Ultrasonography,transvaginal·Estrogens,exposure·Junctionalzone·
Down-regulation,gondadotropin-releasinghormoneanalogues·Invitro
fertilization
Tritt die Erkrankung bei jungen Frauen auf, handelt es sich um
dieseltene Formder juvenilenzystischenAdenomyose .D i eB e -
troffenen leiden an chronischen Unterbauchschmerzen und einer
therapierefraktären Dysmenorrhö. Eine juvenile zystische Adeno-
myosekannalsnichtkommunizierendes uterinesHornimRahmen
einer Malformation missinterpretiert werden.
7 Merke
DieAdenomyosekannauchbei jungenFrauenauftreten.
RisikofaktorenundPathogenese
Die Pathogenese der Adenomyose ist nicht bekannt. Mögliche
Pathogenesefaktoren sind [3]:
– EndomyometrialeInvasiondesEndometriums
– De-novo-Entstehung aus embryonalen Resten der Müller-
Gänge
– Invagination der Zona basalis des Endometriums entlang
myometrialerlymphatischerGefäße
– AdenomyosedurchStammzellenausdemKnochenmark
Endomyometriale Invasion.Esistunklar,welcheMechanismen
dietiefe myometriale Invasionauslösen.Sie könnteaber miteiner
myometrialenSchwäche,hervorgerufen durchvorangegangene
SchwangerschaftodereinenchirurgischenEingriff,erklärtwerden.
Auch einemodifizierte Immunabwehran der Grenze zwischen
Endometrium und Myometrium könnte eine wichtige Rolle spie-
len. Eskonnten verschiedene von Makrophagen gebildete Zytoki-
nenachgewiesenwerden,welchedie endomyometrialeJunktio-
nalzone verändern. Neben einem lokalenHyperöstrogenismus
spielen weitere Hormone (follikelstimulierendes Hormon, Prolak-
tin,Progesteron)eine wichtige RolleinderEntstehung undvoral-
leminderAusbreitungderAdenomyose.
54 GynäkologischeEndokrinologie1·2021
CME
Tab. 1 RisikofaktorenfürdieEntwicklungeinerAdenomyose
Alter(40.bis50.Lebensjahr)
FrüheMenarche(≤10Lebensjahre)
KurzeMenstruationszyklen(≤24Tage)
ErhöhterBody-Mass-Index
ErhöhteÖstrogenexposition
OraleKontrazeptiva
Tamoxifen
Multiparität OddsRatio:3,1für≥2Geburten
Nichtraucherinnen
ChirurgischeEingriffeam
Uterus
Interruptio,Abortkürettage,Sectio
caesarea
AndereStörungen Myome,Endometriose
De-novo-Entstehung aus embryonalen Resten der Müller-
Gänge.Diezweite Theoriegehtdavonaus,dasseine Adenomyo-
se durchmetaplastischeUmwandlung pluripotenter Zellen aus
RestenderMüller-Gängeentsteht.SowurdenFällevonAdenomyo-
sebeiPatientinnenmitMayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom,
alsoFrauen ohne funktionelles Endometrium, nachgewiesen. Ver-
schiedeneArbeiten konntenzeigen, dassadenomyotischesGewe-
be den hormonellen Schwankungen nicht gleich stark unterliegt
wie eutopes Endometrium, was vermuten lässt, dass diese Zellen
möglicherweisedochnichtvonderZonabasalisstammen.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Risikofaktoren für
dieEntstehung einerAdenomyoseidentifiziert (Tab.
1).Östrogene
und Progesteron scheinen in der Pathophysiologie der Adeno-
myose eine wichtige Rolle zu spielen. Studien deuten darauf hin,
dass Östrogene im adenomyotischen Gewebe gebildet werden.
In-vitro-Studien deuten darauf hin, dass die Aromatase im En-
dometrium von Frauen mit Adenomyose durch die Behandlung
mit gonadotropinfreisetzenden Agonisten (Gonadotropin-Relea-
sing-Hormon[GnRH]-Analoga) normalisiert wird [4].Eine erhöhte
Östrogenexposition ist demnach auch einer der Hauptrisikofak-
toren für die Entwicklung einer Adenomyose [5].
Der EinflussoralerKontrazeptiva wird kontrovers diskutiert.
Einerseits konnte epidemiologisch nachgewiesen werden, dass
FrauenmitAdenomyosehäufigeroraleKontrazeptivaeinnehmen,
andererseits erhielten diese Frauen möglicherweise orale Kontra-
zeptiva zur Therapie von Dysmenorrhö und Zwischenblutungen,
die typische Symptome einer Adenomyose sein können. Es kann
alsonichtvoneinemKausalzusammenhangausgegangenwerden.
