Menopause
J.Gynäkol.Endokrinol.CH2025·28:14–20
https://doi.org/10.1007/s41975-025-00381-2
Angenommen:30.Januar2025
Onlinepubliziert:17.März2025
©TheAuthor(s)2025
Hormonersatztherapienach
Endometriose
KatharinaMüller1 ·ThomasRömer 2
1 UniklinikRWTHAachen,Aachen,Deutschland
2 EvangelischesKlinikumKölnWeyertalGmbH,Köln,Deutschland
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Zusammenfassung
Endometriose bildet sich nach der Menopause (postmenopausal) in der Regel
zurück,jedochzeigen sichbei2–5%derpostmenopausalenFrauenpersistierende
Beschwerden oder Rezidive nach Hormonersatztherapie (HRT).Für diesen Artikel
wurden eine Umfrage unter Gynäkologen zum Wissensstand über HRT und
Endometriosesowieeine Literaturrecherche zudiesem Thema durchgeführt.Unter
denbefragten Gynäkologen zeigte sicheineheruneinheitliches Bild.InderLiteratur
wurdeunterstrichen, dassdieMöglichkeite ines Rezidivsauchpostmenopausalnicht
ausserAchtgelassen werden darf.Die Wahl derrichtigen Hormonersatztherapie ist
dabeivonhöchsterBedeutung.Empfohlenwirdeinekontinuierlich-kombinierte HRT,
bevorzugtmitDienogestalsGestagen, alternativistTiboloneinsetzbar.
Schlüsselwörter
Endometrioserezidiv·Postmenopause·High-risk-Gruppe·Hormonersatztherapie
Einführung
Endometriose ist das Vorkommen endo-
metriumartiger Zellverbände bestehend
ausendometrioidenDrüsenzellverbänden
und/oderStromazellenausserhalbdesCa-
vum uteri. Sie ist eine der häufigsten gy-
näkologischen Erkrankungen. Verlässliche
Daten zur Prävalenz und Inzidenz liegen
nicht vor. Als Erstliniensubstanz in der
hormonellenTherapiewirdinderLeitlinie
der deutsche Gesellschaft für Gynäkolo-
gie und Geburtshilfe zur Diagnostik und
Therapie der Endometriose eine Gesta-
genmonotherapie (bevorzugt Dienogest)
empfohlen. Als Zweitlinientherapie kön-
nenkombiniertoraleKontrazeptiva,lokale
Gestagene und GnRH-Analoga eingesetzt
werden [1].
DieEndometriosebildetsichinderRe-
gelnachderMenopausezurück.Gelegent-
lich bleibt sie aber bestehen und führt zu
persistierenden Beschwerden [2]. Es sind
etwa 2–5% der postmenopausalen Frau-
en betroffen [3]. Es gibt bestimmte Pati-
entengruppenmiterhöhtemRisikofürein
Rezidiv (
.Abb.1;[ 4]). Bezüglich des Ein-
flusses einer Hormonersatztherapie (HRT)
auf eine Endometriose findet man in der
Leitlinie und in der Literatur nur sehr we-
nig.
FragebögenzumWissenstandHRT
undEndometriose
Wir entwickelten einen Fragebogen, der
uns einen Überblick über das Wissen
bezüglich des Themas „Hormonersatz-
therapie nach Endometriose“ unter den
Gynäkologen verschaffen sollte. Dieser
wurde auf verschiedenen Tagungen und
Kongressen an niedergelassene und kli-
nisch tätige Kollegen verteilt. In diesen
Fragebögen wurden zwei fiktive Fälle
beschrieben. Es wurde daraufhin gefragt,
ob die Kollegen in diesen Fällen eine
HRT verschreiben würden und, wenn ja,
welche sie wählen würden (Östrogen
mono, Östrogen/Gestagen sequenziell
oder kombiniert-kontinuierlich, Tibolon).
