und Methoden: PubMed sowie die aktuellen Leitlinien der European
Society of Human Reproduction and Embryology(ESHRE) von 2022wurden für
die Literaturrecherche herangezogen. Es wurden Suchbegriffe zu Fertilität und
Endometrioseverwendet. Hierbei wurdeninsbesondere neuere Metaanalysen und
Arbeitenausbekannten Fachzeitschriften miteinemhohenImpactFactorausgewählt.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Der Zusammenhang zwischen Endometriose
und Subfertilität ist bekannt. Eine Anwendung von ART stellt eine sinnvolle und
erfolgreiche Therapie derendometriosebedingten Fertilitätseinschränkungen dar.
Operationsindikationen im Rahmen des Kinderwunschs bei Endometriose sind
vorsichtigabzuwägen,eineVerbesserungderFertilitätistinAusnahmenmöglich.Liegt
bereitsinjüngeremAltereinegeringe Eizellreservevor,sollteeineKryokonservierung
vonEizellenerwogen werden. Eine Endometriosediagnose bedarf inAbhängigkeit
vonLokalisationundAusdehnungderLäsioneneinerengmaschigen Überwachungin
derSchwangerschaft. Grundhierfüristunter anderem eineerhöhteFrühabort-und
Frühgeburtenrate.
Schlüsselwörter
In-vitro-Fertilisation·IntrazytoplasmatischeSpermieninjektion·Fertilitätserhalt·Eizellkryokon-
servierung·Risikoschwangerschaft
Das Vorliegen einer Endometriose ist in
der Reproduktionsmedizin von großer
Bedeutung. Es ist von einer Endometrio-
seprävalenz zwischen 35 und 50 % bei
Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch
auszugehen [12, 22, 25]. Die Assoziation
von Subfertilität und Endometriose wur-
de im klinischen Kontext bereits umfas-
send beschrieben. Die genauen patho-
physiologischen Zusammenhänge sind
noch nicht abschließend geklärt, Studi-
en weisen jedoch auf einen multifaktori-
ellen fertilitätsmindernden Prozess hin.
Als Gegenmaßnahme sind Techniken
der assistierten Reproduktion („assis-
ted reproductive techniques“ [ART]) von
entscheidender Bedeutung [5].
184 GynäkologischeEndokrinologie3·2023
Leitthema
Multifaktorielle Auswirkungen der
Endometriose auf die Fertilität
Die Endometriose ist eine inflammatori-
scheSystemerkrankung mitunterschiedli-
chemPhänotyp.Siekannüberverschiede-
ne pathophysiologische Mechanismen zu
einer Beeinträchtigung der Fertilität füh-
ren. Passend zur Inflammation wurde ei-
ne Überproduktion embryotoxischer Zy-
tokine beschrieben. Beispielsweise weist
dieperitoneale Flüssigkeit vonFrauen mit
Diagnose einer Endometriose und uner-
fülltem Kinderwunsch signifikant erhöh-
te Konzentrationen des embryotoxischen
proinflammatorischen Zytokins Interleu-
kin-1β auf [2]. Die peritoneale Flüssigkeit,
dieauchindieEileitereindringt,wirktsich
zudem kompromittierend auf die Motili-
tät und Überlebensdauer der Spermien
aus und führt so zu einem zusätzlichen
fertilitätsmindernden Effekt [21].
» Passend zur Inflammation
wurde eine Überproduktion
embryotoxischer Zytokine
beschrieben
Da das Endometrium im Zusammenhang
mit einer Endometriose Veränderungen
aufweisen kann, wird auch eine optima-
leRezeptivität infragegestellt,wobeieine
inStudiennachgewieseneerhöhteAnzahl
von Makrophagen und dendritischen Zel-
len–wiederumQuellevonZytokinen–im
Endometrium bei Endometriose als Ursa-
chediskutiertwird[ 30].Füreineerfolgrei-
cheImplantationdesEmbryossindsowohl
das korrekte Zusammenspiel von Östradi-
ol- und Progesteronsekretion als auch die
Progesteronrezeptorexpression und Um-
wandlung desEndometriums in der Lute-
alphase wichtig. Liegt eine Endometriose
vor,kann eszueiner Progesteronresistenz
des Endometriums kommen, unter ande-
rem bedingt durch eine lokale Östrogen-
produktion [30]. Kürzlich konnte zudem
ein charakteristisches Metabolom in En-
dometriumproben von Patientinnen mit
Endometriosenachgewiesen werden[20].