Intrauterine Eingriffe, vor allem am schwangeren Uterus
(Schwangerschaftsabbruch, Abort), stellen ebenfalls einen Ri-
sikofaktor für die Entwicklung einer Adenomyose dar. Nach
einem Kaiserschnitt entwickeln fast doppelt so viele Frauen eine
Adenomyose wie nach einer Spontangeburt. Patientinnen mit
Adenomyose haben oft weitereBegleiterkrankungen wie Myo-
me oder Endometriose. Im Vergleich zu Frauen mit Myomen sind
Frauen mit Adenomyose häufig jünger, leiden häufiger an de-
pressiver Verstimmung, Dysmenorrhö, Dyspareunie, chronischen
Unterbauchschmerzen und Infertilität und weisen anamnestisch
häufigervorausgegangenechirurgischeuterineEingriffeauf(Tab.
1
und2;[ 6]).
Tab. 2 SymptomeundZeicheneinerAdenomyose
Betroffen(%)
Symptome
ChronischeUnterbauchschmerzen 77
Hypermenorrhö 40–50
Dysmenorrhö 15–30
Asymptomatisch 30
Dyspareunie 7
Zeichen
DiffusvergrößerterUterus 30
SchmerzhafterUterusbeiPalpation 25
Infertilität 11–12
Begleiterkrankungen
Myome 50
Endometriose 11
Endometriumpolypen 7
AuffälligeVaskularisationbeiHysteroskopie 10
7 Merke
DieÄtiologiederAdenomyoseistnochnichtabschließendgeklärt.Dis-
kutiert wird die Invagination von Endometrium ins Myometrium oder
eineDe-novo-BildungausembryonalenRestenderMüller-Gänge.
KlinischesBild
Die klinischen Zeichen einer Adenomyose sind vielfältig und in
Tab.2 zusammengefasst. Die Beschwerden beginnen meist zwi-
schen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebensjahr. Obwohl die
Adenomyose zu den häufigen Erkrankungen in der gynäkologi-
schenPraxiszählt,wirdsieofterstspätdiagnostiziert.VieleFrauen
habennur unklareBeschwerdenundverlangennichtimmernach
einer Abklärung. Oder sie schieben ihre Dysmenorrhö allein auf
die Menstruation. Daher ist mit einer späten Diagnostik und einer
hohenDunkelzifferzu rechnen.
Die prädominanten Symptome sind Hyper- und Dysmenorrhö,
diebeietwa60%bzw.25%derFrauenauftreten.Ebenfallskönnen
chronischeSchmerzenimBeckenbereich auftreten.Die Blutungs-
störungenhängenmöglicherweisemitdererweitertenOberfläche
des Endometriums in der vergrößerten Gebärmutter zusammen.
SchmerzensindmöglicherweiseaufBlutungenundSchwellungen
innerhalb desMyometriumszurückzuführen. EsgibtauchHinwei-
se, dass der menstruelle Blutverlust mit der Überexpression von
Entzündungsmediatoren in adenomyotischen Gewebeproben
korreliert.
Die vermehrte Vaskularisation des Endometriums, auch inner-
halb des Myometriums, führt zuunkoordinierten Uteruskon-
traktionen,die sich auchaufeine mögliche Implantation negativ
auswirkenkönnen.DieerhöhteKontraktilitätstörtmöglicherweise
denProzessderDezidualisierungundderPlazentationundkönnte
so zu einer plazentaren Insuffizienz führen [7].
EineInfertilitätkommtbei11–12%derPatientinnen mitAde-
nomyose vor. Andere uterine Störungen wie Myome (50%) oder
endometriale Polypen (7%) kommen häufig gleichzeitig zur Ade-
GynäkologischeEndokrinologie1·2021 55
CME
nomyose vor. Ungefähr ein Drittel der Frauen ist asymptomatisch
[8].
7 Merke
Läsionen in der Junktionalzone oder innerhalbdes Myometriums füh-
ren zu unkoordinierten Uteruskontraktionen, die mit chronischen Un-
terbauchschmerzenundDysmenorrhöenassoziiertsind.
Diagnostik
In der gynäkologischen Untersuchung fällt oft ein kugeliger dif-
fus vergrößerterUterus auf. Bei alleiniger Adenomyose wird er
seltengrößeralseinUterusentsprechendderzwölftenSchwanger-
schaftswoche[3].EineAdenomyosekannsichauchalsintrauterine
polypoideMasseoderdurcheine noduläreAggregation derum-
gebenden glatten Muskulatur manifestieren.
Bildgebung
Bei den bildgebenden Verfahren gibt es keinen Standard. Der
transvaginaleUltraschall (TVUS; Abb.1)u n dd i eMagnetreso-
nanztomographie (MRT) wurden am meisten untersucht.
