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Diagnostik und Therapie der
Endometriose bei Kinderwunsch
Bernhard Krämer
Frauenheilkunde up2date
5 · 2020
Gynäkologische Endokrinologie
und Reproduktionsmedizin 4
VNR: 2760512020158723789
DOI: 10.1055/a-1065-8111
Frauenheilkunde up2date 2020; 14 (5): 471 –488
ISSN 1439-3719
© 2020 Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG, Rüdigerstraße 14,
70469 Stuttgart, Germany
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Unter dieser Rubrik sind bereits erschienen:
Hormonelle Kontrazeption und Krebs G. Emons Heft 3/2020
Prämature Ovarialinsuffizienz T. Ignatov, M. Voigt,
O. Ortmann Heft 1/2020
Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Therapie
E. C. Inwald, O. Ortmann Heft 6/2019
Menstruation und Konzeption – Update 2016 M. Ludwig
Heft 5/2016
Pubertas tarda E. Nitsche Heft 2/2016
Verfrühte Pubertät S. Heger Heft 2/2016
Antithrombotische Therapie in der Schwangerschaft C. Piper,
D. Horstkotte Heft 3/2015
Kinderwunsch und Multiple Sklerose S. Herbstritt, R. Gold,
K. Hellwig Heft 2/2015
Kinderwunschbehandlung in der gynäkologischen Praxis
C. Keck, S. Segerer Heft 2/2015
Das ovarielle Überstimulationssyndrom – OHSS C. Keck,
S. Segerer Heft 2/2015
Therapie von klimakterischen Symptomen bei Patientinnen
nach frühem Mammakarzinom S. Buchholz, C. Lattrich,
O. Ortmann Heft 5/2014
Hormontherapie im Klimakterium C. Lattrich, O. Ortmann
Heft 5/2014
Hormonsubstitution nach Ovarialkarzinomen und Borderline-
Tumoren des Ovars G. Sartorius, C. Montavon, M. Vetter,
V. Heinzelmann-Schwarz Heft 4/2014
Hormontherapie bei Patientinnen mit gynäkologischen Mali-
gnomen C. Lattrich, S. Schüler, O. Ortmann Heft 5/2013
Das Ullrich-Turner-Syndrom aus gynäkologischer und geburts-
hilflicher Sicht C. Schulze, K. Heusinger, H. Dörr, F. Fasching-
bauer, M. Beckmann, P. Oppelt Heft 1/2013
Bedeutung der morphologischen Analyse von Eizellen und
Embryonen in der Reproduktionsmedizin F. Hmeidan, A . Jank
Heft 5/2012
Das PCO-Syndrom – aktuelle Aspekte für die Praxis R. Seufert,
R. Gomez, C. Skala, M. Schorsch Heft 5/2011
Amenorrhö und andere Zyklusstörungen – Differenzial-
diagnostik und Therapie M. Ludwig Heft 3/2011
Clomifenstimulation in der Praxis B. Sonntag, C. Dorn
Heft 3/2011
MIRENA® – eine besondere Form der hormonellen
Kontrazeption T. Römer Heft 3/2011
Malignomrisiko unter kombinierten oralen Kontrazeptiva
M. Ludwig Heft 4/2010
Hyperandrogenämie bei adoleszenten Mädchen – Grundlagen
der Diagnostik und Therapie P. Oppelt, C. Schulze, K. Heusinger,
A. Müller, R. Dittrich, M. Beckmann, H. Dörr Heft 4/2010
Endometriose in der Reproduktionsmedizin R. Seufert,
V. Passuello Heft 3/2010
Endokrine Therapie in der Lutealphase und in der Früh-
schwangerschaft A. Brössner, J. Kleinstein Heft 2/2010
Hormonelle orale Kontrazeption M. Ludwig Heft 5/2009
Hypothalamische/hypophysäre Störungen N. Schulte, L. Kiesel
Heft 1/2009
Diagnostik und Therapie bei Sterilität B. Lawrenz,
E. Neunhoeffer Heft 2/2008
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CME-Fortbildung
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Neben dem Schmerz ist unerfüllter Kinder wunsch das zweite wesentliche und für
die Patientin belastende Leitsymptom der Endometriose. Daher ist bei Kinderlosig-
keit, insbesondere ohne Beschwerden, ein e sorgfältige Abklärung sinnvoll. Wenn
Endometriose vorliegt, stehen therapeut isch hauptsächlich operative Optionen
zur Verfügung, um die Konzeptionschancen spontan oder durch assistierte Repro-
duktionstechniken (ART) zu erhöhen.
Endometriose – Leitsymptome:
Schmerz und Sterilität
Die Endometriose ist während der sog. reproduktiven
Phase nach dem Uterus myomatosus die häufigste beni-
gne weibliche Erkrankung. Etwa 10 % aller Frauen in die-
ser Altersgruppe sind betroffen, jährlich erkranken ca.
40 000. Als eine mögliche Erklärung hierfür sieht man
derzeit den Wachstumsstimulus durch ovarielle Hormone
(Östrogenüberschuss und Progesteronresistenz). Leit-
symptome sind:
▪ Unterbauchschmerz und
▪ Beschwerden wie
– Dysmenorrhö,
– Dysurie oder Algurie,
– Dyschezie und
– Dyspareunie.
Der zweite wegweisende Indikator für Endometriose ist
Kinderlosigkeit. Man geht geschätzt davon aus, dass in
25–50 % die Endometriose als Ursache für die Sterilität in-
frage kommt. Wichtig ist, dass manche Frauen sowohl an
Schmerz und Kinderlosigkeit leiden können, bei anderen
Sterilitätspatientinnen aber keinerlei typische Symptome
vorliegen. Daraus folgt, dass in der Betreuung der Rat-
suchenden, idealerweise in einem Endometriose-/Kinder-
wunschzentrum, Anamnese, Diagnostik und weitere The-
rapie sorgfältig geplant werden müssen. Außerdem ist zu
beachten, dass das Ausmaß der Endometriose nicht im-
mer mit der Schwere der Symptome bzw. der Problema-
tik korreliert: So können bereits kleine Herde zu starken
Schmerzen oder Unfruchtbarkeit führen, andererseits fin-
den sich Fälle mit deutlicher Wachstumsausdehnung
ohne jegliche Beschwerden oder Folgen für die Fertilität.
Man geht davon aus, dass sich bis zu 50 % der Patientin-
nen asymptomatisch zeigen können.
Merke
Eine Sterilitätspatientin, bei der (ursächlich) eine
Endometriose vorliegt, kann völlig asymptomatisch
sein – Unterbauchschmerzen und „Dys“-Beschwer-
den (Dyspareunie, Dysmenorrhö usw.) fehlen dann
als anamnestischer Hinweis.
Einteilung der Endometriose
und Klassifikation
Einteilung
Die Endometriose tritt im Wesentlichen in 4 Ausprägun-
gen auf, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Ferti-
lität haben können. Unterteilt werden:
▪ ovarielle Endometriose, sog. Endometriome
▪ oberflächliche bzw. superfizielle peritoneale Endome-
triose
▪ tief infiltrierende Endometriose
▪ Adenomyose (Adenomoysis bzw. Endometriosis geni-
talis interna)
Endometriome
Endometriome imponieren durch ein charakteristisches
sonografisches Erscheinungsbild, sie können auch bilate-
ral auftreten [1]. Sie können eine Indikatorläsion darstel-
len für ebenfalls weitere vorliegende Läsionen, insbeson-
dere tief infiltrierende.
Oberflächliche Endometriose
Peritoneale Herde sind zum Großteil im Becken zu finden.
Ihr makroskopisches Bild mit unterschiedlichen Färbun-
gen ist wahrscheinlich ein Hinweis auf unterschiedliche
Aktivitäts- oder Erkrankungsstadien. Diese können auch
zeitgleich nebeneinander im Becken und/oder Abdomen
vorliegen.
Diagnostik und Therapie der Endometriose
bei Kinderwunsch
Bernhard Krämer
CME-Fortbildung
471Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Rötliche Herde sind gut vaskularisiert und somit angio-
genetisch aktiv.
Die Farbe der dunklen oder schwarzen Herde beruht auf
Hämosiderinablagerungen. Wahrscheinlich sind an die-
sen Stellen bereits entzündliche Reaktionen mit Makro-
phagenmigration abgelaufen, sodass man sie jetzt als in-
aktiv bewertet.
Endometriosenarben entstehen durch fibrotische Um-
bauprozesse nach vorheriger Inflammation, charakteris-
tisch für dieses Stadium ist die weiße Färbung .M a n c h -
mal sieht man auch retrahiertes Peritonealgewebe in der
Umgebung.
Tief infiltrierende Endometriose
Bei bis zu ca. 35 % der Patientinnen tritt eine tief infiltrie-
rende Endometriose mit Rektumbeteiligung auf [2]. Die
Definition der tiefen Infiltration ist nicht ganz klar.
Neben dem histologischen Nachweis von Endometri-
umgewebe in fibrösen oder muskulären Schichten ein-
fach unterhalb des Peritoneums in unbestimmter Tiefe
bewerten manche Autoren eine Invasion von mindestens
5 mm als charakteristisch. Ein anderer Ansatz bezieht sich
anstatt der Invasionstiefe mehr auf die Lokalisation der
Herde im Bereich von Vagina, Parametrien, Darm und
Harntrakt (Ureter und Blase).
Merke
Oft liegen gleichzeitig ovarielle, peritoneale oder
intrauterine Herde vor.