Des Weiteren wurde gefragt, welches
Gestagen bei einer Kombinationstherapie
bevorzugt würde.
VondenausgegebenenFragebögener-
hieltenwir59zurück.VondenTeilnehmern
w a r e n4 1( 6 9 , 5 % )i ne i n e rP r a x i st ä t i g e
14 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025
Abb. 1 8High-risk-GruppefüreinEndometrioserezidivdurcheineHRT
3
29
4
16
6
0
5
10
15
20
25
30
35
Abb. 2 8ErgebnisderTherapieauswahlimerstenFall
Progesteron
31%
Dydrogesteron
0%
Dienogest
50%
CMA
7%
Desogestrel
8%
MPA
4%
Progesteron
Dydrogesteron
Dienogest
CMA
Desogestrel
MPA
Abb. 3 8ErgebnisderWahlfüreinGestagenimerstenFall
6
14
1
18 18
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
Abb. 4 8ErgebnisderTherapieauswahlimzweitenFall
Ärzte und 13 (22%) in der Klinik tätige
Ärzte. Fünf Ärzte machten keine Aussage
bezüglich ihrer Tätigkeit.
ErsterFall
DerersteFallhandeltvoneiner48-jährigen
Patientin im Zustand nach laparoskopisch
suprazervikaler Hysterektomie (LASH),bei
der intraoperativ per Zufall eine Endome-
trioseentdecktundsaniertwurde.Siestellt
sichnun8Jahrespätermit10Hitzewallun-
gentäglichvor.Esbestehenkeineweiteren
Risikofaktoren für eine HRT.
Resultate
I n s g e s a m ts p r a c h e ns i c hi me r s t e nF a l l
96,6% (n=57) für eine HRT aus; 29 Ärzte
(49,2%) wählten hierfür eine Östrogen-
monotherapie und 16 (27,1%) eine kom-
biniert-kontinuierliche Kombinationsthe-
rapie.Tibolonwählten6(10,2%)undeine
sequenzielle Kombinationstherapie wähl-
ten 4 (6,8%)Teilnehmer (.Abb.2).Inder
Frage nach dem Gestagen gaben mehr
Teilnehmer eine Stimme für ein Gestagen
ab, als überhaupt im Vorfeld eine Kombi-
nationstherapie gewählthatten. 13(22%)
bevorzugtenDienogest,8(13,6%)Proges-
teron,jeweils2(3,4%)CMAundDesoges-
trel und 1 (1,7%) MPA (.Abb.3).
ZweiterFall
Derzweite Fallhandelt voneiner 51-jähri-
gen Patientin im Zustand nach totaler la-
paroskopischer Hysterektomie (TLH) und
Darmteilresektion bei Adenomyosis und
rektovaginalerEndometriose,welchekom-
plett saniert wurde. Aktuelle Vorstellung
bei 15 Hitzewallungen pro Tag. Es beste-
hen keine Risikofaktoren für eine HRT.
Resultate
Im zweiten Fall wählten 53 (89,8%) eine
HRT als Therapie der Wahl, nur 6 (10,2%)
sahenkeineIndikationhierfür.Davonent-
schieden sich jeweils 18Ärzte (30,5%)für
Östrogen/Gestagen kombiniert-kontinu-
ierlich und ebenfalls 18 Ärzte für Tibolon
als bevorzugte HRT. Nur 14 (23,7%)
w ä h l t e nÖ s t r o g e nm o n ou n d1( 1 , 7 % )
eine sequenzielle Kombinationstherapie
(.Abb.4). Auch in diesem Fall war die
Anzahl derer, die sich für ein Gestagen
aussprachen, höher als die Anzahl derer,
die eine Kombinationstherapie wählten.
Mit einer Mehrheit von 18 (30,5%)wurde
auch dieses Mal Dienogest bevorzugt.
Bei 7 (11,9%) fiel die Wahl auf Progeste-
ron, bei 3 (5,1%) auf Dydrogesteron und
einmal (1,7%) war Desogestrel die Wahl
(.Abb.5).
JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025 15
Menopause
Tab. 1 LiteraturreviewzuHRT
Autor Jahr ArtderVeröffentlichung TherapieempfehlungeninderLiteratur
Amer,S.etal.[ 5] 2023 Casereport/nationalsurvey Estrogen+Norethisteron(15mg/d)
BritishMenopauseSociety:EmpfehlungkombinierteHRTbisErreichennatür-
lichesMenopausenalter
Bain,C.[ 6] 2017 Review NachHysterektomie(HE)+makroskopischohneResiduen:niedrigdosierte
Estrogentherapie
KeineHE,Residuen,starkerBefall:Estrogen+GestagenoderTibolon
Fedele,L.etal.[ 7] 1999 Prospektive,randomisierte
Studie
Tibolon2,5mg/dbesseralsÖstrogentransdermal50mg2×/Woche(bei
Gebärmuttererhalt+zyklischesMedroxyprogesteronacetat10mg/d)
Gemmell,L.C.etal.[ 8] 2017 Review KombiniertekontinuierlicheHRTisteinerÖstrogenmonotherapievorzuzie-
hen
Alternative:Tibolon
MacLennan,A.H.[ 9] 2011 Review KeineabsoluteKontraindikationfürHRT
Matorras,R.etal.[ 10] 2002 Prospektive,randomisierte
Studie
Risikofaktorenpostmenopausal:Peritonealbefall>3cmundinkomplette
OP→hierVorsichtmitHRT
Oxholm,D.etal.[ 3] 2007 Review Prämenopausal:NacheinerradikalenOPaufgrundEndometrioseüberwiegt
derNutzeneinerHRTdiemöglichenRisiken
Postmenopausal:genaueAufklärung(RezidivundCa.)undIndikationsstel-
lung+regelm.ambulanteKontrollen!
Palep-Singh,M.etal.[ 11] 2009 Review TibolonodereinekombinierteHRT
Rattanachaiyanont,M.etal.
[12]
2003 RetrospektiveBeobach-
tungsstudie
Rezidiv/KlinikEndometriosenachHE+Adnexektomiebds.nurinderÖstro-
genmonogruppe
Secosan,C.etal.[ 13] 2020 Review Rezidivtherapie:kontinuierliche,kombinierteÖstrogen-/Progesterontherapie
oderTibolon
EDEndometriosepostmenopausal:OP;beiKIProgesteron(p.o./intrauterin)
oderAromatasehemmer+Bisphosphonate
Somboonporn,W.etal.[ 14] 2011 Review Vergleich:LNG-IUPvs.Progesteronp.o.beiEstrogentherapiezurEndometri-
umprotektion
LNG-IUPwirksameralssequenziellesMedroxyprogesteronacetat,vergleich-
barmitanderensystemischenProgesteronen
Tab. 2 VorgehenbeiNeuauftreteneinerEndometriosepostmenopausal
Autor Jahr ArtderVeröffentlichung TherapieempfehlungeninderLiteratur
Streuli,I.etal.[ 15] 2017 Review Firstline:OP(wg.GefahrdermalignenEntartung)
Post-OPbeipersistierenderKlinik:medikamentöseTherapie
Tan, D.A. et al. [16] 2018 Review Firstline:OP
Zanello,M.etal.[ 17] 2019 Review Firstline:OP
NachOPoderKI:medikamentöskombinierteHRT(Gestagen:Progesteron
oderDienogest),gefolgtvonTibolon
Unterden Gynäkologen, diedieFrage-
bögenbeantworteten,zeigtesicheineher
uneinheitliches Bild. Es gibt für die Praxis
keine klaren Vorgaben bezüglich dieses
Themas und es scheinen noch viele Un-
klarheiten zu bestehen. Daher wurde im
zweitenTeilderPublikationanalysiert,was
dieEmpfehlungeninderLiteraturderletz-
ten Jahre waren.
