Hormonersatztherapie nach Endometriose

In: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Schweiz · 2025 · vol. 28(1) , pp. 14–20 · doi:10.1007/s41975-025-00381-2 · W4408522117
article OA: hybrid CC0
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This review surveyed gynecologists and analyzed literature on hormone replacement therapy (HRT) for postmenopausal endometriosis, highlighting the importance of continuous combined HRT with dienogest or tibolone to prevent recurrence.

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The paper examines hormone replacement therapy (HRT) in postmenopausal women with prior endometriosis by surveying practicing gynecologists about likely HRT choices in two fictional patient scenarios and by conducting a literature review (PubMed/Cochrane up to mid-2023). It reports an overall tendency to prescribe HRT in both cases (96.6% in the first; 89.8% in the second), but with an “uneinheitliches” pattern among clinicians regarding regimen selection, despite literature emphasizing that postmenopausal recurrence risk and recurrence after HRT should not be ignored. The authors conclude from the reviewed studies and reviews that estrogen-only therapy has been associated with higher endometriosis recurrence, while combined continuous HRT using dienogest or alternatively tibolone is highlighted, but they explicitly note an insufficient evidence base with few well-randomized prospective trials and additional caveats such as the role of residual disease and other risk factors (e.g., peritoneal involvement, incomplete surgery). This paper is centrally about endometriosis — it focuses specifically on choosing HRT regimens in postmenopausal women after endometriosis and summarizes evidence on recurrence risk.

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Abstract

Zusammenfassung Endometriose bildet sich nach der Menopause (postmenopausal) in der Regel zurück, jedoch zeigen sich bei 2–5 % der postmenopausalen Frauen persistierende Beschwerden oder Rezidive nach Hormonersatztherapie (HRT). Für diesen Artikel wurden eine Umfrage unter Gynäkologen zum Wissensstand über HRT und Endometriose sowie eine Literaturrecherche zu diesem Thema durchgeführt. Unter den befragten Gynäkologen zeigte sich ein eher uneinheitliches Bild. In der Literatur wurde unterstrichen, dass die Möglichkeit eines Rezidivs auch postmenopausal nicht ausser Acht gelassen werden darf. Die Wahl der richtigen Hormonersatztherapie ist dabei von höchster Bedeutung. Empfohlen wird eine kontinuierlich-kombinierte HRT, bevorzugt mit Dienogest als Gestagen, alternativ ist Tibolon einsetzbar.
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Menopause J.Gynäkol.Endokrinol.CH2025·28:14–20 https://doi.org/10.1007/s41975-025-00381-2 Angenommen:30.Januar2025 Onlinepubliziert:17.März2025 ©TheAuthor(s)2025 Hormonersatztherapienach Endometriose KatharinaMüller1 ·ThomasRömer 2 1 UniklinikRWTHAachen,Aachen,Deutschland 2 EvangelischesKlinikumKölnWeyertalGmbH,Köln,Deutschland QR-Codescannen&Beitragonlinelesen Zusammenfassung Endometriose bildet sich nach der Menopause (postmenopausal) in der Regel zurück,jedochzeigen sichbei2–5%derpostmenopausalenFrauenpersistierende Beschwerden oder Rezidive nach Hormonersatztherapie (HRT).Für diesen Artikel wurden eine Umfrage unter Gynäkologen zum Wissensstand über HRT und Endometriosesowieeine Literaturrecherche zudiesem Thema durchgeführt.Unter