Folgende Zeichen sind im 2-dimensionalen TVUS sichtbar
(Abb.2;[ 9]):
– AufgehobeneGrenzen zwischenEndometriumundMyometri-
um
– Heterogenes„unruhiges“EchomusterdesEndometriums
– MyometrialeZysten
– SpaltförmigeHohlräumeimMyometrium
– Echogene Knötchen oder strahlförmige Verdichtungen, die
vomEndometriuminsMyometriumziehen
– unterbrocheneJunktionalzone
Charakteristisch ist auch das Endometrium imFragezeichenver-
lauf („question mark sign“) aufgrund einer Verlagerung des En-
dometriums durch eine einseitige Verdickung des Myometriums
[10].
Abb.2 8FürdieAdenomyosetypischeUltraschallbefunde: aasymmetrischeVerdickung,bZysten,chyperechogeneInseln, dstrahlförmigeVerdichtung,
eechogeneLinienundPunktesubendometrial, fdieLäsionumgebendeHypervaskularisation, gunregelmäßigeJunktionalzone, hunterbrocheneJunktio-
nalzone.(Aus[9].MitfreundlicherGenehmigung,©2015ISUOG,publishedbyJohnWiley&SonsLtd.,alleRechtevorbehalten.DieserInhaltistnichtTeilder
Open-Access-Lizenz)
Abb.1 8AdenomyoseimtransvaginalenUltraschall. Pfeilunterbrochene
Junktionalzone
Die fehlendezirkuläreVaskularisation im Bereich der Läsion
ist ein indirektes Zeichen für eine Adenomyose und steht im
Gegensatz zum intramuralen Myom. Adenomyome werden meist
alsknotigeStrukturenimBereichderUterushinterwandidentifiziert
und können manchmal schwierig von Myomen zu unterscheiden
sein. Mit dem3-D-Ultraschall ist die Junktionalzone und somit
die myometriale Invasion besser identifizierbar. Entsprechend ist
sie vor allem bei der Identifikation beginnender Formen einer
Adenomyose hilfreich.
In der MRT (Abb.3) stellt sich die Adenomyose vor allem als
hypodenseverbreiterteJunktionalzone (>12mm)insbesondere
anderUterushinterwand dar.MisstdieÜbergangszone <8mm,ist
eine Adenomyose sehr unwahrscheinlich, zwischen 8 und 12mm
istdieDiagnoseschwierig[ 11].DasheterotopeEndometriumführt
zu einerHyperplasie des benachbarten Myometriums, was eine
diffuse oder fokale Verdichtung der Übergangszone verursacht.
Diese ist in T2-gewichteten Sequenzen sichtbar. In T1-gewichte-
ten Sequenzen sind häufig kleinere hyperdense Stellen zu sehen,
dieumschriebenenEinblutungen entsprechen. WieTab.3zeigt,
hat die MRT gegenüber dem TVUS den Vorteil der Reproduzier-
56 GynäkologischeEndokrinologie1·2021
CME
Abb.3 8PräoperativemagnetresonanztomographischeAufnahmemit
Adenomyose(Pfeil).(MitfreundlicherGenehmigung,©Dr.K.Nirgiana-
kis,Bern/Schweiz,alleRechtevorbehalten.DieserInhaltistnichtTeilder
Open-Access-Lizenz)
Tab. 3 ZusammenfassungderDatenverschiedenerBeiträgezubild-
gebendenVerfahreninderDiagnostikderAdenomyose
Technik Sensitivität
(%)
Spezifität
(%)
PPW NPW
2-D-TVUS 87 81 78,5 87,3
3-D-TVUS 91 88 85 92
Magnetresonanz-
tomographie
89 89 65 95
NPWnegativerprädiktiverWert, PPWpositiverprädiktiverWert, TVUS
transvaginalerUltraschall
barkeit. Sensitivität und Spezifität sind jedoch bei TVUS und MRT
vergleichbar [12].
7 Merke
DiagnostischsindTVUSundMRThinsichtlichihrerSensitivitätundSpe-
zifitätvergleichbar.
Histopathologie
Bei der Hysterektomie zeigt sich die Adenomyose meist als diffus
vergrößerter Uterus mitglatter Oberfläche. Beim Aufschneiden ist
derUterusschwammigundweistBereichemit fokalenBlutungen
auf. Jeder Anteil des Uterus kann befallen sein, meist ist aber die
Hinterwand betroffen. Leider gibt es bis heute keine international
akzeptierte histologische Definition einer Adenomyose. Üblicher-
weise werden zwei Formen der Adenomyose, die diffuse und die
fokale Adenomyose (Adenomyom) unterschieden.