Literaturrecherche
MethodeundMaterial
Für diesen Artikel wurde eine Literatur-
recherche in PubMed und der Cochrane
Library bis Mai/Juni 2023 durchgeführt.
Suchwörter waren „postmenopausale En-
dometriose“, „Menopause und Endome-
triose“,„EndometrioseundHormonersatz-
therapie“. Nach eingehender Prüfung der
Treffer konnten wir 16 Reviews, 4 „case
reports“, 7 Studien (davon 4 retro- und
3 prospektiv) sowie ein „national survey“
undein „EMAS position paper“ zudiesem
Thema einschliessen (
.Tab.1und2).
Resultate
Diverse „case reports“ zeigen, dass un-
tereinerHRTeinEndometrioserezidiv[ 18,
19] und auch Endometriose als De-novo-
Erkrankung auftreten kann [20].
In der Literaturrecherche zeigte eine
epidemiologische Studie bezüglich des
Auftretens von Endometriose postmeno-
pausal eine Rate von 2,6%. Es bestand
häufig ein Zusammenhang mit einer HRT.
Aber es gab auch Fälle, in denen die Er-
krankung ohne Zusammenhang mit einer
HRT auftrat [21]. In einer prospektiven,
randomisierten Studie von 2002 konnte
ein erhöhtes Endometrioserezidivrisiko
postmenopausal unter HRT festgestellt
werden. Hierbei wurden als weitere Ri-
sikofaktoren ein Peritonealbefall>3cm
undinkompletteVoroperationengenannt
16 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025
HierstehteineAnzeige.
K
Menopause
Progesteron
24%
Dydrogesteron
10%
Dienogest
62%
CMA
0%
Desogestrel
4% MPA
0%
Progesteron
Dydrogesteron
Dienogest
CMA
Desogestrel
MPA
Abb. 5 8ErgebnisderWahlfüreinGestagenimzweitenFall
Abb. 6 8EmpfehlungHRTinPeri-undPostmenopause
[10]. Ein noch vorhandener Uterus wird
in einer anderen Studie als weiterer Ri-
sikofaktor betrachtet. Daher wird in der
Literatur postmenopausal eine Operation
der Endometriose als Therapie der Wahl
empfohlen [13, 15–17, 22].
Eine Observationsstudie aus dem Jahr
2003begleitete123FrauennachHysterek-
tomie und Adnexektomie beidseits unter
verschiedenenHRT(Östrogenmono,zykli-
schesÖstrogenundProgesteron,kontinu-
ierliches kombiniertes E/P) über eine Zeit
von im Durchschnitt 3,5 Jahren. Ein Wie-
derauftretenderEndometriosewurdenur
in der Gruppe der Östrogenmono-Patien-
tinnen festgestellt. Die Schlussfolgerung
war daher, dass das Gestagen während
einer HRT die Patientinnen vor einem Re-
zidiv schützen könnte. Zusätzlich weisen
sie auf ein erhöhtes Mammakarzinomrisi-
ko bei Langzeiteinnahme hin [12].
Fedele et al. betrachteten in ihrer Stu-
die21FrauennachOperationmitOopho-
rektomiebeidseitsmitoderohneHysterek-
tomie, die Endometrioseresiduen aufwie-
sen. Sie verglichen den Effekt von trans-
dermalem Östrogen (ohne Hysterektomie
mit Medroxyprogesteronacetat) versus Ti-
bolon und konnten zeigen, dass Letzteres
ein niedrigeres Risiko für ein Endometrio-
serezidiv hatte [7].