denbefragten Gynäkologen zeigte sicheineheruneinheitliches Bild.InderLiteratur wurdeunterstrichen, dassdieMöglichkeite ines Rezidivsauchpostmenopausalnicht ausserAchtgelassen werden darf.Die Wahl derrichtigen Hormonersatztherapie ist dabeivonhöchsterBedeutung.Empfohlenwirdeinekontinuierlich-kombinierte HRT, bevorzugtmitDienogestalsGestagen, alternativistTiboloneinsetzbar. Schlüsselwörter Endometrioserezidiv·Postmenopause·High-risk-Gruppe·Hormonersatztherapie Einführung Endometriose ist das Vorkommen endo- metriumartiger Zellverbände bestehend ausendometrioidenDrüsenzellverbänden und/oderStromazellenausserhalbdesCa- vum uteri. Sie ist eine der häufigsten gy- näkologischen Erkrankungen. Verlässliche Daten zur Prävalenz und Inzidenz liegen nicht vor. Als Erstliniensubstanz in der hormonellenTherapiewirdinderLeitlinie der deutsche Gesellschaft für Gynäkolo- gie und Geburtshilfe zur Diagnostik und Therapie der Endometriose eine Gesta- genmonotherapie (bevorzugt Dienogest) empfohlen. Als Zweitlinientherapie kön- nenkombiniertoraleKontrazeptiva,lokale Gestagene und GnRH-Analoga eingesetzt werden [1]. DieEndometriosebildetsichinderRe- gelnachderMenopausezurück.Gelegent- lich bleibt sie aber bestehen und führt zu persistierenden Beschwerden [2]. Es sind etwa 2–5% der postmenopausalen Frau- en betroffen [3]. Es gibt bestimmte Pati- entengruppenmiterhöhtemRisikofürein Rezidiv ( .Abb.1;[ 4]). Bezüglich des Ein- flusses einer Hormonersatztherapie (HRT) auf eine Endometriose findet man in der Leitlinie und in der Literatur nur sehr we- nig. FragebögenzumWissenstandHRT undEndometriose Wir entwickelten einen Fragebogen, der uns einen Überblick über das Wissen bezüglich des Themas „Hormonersatz- therapie nach Endometriose“ unter den Gynäkologen verschaffen sollte. Dieser wurde auf verschiedenen Tagungen und Kongressen an niedergelassene und kli- nisch tätige Kollegen verteilt. In diesen Fragebögen wurden zwei fiktive Fälle beschrieben. Es wurde daraufhin gefragt, ob die Kollegen in diesen Fällen eine HRT verschreiben würden und, wenn ja, welche sie wählen würden (Östrogen mono, Östrogen/Gestagen sequenziell oder kombiniert-kontinuierlich, Tibolon). Des Weiteren wurde gefragt, welches Gestagen bei einer Kombinationstherapie bevorzugt würde. VondenausgegebenenFragebögener- hieltenwir59zurück.VondenTeilnehmern w a r e n4 1( 6 9 , 5 % )i ne i n e rP r a x i st ä t i g e 14 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025 Abb. 1 8High-risk-GruppefüreinEndometrioserezidivdurcheineHRT 3 29 4 16 6 0 5 10 15 20 25 30 35 Abb. 2 8ErgebnisderTherapieauswahlimerstenFall Progesteron 31% Dydrogesteron 0% Dienogest 50% CMA 7% Desogestrel 8% MPA 4% Progesteron Dydrogesteron Dienogest CMA Desogestrel MPA Abb. 3 8ErgebnisderWahlfüreinGestagenimerstenFall 6 14 1 18 18 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 Abb. 4 8ErgebnisderTherapieauswahlimzweitenFall Ärzte und 13 (22%) in der Klinik tätige Ärzte. Fünf Ärzte machten keine Aussage bezüglich ihrer Tätigkeit. ErsterFall DerersteFallhandeltvoneiner48-jährigen Patientin im Zustand nach laparoskopisch suprazervikaler Hysterektomie (LASH),bei der intraoperativ per Zufall eine Endome- trioseentdecktundsaniertwurde.Siestellt sichnun8Jahrespätermit10Hitzewallun- gentäglichvor.Esbestehenkeineweiteren Risikofaktoren für eine HRT. Resultate I n s g e s a m ts p r a c h e ns i c hi me r s t e nF a l l 96,6% (n=57) für eine HRT aus; 29 Ärzte (49,2%) wählten hierfür eine Östrogen- monotherapie und 16 (27,1%) eine kom- biniert-kontinuierliche Kombinationsthe- rapie.Tibolonwählten6(10,2%)undeine sequenzielle Kombinationstherapie wähl- ten 4 (6,8%)Teilnehmer (.Abb.2).Inder Frage nach dem Gestagen gaben mehr Teilnehmer eine Stimme für ein Gestagen ab, als überhaupt im Vorfeld eine Kombi- nationstherapie gewählthatten. 