Adenomyose
Intrauterine Herde umfassen das Auftreten von endome-
trialen Drüsen im Myometrium und Stroma des Uterus
und werden als Adenomyosis uteri (Endometriosis geni-
talis interna) bezeichnet. Wahrscheinlich begünstigt ein
lokaler Hyperöstrogenismus das Vorwachsen basaler En-
dometriumszellen. Diese Infiltration kann eher lokal be-
grenzt sein oder aber diffus erfolgen. Manche Autoren
sehen die Adenomyose als eigenständiges Krankheits-
bild, dies ist nicht definitiv geklärt. Für die praktische Be-
treuung der Kinderwunschpatientin ist diese theoretische
Unterscheidung nicht wichtig, von Bedeutung ist aber die
hohe Assoziation von Adenomyose (Uterus) und peri-
tonealer Endometriose sowie die Auffassung, dass Endo-
metriose und/oder Adenomyose als Ursache für die Sub-
fertilität infrage kommen und daher diagnostiziert und
therapiert werden sollen.
Klassifikation
Die Erkrankung präsentiert verschiedene Aspekte mit
teilweise unterschiedlicher Priorität für die Patientin. Ge-
rade für ein optimales Management zwischen Praxis, Kli-
nik (mit evtl. operativem Einsatz) und Kinderwunschthe-
rapie (mit evtl. medikamentösem Regime) ist eine syste-
matische Klassifikation notwendig und wird in den Leit-
linien empfohlen. Dadurch werden die Befunde interpro-
fessionell und interdisziplinär transparent und bilden die
gemeinsame Grundlage für die aktuelle Therapieent-
scheidung und für den Rezidivfall.
Leider gibt es bislang noch kein ideales Klassifikationssys-
tem, das alle Facetten der Erkrankung umfasst, aber im
deutschsprachigen Raum haben sich in der Praxis be-
währt:
▪ der rASRM-Score (American Society of Reproductive
Medicine, revised; Stadien I –IV) und
▪ der ENZIAN-Score.
Die rASRM-Einteilung ist vorzugsweise in der Reproduk-
tionsmedizin gebräuchlich; sie zeigt eine geringe Korrela-
tion mit der Schmerzproblematik und bildet tief infiltrie-
rende Herde, Adenomyose und extragenitale Befunde
nicht ab, es besteht insbesondere bei niedrigeren Stadien
eine hohe Variabilität zwischen den Untersuchern [3].
Der Endometriosis Fertility Index (EFI) besteht seit etwa
10 Jahren. Er beschreibt ein Punktesystem aus anamnes-
tischen und chirurgischen Parametern, mit dem sich die
Prognose einer Kinderwunschtherapie bei Infertilität be-
rechnen lässt. Er wird in Deutschland kaum angewendet.
Die ENZIAN-Klassifikation (benannt nach dem Ort ihrer
Erstbeschreibung) fokussiert demgegenüber auf Krite-
rien der tief infiltrierenden Endometriose. Daraus ergibt
sich für die tägliche Praxis, dass zur Beschreibung des Si-
tus derzeit das rASRM-Stadium und die ENZIAN-Klassifi-
kation verwendet werden sollen. Eine groß angelegte Er-
hebung zur Versorgungsrealität im deutschsprachigen
Raum (BRD, Österreich, Schweiz) hat leider gezeigt, dass
hier einige der eigentlich international als Goldstandard
empfohlenen Maßnahmen nicht konsequent umgesetzt
werden. Dies betrifft sowohl die Fragen zu den Leitsymp-
tomen (s. o.) während der Anamneseerhebung als auch
die Nutzung der Klassifizierungen [4].
PRAXISTIPP
Für das interprofessionelle/interdisziplinäre Endo-
metriosemanagement soll bereits bei der Anamne-
seerhebung und Klassifizierung systematisch vor-
gegangen und immer das rASRM-Stadium und der
ENZIAN Score gleichzeitig angegeben werden. Damit
verbessert sich bereits initial die Versorgungsqualität
im Sinne einer leitlinienorientierten Behandlung.
472 Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
CME-Fortbildung
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Gründe für die Subfertilität
bei Endometriose
Chronische Entzündung – Adhäsionen –
veränderte Anatomie
Der Zusammenhang zwischen Endometriose und Inferti-
lität ist bislang unklar. Im Mittelpunkt steht aber die chro-
nische Entzündung, die durch die Herde unterhalten
wird. Diese führt über eine Kaskade verschiedener in-
flammatorischer Prozesse zur Ausbildung von Fibrinbrü-
cken zwischen den peritonealen Oberflächen im kleinen
Becken (sog. Adhäsionen). Es kommt also zu anato-
mischen Veränderungen im Bereich von Ovar, Tube und
Fimbrientrichter, die mechanisch das Auffangen der Ei-
zelle und deren weiteren Transport Richtung Cavum uteri
negativ beeinflussen können.
Merke
Genau wie für das Ausmaß der eigentlichen Endome-
triose gilt auch für Adhäsionen, dass deren Schwere-
grad nicht notwendigerweise mit der Einschränkung
der Fertilität korreliert.
Nicht selten hat die Endometriosepatientin mit unerfüll-
tem Kinderwunsch bereits (mehrfach) diagnostische
oder therapeutische Voroperationen hinter sich, die
durch eine Traumatisierung des Peritoneums zur Defekt-
heilung mit Adhäsionen führen. Neben den anatomisch-
mechanischen Faktoren existieren noch andere Verän-
derungen, durch die die chronische Entzündung bei En-
dometriose die Fertilität beeinträchtigt:
Schmerz
Es gibt Hinweise, dass endometrioseassoziierte Nerven-
fasern im Peritoneum die Schmerzentstehung beeinflus-
sen, außerdem scheint die Endometriose selbst neuro-
troph zu sein und somit das Einwachsen von Nervenfa-
sern zu befördern [5, 6]. Insgesamt entsteht also auch
hier durch die Interaktion zwischen Endometriose, chro-
nischer Inflammation und neurogenen Komponenten
ein komplexer Sachverhalt, der auf den weiteren Ebenen
des zentralen Nervensystems verarbeitet wird und das
subjektiv unterschiedliche Schmerzerleben bedingt.
Der Zusammenhang zwischen Schmerz und unerfülltem
Kinderwunsch wird dabei unter folgenden Gesichtspunk-
ten relevant:
▪ schmerzbedingt reduzierte Koitusfrequenz oder sogar
komplette Vermeidung von Geschlechtsverkehr
▪ daraus resultierende psychische/psychosomatische
Folgeproblematik
▪ Partnerkonflikte mit ggf. Ausbildung eines Circulus vi-
tiosus
Wenn also operative und medikamentöse Maßnahmen
(s. u.) bei tatsächlichem Nachweis von Endometriose und
Kinderwunsch ausgeschöpft sind, empfiehlt sich eine
frühzeitige schmerztherapeutische und psychotherapeu-
tische Vorstellung. Dadurch lassen sich Regelkreise des
zentralen Nervensystems (Schmerzgedächtnis) beein-
flussen, und die Patientinnen erlernen Strategien, den
Circulus vitiosus zu durchbrechen.
Veränderung des lokalen Milieus am
Beckenperitoneum und gestörte Implantation
Die peritoneale Entzündung in und um die Endometriose-
herde führt zur Anreicherung von Zytokinen und angio-
genen Mediatoren, die wahrscheinlich sowohl Eizellen
als auch Spermien nachteilig beeinflussen. Dabei sind
am Herd lokalisierte direkte Mechanismen denkbar, aber
auch Effekte, die sich über die Peritonealflüssigkeit oder
aber hämatogen/lymphogen läsionsfern manifestieren.
Es ist gesichert, dass für eine erfolgreiche Implantation
eine komplexe hormongesteuerte Interaktion zwischen
endometrialen Oberflächenliganden und anderen spe-
ziellen molekularen Mediatoren notwendig ist. Ob Endo-
metriose tatsächlich Veränderungen an der uterinen
Schleimhaut verursacht, die zu einer Störung der Implan-
tation führen, wird intensiv diskutiert. Die Ergebnisse
sind noch nicht konklusiv. Schon länger werden Faktoren
beschrieben, die bei betroffenen Patientinnen unter-
schiedlich nachweisbar sind bzw. exprimiert werden. Zu-
sätzlich sind eine veränderte Hormonsynthese oder Hor-
monresistenzen in diesem Zusammenhang zu nennen.
Eine operative Therapie konnte die Expressionslevel von
spezifischen Oberflächenproteinen normalisieren [7],
auch wenn dies bislang nicht für alle relevanten Media-
toren gilt und weitere prospektive Untersuchungen aus-
stehen.
Veränderungen der Trophoblastversorgung
Definitive Aussagen liegen hierzu nicht ausreichend be-
legt vor. Speziell bei der Adenomyose ist es denkbar, dass
sie eine veränderte Architektur im Myometrium oder im
Stroma bewirkt und so bereits die Nidation beeinträch-
tigt oder durch Störungen der uterinen Peristaltik für eine
Minderversorgung von trophoblastären Strukturen sorgt.
Verminderte Eizellqualität
Wie oben für das Peritoneum ausgeführt, gibt es Hinwei-
se für eine Veränderung des ovariellen Milieus durch En-
dometriose.
Endometriome wirken auf die ovarielle Reserve durch 2
Hauptmechanismen. Durch den Druck in der Zyste
kommt es zu einer verminderten Zirkulation im Kortex-
bereich und folglich zum Follikelverlust. Wie bei anderen
Endometrioseherden auch, spielt zum zweiten der in-
flammatorische Zustand innerhalb der Zysten eine Rolle
für die Follikelschädigung. Dabei können essenzielle Be-
standteile der Oozyten direkt (Spindelapparat, Mitochon-
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drien) beeinträchtigt sein oder die Umgebung der Eizelle
ist gestört (Granulosazellkompartiment, reaktive Sauer-
stoffspezies, reduzierte P450-Aromatase-Expression) [8,
9]. Ob sich nun durch eine operative Entfernung von En-
dometriomen/Endometriose spontane Schwanger-
schaftsraten oder die Ergebnisse assistierter reprodukti-
ver Techniken (ART) verbessern lassen [10], muss sich
durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und
Reproduktionsbiologie zeigen.