AuchdieverschiedenenReviewsnann-
ten eine Östrogenmonotherapie bei post-
menopausalen Frauen als Ursache für
Endometrioserezidive. Sie rieten zu einer
gründlichen Nutzen-Risiko-Abschätzung
bezüglich einer HRT. Insgesamt wurde
eine insuffiziente Datenlage mit wenigen
gut randomisierten, kontrollierten, pro-
spektiven Studien kritisiert [23].Es wurde
unterstrichen, dass eine Abhängigkeit
besteht zwischen OP-Residuen und der
Höhe des Endometrioserezidivrisikos. Um
ein Rezidiv zu vermeiden, sollte dann
eine kombinierte kontinuierliche HRT mit
Dienogest als Gestagen, alternativ Tibo-
lon eingesetzt werden [11, 13, 17, 24].
Nach Hysterektomie ohne Endometrio-
seresiduen sollte eine niedrig dosierte
Östrogentherapie gewählt werden [ 6].
Auch im „EMAS position statement“ wird
bei Frauen mit vorzeitiger Menopause
und Frauen mit starken klimakterischen
Beschwerden und Risiko für kardiovasku-
läre Erkrankungen, Osteoporose, Demenz
eine kontinuierlich kombinierte HRT oder
Tibolon vorgezogen. Dabei wird das Ver-
halten von Endometriose verglichen mit
dem Verhalten des Endometriums. Von
pflanzlichen Präparaten wird abgeraten,
da einige östrogene Verbindungen ent-
halten. Zudem wird das Absetzen der
HRT nach Auftreten neuer Endometriose-
symptome empfohlen [25]. Auch Gemell
et al. weisen auf eine kleinere Rezidivra-
te unter kontinuierlich-kombinierter HRT
hin, äussern aber auch Bedenken hin-
sichtlich der Risiken bezüglich maligner
Erkrankungen und erwarten daher ei-
ne individuelle Therapieentscheidung im
Konsensmitderbetroffenen Patientin [8].
Daher wird empfohlen, postmenopausal
eine genaue Aufklärung über ein erhöh-
tesKarzinomrisikodurchzuführenunddie
Indikationsstellung in regelmässigen am-
bulanten Vorstellungen zu kontrollieren
[3]. Bei Neuauftreten von Beckenläsionen
im Zustand nach Endometriose unter
langjähriger HRT, vor allem einer Östro-
genmonotherapie, soll immer an eine
maligne Transformation gedacht werden
[26]. In einem „case report“ wird dabei
ein Nachuntersuchungsintervall bei re-
sidueller Endometriose unter HRT mit
transvaginalem Ultraschall sowie Abnah-
me von CA-125 alle 6 bis 12 Monate
vorgeschlagen [26, 27]. Aus unserer Sicht
ist CA-125 jedoch kein Verlaufsmarker
(Ausnahme suspekte Ovarialendometrio-
se).
Eine retrospektive Studie aus dem
Jahr 2023 untersuchte die Inzidenz für
Ovarialkarzinome. Hierfür wurden jeweils
10.304FrauenmitundohneHRTbeobach-
tet. Als Kovariablen wurde die Dauer der
Anwendung einer kombiniert-kontinuier-
lichen HRT sowie von Tibolon betrachtet.
Hier konnte keine Risikoerhöhung festge-
stellt werden. Lediglich der Einsatz von
Östrogen mono zeigte sich als signifi-
kanter Risikofaktor [28]. Bezüglich einer
Rezidivquote nach iatrogener Menopau-
se, hervorgerufen durch Hysterektomie
und Adnexektomie beidseits, konnte kein
signifikanter Unterschied zwischen einem
Start der HRT direkt nach Op. oder nach
6 Wochen festgestellt werden [29].
PraktischeRelevanzfürdiePraxis
Die Diagnose Endometriose sollte auch
beipostmenopausalenFrauennichtausser
Achtgelassenwerden.VorallembeiFrauen
mit klimakterischen Beschwerden ist vor
Start einer HRT eine gewissenhafte Ana-
mneseundNutzen-Risiko-Abwägung vor-
zunehmen, da eine unausgewogene HRT
zu einem Rezidiv oder selten sogar Erst-
auftreteneinerEndometrioseführenkann.