13(22%) bevorzugtenDienogest,8(13,6%)Proges- teron,jeweils2(3,4%)CMAundDesoges- trel und 1 (1,7%) MPA (.Abb.3). ZweiterFall Derzweite Fallhandelt voneiner 51-jähri- gen Patientin im Zustand nach totaler la- paroskopischer Hysterektomie (TLH) und Darmteilresektion bei Adenomyosis und rektovaginalerEndometriose,welchekom- plett saniert wurde. Aktuelle Vorstellung bei 15 Hitzewallungen pro Tag. Es beste- hen keine Risikofaktoren für eine HRT. Resultate Im zweiten Fall wählten 53 (89,8%) eine HRT als Therapie der Wahl, nur 6 (10,2%) sahenkeineIndikationhierfür.Davonent- schieden sich jeweils 18Ärzte (30,5%)für Östrogen/Gestagen kombiniert-kontinu- ierlich und ebenfalls 18 Ärzte für Tibolon als bevorzugte HRT. Nur 14 (23,7%) w ä h l t e nÖ s t r o g e nm o n ou n d1( 1 , 7 % ) eine sequenzielle Kombinationstherapie (.Abb.4). Auch in diesem Fall war die Anzahl derer, die sich für ein Gestagen aussprachen, höher als die Anzahl derer, die eine Kombinationstherapie wählten. Mit einer Mehrheit von 18 (30,5%)wurde auch dieses Mal Dienogest bevorzugt. Bei 7 (11,9%) fiel die Wahl auf Progeste- ron, bei 3 (5,1%) auf Dydrogesteron und einmal (1,7%) war Desogestrel die Wahl (.Abb.5). JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025 15 Menopause Tab. 1 LiteraturreviewzuHRT Autor Jahr ArtderVeröffentlichung TherapieempfehlungeninderLiteratur Amer,S.etal.[ 5] 2023 Casereport/nationalsurvey Estrogen+Norethisteron(15mg/d) BritishMenopauseSociety:EmpfehlungkombinierteHRTbisErreichennatür- lichesMenopausenalter Bain,C.[ 6] 2017 Review NachHysterektomie(HE)+makroskopischohneResiduen:niedrigdosierte Estrogentherapie KeineHE,Residuen,starkerBefall:Estrogen+GestagenoderTibolon Fedele,L.etal.[ 7] 1999 Prospektive,randomisierte Studie Tibolon2,5mg/dbesseralsÖstrogentransdermal50mg2×/Woche(bei Gebärmuttererhalt+zyklischesMedroxyprogesteronacetat10mg/d) Gemmell,L.C.etal.[ 8] 2017 Review KombiniertekontinuierlicheHRTisteinerÖstrogenmonotherapievorzuzie- hen Alternative:Tibolon MacLennan,A.H.[ 9] 2011 Review KeineabsoluteKontraindikationfürHRT Matorras,R.etal.[ 10] 2002 Prospektive,randomisierte Studie Risikofaktorenpostmenopausal:Peritonealbefall>3cmundinkomplette OP→hierVorsichtmitHRT Oxholm,D.etal.[ 3] 2007 Review Prämenopausal:NacheinerradikalenOPaufgrundEndometrioseüberwiegt derNutzeneinerHRTdiemöglichenRisiken Postmenopausal:genaueAufklärung(RezidivundCa.)undIndikationsstel- lung+regelm.ambulanteKontrollen! Palep-Singh,M.etal.[ 11] 2009 Review TibolonodereinekombinierteHRT Rattanachaiyanont,M.etal. [12] 2003 RetrospektiveBeobach- tungsstudie Rezidiv/KlinikEndometriosenachHE+Adnexektomiebds.nurinderÖstro- genmonogruppe Secosan,C.etal.[ 13] 2020 Review Rezidivtherapie:kontinuierliche,kombinierteÖstrogen-/Progesterontherapie oderTibolon EDEndometriosepostmenopausal:OP;beiKIProgesteron(p.o./intrauterin) oderAromatasehemmer+Bisphosphonate Somboonporn,W.etal.