Je nach Lokalisation der Endometrio-
seherde können zudem Einschränkungen
der Tubenmotilität und Tubenfunktionali-
tätsowieanatomischeVeränderungenvon
Tuben und Ovarien vorliegen. Beispiele
sind Saktosalpinx, Hämatosalpinx, Hydro-
salpinx und „kissing ovaries“, als Extrem-
form liegt ein „frozen pelvis“ vor. Obwohl
retrospektive Analysen vermehrt ein- und
beidseitigeTubenverschlüssebeisubferti-
len Patientinnen mit Endometriose zeig-
ten, ist die Datenlage zur Inzidenz einer
tubaren Endometriose derzeit stark limi-
tiertundwirddementsprechendungenau
auf 6,9–60% geschätzt [23]. Erschwerend
kommthinzu,dassrASRM-Stadien( rASRM
revidierte Klassifikation der American So-
ciety for Reproductive Medicine) nur be-
dingt einen Rückschluss auf mechanische
Störungen der Fertilität zulassen. Jedoch
korreliert das rASRM-Stadium mit einer
steigendenPrävalenzvonTubenverschlüs-
sen [19]. Im Hinblick auf die Fertilität ist
der Gebrauch der #Enzian-Klassifikation
[15] und des Endometriosis Fertility In-
dex(EFI;[ 1])wesentlich aufschlussreicher.
Der #Enzian-Score beschreibt die genaue
LokalisationundGrößederEndometriose-
herde. Beide Scores erlauben Rückschlüs-
seaufbeispielsweisedieBeeinträchtigung
derTuben-undFimbrienfunktion unddes
Ovars.IntraoperativwirddieFunktionalität
der Tuben im Sinne von Durchgängigkeit,
AdhäsionenundMotilitätbeurteilt[ 1,15].
» Auswirkungen einer
Endometrioseauf die Fertilität
lassensichaufzahlreichenEbenen
beschreiben
In der Reproduktionsmedizin wird ne-
ben der Zahl antraler Follikel („antral
follicle count“ [AFC]) der Anti-Müller-
Hormon(AMH)-Wert bestimmt, um die
aktuelle Situation und die Eizellreserve
zu beschreiben. Endometriomoperatio-
nen können die Eizellreserve reduzieren
und so zu signifikant niedrigeren post-
operativen AMH- und AFC-Werten sowie
erhöhten Konzentrationen des follikelsti-
mulierenden Hormons führen [26, 27].
In der Zusammenschau lassen sich al-
so Auswirkungen einer Endometriose auf
zahlreichenEbenenderFertilitätbeschrei-
ben.
Eizellqualität bei Endometriose
Obwohlnochnichtumfassendbelegt,wei-
sen Ergebnisse aktueller Studien auf eine
verminderte Eizellqualität bei Patientin-
nen mit Endometriose hin. Eizellen von
subfertilen Patientinnen mit Endometrio-
se zeigen im Vergleich zu einer Kontroll-
gruppe vermehrte extrazytoplasmatische
Defekte und auch die Embryonenqualität
ist reduziert [6].Zudem konnte man elek-
tronenmikroskopisch vermehrte abnorme
mitochondriale Strukturen in Eizellen von
Patientinnen mit Endometriose nachwei-
sen [29].
Folgende indirekte Hinweise lassen
ebenfallsaufeine reduzierte Eizellqualität
schließen: Bovine Eizellen in einer In-
vitro-Maturation (IVM) mit Follikelflüssig-
keit von Patientinnen mit Endometriose
zeigten einen höheren Anteil meiotischer
Veränderungen sowie einen häufigeren
Arrest in der Metaphase I im Vergleich
zu einer IVM mit Follikelflüssigkeit einer
gesunden Kontrollgruppe [8]. Es bleibt
rein spekulativ, ob diese Ergebnisse auch
in Zusammenhang mit einem veränder-
ten Transkriptom von Kumuluszellen bei
Patientinnen mit Endometriose stehen
[9].