BeiOperabilitätisteineSanierungalsErst-
linientherapie zuempfehlen.DieWahlder
richtigen Präparate für eine HRT ist ent-
scheidend. Die Empfehlung geht hierbei
zu einer kontinuierlich-kombinierten HRT
bevorzugtmitDienogestalsGestagen,be-
sondersbeiHochrisikopatienten.AlsAlter-
18 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025
nativeistTiboloneinsetzbar( .Abb.6;[4]).
AuchwenninderaktuellenESHRE-Leitlinie
generell eine kombinierte HRTempfohlen
ist, ist aus klinischer Sicht in bestimmten
Situationen (länger zurückliegende Endo-
metriose und Hysterektomie) eine Östro-
genmonotherapie aufgrund der bekann-
ten Vorteile individuell vertretbar. Dabei
ist in regelmässigen Abständen eine Re-
evaluation der Indikation vorzunehmen.
Insgesamt ist die Datenlage jedoch sehr
gering und es fehlen prospektive, rando-
misierte Kontrollstudien.
Korrespondenzadresse
Katharina Müller
UniklinikRWTHAachen
Aachen,Deutschland
[email protected]
Funding. OpenAccessfundingenabledandorgani-
zedbyProjektDEAL.
EinhaltungethischerRichtlinien
Interessenkonflikt. DieimRahmendesMentoring-
ProgrammsentstandenewissenschaftlicheArbeitvon
K.MüllerwirdunterstütztdurchBesinsHealthcare
GermanyGmbH.T.Römergibtan,dasskeinInteres-
senkonfliktbesteht.
FürdiesenBeitragwurdenvondenAutor/-innen
keineStudienanMenschenoderTierendurchgeführt.
FürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort
angegebenenethischenRichtlinien.
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creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.
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TherapiederEndometriose. https://register.awmf.
org/de/leitlinien/detail/015-045
Résumé
Traitementhormonalsubstitutifaprèsuneendométriose
L’endométrioserégressegénéralementaprèslaménopause,mais2à5%desfemmes
ménopauséessouffrentdesymptômespersistantsouderécidivesaprèsuntraitement
hormonalsubstitutif (THS).Unsondage sur l’étatdes connaissances concernant le
THS et l’endométriose a été réalisé auprès de gynécologues et une recherche de
littérature aété effectuée surcethème. L’ensemble desréponses obtenues chezles
gynécologues questionnés était relativement hétérogène et varié. La littérature a
montréenparticulierquelapossibilitéd’unerécidivenedoitpasêtreignorée,même
aprèslaménopause.Lechoixdubontraitement hormonalsubstitutifjouelàunrôle
essentiel. Un THS combiné continu, de préférence avec le diénogest en tant que
progestatif,estconseillé.Letiboloneestuneautreoptionenvisageable.
Mots clés
Récidived’endométriose · Postménopause· Groupe à risque élevé· Traitementhormonal
substitutif
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Hinweis des Verlags. DerVerlagbleibtinHinblick
aufgeografischeZuordnungenundGebietsbezeich-
nungeninveröffentlichtenKartenundInstituts-
adressenneutral.
Fachnachrichten
SchweizerinnenbekamenzuCorona-BeginnmehrKinder
Erstmals untersuchten UZH-Forschende den Einfluss von Pandemien auf die
SchweizerGeburtenrate. Während dieGeburtenzahl beiCOVID-19widerErwarten
zunächstanstieg,ging siebeifrüheren historischenPandemien deutlich zurück.
©AndreeaIonascu/GettyImages/iStock
Dass die Zahl der Geburtenmittelfristigen
Schwankungenunterliegtund auchkurz-
fristigaufKrisenreagiert,istbekannt.Bisher
wenigergut untersuchtsindhingegen die
jüngstenTrends –insbesondereimZusam-
menhangmitderCOVID-19-Pandemie.For-
schendederUniversitätZürichhabennundie
monatlichenGeburtenzahleninderSchweiz
zwischen1871und2022untersuchtundin
denjeweiligenhistorischenKontextgesetzt.