Veränderung der tubaren Motilität
Die Anzahl an systematischen Untersuchungen hierzu ist
gering. Es gibt Belege, dass der direktionale Spermien-
transport bei infertilen Patientinnen mit Beckenendome-
triose signifikant reduziert ist [11]. Vermutlich spielen be-
sonders die Adenomyoseherde hierbei eine wichtige Rol-
le: Durch deren Ausdehnung kommt es vermutlich zu
einer Störung der myometranen Architektur. Es entsteht
zunächst eine reduzierte Peristaltik, die sich in der späten
Follikelphase zu einer Dysperistaltik entwickeln kann [12].
Diagnostik
Grundsätzlich unterscheiden sich die diagnostischen
Schritte bei Endometrioseverdacht und Kinderwunsch
nicht vom Ablauf bei rein symptomatischen Patientin-
nen, bei denen aktuell oder prospektiv die Familienpla-
nung nicht prioritär ist. Trotzdem soll in dieser Phase un-
bedingt das für die Patientin zu diesem Zeitpunkt drän-
gendste und führende Leitsymptom (Schmerz oder eher
unerfüllter Kinderwunsch im Vordergrund?) herausgear-
beitet werden, da es entscheidende Implikationen für
die weitere (operative) Therapie hat. Zu beachten ist,
dass viele Patientinnen beide Leitsymptome als gleich be-
lastend schildern, was natürlich ebenso das weitere Ma-
nagement bestimmt.
Es ist sinnvoll, den Partner frühzeitig in die Diagnosekette
einzubinden. Manchmal verbergen sich hinter Schmerz-
problemen Konflikte im privaten Umfeld, die natürlich
für die Realisierung des Kinderwunsches nachteilig sind.
Dasselbe gilt für organische Befunde des Partners. Wenn
solche frühzeitig bereits bekannt sind oder möglichst
zeitnah abgeklärt werden, lässt sich die weitere Therapie
besser planen.
Die Stiftung Endometrioseforschung (SEF) hat in der Zu-
sammenarbeit mit Experten ein Zertifizierungs- und Qua-
lifizierungskonzept realisiert, welches sowohl für nieder-
gelassene Kollegen und Kolleginnen als auch in der Klinik
die Struktur- und Prozessqualität bei Diagnostik und The-
rapie verbessern soll. Auf diese Weise lässt sich die La-
tenzzeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome
und der bestätigten Endometriose (derzeit Jahre!) redu-
zieren.
Ein Ergebnis dieses Konzeptes sind die spezialisierten En-
dometriosezentren bzw. zertifizierte Praxen und Kliniken,
die durch entsprechende Netzwerke verknüpft sind.
Merke
Gerade der komplexe Fall mit Endometriose und
Kinderwunsch soll von Beginn an in spezialisierten
Endometriosezentren betreut werden.
PRAXISTIPP
Das für die Patientin führende Leitsymptom Schmerz
oder unerfüllter Kinderwunsch soll unbedingt he-
rausgearbeitet werden, da die individuelle Lebens-
situation für eine optionale (operative) Therapie die
entscheidende Weiche stellt. Durchaus können beide
Symptome für die Patientin gleichbedeutend vorlie-
gen! Es empfiehlt sich, frühzeitig den Partner in den
Behandlungsplan einzubinden und das Paar in einem
zertifizierten Endometriosezentrum zu betreuen.
Anamnese
Durch die Verfügbarkeit und den Umgang mit neuen Me-
dien/Internet sind Endometriose- und/oder Kinder-
wunschpatientinnen nicht selten beim ersten Besuch im
Zentrum in unterschiedlichem Maß vorinformiert. Im In-
ternet werden Selbsttests auf Endometriose angeboten,
die wegweisende Symptome abfragen und anschließend
computergeneriert auswerten (z. B. Endo-Test auf der
Website der Europäischen Endometriose Liga; www.en-
dometriose-liga.eu/endo-test). Selbstverständlich liefern
solche Tools zwar erste Hinweise, sie können aber die
strukturierte ärztliche Endometriosediagnostik mit kli-
nischer Untersuchung nicht ersetzen.
FALLBEISPIEL
Eine 31-jährige stellt sich in der Endometriose-
Sprechstunde vor. Seit etwa einem Jahr besteht Kin-
derwunsch. Sie hat deswegen die Pille, mit der sie
vorher über eine lange Zeit problem- und symptom-
los verhütet hatte, auch zeitgleich abgesetzt.
Ansonsten ist sie gesund und nimmt keine Medi-
kamente ein. Die gynäkologische Vorsorge bei der
Frauenärztin erfolgt regelmäßig und ist bislang
ohne Befund.
Außer einer leichten Dysmenorrhö hat sie keine
Beschwerden: keine Dysurie, keine Dyschezie,
keine Dyspareunie. Der Ehemann ist auch gesund,
Verkehr findet regelmäßig 2 –3 ×/Woche statt.
474 Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Merke
An erster Stelle steht bei Endometrioseverdacht eine
sorgfältige gynäkologische Anamnese.
Es ist bekannt, dass sich die Erkrankung auch durch viele
unspezifische Symptome ausdrückt, wie z. B. Rücken-
beschwerden, Kopfschmerz, Abgeschlagenheit, depres-
sive Verstimmungen usw. Daher müssen zur weiteren
Abgrenzung möglicher Differenzialdiagnosen folgende
Beschwerden explizit abgefragt und dokumentiert wer-
den:
▪ Sterilität (primär/sekundär)
▪ Regelanamnese, (bisherige) Kontrazeption?
▪ Sozialanamnese: Partner (gesund?), Beruf, Stressfak-
toren
▪ Unterbauchbeschwerden/Beschwerden beim Sitzen
▪ Dysmenorrhö, ‑urie, ‑chezie, ‑pareunie müssen als
Leitsymptome unbedingt eruiert und dokumentiert
werden!
▪ Voroperationen, Hinweise für rezidivierende Infektio-
nen (PID: pelvic inflammatory disease)
▪ Endometriose/ „Regelschmerz “ in der Familie
(v. a. Mutter, Großmutter) bekannt?
▪ eigene bestehende Vorerkrankungen, Medikamenten-
einnahme
Cave
Etwa 18 % der analysierten Kliniken einer Erhebung
haben die Abfrage der Endometriose-Leitsymptome
als nicht wichtig beurteilt [4]. Daraus ergibt sich ein
erhebliches Verbesserungspotenzial!
Gynäkologische Untersuchung
Praktisch im Alltag nicht immer umsetzbar, aber zu emp-
fehlen ist die Untersuchung während der Menstruation.
Typischerweise nehmen die Symptome zyklusabhängig
zu und schwächen sich dann wieder ab, die heftigsten Be-
schwerden bestehen meistens etwa 1 –3 Tage vor Einset-
zen der Blutung.
Merke
Dauerhafte Schmerzen, also abgekoppelt vom Zy-
klusgeschehen, deuten auf Adhäsionen, „Kissing
ovaries “ oder im Extremfall auf ein „Frozen pelvis “
hin.
Spekulumeinstellung: Bei der Spekulumuntersuchung
zur Inspektion empfiehlt sich für die Praxis anstelle des
sog. „Entenschnabels “ die Verwendung von „geteilten“
Spekula (vgl.
▶ Abb. 1) mit einem vorderen und hinteren
Blatt!
Mit diesen können zum Nachweis tief infiltrierender oder
schon durchgebrochener Herde die Fornix anterior, pos-
terior sowie die Vaginalwände gut eingestellt und „um-
fahren“ werden. Beim Gebrauch anderer Instrumente be-
steht die Gefahr, diese Läsionen größenmäßig unzurei-
chend einzuschätzen oder sogar ganz zu übersehen.
Merke
Idealerweise findet die Untersuchung während der
Menstruation statt.
Bimanuelle vaginale Palpation: Die vaginale Palpation ist
natürlich Grundlage der gynäkologischen Statuserhe-
bung. Allerdings kann diese bei der Untersuchung an der
wachen Patientin in ihrer praktischen Aussagekraft auf-
grund der Schmerzhaftigkeit und Anspan nung bei Endo-
metriose deutlich eingeschränkt und ungenau sein. Das-
selbe gilt für die geforderte rektale Palpation. In diesen
Fällen ist es empfehlenswerter, die Patientinnen zu Be-
ginn einer diagnostischen Laparoskopie (s. u.) sorgfältig
in Narkose kombiniert vaginal und rektal zu untersuchen
– in jedem Fall soll vor einer weiteren (operativen) Thera-
pie ein vollständiger rektovaginaler Status vorliegen. Ne-
ben der Beschreibung von Größe, Lokalisation und Ver-
schieblichkeit eines Tastbefundes ist auch die Angabe
des Abstandes ab ano hilfreich.
PRAXISTIPP
Die Verwendung von geteilten Spekula mit vorderem
und hinterem Blatt ermöglicht eine gute Unter-
suchung/Einsehbarkeit der Fornices vaginae und der
Vaginalwände. Ein rektovaginaler Status soll zur wei-
teren Planung immer vorliegen – dieser kann bei
Schmerzen definitiv i. R. einer Narkoseuntersuchung
erhoben werden.
▶ Abb. 1 Geteilte Spekula (rechts in der Abbildung) erleichtern bei
V. a. Endometriose die Einsehbarkeit der Fornices vaginae und der
Vaginalwände.
475Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Bildgebung
Als Goldstandard und hocheffektive Maßnahme gilt die
Sonografie. Transvaginalsonografisch lassen sich Endo-
metriome, Follikelzahl, Adenomyosis und auch infiltrie-
rende Darm- und Blasenherde detektieren.