Bei grober Betrachtung ist die Gebärmutter mitdiffuserAde-
nomyoseimGegensatz zumunregelmäßigen undfesten Erschei-
nungsbildbeiUterusmyomatosusgleichmäßigvergrößert,obwohl
beide Erkrankungen (Myome und Adenomyose) gleichzeitig auf-
treten können. Nach Durchtrennung der Gebärmutter erscheint
dieMyometriumwandverdicktundenthältoftkleinehämorrhagi-
Abb.4 8HysteroskopischeResektioneinesAdenomyoms.(Mitfreundli-
cherGenehmigung,©Dr.K.Nirgianakis,Bern/Schweiz,alleRechtevorbe-
halten.DieserInhaltistnichtTeilderOpen-Access-Lizenz)
sche oder schokoladenfarbene Bereiche, die Inseln endometrialer
Blutungen darstellen. DiefokaleAdenomyose kann bei grober
Betrachtung einem Myom ähneln, jedoch ohne die Pseudokap-
s e l ,d i ee i n ee i n f a c h eE n u k l e a t i o n(Abb.4) von Leiomyomen bei
der Operation ermöglicht. In der Literatur wird eine myometriale
Invasion von Endometriumzellen in der unteren basalen Schicht
des Endometriums mit 1–4mm Abstand genannt. Die verschie-
denen Definitionen der Adenomyose erklären auch, warum die
Prävalenzen stark variieren können.
Die histologische Diagnose kann auch auf Grundlage einer
hysteroskopischen oderlaparoskopischenBiopsieerzielt werden.
Obwohl keine typischen hysteroskopischen Zeichen einer Adeno-
myose existieren, deuten ein unregelmäßiges Endometrium mit
Defektbildung, eine auffällige Vaskularisation sowie zystisch-hä-
morrhagische Läsionen auf die Krankheit hin. Kann eine Adeno-
myose hysteroskopisch nicht mit Sicherheit identifiziert werden,
können dank einer Hysteroskopie wenigstens andere Störungen
ausgeschlossenwerden,zudemlassensichBiopsiengezieltdurch-
führen. Ein etwaiges intrauterines Adenomyom kann direkt thera-
piert werden. Die Sensitivität einer laparoskopischen Biopsie zur
Diagnoseeiner Adenomyoseistgering undliegtbei18–56%[ 13].
Therapie
Die Hysterektomie stellt die klassische Therapie der Adenomyose
dar. Heutzutage haben wir jedoch die Möglichkeit, Patientinnen
sowohloperativwiemedikamentösuteruserhaltendzubehandeln.
OperativeTherapie
In der operativen Behandlung ist grundsätzlich zu unterscheiden,
ob eine diffuse Adenomyose oder einAdenomyom,d a sh e i ß t
GynäkologischeEndokrinologie1·2021 57
CME
einelokalisierteAdenomyosevorliegt.EinAdenomyomkannmeist
problemlosintoto exzidiertwerden, auchwenn dieIdentifikation
der Schichten meist schwieriger ist als bei einem Myom. Auch
bei einer diffusen Adenomyose kann einechirurgischeExzision
sinnvoll sein. Verschiedene Arbeiten belegen, dasseine Operation
sowohldieSchmerzproblematikwieauchdieInfertilitätverbessert.
Ineiner Übersichtsarbeit konnten Grimbizis etal.[14]zeigen,dass
sich Dysmenorrhö und Menorrhagien nach einer vollständigen
Exzisionum 82%bzw. 68,8%verbesserten. Außerdem zeigte sich
indieserStudienpopulationeine hoheSchwangerschaftsratevon
68,8%.SogarnacheinerpartiellenExzisionkonnteneineReduktion
derDysmenorrhövon81,8%,eineKontrollederMenorrhagienvon
50,0% und eine Schwangerschaftsrate von 46,9% erzielt werden
[14]. Verschiedene Techniken sind beschrieben, wobei keine den
anderen überlegen zu sein scheint. Angewendet werden unter
anderem die klassische Exzision, eine Exzision mit modifiziertem
Wiederaufbau durch U-Nähte und die Dreilappentechnik.
DieuteruserhaltendeResektion derAdenomyoseisteinThe-
rapieansatz, der bei Frauen mit ausgedehnter Adenomyose, die
aktiv eine Schwangerschaft anstreben, in Betracht gezogen wer-
den kann. Der Nachteil dieses Ansatzes ist, dass die Rate der
Uterusrupturen in einer zukünftigen Schwangerschaft bei 4%
zu liegen scheint, selbst wenn der Eingriff von erfahrenen gy-
näkologischen Operateuren durchgeführt wird [15]. Dieser Wert
übersteigt die Rate der Uterusrupturen nach Myomektomie oder
Kaiserschnitt. Es wurde auch über andere Schwangerschaftskom-
plikationen, wiePlazentationsstörungen, berichtet. Frauen, die
sich einer Resektion unterziehen, sollten über die Notwendigkeit
eines Kaiserschnitts am wehenfreien Uterus aufgeklärt werden.