NebendenlangfristigenTrends interessier-
tenbesondersauchPandemieperioden.
MehrGeburten währendPandemie
DieStudiezeigt,dassdieGeburtenrateinder
Schweizseitetwa2018generellrückläufigist
undsicheinemhistorischenTiefststandnä-
hert.Im2.JahrderCOVID-19-Pandemie2021
kamesjedochvorübergehendzueinem2-
maligenAnstiegderGeburtenummaximal
rund 13%, besonders im 1. Pandemiejahr
2020währendundkurznachdenShutdown-
Massnahmen.«Unsere Analysezeigt,dass
während dieserZeit der Geburtenanstieg
besondersbeiSchweizerinnenundbeiMüt-
ternüber30Jahrenausgeprägtwar»,sagt
ErstautorinKatarinaMatthes.
DiegenauenGründeseiennochnichtgeklärt,
essprecheabervielesdafür,dassdieZeitzu
HausesowieeinebessereWork-Life-Balance
während der Pandemie zu vorgezogenen
Schwangerschaftengeführthätten.Iminter-
nationalenVergleichzeigteeinzigFrankreich
eine ähnlicheEntwicklung– Deutschland,
ÖsterreichundItalienwiesendagegenkeine
soausgeprägteGeburtenzunahmeauf.
Geburtenrückgang abFebruar2022
NachdiesemvorübergehendenAnstiegsetz-
tesichabFebruar2022jedochauchinder
Schweizder vormalige negativeTrend der
Geburtenratewiederverstärkt fort. Davon
warenbesondersNicht-Schweizerinnenund
Mütterunter30 Jahren betroffen. Die For-
schervermuten,dassjungeFrauenimFrüh-
ling2021ausVorsichtlieberdieCOVID-19-
Impfungabwarteten,bevor sieschwanger
wurden.
Auchandere Gründe könntenverantwort-
lichsein:«Möglicherweisefindeteingesell-
schaftlicherWertewandelstatt und junge
MenschenwollenwenigeroderkeineKinder
haben»,erklärtMatthes.DieeigeneZukunft
wirddurchwirtschaftlicheSorgen oderKli-
mawandelalsunsicherwahrgenommenund
könntediesteigendefreiwilligeKinderlosig-
keitmiterklären.
UnterschiedebeifrüherenPandemien
DieSchwankungenderGeburtenratewäh-
rendundnachderCOVID-19-Pandemiewar
fürdasForscherteambesondersimVergleich
zuvergangenenPandemienüberraschend.
«Wirkonntenaufzeigen,dasssichdieGebur-
tenratewährendundnachdenPandemien
von1889–90,1918–20und1957,beidenen
jeweilseingrosserTeilderSchweizerBevöl-
kerungerkranktwar, andersverhielt», sagt
LetztautorKasparStaub.Hierkames etwa
6–9 Monatenachdem Höhepunkt jeweils
zu einem Einbruch der Geburtenrate um
12–25%,derjedochnurkurzanhielt.Wahr-
scheinlicheGründe dafürsindeineinfekti-
onsbedingtverringerteFruchtbarkeitsowie
eineerhöhteFehlgeburtenrate.Dassesbei
dererstenCOVID-19-Phasenichtzueinem
solchenGeburtenrückgangkam,seivermut-
lichdaraufzurückzuführen,dassdieZahlder
InfektioneninderBevölkerungimJahr2020
dankder PublicHealthSchutzmassnahmen
relativgeringwar,sodieAutor*innen.
Literatur:
Matthes KL, Le Vu M, Staub K (2025) Fer-
tility dynamics through historical pan-
demics and COVID-19 in Switzerland,
1871–2022. Population Studies. Doi:
10.1080/00324728.2025.2462291
Quelle: Pressemitteilung Universität Zürich;
www.idw-online.de
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