[ 14] 2011 Review Vergleich:LNG-IUPvs.Progesteronp.o.beiEstrogentherapiezurEndometri- umprotektion LNG-IUPwirksameralssequenziellesMedroxyprogesteronacetat,vergleich- barmitanderensystemischenProgesteronen Tab. 2 VorgehenbeiNeuauftreteneinerEndometriosepostmenopausal Autor Jahr ArtderVeröffentlichung TherapieempfehlungeninderLiteratur Streuli,I.etal.[ 15] 2017 Review Firstline:OP(wg.GefahrdermalignenEntartung) Post-OPbeipersistierenderKlinik:medikamentöseTherapie Tan, D.A. et al. [16] 2018 Review Firstline:OP Zanello,M.etal.[ 17] 2019 Review Firstline:OP NachOPoderKI:medikamentöskombinierteHRT(Gestagen:Progesteron oderDienogest),gefolgtvonTibolon Unterden Gynäkologen, diedieFrage- bögenbeantworteten,zeigtesicheineher uneinheitliches Bild. Es gibt für die Praxis keine klaren Vorgaben bezüglich dieses Themas und es scheinen noch viele Un- klarheiten zu bestehen. Daher wurde im zweitenTeilderPublikationanalysiert,was dieEmpfehlungeninderLiteraturderletz- ten Jahre waren. Literaturrecherche MethodeundMaterial Für diesen Artikel wurde eine Literatur- recherche in PubMed und der Cochrane Library bis Mai/Juni 2023 durchgeführt. Suchwörter waren „postmenopausale En- dometriose“, „Menopause und Endome- triose“,„EndometrioseundHormonersatz- therapie“. Nach eingehender Prüfung der Treffer konnten wir 16 Reviews, 4 „case reports“, 7 Studien (davon 4 retro- und 3 prospektiv) sowie ein „national survey“ undein „EMAS position paper“ zudiesem Thema einschliessen ( .Tab.1und2). Resultate Diverse „case reports“ zeigen, dass un- tereinerHRTeinEndometrioserezidiv[ 18, 19] und auch Endometriose als De-novo- Erkrankung auftreten kann [20]. In der Literaturrecherche zeigte eine epidemiologische Studie bezüglich des Auftretens von Endometriose postmeno- pausal eine Rate von 2,6%. Es bestand häufig ein Zusammenhang mit einer HRT. Aber es gab auch Fälle, in denen die Er- krankung ohne Zusammenhang mit einer HRT auftrat [21]. In einer prospektiven, randomisierten Studie von 2002 konnte ein erhöhtes Endometrioserezidivrisiko postmenopausal unter HRT festgestellt werden. Hierbei wurden als weitere Ri- sikofaktoren ein Peritonealbefall>3cm undinkompletteVoroperationengenannt 16 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025 HierstehteineAnzeige. K Menopause Progesteron 24% Dydrogesteron 10% Dienogest 62% CMA 0% Desogestrel 4% MPA 0% Progesteron Dydrogesteron Dienogest CMA Desogestrel MPA Abb. 5 8ErgebnisderWahlfüreinGestagenimzweitenFall Abb. 6 8EmpfehlungHRTinPeri-undPostmenopause [10]. Ein noch vorhandener Uterus wird in einer anderen Studie als weiterer Ri- sikofaktor betrachtet. Daher wird in der Literatur postmenopausal eine Operation der Endometriose als Therapie der Wahl empfohlen [13, 15–17, 22]. Eine Observationsstudie aus dem Jahr 2003begleitete123FrauennachHysterek- tomie und Adnexektomie beidseits unter verschiedenenHRT(Östrogenmono,zykli- schesÖstrogenundProgesteron,kontinu- ierliches kombiniertes E/P) über eine Zeit von im Durchschnitt 3,5 Jahren. Ein Wie- derauftretenderEndometriosewurdenur in der Gruppe der Östrogenmono-Patien- tinnen festgestellt. Die Schlussfolgerung war daher, dass das Gestagen während einer HRT die Patientinnen vor einem Re- zidiv schützen könnte. Zusätzlich weisen sie auf ein erhöhtes Mammakarzinomrisi- ko bei Langzeiteinnahme hin [12]. Fedele et al. betrachteten in ihrer Stu- die21FrauennachOperationmitOopho- rektomiebeidseitsmitoderohneHysterek- tomie, die Endometrioseresiduen aufwie- sen. Sie verglichen den Effekt von trans- dermalem Östrogen (ohne Hysterektomie mit Medroxyprogesteronacetat) versus Ti- bolon