MedikamentöseTherapie
FürdiegezieltemedikamentöseTherapiederAdenomyosekönnen
– Ovulationshemmer(meistimLangzyklus),
– reineGestagene (z.B.Desogestrel,Dienogest),
– einelevonorgestrelhaltigeSpiraleoder
– GnRH-Analoga
eingesetzt werden. Der Einsatz von GnRH-Analoga bei dieser In-
dikation ist über die vergangenen Jahre mit der Verfügbarkeit
besser verträglicher Alternativen erheblich zurückgegangen. We-
FSH ± LH oder HMG
Ultralanges GnRH-Agonisten-Protokoll (3 Monate)
HCG-Trigger
Follikelpunktion und evtl.
KryokonservierungMedikamentöse
Behandlung der
Adenomyose
Evtl. Embryotransfer
Progesteron
Abb.5 8MöglichesTherapieprotokollbeiAdenomyose. FSHfollikelstimulierendesHormon, LHluteinisierendesHormon, GnRHGonadotropin-Relea-
sing-Hormon,HCGhumanesChoriongonadotropin, HMGhumanesMenopausengonadotropin
gen der begleitendenOsteoporose sollte die Dauer einer Thera-
pie mit GnRH-Agonisten ohne Add-back-Therapie 3 Monate nicht
überschreiten. Aromatasehemmer, die in der Therapie der En-
dometriose schon angewendet werden, können in der Therapie
der Adenomyose möglicherweise auch hilfreich sein, leider gibt
es bislang noch keine größeren Studien, welche dies bestätigen.
TherapiebeiKinderwunsch
Der Einfluss der Adenomyose auf die Fertilität ist noch nicht
vollständig geklärt. Folgende Mechanismen sind bei Frauen mit
Adenomyose beeinträchtigt: dertubouterineTransport [16],die
Implantation (bedingt durch die veränderte Kontraktilität der
Gebärmutter; [17]) und gegebenenfalls auch dieSpermienmoti-
lität (aufgrund höherer Stickstoffmonoxidkonzentrationen in der
Gebärmutterhöhle; [18]).
Therapeutisch kommt in der Kinderwunschbehandlung eine
Vorbehandlung mitGnRH-Analoga infrage. Dazu gibtesFallstudi-
en,aberauchzweiretrospektiveStudien,diebeieinerAnwendung
vonGnRH-AnalogabeiFrauenmitAdenomyosevoreinem Auftau-
zyklus(Transfereinesdavoreingefrorenen Embryos)eineerhöhte
klinische Schwangerschaftsrate [19] gezeigt haben.
Bis heute ist jedoch die Datenlage unzureichend, um eine Be-
handlungsformbeiAdenomyosebevorzugenzukönnen.Esistaber
denkbar,dassdie3-bis6-monatige Down-Regulation(=ultralang)
durchGnRH-Analoga günstig wirkt. Angesichts der Tatsache, dass
derGnRH-RezeptorinadenomyotischenLäsionenzufindenist,und
GnRH-Analoga direkt antiproliferativ innerhalb des Myometriums
wirken, kommt es zu einer Reduktion der Entzündungsreaktion
und Angiogenese sowie zu einer Induktion der Apoptose im Ge-
webe[20].DamitkönnteauchdieImplantationgünstigbeeinflusst
werden [21]. Eine Langzeitbehandlung mit GnRH-Agonisten oder
ein ultralangesProtokoll kann einen therapeutischen Effekt auf
dieAdenomyose haben und dasErgebnis der In-vitro-Fertilisation
(IVF) verbessern ([22, 23]; Abb.
5).
Auftauzyklen sind nicht nur mit einer höheren Schwanger-
schaftsrateassoziiert,sondernimFalleeines künstlichenEndome-
triumaufbaus auch mit einem erhöhten Risiko derPräeklampsie
währendderSchwangerschaft[ 24]undeineshohenkindlichen Ge-
burtsgewichts[25].DeswegensolltederNutzendesAuftauzyklus
gegen die Risiken abgewogen werden und die Schwangerschaft
58 GynäkologischeEndokrinologie1·2021
CME
bei Adenomyose nach Kinderwunschtherapie sorgfältig kontrol-
liert werden.