Wiederholte Nierenultraschalluntersuchungen sind bei
Endometriosepatientinnen obligat, da infiltrierende Her-
de im Ureterverlauf/Blase konsekutiv zu Harnstau und
(oft symptomloser) Dilatation des Nierenbeckenkelch-
systems bis hin zum Verlust des Organs führen können.
Unter diesem Aspekt hat die Nierensonografie (Aus-
schluss Harnstau) eine hohe praktische und forensische
Relevanz!
Es besteht eine nicht unerhebliche Heterogenität der Be-
fundbeschreibung hinsichtlich Sensitivität und Spezifität.
Merke
Für den Ultraschall empfiehlt sich ein systematisches
Vorgehen unter Verwendung einheitlicher Termini
und Definitionen.
Die International Deep Endometriosis Analysis-(IDEA-)
Gruppe beschreibt ausführlich einen praktikablen Algo-
rithmus; der Ultraschall soll in der Abfolge dynamisch
bei leicht gefüllter Blase ausgeführt werden. Darunter
versteht sich eine sonografische Diagnostik sowohl der
Organe als auch deren Mobilität in „real time “. Der Algo-
rithmus umfasst 4 Schritte. Die Reihenfolge kann dabei
geändert werden, solange die Untersuchung insgesamt
vollständig die verschiedenen Endometrioseformen be-
stätigt oder ausschließt [13]:
1. Evaluation von Uterus und Adnexen (Zeichen für Ade-
nomyose, Endometriome?)
2. Softmarker?: Schmerzen/Empfindlichkeit an be-
stimmten Lokalisationen, Mobilität der Ovarien
3. Untersuchung des Douglas-Raumes unter Real-Time-
Kautelen: „Sliding sign “ vorhanden?
4. Knotenbildungen als Hinweis für tief infiltrierende
Endometriose in vorderem/hinterem Kompartiment
Eine ausführliche Beschreibung der gesamten Kriterien
ist in dieser Übersicht nicht möglich; kurz zusammenge-
fasst sind folgende Zeichen charakteristisch (ergänzt und
modifiziert nach [13]):
▪ Endometriom: meist glatte Begrenzung, echogene
und homogene Struktur; Größenmessung in 3 Ebe-
nen empfohlen; ein atypisches Endometriom impo-
niert irregulär begrenzt mit hyperechogenen Zonen
innerhalb der Zyste, papilläre Strukturen. Die Be-
schreibung der Endometriome sollte anhand der In-
ternational Ovarian Tumor Analysis-(IOTA-)Terminolo-
gie erfolgen.
▪ Adenomyose: meist vergrößerter Uterus mit Asym-
metrie der anterioren/posterioren Wand, gemischte
Echogenität mit hyperechogenen Zonen und sub-
endometrialen Mikrozysten; myometrale Lakunen,
verbreiterte Junktionalzone; „Question mark “-(Frage-
zeichen-)Form des Uterus.
▪ Sliding Sign: leichter Druck auf die Zervix mit der
Transvaginalsonde des Ultraschallgerätes bei antever-
tiertem Uterus: gleitet das Rektum frei über die poste-
riore Zervix und die hintere Vaginalwand?
▪ Hinweise für tief infiltrierende Knoten: Sonde zu-
nächst im Bereich der vorderen Vaginalfornix: Hinwei-
se auf Blasenbeteiligung (Diagnostik gelingt bei leicht
gefüllter Blase besser); Beurteilung der posterioren
Fornix und Septum rectovaginale unter langsamem
Rückzug der Sonde.
Meistens ist in der täglichen Praxis keine weiterführende
Bildgebung mehr notwendig, diese kann aber ergänzend
bei V. a. ausgeprägte Fälle, besonders bei tiefer Infiltra-
tion, weitere Informationen zur Planung liefern:
▪ MRT: geeignet bei Adenomyose, Darm-/Blaseninfiltra-
tion)
▪ Zystoskopie/Urogramm: Blasen-/Ureterendometrio-
se
▪ Koloskopie: Darmbefall?
▪ CT-Thorax: bei Atembeschwerden oder blutigem Aus-
wurf: Zwerchfellbeteiligung oder Lungenbefall
Cave
Eine unauffällige Koloskopie im Bereich der Mukosa
schließt einen Befall oder eine Beteiligung der
äußeren Schichten nie aus!
Bestimmung der ovariellen Reserve
Speziell für die Kinderwunschpatientin eignet sich zur kli-
nischen Abschätzung der ovariellen Reserve noch ergän-
zend die transvaginals onografische Bestimmung der an-
tralen Follikel. Gebräuchlich ist die Anzahl der antralen
Follikel (sog. antral follicle count, AFC) zwischen 2 und
10 mm während der frühen Follikelphase. Diese Messung
kann bei gleichzeitig vorliegendem Endometriom aber
erschwert sein, weil der AFC sichtbedingt unterschätzt
wird. Zusätzlich muss man die individuellen Variationen
innerhalb des Zyklus beachten.
Labordiagnostik
Die allgemeine Labordiagnostik umfasst bei der Kinder-
wunschpatientin mit Endometrioseverdacht immer einen
Schwangerschaftstest (U-Stix, β‑hCG) und sinnvollerwei-
se ein Blutbild mit CRP als Hinweis auf Entzündungen.
Speziell bei Sterilitätspatientinnen helfen Marker der ova-
riellen Reserve (FSH: follikelstimulierendes Hormon;
AMH: Anti-Müller-Hormon) zur Einschätzung des operati-
ven Therapiemanagements bei Endometriomen oder zur
Bewertung des Erfolges von ART. Das Serum-AMH um-
geht die Limitationen einer sonografischen Bestimmung
der ovariellen Reserve (s. o.) und zeigt im Vergleich zu an-
deren Hormonparametern im Serum und gegenüber
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dem FSH geringere interzyklische Variationen. Daten zei-
gen, dass infertile Endometriosepatientinnen unabhän-
gig von einer vorangegangenen Operation am Ovar
schlechtere Marker aufweisen [14].
CA 125 kann bei Endometriose erhöht sein, liefert aber
derzeit keinen zusätzlichen Nutzen für die Diagnostik bei
der Kinderwunschpatientin.
Merke
Als Hinweis für eine eingeschränkte „ovarielle Reser-
ve“ eignen sich bei der Kinderwunschpatientin die
Laborparameter AMH (erniedrigt) und FSH (erhöht)
und sonografisch die Anzahl antraler Follikel. Aktuell
ohne wesentliche Bedeutung ist CA 125.
Laparoskopie
Die Laparoskopie steht am Ende der hier aufgezeigten
Diagnosekette und gilt als Goldstandard zur Bestätigung.
Initial diagnostisch und oft ambulant geplant, soll sie eine
sorgfältige Inspektion des kleinen Beckens und sämt-
licher Endometrioseprädilektionsstellen (z. B. Oberbauch,
Zwerchfellkuppeln; Zökalpol) gewährleisten und unbe-
dingt eine histologische Sicherung der Endometriose her-
beiführen. Die Patientin sollte für diesen Eingriff immer
bereits präoperativ über eine potenzielle einzeitige Ent-
fernung gut zugänglicher Herde au fgeklärt sein.
Bei der Kinderwunschpatientin empfiehlt sich die Kombi-
nation mit einer diagnostischen Hysteroskopie zur Ca-
vumdiagnostik (Myome, Septen, Adenomyose usw.?)
und einer Chromopertubation (Tubenfaktor). Eine tubare
Dysperistaltik oder komplett fehlende Motilität kann mit
der Endometriose assoziiert sein (s. o.). Trotzdem ist ggf.
bei der Chromopertubation die Tube prompt durchgän-
gig (positiv).
Gleiches gilt aber auch umgekehrt: Ein fehlender Blau-
austritt alleine darf nie als sicheres Sterilitätszeichen ge-
wertet werden! Ursächlich können hierfür auch rein tech-
nische Probleme sein: mangelnde Fixation des Adapter-
systems, zu wenig Blaulösung, nicht genügend Druck
usw.
Ausgedehnte Befunde, die bei der ersten Laparoskopie so
nicht antizipiert wurden und die u. U. eine Darm-/Bla-
sen-/Ureterresektion erfordern, lassen sich nach erneuter
Fallbesprechung (insbesondere deren wahrscheinliche
Relevanz für den Kinderwunsch!) mit der Patientin zwei-
zeitig interdisziplinär planen (chirurgisches oder urologi-
sches Stand-by).
Eine Übersicht zu Diagnosemöglichkeiten bei Endome-
trioseverdacht und Kinderwunsch zeigt
▶ Tab. 1.
DIAGNOSESICHERUNG
Ziele der Laparoskopie bei Kinderwunsch
▪ Gleichzeitig Möglichkeit der Narkoseuntersuchung zur Erhebung
des rectovaginalen Status (s. o.)
▪ Kombination mit Hysteroskopie ( ▶ Abb. 2) und Chromopertuba-
tion (▶ Abb. 3) (Cavumanatomie, Tubenfaktor)
▪ Histologische Sicherung der Endometriose
▪ Stadieneinteilung/Klassifikation (rASRM und ENZIAN)
▪ Einzeitiges Vorgehen: Entfernung relevanter Herde, wenn
zugänglich
▪ Zweizeitiges Vorgehen: ggf. (interdisziplinäre) Entfernung tief
infiltrierender Herde mit Organbeteiligung, wenn ein positiver
Effekt auf die Fertilität oder ART erwartet wird.
▶ Tab. 1 Diagnostik bei Endometriose und Kinderwunsch [15].
diagnostische Maßnahme Rationale
Eigen-/Partneranamnese Hinweise für verminderte Koitusfrequenz, ggf. schmerzbedingt
rektovaginale Palpation; Spekulumeinstellung
(möglichst geteilt!)
verminderte Organverschieblichkeit; Schmerzpunkt, Resistenzen,
Raumforderungen, Frozen Pelvis, sichtbare Herde?