und konnten zeigen, dass Letzteres ein niedrigeres Risiko für ein Endometrio- serezidiv hatte [7]. AuchdieverschiedenenReviewsnann- ten eine Östrogenmonotherapie bei post- menopausalen Frauen als Ursache für Endometrioserezidive. Sie rieten zu einer gründlichen Nutzen-Risiko-Abschätzung bezüglich einer HRT. Insgesamt wurde eine insuffiziente Datenlage mit wenigen gut randomisierten, kontrollierten, pro- spektiven Studien kritisiert [23].Es wurde unterstrichen, dass eine Abhängigkeit besteht zwischen OP-Residuen und der Höhe des Endometrioserezidivrisikos. Um ein Rezidiv zu vermeiden, sollte dann eine kombinierte kontinuierliche HRT mit Dienogest als Gestagen, alternativ Tibo- lon eingesetzt werden [11, 13, 17, 24]. Nach Hysterektomie ohne Endometrio- seresiduen sollte eine niedrig dosierte Östrogentherapie gewählt werden [ 6]. Auch im „EMAS position statement“ wird bei Frauen mit vorzeitiger Menopause und Frauen mit starken klimakterischen Beschwerden und Risiko für kardiovasku- läre Erkrankungen, Osteoporose, Demenz eine kontinuierlich kombinierte HRT oder Tibolon vorgezogen. Dabei wird das Ver- halten von Endometriose verglichen mit dem Verhalten des Endometriums. Von pflanzlichen Präparaten wird abgeraten, da einige östrogene Verbindungen ent- halten. Zudem wird das Absetzen der HRT nach Auftreten neuer Endometriose- symptome empfohlen [25]. Auch Gemell et al. weisen auf eine kleinere Rezidivra- te unter kontinuierlich-kombinierter HRT hin, äussern aber auch Bedenken hin- sichtlich der Risiken bezüglich maligner Erkrankungen und erwarten daher ei- ne individuelle Therapieentscheidung im Konsensmitderbetroffenen Patientin [8]. Daher wird empfohlen, postmenopausal eine genaue Aufklärung über ein erhöh- tesKarzinomrisikodurchzuführenunddie Indikationsstellung in regelmässigen am- bulanten Vorstellungen zu kontrollieren [3]. Bei Neuauftreten von Beckenläsionen im Zustand nach Endometriose unter langjähriger HRT, vor allem einer Östro- genmonotherapie, soll immer an eine maligne Transformation gedacht werden [26]. In einem „case report“ wird dabei ein Nachuntersuchungsintervall bei re- sidueller Endometriose unter HRT mit transvaginalem Ultraschall sowie Abnah- me von CA-125 alle 6 bis 12 Monate vorgeschlagen [26, 27]. Aus unserer Sicht ist CA-125 jedoch kein Verlaufsmarker (Ausnahme suspekte Ovarialendometrio- se). Eine retrospektive Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte die Inzidenz für Ovarialkarzinome. Hierfür wurden jeweils 10.304FrauenmitundohneHRTbeobach- tet. Als Kovariablen wurde die Dauer der Anwendung einer kombiniert-kontinuier- lichen HRT sowie von Tibolon betrachtet. Hier konnte keine Risikoerhöhung festge- stellt werden. Lediglich der Einsatz von Östrogen mono zeigte sich als signifi- kanter Risikofaktor [28]. Bezüglich einer Rezidivquote nach iatrogener Menopau- se, hervorgerufen durch Hysterektomie und Adnexektomie beidseits, konnte kein signifikanter Unterschied zwischen einem Start der HRT direkt nach Op. oder nach 6 Wochen festgestellt werden [29]. PraktischeRelevanzfürdiePraxis Die Diagnose Endometriose sollte auch beipostmenopausalenFrauennichtausser Achtgelassenwerden.VorallembeiFrauen mit klimakterischen Beschwerden ist vor Start einer HRT eine gewissenhafte Ana- mneseundNutzen-Risiko-Abwägung vor- zunehmen, da eine unausgewogene HRT zu einem Rezidiv oder selten sogar Erst- auftreteneinerEndometrioseführenkann. BeiOperabilitätisteineSanierungalsErst- linientherapie