studien über ovarielle Stimu-
lation und intrauterine Insemination bei Endometriose
existieren nicht. Aufgrund der existierenden Daten wird
empfohlen, bei jüngeren Patientinnen und nach operati-
ver Sanierung und normaler Beckenanatomie bis maxi-
mal drei Inseminationen durchzuf ühren [30]. Bei h öher-
gradigem Endometriosestadium, fertilit ätsreduzierenden
Veränderungen der pelvinen Anatomie oder vorausge-
gangenen erfolglosen Inseminationen empfiehlt sich
frühzeitig die IVF-Behandlung.
Assistierte Reproduktion (IVF)
Ovarielle Stimulation
Patientinnen mit Endometriose haben eine geringere
ovarielle Ansprechbarkeit auf Gonadotropine und ben ö-
tigen höhere Mengen an Medikamenten zur Stimulation
[14].
Basierend auf retrospektiven Untersuchungen scheint die
Downregulation mit GnRH-Agonisten vor der eigentli-
chen ovariellen Stimulation die Ergebnisse zu verbes-
sern. Prospektive Untersuchungen, welche die Down-
regulation mit GnRH-Agonisten im Short- und Long-Pro-
tokoll vergleichen, existieren nicht [31]. Die existieren-
den Untersuchungen belegen aber eine Tendenz zu h ö-
herer Schwangerschaftsrate in der Anwendung des Long-
GnRH-Agonisten-Protokolls vs. Short- oder Ultrashort-
Protokoll [32]. Die Dauer der Downregulation ist unter-
schiedlich beschrieben: bei fortgeschrittener Endome-
triose (Stadium III –IV) scheint das Ultralong-Protokoll
(3–6 Monate Downregulation) effektiver zu sein [33].
Die Vorbehandlung der Endometriosepatientinnen vor
der IVF-Behandlung mit Gestagenen oder Danazol zeigt
keine Vorteile [34]. Publizierte Untersuchungen über die
Art des Ovulationsinduktors (hMG oder recFSH) und der
Schwangerschaftsrate bei Endometriose sind nicht be-
kannt.
Follikulogenese, Oocytenzahl und -qualit ät
In der klinischen Praxis zeigt sich in einer Metaanalyse,
daß die Anzahl der gewonnenen Oozyten und das Serum
17β-Östradiol am Tag der Punktion bei Patientinnen mit
fortgeschrittener Endometriose (Stadium III –IV) niedriger
ist, verglichen mit Patientinnen mit minimaler Endome-
triose (Stadium I –II) und Patientinnen mit tubarer Sterili-
tät [35]. Weiterhin ist die Qualit ät der Oozyten von
Endometriosepatientinnen aufgrund einer h öheren Apo-
ptoserate, von Veränderungen im Zellzyklus und höherer
Inzidenz von oxidativem Streß mit der Bildung von freien
Radikalen und Lipidperoxidationsprodukten schlechter
[36].
Die Fertilisationsrate war aber bei fortgeschrittener
Endometriose (Stadium III –IV) am h öchsten (74,47 %),
verglichen mit Endometriose Stadium I –II (58,38 %) und
tubarer Sterilität (66,09 %). Die erhöhte Fertilisationsrate
bei fortgeschrittener Endometriose (Stadium III –IV) wird
auf die gute ovarielle Stimulationstherapie und die Ge-
winnung von qualitativ guten Oozyten zur ückgeführt
[14].
Embryoqualität
Aktuelle Literaturangaben bez üglich der Embryoqualit ät
nach IVF bei Endometriose fehlen. Ältere Literaturanga-
ben sind wenig aussagekr äftig, da mittlerweile Ver ände-
rungen in der Behandlung und Stimulation bei Endome-
triose stattgefunden haben. Da Patientinnen mit Endome-
triose in einem Eizellspendeprogramm vergleichbare
Schwangerschaftsraten mit Patientinnen ohne Endome-
triose aufweisen, gleichzeitig aber Patientinnen ohne
Endometriose bei Übertragung von Eizellen von an Endo-
metriose erkrankten Frauen deutlich reduzierte Schwan-
gerschaftsraten aufweisen, mu ß von einer Reduktion der
Embryoqualität bei Endometriose ausgegangen werden
[37].
Implantationsrate
Untersuchungen weisen auf eine Verschlechterung der
Implantationsrate bei Endometriose hin. Einerseits wer-
den „intrinsische“ Faktoren (z. B. endometriale Verände-
rungen), andererseits „extrinsische“ Faktoren (z. B. Ver-
änderungen im peritonealen Milieu) verantwortlich ge-
macht. Weiterhin sind auch Veränderungen in der Oozy-
ten-/Embryoqualität mitverantwortlich. In der gro ßen
Metaanalyse von Barnhart et al. 2002 [35] fand sich eine
deutlich niedrigere Implantationsrate bei der Endome-
triosegruppe im Vergleich zur Kontrolle (12,72 % vs.
18,08 %), wobei fortgeschrittene Endometriose (Stadium
III–IV) mit niedrigeren Implantationsraten verkn üpft war,
verglichen mit Endometriose im Stadium I –II (6,7 % vs.
8,19 %).
Abortrate
Es existieren widerspr üchliche Berichte bez üglich der
Abortrate nach IVF. Ältere, wie auch einige neuere Unter-
suchungen mit großen Fallzahlen belegen keine erh öhte
Abortrate bei den Endometriosepatientinnen [38 –43].
In einer prospektiven Untersuchung mit Endometriose-
stadium III–IV wurde eine h öhere Abortrate beschrieben
(47 % vs. 14 %) [44]. Diese Ergebnisse konnten neuer-
dings für dieses Endometriosestadium nicht bestätigt wer-
den [45]. Untersuchungen mit gr ößeren Fallzahlen exi-
stieren nicht.
Zusammenfassung
Endometrioseassoziierte Unfruchtbarkeit ist ein multi-
faktorielles Ph änomen. Der diagnostische Goldstandard
ist die Laparoskopie, da sie eine gleichzeitige histologi-
sche Sicherung der Diagnose erm öglicht und dar über
hinaus therapeutische Optionen bis hin zur radikalen
Endometriosesanierung umfa ßt. Das therapeutische Vor-
gehen sollte stufenweise erfolgen. Nach einer chirurgi-
schen Sanierung folgt die Zyklusoptimierung und gege-
benenfalls die intrauterine Insemination. Bei Erfolglosig-
keit dieser Schritte empfiehlt sich die IVF-Therapie. Bei
ausreichender ovarieller Reserve profitieren die Patien-
tinnen von einer langfristigen GnRH-Analoga-Therapie.
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