7 Merke
EineBehandlungmitGnRH-Analogaführtübereinenantiproliferativen
Effekt imMyometrium zueinerReduktion derAdenomyoseunddamit
wahrscheinlichzueinerVerbesserungderSchwangerschaftschancen.
SchwangerschaftenbeiAdenomyose
Frauen mit Adenomyose haben öfterkomplizierteSchwanger-
schaftsverläufe.UrsächlichdafürkönntedieVerdickungdesMyo-
metriums und der Junktionalzone sein. Diese geht mit einer ver-
mehrten Perfusion des Endometriums einher, was wiederum die
physiologisch notwendige Hochregulation von Homeobox A10
(HOXA10) behindern und damit dieRezeptivität des Endometri-
ums beeinträchtigen kann [26].
EineMetaanalyse zudenSchwangerschaftskomplikationen bei
Frauen mit Adenomyose steht kurz vor Publikation [22]. Sie zeigt
eine signifikant niedrigere klinische Schwangerschaftsrate (Odds
Ratio [OR] 0,69; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,51–0,94) und eine
signifikant höhere Fehlgeburtenrate (OR 2,17; 95%-KI 1,25–3,79)
bei Schwangerschaften von Frauen mit Adenomyose. Insgesamt
zeigt sich ein erhöhtes Risiko von Frühgeburten (OR 2,65; 95%-
KI 2,07–3,39), Präeklampsie (OR 4,32; 95%-KI 1,68–11,09), Kai-
serschnitt (OR 2,48; 95%-KI 1,44–4,26), fetaler Malpräsentation
(OR2,84;95%-KI1,60–5,81),Small-for-gestational-age-Kindern(OR
2,86, 95%-KI 1,68–4,88) und postpartaler Hämorrhagie (OR 2,90;
95%-KI 1,39–6,05), was nach Anpassung an Alter und Konzepti-
onsmodus bestätigt wurde.
Es ist bekannt, dass die Präeklampsie und die vermehrte post-
partaleHämorrhagiemitderFunktionderPlazentaundder Plazen-
tation assoziiert sind. Gerade die Plazentation scheint bei Frauen
mitAdenomyoseeinesehrvulnerablePhasezusein.Ausdenrepro-
duktionsmedizinischen Studien ist bekannt, dass die ultralangen
AgonistenprotokollemiteinerverbessertenSchwangerschaftsrate
assoziiert sind. Es bleibt offen, ob mit einerpräkonzeptionellen
GnRH-Agonisten-Gabeauch diePlazentation verbessert und die
Schwangerschaftskomplikationen reduziert werden könnten.
Für die Schwangerschaftsbetreuung von Frauen mit Adeno-
myose empfehlen wir aufgrund des 4-fach erhöhten Risikos einer
Präeklampsie(gezeigtinIVF-Schwangerschaften),amEndedesers-
ten Trimenons die Durchführung einesPräeklampsiescreenings
zu erwägen. Darüber hinaus sind sicher regelmäßigesonogra-
phischeKontrollen zurBeurteilungderplazentarenFunktionund
des Wachstumsverlaufs des Kindes angezeigt.
FazitfürdiePraxis
5 DieAdenomyoseisteinewichtigeDiagnoseindergynäkologischen
Praxis.DiePrävalenzliegtbei25–30%derFrauen.
5 Die Adenomyose hat einen negativen Effekt auf die Fertilität und
führtzueinererhöhtenAbortrate.
5 Schwangerschaften bei Frauen mit Adenomyose sind mit höheren
geburtshilflichen Risiken assoziiert (Präeklampsie, Frühgeburtlich-
keit,KaiserschnittrateundBlutverlust beiGeburt).
5 Im gynäkologischen Ultraschall können die typischen Befunde bei
Adenomyosegut erkanntwerden.Diesführtzueinerfrüheren Dia-
gnosederAdenomyose.
5 EineganzheitlicheTherapiebeiAdenomyosesolltenebenAnalgeti-
kaaucheineendokrineTherapiebeinhalten.AbhängigvondenBe-
schwerdenundderLebensphaseisteinevorsichtigeoperativeThe-
rapiesinnvollundnotwendig.
Korrespondenzadresse
Dr.med.AlexandraS.KohlSchwartz
Frauenklinik,AbteilungfürReproduktionsmedizinundgynäkologische
Endokrinologie,LuzernerKantonsspital
Spitalstrasse,6004Luzern,Schweiz
[email protected]
Funding. OpenaccessfundingprovidedbyUniversityofBern
EinhaltungethischerRichtlinien
Interessenkonflikt. GemäßdenRichtliniendesSpringerMedizinVerlagswerden
AutorenundWissenschaftlicheLeitungimRahmenderManuskripterstellungund
Manuskriptfreigabeaufgefordert,einevo llständigeErklärungzuihrenfinanziellen
undnichtfinanziellenInteressenabzugeben.