zuempfehlen.DieWahlder richtigen Präparate für eine HRT ist ent- scheidend. Die Empfehlung geht hierbei zu einer kontinuierlich-kombinierten HRT bevorzugtmitDienogestalsGestagen,be- sondersbeiHochrisikopatienten.AlsAlter- 18 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025 nativeistTiboloneinsetzbar( .Abb.6;[4]). AuchwenninderaktuellenESHRE-Leitlinie generell eine kombinierte HRTempfohlen ist, ist aus klinischer Sicht in bestimmten Situationen (länger zurückliegende Endo- metriose und Hysterektomie) eine Östro- genmonotherapie aufgrund der bekann- ten Vorteile individuell vertretbar. Dabei ist in regelmässigen Abständen eine Re- evaluation der Indikation vorzunehmen. Insgesamt ist die Datenlage jedoch sehr gering und es fehlen prospektive, rando- misierte Kontrollstudien. Korrespondenzadresse Katharina Müller UniklinikRWTHAachen Aachen,Deutschland [email protected] Funding. OpenAccessfundingenabledandorgani- zedbyProjektDEAL. EinhaltungethischerRichtlinien Interessenkonflikt. DieimRahmendesMentoring- ProgrammsentstandenewissenschaftlicheArbeitvon K.MüllerwirdunterstütztdurchBesinsHealthcare GermanyGmbH.T.Römergibtan,dasskeinInteres- senkonfliktbesteht. FürdiesenBeitragwurdenvondenAutor/-innen keineStudienanMenschenoderTierendurchgeführt. FürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort angegebenenethischenRichtlinien. OpenAccess. DieserArtikelwirdunterderCreative CommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz veröffentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung, Bearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli- chemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die ursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge- mäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz beifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom- menwurden.DieindiesemArtikelenthaltenenBilder undsonstigesDrittmaterialunterliegenebenfallsder genanntenCreativeCommonsLizenz,sofernsichaus derAbbildungslegendenichtsanderesergibt.Sofern dasbetreffendeMaterialnichtunterdergenannten CreativeCommonsLizenzstehtunddiebetreffende HandlungnichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubt ist,istfürdieobenaufgeführtenWeiterverwendun- gendesMaterialsdieEinwilligungdesjeweiligen Rechteinhaberseinzuholen.WeitereDetailszurLizenz entnehmenSiebittederLizenzinformationauf http:// creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de. 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Mots clés Récidived’endométriose · Postménopause· Groupe à risque élevé· Traitementhormonal substitutif 2. Punnonen R, Klemi PJ, Nikkanen V (1980) Postmenopausal endometriosis. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol11(3):195–200.https://doi. org/10.1016/0028-2243(80)90069-6 3. Oxholm D, Knudsen UB, Kryger-Baggesen N, Ravn P (2007) Postmenopausal endometriosis. Acta Obstet Gynecol Scand 86(10):1158–1164. https://doi.org/10.1080/00016340701619407 4. Römer T (2023) Endometriose in der Perime- nopause. Vortrag für die 27. Jahrestagung der DMG. 5. AmerS,BazmiS(2023)HRTinwomenundergoing pelvicclearanceforendometriosis—acasereport andanationalsurvey.JClinMed12(1):336–331. https://doi.org/10.3390/jcm12010336 6. BainC(2006)Managingwomenwithaprevious diagnosis of endometriosis. J Br Menopau- se Soc 12(1):28–33. https://doi.org/10.1258/ 136218006775997243 7. 