Transvaginalsonografie Endometriome, Adenomyosezeichen, indirekte Hinweise für Adhäsionen
(veränderte Organbeziehungen), Hinweise für tief infiltrierende Endometriose
und Organbeteiligung, Follikelanzahl
Nierensonografie obligat zum Ausschluss Nierenstau!
forensisch wichtige Bedeutung!
weiterführende Bildgebung (MRT, CT, Koloskopie,
Zystoskopie)
nicht Routine, ggf. ergänzend bei Hinweis für tief infiltrierende Endometriose/
Organbeteiligung
Laborparameter AMH und FSH ovarielle Reserve
Laparoskopie histologische Diagnosesicherung, Stadium, Therapie
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FALLBEISPIEL
Vaginale Untersuchung
Äußeres Genitale altersentsprechend, keine
Endometriose mit geteiltem Spekulum sichtbar.
Das Septum rectovaginale tastet sich frei.
Vaginalsonografie
Uterus anteflektiert 6,3 × 3,5 cm, Endometrium-
reflex 5 mm.
Adnexe beidseits unauffällig, keine freie
Flüssigkeit im Douglas.
Nierensonografie
Ohne Befund, Nieren beidseits orthotop gelegen,
kein Harnstau beidseits.
Therapievorschlag
Hysteroskopie ( ▶ Abb. 2), Laparoskopie mit
Chromopertubation ( ▶ Abb. 3), ggf. Entfernung
von Endometriose.
▶ Abb. 2 Hysteroskopie. Blick ins Cavum mit Fundus und Tuben-
abgängen beidseits.
▶ Abb. 3 Laparoskopie mit Chromopertubation. Endometriose am linken Lig. sacrout. Austritt von Blaufarbstoff Tube
rechts.
478 Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Therapie der Endometriose
bei Kinderwunsch
Eine gezielte kausale Therapie, welche die Ursache der
Endometriose beseitigt und folglich die Erkrankung heilt,
gibt es bislang nicht. Daher stützt sich das Konzept auf
die folgenden Säulen, die für den Fall des gleichzeitig be-
stehenden Kinderwunsches angepasst werden müssen.
Die Ziele in dieser Situation sind grundsätzlich:
▪ Symptomminderung/Schmerzreduktion: Verbes-
serung der Lebensqualität und der Chance auf damit
einhergehende Spontankonzeption, wenn organisch/
anatomisch möglich
▪ Entfernung der Endometriose: Reduktion der lokalen
Inflammation und Wiederherstellung der Anatomie
für entweder Spontankonzeption oder ART.
Medikamentöse Therapie
Für Endometriosepatientinnen mit Kinderwunsch kommt
eine Hormontherapie mit kombinierten oralen Kontra-
zeptiva (KOK, gleichbedeutend mit der sog. Pille) oder
mit einem der zahlreich verfügbaren Gestagene nicht in-
frage. Die Präparate beeinflussen zwar den Östrogenspie-
gel so, dass sich die Läsionen verkleinern und möglichst
keine neuen Herde entstehen (erwünschte Wirkung); an-
dererseits wirken sie direkt auf den Zyklus (bei Subfertili-
tät ist die sonst angestrebte therapeutische Amenorrhö
durch Einnahme im Langzyklus, also ohne Pause, eine un-
erwünschte Wirkung).
Gestagene haben je nach Dosis und Substanz einen anti-
östrogenen und antigonadotropen Effekt. Sie werden als
Medikament oder in Form eines Intrauterinpessars (IUP)
verabreicht, was sich logischerweise für die Kinder-
wunschpatientin ebenfalls verbietet.
Merke
Der pharmakologisch-endokrine Ansatz, normaler-
weise einer der wesentlichen Pfeiler beim ersten Ver-
dacht auf Endometriose sowie bei gesicherten oder
rezidivierenden Fällen, eignet sich nicht für die Kin-
derwunschpatientin.
Eine Ausnahme bilden Analoga des Gonadotropin-re-
leasing-Hormons (GnRH) im Rahmen von ART/IVF-Pro-
tokollen. Diese Wirkstoffe führen zunächst zu einer
Down-Regulation der Sexualhormone, aus der anschlie-
ßend kontrolliert stimuliert werden kann. Hierauf geht
diese Übersicht nicht ein.
Eine medikamentöse Option zur reinen Schmerztherapie,
also nicht zur Behandlung der Kinderwunschproblematik,
sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) unter Beach-
tung bestehender Risikofaktoren und potenzieller Neben-
wirkungen analog dem WHO-Stufenplan zur Schmerz-
therapie. Typische Wirkstoffe sind Derivate der Salicyl-
säure (Acetylsalicylsäure), der Propionsäure (Ibuprofen)
und der Essigsäure (Diclofenac).
Lifestyle-Anpassungen
Neben Alter und Menstruationsanamnese (v. a. Zyklus-
dauer, Beginn Menarche und Menopause) wird der
Body-Mass-Index (BMI) als möglicher zusätzlicher Faktor
für die Entstehung von Endometriose gesehen. Nicht ge-
sichert, aber im Einzelfall für die Patientin und ihren Kin-
derwunsch vorteilhaft und selbst aktiv umsetzbar, sind in
diesem Zusammenhang Lifestyle-Änderungen. Dazu ge-
hören u. a.:
▪ Wärmeanwendungen
▪ Physiotherapie
▪ Bewegung mit möglichst Ausdauersport
▪ Ernährungsumstellung (ausgewogen mit Vitaminen
und Mineralstoffen)
▪ Körpergewichtsreduktion
▪ Stressreduktion und Entspannungstechniken (Yoga,
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, auto-
genes Training usw.)
Komplementäre oder alternative Therapieversuche wer-
den von den gesetzlichen Krankenkassen oft nicht erstat-
tet, da der sichere Nachweis der Wirksamkeit fehlt.
Die Kinderwunschpatientin soll darüber informiert wer-
den, dass diese Optionen größere und infiltrative Endo-
metrioseherde und damit assoziierte organisch-anato-
misch Probleme (z. B. Adhäsionen, fehlende Tubendurch-
gängigkeit usw.) mit großer Wahrscheinlichkeit nicht be-
seitigen können. Unter dem Verständnis der System-
erkrankung sind diese Maßnahmen aber in Ergänzung
zur ärztlich eingeleiteten medikamentösen und operati-
ven Therapie (s. u.) sinnvoll. Sie unterstützen ein Körper-
gefühl, das auf Konzeption und Schwangerschaft positiv
wirkt, und schaffen häufig ein besseres Vertrauensver-
hältnis in der Interaktion mit dem betroffenen Paar.
PRAXISTIPP
Es ist – insbesondere vor dem Hintergrund auch in-
ternationaler Leitlinien – zu beachten, dass in
Deutschland für die hier vorgestellten Optionen oft
keine spezielle Zulassung für die Endometriose-/
Kinderwunschtherapie vorliegt. Dann handelt es sich
im Gegensatz zur Anwendung im Ausland um einen
sog. Off-Label-Use.
479Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Neuartige Ansätze
Es gibt eine Reihe von medikamentösen Ansätzen, die auf
die pathophysiologischen Zusammenhänge der Endome-
triose einwirken können. Vielfach handelt es sich dabei um
Ergebnisse aus Labor- oder Tierstudien, die entweder noch
nicht beim Menschen eingesetzt wurden oder einer wei-
teren klinischen Prüfung bzw. Zulassung bedürfen. Als Ver-
treter aus dieser Kategorie sind beispielsweise zu nennen:
▪ Angiogenesehemmer, Immunmodulatoren
▪ Dopaminagonisten
▪ selektive Progesteronrezeptor-Modulatoren (SPRM)
▪ Aromatasehemmer
Es ist unklar, wie diese (endokrin wirksamen) Substanzen
mittel- bis langfristig die endometriosebedingte Sterilität
beeinflussen.
Operative Therapie
Es gelten für die Endometriose, unabhängig vom Kinder-
wunsch, folgende OP-Indikationen:
▪ Leidensdruck, starke Symptomatik, die durch konser-
vative/medikamentöse Maßnahmen nicht gebessert
werden
▪ drohende Organdestruktion (hier besonders Verlust
der Niere durch tief infiltrierende Herde im Bereich
des Urogenitaltraktes): absolute OP-Indikation!
Bei bestehendem Kinderwunsch ohne relevante Sympto-
matik kommt es für die OP-Indikationsstellung auf viele
Einflussfaktoren an, die alle mit dem ratsuchenden Paar
berücksichtigt werden müssen: Neben dem Alter der Pa-
tientin sind dafür die Ausdehnung und Lokalisation der
Endometriose, die ovarielle Reserve (s. o.), Vortherapie
(n) und die Definition des OP-Ziels (spontane Konzeption
möglich oder eher ART-Maßnahmen anzustreben?) ent-
scheidend.
In manchen Fällen wird die Patientin vor dem Eingriff
ggf. bereits (mehrere) nichtoperative Kinderwunschthe-
rapie(n) hinter sich haben. Deswegen ist auch die Unter-
scheidung zwischen einem operativen Management in
der Primärsituation oder im Rezidivfall wichtig, weiterhin
die Festlegung des Ausmaßes (also die OP-Radikalität),
um das definierte Ziel zu erreichen.
Merke
Die operative Therapie der Endometriose mit Kinder-
wunsch orientiert sich nie an einem allgemeingülti-
gen Konzept, sondern wird immer für den Einzelfall
entschieden.