Autoren. A.S. Kohl Schwartz:A.FinanzielleInteressen:A.S.KohlSchwartzgibt
an,dasskeinfinanziellerInteressenkonfliktbesteht.–B.NichtfinanzielleInteres-
sen:Oberärztin,UniversitätsspitalBern,Inselspital,KlinikfürGynäkologieundGe-
burtshilfe,UniversitätBern,ab01.09.2020leitendeÄrztin,LuzernerKantonsspital,
Frauenklinik,AbteilungfürReproduktions medizin,Luzern|Mitgliedschaften:Ar-
beitsgemeinschaftfürGynäkologischeEn dokrinologieundReproduktionsmedizin
(AGER)derSchweizerischenGesellschaftfürGynäkologieundGeburtshilfe(Vorstand).
M.D.Mueller:A.FinanzielleInteressen:Forschungsförderungnichtpersönlichoder
zurpersönlichenVerfügung:GrantEndoSeekvonInnosuisse(01.04.2020–31.03.2022,
CHF881.607),SchweizerischerNationalfonds(2018,CHF4420),Frauenklinik(2018,
CHF37.856),BernischeKrebsliga(2017,CHF10.000),SchweizerischerNationalfonds
(2014–2017,CHF152.981),SchweizerischerNationalfonds(2012–2015,CHF358.000).
–ReferentenhonoraroderKostenerstattungalspassiverTeilnehmer,bezahlterBera-
ter/internerSchulungsreferent/Gehaltsempfängero.Ä.nichtpersönlichoderzur
persönlichenVerfügung:DiversenationaleundinternationaleKongresse(2019,
CHF16.595;2018,CHF36.270,68).–B.NichtfinanzielleInteressen:Geschäftsfüh-
renderKoklinikdirektorundChefarztGynäkologieundgynäkologischeOnkologie,
UniversitätsklinikfürFrauenheilkunde,Inselspital,Bern|Redaktionsmitgliedder
FachzeitschriftFrauenheilkunde aktuell,regelmäßigerGutachtervonArtikelnder
FachzeitschriftenGynecologicOncology,AmericanJournalofObstetricsandGyne-
cology,FertilityandSterility,HumanReproduction,ObstetricsandGynecology
undweiteren.
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physiologyfornormalimplantationandplacentation.FertilSteril105:844–854
60 GynäkologischeEndokrinologie1·2021
CME-Fragebogen
ZudenKursendieserZeitschrift:ScannenSiedenQR-Code
odergehenSieauf www.springermedizin.de/kurse-gynaekologische-endokrinologie
HerausforderungAdenomyose–operative,
endokrineundreproduktionsmedizinische
Therapieoptionen
?WiehochwirddiePrävalenzderAde-
nomyose bei Frauen insgesamt ge-
schätzt?
◯15–20%
◯20–35%
◯30–35%
◯50%
◯75–80%
?Welches istkeine der ätiologischen
Theorien zur Entstehungder Adeno-
myose?
◯EndomyometrialeInvasiondesEndometri-
ums
◯De-novo-Entstehung aus embryonalen
RestenderMüller-Gänge
◯Invaginationder Zonabasalis desEndo-
metriumsentlangmyometrialerlymphati-
scherGefäße
◯InvaginationdesMyometriumsdurchein
nichtkommunizierendes rudimentäres
Uterushorn
◯Entstehung aus Stammzellen aus dem
Knochenmark
?Welches istkeintypischesSymptom
derAdenomyose?
◯ChronischeUnterbauchschmerzen
◯Hypermenorrhö
◯Dysmenorrhö
◯SchmerzenbeiMiktion
◯Infertilität
?SiebehandelneinePatientinmitdem
klinischenVerdachteinerAdenomyo-
se. Welche diagnostische Untersu-
chung würden Sie prioritär durch-
führen und welche Zeichen sind zu
erwarten?
◯Transvaginale Sonographie, zu erwar-
ten sind ein heterogenes, „unruhiges“
EchomusterdesEndometriumsundeine
aufgehobeneGrenzezumMyometrium
◯Transabdominalsonographie,zuerwarten
isteinhochaufgebautesEndometrium
◯Magnetresonanztomographie,zuerwar-
tensindmyometrialeZysten
◯Magnetresonanztomographie,zuerwar-
tensindspaltförmigeHohlräumeimMyo-
metrium
◯Computertomographie,zuerwartenistein
schmalesEndometrium
?Welches diagnostische Zeichen der
AdenomyoseistimMagnetresonanz-
tomogramm nichtsichtbar?