Einfluss einer Schwangerschaft auf
Endometriose
Immer wieder wird auch von Frauen-
ä r z t : i n n e ni nA u s s i c h tg e s t e l l t ,d a s se i -
ne Schwangerschaft den Verlauf einer
Endometriose günstig beeinflusst. Eine
aktuelle Übersichtsarbeit fasst die vor-
liegenden sehr inhomogenen Ergebnisse
zusammen, die neben einer Regression
oder Stabilität auch eine Progression von
Endometrioseherden in der Schwanger-
schaft beschreiben [17]. Basierend auf
den analysierten Studien kann insgesamt
nicht von einer heilenden Wirkung einer
Schwangerschaft ausgegangen werden.
In der klinischen Differenzialdiagnos-
tik relevant ist aber sicherlich, dass sich
Endometrioseherde in der Schwanger-
schaft in bis zu 77% der Fälle durch
eine Dezidualisierung mit Infiltration von
Immunzellen vergrößern und sonomor-
phologisch malignen Befunden ähneln
können. Hierdurch können Endometrio-
meinderSchwangerschaftsonographisch
dickwandig, inhomogen und mit papillä-
renVeränderungenerscheinensowieeine
erhöhte Vaskularisation in der Doppler-
untersuchung aufweisen.
GynäkologischeEndokrinologie3·2023 185
Leitthema
Endometriose und Früh-
schwangerschaft
Zahlreiche Studien belegen eine klinische
AssoziationvonFrühabortenmitdemVor-
liegen einer Endometriose [24]. Das Risi-
ko eines Frühaborts wird in der Litera-
turunterschiedlich beziffert, beispielswei-
seineineraktuellenMetaanalysemiteiner
OddsRatio(OR)von1,30(Konfidenzinter-
vall 1,25–1,35; [14]). Dieselbe Studie gibt
sogareineORvon3,40(Konfidenzintervall
1,41–8,65) für Aborte bei Vorliegen einer
Adenomyose an, die häufig gemeinsam
mit einer Endometriose auftritt [7]. Inter-
essant ist, dass auch in Zusammenhang
miteinemniedrigerenrASRM-Stadiumvon
I/II eine erhöhte Abortrate beschrieben
ist. Das erhöhte Abortrisiko bei Patientin-
nen mit Endometriose ist möglicherweise
auf ein verändertes Endometrium und ei-
nereduzierteEizell-undEmbryonenquali-
tätzurückzuführen.Eswirdangenommen,
dassdiesystemischeEntzündungsreaktion
selbstmitdemAbortgescheheninZusam-
menhangstehtundeinennegativenEffekt
aufdieFollikulogenese,Fertilisierung und
Implantation hat [16]. Eine direkte thera-
peutische Konsequenz leitet sich daraus
aktuell jedoch nicht ab.
Endometriose und Schwanger-
schaftsoutcome
NebenderreduziertenFertilitätbeiPatien-
tinnen mit Endometriose ist eine Vielzahl
möglicher endometriosebedingter Kom-
plikationen in der Schwangerschaft be-
kannt [18]. So kann es unter anderem
aufgrund der erhöhten Perfusion in der
Schwangerschaft zu Endometriomruptu-
ren, Blutungen anderer Endometrioseher-
de (eventuell mit konsekutivem Hämo-
peritoneum) und intestinalen Perforatio-
nen von Endometrioseherden kommen.
ZudemwurdenuterineHämorrhagienund
Tubenrupturen durch Endometrioseläsio-
nen nahe der uterinen bzw. tubaren Ge-
fäße beschrieben.
Darüber hinaus zeigten zahlreiche Stu-
dienerhöhteRatenvonFrühgeburten,Sec-
tiones sowie neonatologischer Betreuung
desNeugeborenenimZusammenhangmit
dem Vorliegen einer Endometriose [14].
Diese Studien umfassten sowohl Frauen
miteinerEndometriosediagnose,diespon-
tankonzipierten, alsauch Frauen nach In-
vitro-Fertilisation (IVF) bzw. intrazytoplas-
matischerSpermieninjektion(ICSI).Außer-
demkonnteeinerhöhtesRisikofürdasVor-
liegeneinerPlacentapraevia,einevorzeiti-
gePlazentalösung undPräeklampsie fest-
gestellt werden [14]. Die genauen patho-
physiologischen Gründe bleiben spekula-
tiv,möglicherweiseistauchhiereinverän-
dertes Endometrium ursächlich beteiligt.