Optimalerweise wird die operative Therapie an einem En-
dometriosezentrum durchgeführt, welches die interdis-
ziplinäre Logistik mit Gynäkologie, Chirurgie und Urologie
vorhält. Diese Kette muss in allen Phasen lückenlos ver-
fügbar sein:
▪ präoperativ: z. B. Anlage eines Uretersplints bei Ure-
ter-/Blasenbeteiligung; Nierenfunktionsanalyse;
Darmvorbereitung
▪ intraoperativ: Darmteilresektion; vorübergehende
protektive AP-Anlage Ureterneuimplantation; Blasen-
teilresektion
▪ postoperativ: Überprüfung des OP-Erfolges: Darma-
nastomose, Blase dicht? Komplikationsmanagement
Grundsätzlich soll die Operation …
▪ im Primärfall durchgeführt werden, wenn ein positiver
Effekt auf die Fertilität zu erwarten ist, z. B. auch nach
ART-Versagen.
▪ minimalinvasiv (laparoskopisch) durchgeführt werden;
dies gilt auch für Eingriffe an Darm und Harntrakt (in-
terdisziplinäres, erfahrenes Team), wenn erforderlich
und ein positiver Effekt auf die Fertilität zu erwarten ist.
Ein offen chirurgisches Vorgehen geht mit niedrigeren
Schwangerschaftsraten einher und gilt als absolute
Ausnahme bei Kontraindikationen für eine Laparosko-
pie oder bei minimalinvasiv nicht beherrschbaren Kom-
plikationen. Eine fehlende Laparoskopie-Expertise darf
kein Kriterium für einen Bauchschnitt sein; in diesen
Fällen soll die Patientin spätestens in einem Endome-
triosezentrum vorgestellt werden.
▪ die Endometriose so entfernen, dass die reprodukti-
ven Organe erhalten bleiben und viel vitales Ovarialge-
webe geschont wird; manchmal ist jedoch eine Ovar-
ektomie/Salpingektomie unvermeidlich.
▪ die Endometriose so entfernen, dass der chronisch in-
flammatorische Reiz maximal reduziert wird (s. o.);
nicht immer ist eine Komplettresektion möglich oder
notwendig.
▪ die Anatomie so wiederherstellen, dass im Falle einer
nicht vollständig möglichen Endometrioseresektion
ART-Maßnahmen möglich sind (gute Erreichbarkeit
der Ovarien für die Follikelpunktion, Reduktion von
Adhäsionen.
▪ technisch so durchgeführt werden, dass möglichst die
peritonealen Oberflächen gering traumatisiert wer-
den und somit Adhäsionen minimiert sind.
▪ konkret der Patientin anschließend eine Empfehlung
für die Realisierung des Kinderwunsches geben (Spon-
tankonzeption versuchen vs. ART) und ein Endome-
triosestadium festlegen (rASRM und ENZIAN).
PRAXISTIPP
Da endokrine Behandlungen, auch als Erhaltung
nach OP, die Rate an spontanen Schwangerschaften
nach jetziger Kenntnis nicht steigern, sollte eine
geplante Kinderwunschtherapie nicht unnötig ver-
schleppt werden.
480 Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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▪ eher zurückhaltend indiziert werden, wenn es sich um
symptomarme/-lose Rezidive handelt – insbesondere
bei Endometriomen oder ausgedehnteren Läsionen.
Merke
Auf jeden Fall muss die Patientin darüber aufgeklärt
sein, dass auch eine erfolgreiche operative Endome-
triosesanierung/Adhäsiolyse keine sichere Garantie
für eine folgende Schwangerschaft ist.
Die Literatur zu den Ergebnissen der Spontankonzeption
sowie zu ART-Outcome einschließlich IVF und ICSI alleine
und in Kombination mit operativem Management sind
nicht einheitlich. Das liegt in einem hohen Maß an der he-
terogenen Patientengruppe, der unterschiedlichen
Schwere und Lokalisation der Endometriose (mit oder
ohne begleitende Adeno myose [16]) sowie an unter-
schiedlich bestimmten Endpunkten, wie z. B. der kli-
nischen Schwangerschaftsrate in Abgrenzung zur Le-
bendgeburtenrate.
▶ Tab. 2 zeigt eine Übersicht des zu erwartenden Effektes
der Endometriose-OP auf die Schwangerschaftsrate und
bezieht sich in praktisch modifizierter Form auf die hierzu
publizierten Empfehlungen der ESHRE (European Society
of Human Reproduction and Embryology) [17].
Darüber hinaus spielt zweifellos immer die Erfahrung der
Operateure für eine ggf. komplette Exzision relevanter
Herde im Gegensatz zur lediglich Teilentfernung oder
thermischen Destruktion/Ablation eine ganz wichtige
Rolle. Hier geht es also um die Definition individueller Re-
sektionsgrenzen mit dem Ziel, die Fertilität zu erhalten
oder zu optimieren.
Die verschiedenen minimalinvasiven Methoden und
Techniken (scharfe Exzision, Laser, Plasma, monopolare/
bipolare Elektrochirurgie, ultraschallbasiert und neuer-
dings auch zunehmend roboterassistiert) zur Endome-
trioseresektion in den einzelnen Kompartimenten kön-
nen komplex sein [19] und müssen vor allem bei tief infil-
trierenden Herden interdisziplinär beherrscht werden.
Die Überlegenheit eines bestimmten Verfahrens ist nicht
evidenzbasiert.
Im Folgenden werden die operativen Techniken für die
Endometrioselokalisationen kurz zusammengefasst.
Oberflächliche peritoneale Endometriose
Die peritoneale Endometriose kommt typischerweise im
kleinen Becken und Douglas-Raum vor. Es sind aber auch
Manifestationen im Mittelbauch bis hoch zu den Zwerch-
fellkuppeln möglich. Daher muss immer, auch bei einer
asymptomatischen Patientin, der Oberbauch möglichst
vor Einstellung der Kopftieflage sorgfältig inspiziert wer-
den!
Die komplette Exzision von peritonealen Herden ist sinn-
voll …
▪ zur histologischen Sicherung,
▪ zur Schmerztherapie,
▪ zur Verbesserung der Fertilität (vgl.
▶ Tab. 2).
Durch eine lokale Peritonektomie wird die vollständige
Entfernung der Läsionen am besten erreicht ( ▶ Abb. 4).
▶ Tab. 2 Auswirkung einer operativen Endometriosesanierung auf die Schwangerschaftsrate [17, 18].
operative Endometriosesanierung Effekt auf Schwangerschaftsrate
rASRM I –II kürzere Zeit bis zur Schwangerschaft
höhere Schwangerschaftsrate
Endometriom (primär), komplette Resektion
Endometriomrezidiv
Anmerkung: Es gibt verschiedene OP-Techniken zur Endo-
metriomtherapie, die unterschiedliche Effekte haben können
(s. u. im Text)!
Höhere Schwangerschaftsrate; Effekt auf AFC ist nicht eindeutig.
AMH-Werte im Serum können permanent erniedrigt sein.
Nach OP ggf. weniger Oozyten für ART verfügbar.
Fraglich! Cave: ovarielle Reserve!
rASRM IV
tief infiltrierende Endometriose
bei Rezidiv
tief infiltrierende Endometriose und begleitende(s) Endome-
triom(e)
höhere Schwangerschaftsraten
Kontrovers! Eher ART
Benefit unklar, ggf. Freezing von Oozyten diskutieren
Adenomyose (v. a. fokal) [18] höhere Schwangerschaftsrate
Je älter die Patientin und je ausgedehnter ein mild bis asympto-
matischer Befund …
Je häufiger Voroperationen …
Je niedriger die ovarielle Reserve …
Bei primär männlich bedingter Problematik …
… desto zurückhaltendere OP-Indikation zur Fertilitäts-
verbesserung.
Zeitnah ART als ersten Schritt erwägen.
481Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
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Im linken Unterbauch ist nicht selten eine Adhäsiolyse
zwischen Sigma und Beckenwand erforderlich, um freien
Zugang zum Douglas-Raum zu haben und die Ureteren
beidseitig zu inspizieren. Häufig liegen die Endometriose-
herde peritoneal im Verlauf der Fossa ovarica dem Ureter
auf, dann ist eine Eröffnung der Be ckenwand mit Uretero-
lyse notwendig. Der Einstieg gelingt gut und sicher, wenn
man kranial am Beckeneingang zwischen Promontorium
(medial) und Ureter (lateral) den Zugang in einem Areal
wählt, der frei von Endometriose ist. Dieser grundsätz-
liche Präparationsschritt ermöglicht die bessere Isolie-
rung der Herde.
Eine Modifikation der Technik ist auch bei größerer Aus-
dehnung an den Zwerch fellkuppeln empfehlenswert: Zu-
sätzliche Trokareinstiche (z. B. am Palmer-Punkt) oder
eine kaudokraniale Laparoskopie (die Kamera wird supra-
symphysär eingeführt und man spiegelt nach oben) er-
möglichen Freiheitsgrade zur Deperitonealisierung am
Diaphragma.
Geeignet für die peritoneale Endometriose sind:
▪ die Kombination aus bipolarer Koagulation und schar-
fer Schere
▪ monopolare Techniken (z. B. Nadel oder Haken)
▪ Laser
▪ Plasmaanwendungen (z. B. Argonplasma)
Manche Autoren unterspritzen das Gewebe vor der Exzi-
sion (Kochsalz und Vasokonstriktor), um den Herd zu ele-
vieren und so das tiefer liegende Gewebe zu schonen.
Welche Technik eingesetzt wird, hängt von der Ausbil-
dung/Präferenz des Teams und von der Klinikausstattung
ab. Grundsätzlich muss der Operateur aber die Anatomie
und retroperitoneale Darstellung im Becken kennen, um
Rektum und Ureter (s. o.) so zu distanzieren, dass die Re-
sektion gefahrlos ist.