◯„Kleeblattzeichen“inderT2-gewichteten
Aufnahme: konstriktive Verwachsungen
vonmindestensdreiverschiedenenOrga-
nen
◯HeterotopesEndometriummitHyperpla-
siedesbenachbartenMyometriums
◯FokaleVerdichtungderÜbergangszonein
T2-gewichteterSequenz
◯KleinerehyperdenseStelleninT1-gewich-
tetenSequenzen
◯DiffuseVerdichtungderÜbergangszonein
derT2-gewichtetenSequenz
?SieführenbeieinerPatientinmitdem
klinischenVerdachteinerAdenomyose
eineHysteroskopiedurch.Siekonnten
anderePathologien,wiePolypenoder
Myome,ausschließen.WelcheVorteile
erwartenSiesichvondieserUntersu-
chungzur ErhärtungIhresVerdachts
aufAdenomyosesonstnoch?
◯Ausschluss indirekter Zeichen, wie z.B.
unregelmäßigesEndometrium,auffällige
Vaskularisation
◯MöglichkeitderunspezifischenEndome-
triumbiopsie
◯AusschlussdirekterZeichen,wiez.B.zys-
tisch-hämorrhagischerLäsionen
◯MöglichkeitdergezieltenBiopsie
◯AusschlusseinesschmalenEndometriums
?Welches geburtshilfliche Risiko ist
nach Resektion der Adenomyose so
erhöht,dassdie Patientinunbedingt
präoperativ darüber aufgeklärtwer-
denmuss?
◯Uterusruptur in nachfolgenderSchwan-
gerschaft
◯Frühgeburtlichkeit
◯Präeklampsie
◯NotwendigkeiteinesKaiserschnitts
◯ErhöhterBlutverlustnachGeburt
?Wie viel höher ist die Abortrate bei
Frauen mit Adenomyose verglichen
mitFrauen ohneAdenomyose?
◯Fastverdoppelt
◯Etwasmehralsverdoppelt
InformationenzurzertifiziertenFortbildung
DieseFortbildungwurdevonder
ÄrztekammerNordrheinfürdas
„FortbildungszertifikatderÄrztekammer“
gemäß§5ihrerFortbildungsordnungmit
3Punkten (KategorieD)anerkanntundist
damitauchfürandereÄrztekammern
anerkennungsfähig.
AnerkennunginÖsterreich: Für das
Diplom-Fortbildungs-Programm(DFP)
werdendievondeutschen
Landesärztekammernanerkannten
Fortbildungspunkteaufgrundder
GleichwertigkeitimgleichenUmfangals
DFP-Punkteanerkannt(§14,Abschnitt1,
VerordnungüberärztlicheFortbildung,
ÖsterreichischeÄrztekammer(ÖÄK)2013).
HinweisezurTeilnahme:
– Die Teilnahme an dem zertifi-
ziertenKurs ist nur online auf
www.springermedizin.de/cmemöglich.
– Der Teilnahmezeitraumbeträgt
12Monate. DenTeilnahmeschluss
findenSieonlinebeimKurs.
– DieFragenundihrezugehörigen
Antwortmöglichkeitenwerden
onlinein zufälligerReihenfolge
zusammengestellt.
–P r o F r a g e i s t j e w e i l s n u re i n e A n t w o r t
zutreffend.
– FüreineerfolgreicheTeilnahmemüssen
70%derFragenrichtigbeantwortet
werden.
– TeilnehmenkönnenAbonnentendieser
Fachzeitschriftunde.Med-Abonnenten.
Onlineteilnehmen unterwww.springermedizin.de/cme GynäkologischeEndokrinologie1·2021 61
CME-Fragebogen
◯Ca.vierfacherhöht
◯Ca.zehnfacherhöht
◯Ca.zwanzigfacherhöht
?Welches reproduktionsmedizinische
Behandlungsprotokolleignetsichfür
FrauenmitAdenomyosewahrschein-
lichambesten?
◯KurzesAgonistenprotokoll
◯KurzesAntagonistenprotokoll
◯LangesAgonistenprotokoll
◯UltralangesAgonistenprotokoll
◯NatürlicherZyklus
CME-Punkte sammeln mit
Gynäkologische Endokrinologie
Als Abonnent vonGynäkologischeEndokrinologie stehen
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(Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr)
?SiebetreuendieSchwangerschaftei-
nerFraumitAdenomyose.Beiwelchen
KomplikationenerwartenSieeinmin-
destensdreifacherhöhtesRisiko?
◯Präeklampsie
◯Frühgeburt
◯ErhöhterBlutverlustnachderGeburt
◯FetaleMalpräsentation
◯FetaleWachstumsretardierung
62 GynäkologischeEndokrinologie1·2021 Onlineteilnehmen unterwww.springermedizin.de/cme