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Während dieGeburtenzahl beiCOVID-19widerErwarten zunächstanstieg,ging siebeifrüheren historischenPandemien deutlich zurück. ©AndreeaIonascu/GettyImages/iStock Dass die Zahl der Geburtenmittelfristigen Schwankungenunterliegtund auchkurz- fristigaufKrisenreagiert,istbekannt.Bisher wenigergut untersuchtsindhingegen die jüngstenTrends –insbesondereimZusam- menhangmitderCOVID-19-Pandemie.For- schendederUniversitätZürichhabennundie monatlichenGeburtenzahleninderSchweiz zwischen1871und2022untersuchtundin denjeweiligenhistorischenKontextgesetzt. NebendenlangfristigenTrends interessier- tenbesondersauchPandemieperioden. MehrGeburten währendPandemie DieStudiezeigt,dassdieGeburtenrateinder Schweizseitetwa2018generellrückläufigist undsicheinemhistorischenTiefststandnä- hert.Im2.JahrderCOVID-19-Pandemie2021 kamesjedochvorübergehendzueinem2- maligenAnstiegderGeburtenummaximal rund 13%, besonders im 1. Pandemiejahr 2020währendundkurznachdenShutdown- Massnahmen.«Unsere Analysezeigt,dass während dieserZeit der Geburtenanstieg besondersbeiSchweizerinnenundbeiMüt- ternüber30Jahrenausgeprägtwar»,sagt ErstautorinKatarinaMatthes. DiegenauenGründeseiennochnichtgeklärt, essprecheabervielesdafür,dassdieZeitzu HausesowieeinebessereWork-Life-Balance während der Pandemie zu vorgezogenen Schwangerschaftengeführthätten.Iminter- nationalenVergleichzeigteeinzigFrankreich eine ähnlicheEntwicklung– Deutschland, ÖsterreichundItalienwiesendagegenkeine soausgeprägteGeburtenzunahmeauf. Geburtenrückgang abFebruar2022 NachdiesemvorübergehendenAnstiegsetz- tesichabFebruar2022jedochauchinder Schweizder vormalige negativeTrend der Geburtenratewiederverstärkt fort. Davon warenbesondersNicht-Schweizerinnenund Mütterunter30 Jahren betroffen. Die For- schervermuten,dassjungeFrauenimFrüh- ling2021ausVorsichtlieberdieCOVID-19- Impfungabwarteten,bevor sieschwanger wurden. Auchandere Gründe könntenverantwort- lichsein:«Möglicherweisefindeteingesell- schaftlicherWertewandelstatt und junge MenschenwollenwenigeroderkeineKinder haben»,erklärtMatthes.DieeigeneZukunft wirddurchwirtschaftlicheSorgen oderKli- mawandelalsunsicherwahrgenommenund könntediesteigendefreiwilligeKinderlosig- keitmiterklären. UnterschiedebeifrüherenPandemien DieSchwankungenderGeburtenratewäh- rendundnachderCOVID-19-Pandemiewar fürdasForscherteambesondersimVergleich zuvergangenenPandemienüberraschend. «Wirkonntenaufzeigen,dasssichdieGebur- tenratewährendundnachdenPandemien von1889–90,1918–20und1957,beidenen jeweilseingrosserTeilderSchweizerBevöl- kerungerkranktwar, andersverhielt», sagt LetztautorKasparStaub.Hierkames etwa 6–9 Monatenachdem Höhepunkt jeweils zu einem Einbruch der Geburtenrate um 12–25%,derjedochnurkurzanhielt.Wahr- scheinlicheGründe dafürsindeineinfekti- onsbedingtverringerteFruchtbarkeitsowie eineerhöhteFehlgeburtenrate.Dassesbei dererstenCOVID-19-Phasenichtzueinem solchenGeburtenrückgangkam,seivermut- lichdaraufzurückzuführen,dassdieZahlder InfektioneninderBevölkerungimJahr2020 dankder PublicHealthSchutzmassnahmen relativgeringwar,sodieAutor*innen. Literatur: Matthes KL, Le Vu M, Staub K (2025) Fer- tility dynamics through historical pan- demics and COVID-19 in Switzerland, 1871–2022. Population Studies. Doi: 10.1080/00324728.2025.2462291 Quelle: Pressemitteilung Universität Zürich; www.idw-online.de 20 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Schweiz1·2025

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