Eine oberflächliche Destruktion durch alleinige Koagula-
tion/Vaporisation soll nur Ausnahmefällen vorbehalten
sein (z. B. massiver Adhäsionssitus mit multiplen miliaren
Herden, kleine Herde in den Zwerchfellkuppeln oder ver-
einzelt auf der Blase, sofern natürlich keine Hinweise für
Infiltration vorliegen: Einziehungen, Hämaturie usw.).
Die Resektion der peritonealen Herde ist auch unter
einem zusätzlichen Aspekt zu favorisieren: Vor allem im
Bereich der Ligg. sacrouterina können die Grenzen zur
tief infiltrierenden Endometriose Richtung pararektal/
Septum rectovaginale fließend sein. Der makroskopisch
sichtbare Befund entspricht dann nur dem oberflächli-
chen Anteil einer ausgedehnteren Endometriose.
PRAXISTIPP
Bei der Endometriose handelt es sich um eine beni-
gne Erkrankung. Trotzdem kann die endoskopische
Operation durch die Ausdehnung oder Lokalisation
der Befunde schnell komplex werden. Modifikatio-
nen der Technik (Position der Trokare, zusätzliche
Einstiche, Uterusmanipulator usw.) und Grundlagen
für den Zugang zum Retroperitoneum müssen be-
herrscht werden.
Tief infiltrierende Endometriose –
Becken und Septum rectovaginale
Für die Resektion der tief infiltrierenden Endometriose
eignen sich zunächst analog zur Technik bei peritonealen
Befunden (s. o.) grundsätzlich:
▪ die Kombination aus bipolarer Koagulation und schar-
fer Schere
▪ monopolare Techniken (z. B. Nadel oder Haken)
▪ Laser
▪ Plasmaanwendungen (z. B. Argonplasma)
▪ Zusätzlich ist die tief infiltrierende Endometriose eine
Domäne für technisch weiterentwickelte Instrumente:
Durch bipolare Applikation oder mithilfe des Ultra-
schalls gelingt die Exzision mit gleichzeitiger Gewebe-
versiegelung.
Wenn die genannten Prinzipien zur Darstellung der retro-
peritonealen Anatomie mit Isolierung der endometrioti-
schen Raumforderung beherzigt werden, lassen sich die
tiefer infiltrierenden Befunde unter Distanz von Darm
und Ureter sicher entfernen. Bei Durchbruch in die Forni-
ces ist dafür eine Eröffnung der Vagina notwendig, die OP
kann laparoskopisch, vaginal oder kombiniert fortgesetzt
werden.
▶ Abb. 4 Resektion der peritonealen Endometriose im Bereich der
Beckenwand.
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Tief infiltrierende Endometriose – Darm
Die Entfernung der tief infiltrierenden Endometriose (vor
allem laparoskopisch) hat einen positiven Effekt auf die
Schwangerschaftsrate (vgl.
▶ Tab. 2).
Besonders bei Kinderwunschpatientinnen mit milden
Symptomen und fehlender Dyschezie muss aber im Vor-
feld geklärt werden, wie radikal diese Zielsetzung bei
Darmbefall verfolgt wird.
Es gibt 3 bedeutende Verfahrenswege:
▪ Diskoide Resektion: Die Integrität des Darmrohres
bleibt hauptsächlich erhalten, es erfolgt nur eine par-
tielle Resektion der Wand. Anschließend wird der De-
fekt ein- bis zweischichtig vernäht oder gestapelt.
▪ Shaving: Eine festgelegte Definition für das Shaving
gibt es noch nicht. Es besteht aber Einigkeit darüber,
dass es sich um eine oberflächliche Entfernung/De-
struktion von Endometriose ohne Eröffnung des
Darmlumens/Mukosa handelt. Die oben genannten
Techniken kommen dabei zur Anwendung. Wenn
thermische Energie durch Plasma, Laser oder Elektro-
chirurgie eingebracht wird, entscheiden sich manche
Operateure sicherheitshalber für eine großzügige
Übernähung des Areals.
PRAXISTIPP
Wichtig: Shaving kann bedeuten, dass (ggf. be-
wusst!) Endometriose auf der Darmoberfläche zu-
rückgelassen wird. Gerade bei Kinderwunsch und
geringer bis fehlender Darmsymptomatik ist dies
aber eine Option zur Vermeidung erhöhter postope-
rativer Morbidität.
Die Schwangerschaftsraten nach Shaving betragen bis
> 80 %; im Falle einer unvollständigen oberflächlichen
Entfernung ist im weiteren Verlauf mit Rezidiven zu rech-
nen. Diese Überlegungen sollen mit dem Kinderwunsch-
paar immer in Zusammenhang mit der Symptomatik ab-
gewogen werden.
▪ Kolorektale Resektion/Segmentresektion. Die Seg-
mentresektion ist von den 3 vorgestellten Methoden
die Option mit der höchsten Radikalität. Sie wird bei
ausgedehntem Darmbefall indiziert, wenn diskoide
Resektion und Shaving nicht ausreichen und das befal-
lene Segment mit der kompletten Zirkumferenz ent-
fernt werden muss. Hinsichtlich der hohen Schwan-
gerschaftsraten und geringen Rezidive gibt es gute
Daten. Allerdings ist die Morbidität erwartungsgemäß
höher. Die Komplikationen steigen, je tiefer eine Ana-
stomose (gemessen ab ano) angelegt wird. In sehr sel-
tenen Fällen ist deswegen die Anlage eines (protekti-
ven) Stomas zu erwägen, welches nach einigen Wo-
chen wieder rückverlegt werden kann. Gerade für jun-
ge Kinderwunschpatientinnen ist das aber natürlich
eine abschreckende Vorstellung, zumal das Prozedere
zusätzlich Zeit kostet, ehe die Realisierung des Kinder-
wunsches möglich ist. Erneut ist die präoperative Auf-
klärung und sorgfältige Festlegung der Strategie ein
wichtiger Faktor für den interdisziplinären (hier Visze-
ralchirurgie) Therapieerfolg.
Dies gilt auch für das Management von möglichen Kom-
plikationen, hier sind vor allem zu nennen:
▪ Blasen-/Darmentleerungsstörungen durch Affektion
der nervalen Versorgung
▪ Hämatome, Infektionen
▪ Anastomoseninsuffizienz, Fistel
Tief infiltrierende Endometriose –
Harntrakt (Blase, Ureter)
Die tief infiltrierende Endometriose des Harntraktes (Bla-
se, Ureter) kommt bei < 5 % der Endometriosepatientin-
nen vor. Es gelten hinsichtlich der OP-Indikation bei der
Sterilitätspatientin die gleichen Überlegungen wie bei
der tief infiltrierenden Endometriose mit/ohne Darmbe-
teiligung.
Da je nach Ausdehnung grundsätzlich die Gefahr einer
Hydronephrose besteht, wird die Indikation zur operati-
ven Entfernung richtigerweise großzügig gestellt.
Blasenendometriose
Eine Blasenendometriose lässt sich durch eine Vollwand-
resektion (partielle Zystektomie) gut entfernen. Liegen
die Herde in der Nähe der Ureterostien, ist eine Schie-
nung der Harnleiter sinnvoll. Die Blase wird ein- oder
zweischichtig verschlossen, danach erfolgt eine Nieder-
druckableitung mit liegendem Katheter für eine Woche
und dann ein Zystogramm zur Dichtigkeitsprüfung.
Ureterbeteiligung
Hier unterscheidet man:
▪ Shaving: Ähnlich wie beim oberflächlichen Darmbefall
lässt sich auch der Ureter shaven. Dafür eröffnet man
den retroperitonealen Raum (s. o.) und führt dann
eine Ureterolyse durch. Die dem Ureter direkt auflie-
gende Endometriose wird mit kalter Schere exzidiert,
da der Ureter thermisch sehr empfindlich ist. Das um-
liegende Gewebe kann, sofern ebenfalls befallen, mit
den o. g. Techniken behandelt werden.
▪ Ureterteilresektion: Das befallene Segment wird ent-
fernt, anschließend erfolgt die Re-Anastomosierung.
▪ Ureterneuimplantation: bei langstreckigem Befall
und Unmöglichkeit der Re-Anastomisierung sowie Be-
fall am Blaseneintritt.
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PRAXISTIPP
Auch bei der Endometriose des Harntraktes ist ein
interdisziplinäres Regime (hier Urologie) wichtig für
das erfolgreiche intraoperative und postoperative
Management (Splint, Zystogramm, Vorgehen bei
Leakage usw.).
Endometriome
Die ovarielle Reserve wird ganz entscheidend durch die
Hämostasetechnik nach Zystenentfernung bestimmt.
Der (möglichst geringe) Verlust von vitalem Gewebe ist
aber technisch unvermeidbar. Hierüber muss die Kinder-
wunschpatientin aufgeklärt sein.
Wenn immer möglich, soll in der Primärsituation eine
vollständige Entfernung des Zystenbalges das Ziel sein.
Welche Methode (Elektrokoagulation, Plasma, Laser) zur
Blutstillung die besten Schwangerschaftsraten bringt, ist
nicht eindeutig. Variable Applikationsformen und Ener-
gieeinstellungen führen zu unterschiedlichen Effekten.
Cave
Nähte sind nur bei großen Endometriomen zur Re-
duktion möglicher Verwachsungen zu erwägen. Sie
sind selbst adhäsiogen und hemmen die Zirkulation.
Rezidivendometriome werden bei fehlenden bis geringen
Beschwerden gar nicht oder nur sehr zurückhaltend ope-
riert, da in dieser Situation die ovarielle Reserve weiter
abnimmt und somit der Nutzen für die Schwanger-
schaftsrate wahrscheinlich nicht gegeben ist.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
für den Geburtsmodus
Endometriose und unerfüllter Kinderwunsch hängen kau-
sal zusammen. Das gilt auch für Läsionen, die nicht direkt
Uterus und Tuben betreffen.
Durch Anamnese, Untersuchung und Ultraschall ergibt
sich der Verdacht, die klinische und histologische Siche-
rung gelingt laparoskopisch. Bei endometriosebedingter
Sterilität profitiert die Patientin von einer individualisier-
ten Operation.
Eindeutige Aussagen oder Empfehlungen zum Geburts-
modus bei Schwangerschaft nach Endometrioseopera-
tion liegen nicht vor – ein Spontanpartus kann angestrebt
werden, wenn nicht klare Kontraindikationen bestehen.
Nach ausgedehnter Sanierung oder bei Frozen Pelvis/Ad-
häsionssitus muss natürlich individuell abgewogen wer-
den. Es gibt Hinweise, dass nach einer unvollständigen
Sanierung vermehrt mit Schwangerschaftskomplikatio-
nen zu rechnen ist (u. a. Placenta praevia, Frühgeburtlich-
keit, Hypertonie) [20]. Wenn eine fokale intrauterine
Adenomyose reseziert wurde, kann man sich an den
Empfehlungen nach Myomenukleation orientieren: je
nach Ausdehnung und Lokalisation großzügig Sectio!
FALLBEISPIEL
Die Hysteroskopie und die Chromopertubation beid-
seits sind unauffällig. Es findet sich eine peritoneale
Endometriose im Bereich der Beckenwand beidseits,
welche reseziert wird (
▶ Abb. 4). Die Patientin erhält
die Empfehlung, eine spontane Konzeption anzu-
streben.
Acht Monate post-OP kann bei der Patientin eine
intakte intrauterine Frühschwangerschaft diagnosti-
ziert werden.
484 Krämer B Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488 | © 2020. Thieme. All rights reserved.
CME-Fortbildung
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Interessenkonflikt
Erklärung zu finanziellen Interessen
Forschungsförderung erhalten: ja, von einer anderen Institu-
tion (Pharma- oder Medizintechnikfirma usw.); Honorar/geld-
werten Vorteil für Referententätigkeit erhalten: ja, von einer
anderen Institution (Pharma- oder Medizintechnikfirma usw.);
Bezahlter Berater/interner Schulungsreferent/Gehaltsempfän-
ger: ja, von einer anderen Institution (Pharma- oder Medizin-
technikfirma usw.); Patent/Geschäftsanteile/Aktien (Autor/
Partner, Ehepartner, Kinder) an im Bereich der Medizin aktiven
Firma: nein; Patent/Geschäftsanteile/Aktien (Autor/Partner,
Ehepartner, Kinder) an zu Sponsoren dieser Fortbildung bzw.
durch die Fortbildung in ihren Geschäftsinteressen berührten
Firma: nein.
Erklärung zu nichtfinanziellen Interessen
Prof. Dr. B. Krämer hat Honor are und/oder Reisekosten von
folgenden Firmen erhalten: Johnson & Johnson, Medtronic,
Plantec Medical.
Autorinnen/Autoren
Bernhard Krämer
Prof. Dr. med. Jahrgang 1974. Studium der Hu-
manmedizin in Greifswald, Kiel, Sheffield (UK)
und Ulm. 2014 Habilitation und Venia Legendi
für das Fach Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eberhard-Karls-Universität, Tübingen. Seit
2016 Stellvertretender Ärztlicher Direktor
der Universitätsfrauenklinik Tübingen. Leiter des klinisch-
wissenschaftlichen Endometriosezentrums, MIC III (AGE).
Schwerpunkte: Onkologie, Endometriose, minimalinvasive
OP-Techniken.
Wissenschaftlich verantwortlich
gemäß Zertifizierungsbestimmungen
Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungs-
bestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Bernhard
Krämer, Tübingen.
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KERNAUSSAGEN
▪ Bei unerfülltem Kinderwunsch kann eine Endome-
triose die Ursache sein; diese kann auch vorliegen,
wenn die Patientin asymptomatisch ist.
▪ Die weitere Diagnostik stützt sich zunächst auf die
gezielte Anamnese, die gynäkologische Unter-
suchung in Kombination mit Transvaginal- und
Nierenultraschall und eine Laparoskopie. Die
sonografische Befundbeschreibung soll schritt-
weise und anhand terminologischer Kriterien
durchgeführt werden.
▪ Die Laparoskopie sichert die Läsionen histologisch
und ermöglicht eine Stadieneinteilung. Die Sta-
dieneinteilung (rASRM und ENZIAN) ist die Grund-
lage für die weitere interprofessionelle/inter-
disziplinäre Therapie.
▪ D i eL a p a r o s k o p i ee i g n e ts i c hf ü rd i em ö g l i c h s t
komplette Entfernung der Endometriose zur Ver-
besserung der Fertilität, da für Sterilitätspatientin-
nen eine (hormonelle) medikamentöse Therapie
keine Option ist.
▪ Die Therapie folgt keinem allgemeingültigen
Konzept, sondern wird für die jeweilige Kinder-
wunschpatientin individuell festgelegt: Es gilt, dass
nicht jede Endometrioseläsion (benigne Erkran-
kung!) zwingend entfernt werden muss; die
Gesamtkonstellation der Patientin entscheidet!
▪ Die Behandlung sollte in einem Endometriose-
zentrum stattfinden, häufig ist im Anschluss die
direkte Anbindung an eine reproduktionsmedizi-
nische Abteilung sinnvoll.
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Bibliografie
Frauenheilkunde up2date 2020; 14: 471 –488
DOI 10.1055/a-1065-8111
ISSN 1439-3719
© 2020. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG, Rüdigerstraße 14,
70469 Stuttgart, Germany
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Den genauen Einsendeschluss finden Sie unter https://eref.thieme.de/CXE97UY .
Sollten Sie Fragen zur Online-Teilnahme haben, finden Sie unter https://cme.thieme.de/hilfe
eine ausführliche Anleitung. Wir wünschen viel Erfolg beim Beantworten
der Fragen!
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VNR 2760512020158723789
Frage 1
Welche Aussage trifft zu?
A Endometriose ist ein seltenes Krankheitsbild im reprodukti-
ven Lebensabschnitt.
B Die Endometriose zeigt sich immer mit typischen Sympto-
men.
C Kleine Endometrioseläsionen können zur Sterilitätsproblema-
tik führen.
D Die Größe der Endometrioseläsion korreliert sicher mit den
Beschwerden.
E Ca. 90 % der Endometriosepatientinnen sind asymptoma-
tisch.
Frage 2
Was zählt nicht zu den klassischen Lokalisationen der Endome-
triose?
A Lunge
B Peritoneum des kleinen Beckens
C Ovar
D Uterus (Adenomyose)
E Septum rectovaginale
Frage 3
Welche Aussage zur Stadieneinteilung/Klassifikation trifft nicht
zu?
A Sie sollte zu jeder Befunderhebung/-beschreibung ange-
wandt werden.
B Sie wird mittels rASRM und ENZIAN empfohlen.
C Sie ermöglicht eine interprofessionelle Einschätzung der
Endometrioseausdehnung.
D Sie erfolgt analog dem TNM-Stadium.
E Sie wird bislang im deutschsprachigen Raum nicht kon-
sequent umgesetzt.
Frage 4
Welche Aussage zur Chromopertubation trifft zu?
A Sie soll bei jeder Endometriosepatientin durchgeführt wer-
den.
B Sie weist sicher eine uterine Problematik für die Sterilität
nach.
C Sie kann die präoperative Transvaginalsonografie erset zen.
D Ein negativer Befund (fehlender Blauaustritt) ist kein sicheres
Sterilitätszeichen.
E Sie sollte nur einmal erfolgen.
Frage 5
Was ist kein möglicher Grund für die mit Endometriose assoziier-
te Subfertilität?
A das chronisch entzündliche Milieu
B eine veränderte Tubenmotilität
C eine verminderte Eizellqualität
D eine veränderte Versorgung des Trophoblasten
E ein besonders hoch aufgebautes Endometrium
Frage 6
Was gilt für die Diagnostik der Endometriose?
A Die Benutzung „geteilter Spekula “ ist zur Beurteilung der For-
nices sinnvoll.
B Ein MRT sollte immer erfolgen.
C Die Untersuchung findet idealerweise gleich nach der Mens-
truation statt.
D Eine rektovaginale Statuserhebung ist kein Bestandteil.
E Die Nierensonografie wird nur bei V. a. Pyelonephritis durch-
geführt.
▶ Weitere Fragen auf der folgenden Seite …
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Fortsetzung …
Frage 7
Welche Bestimmung gehört nicht zur sinnvollen Ergänzung der
Diagnostik?
AA M H
BF S H
CC E A
DC R P
E AFC (Anzahl antraler Follikel)
Frage 8
Was ist eine sinnvolle medikamentöse Option bei Endometriose
und aktuellem Kinderwunsch?
A Gestagene im Langzyklus
B GnRH-Analoga i. R. eines Protokolls
C Anlage eines IUD
D kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK)
E Lifestyle-Anpassungen
Frage 9
Welche Aussage trifft für die operative Therapie und Kinder-
wunsch nicht zu?
A Der Harnstau ist eine absolute OP-Indikation.
B Es lassen sich meist höhere Schwangerschaftsraten erzielen.
C Die Indikation muss bei Rezidiv(endometriom) kritisch ge-
stellt werden.
D Die Adenomyose soll nicht operiert werden.
E Ein minimalinvasives Vorgehen ist anzustreben.
Frage 10
Was trifft für die tief infiltrierende Endometriose zu?
A Sie muss bei Kinderwunsch auf jeden Fall operiert werden.
B Sie sollte primär mit Laser behandelt werden.
C Das Darmshaving ist eine operative Option im Bereich der
Darmoberfläche.
D Sie betrifft typischerweise nicht Blase und Harnleiter.
E Sie muss interdisziplinär durch eine Laparotomie therapiert
werden.
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