BezüglichderOutcomesPräeklampsie,Ge-
stationsdiabetes und postpartale Hämor-
rhagie zeigten sich in der weiter oben er-
wähnten Metaanalyse keine Unterschiede
vor dem Hintergrund einer Endometriose
[14]. Aufgrund der erhöhten Komplikati-
onsratebei Endometriosesind sorgfältige
SchwangerschaftskontrollenmitFokusauf
einem potenziellen Frühgeburtsrisiko so-
wieeinegründlicheAbwägungdesEntbin-
dungsterminsundGeburtsmodussinnvoll.
Schwangerschaftschancen bei
assistierter Reproduktion
Bei Durchführung einerIVF/ICSI stellt sich
die Frage, ob die vorbeschriebene Ein-
schränkungderFertilitätauchhierzueiner
Reduktion der Schwangerschaftschancen
im Vergleich zu Frauen ohne Endome-
triose führt. Leider liegen in Bezug auf
Patientinnen mit Endometriose keine
randomisierten, kontrollierten Studien
vor, in denen die Schwangerschaftsraten
beim Versuch einer spontanen Konzepti-
on mit denen bei Anwendung von ART
verglichen wurden. Bisherige Studien un-
tersuchen ausschließlich innerhalb von
ART-Patientenkollektiven reproduktions-
medizinischeErgebnissevonPatientinnen
mit Endometriose im Vergleich zu eher
inhomogen selektionierten Kontrollgrup-
pen (beispielsweise mechanischer Faktor,
unerklärte Paarsterilität, männliche Sub-
fertilitätoder„alleanderenIndikationen“).
Gemessen anhand der Lebendgeburten-
rate ermöglichen ART grundsätzlich eine
Therapie endometriosebedingter Paarste-
rilität [13, 14], jedoch liegen trotz initial
gleicher klinischer Schwangerschaftsrate
bei rASRM-Stadium III und IV teilweise
geringere Lebendgeburtenraten vor [14].
Zudem zeigen Frauen mit fortgeschritte-
nen Endometriosestadien trotz gleicher
AMH-WerteeingeringeresAnsprechenauf
die ovarielle Superstimulation, das heißt
letztendlicheinegeringereAnzahlgewon-
nener Eizellen, sowie einen geringeren
Anteil reifer Eizellen (inMetaphase II)und
schließlich eine verminderte Anzahl von
Embryonen pro Stimulationszyklus [10].
Agonisten- und Antagonistenprotokolle
führenbeiPatientinnen mitEndometriose
zu gleich guten Ergebnissen [4].
Hierauf basierend kann das therapeu-
tische Vorgehen der Kinderwunschbe-
handlung diskutiert werden. Sofern keine
mechanischenEinschränkungenbestehen
und eine adäquate männliche Fertilität
vorliegt, kann grundsätzlich eine definier-
te Anzahl monofollikulärer Stimulationen
eventuell mit Inseminationen angeboten
werden, wobei es hierfür keine klaren
Richtlinien gibt [4]. Liegt eine höhergra-
dige Endometriose vor, führt die direkte
multifollikuläre Stimulation mit IVF/ICSI
zu besseren Ergebnissen. Zutreffend ist
dies im Speziellen bei eingeschränkter
Spermienqualität und fraglicher Tuben-
durchgängigkeit, bei geringem EFI-Score
oder aber auch, wenn vorherige mono-
follikuläre Stimulationen erfolglos waren.
JedochsolltedieendgültigeEntscheidung
unter Abwägung aller relevanten Fakto-
ren erfolgen (unter anderem Alter der
Patientin, Nebendiagnosen und Wunsch
des Paars).
Steigerung der Fertilität mittels
Operation?
EinehäufiginderKlinikgestellteFragelau-
tet: „Kann eine operativeTherapie derEn-
dometriosedieFertilitätverbessern?“Eine
generelleEmpfehlungfüreineLaparosko-
pie zur reinen Verbesserung der Fertilität
besteht nicht. In den aktuellen Leitlinien
der European Society of Human Repro-
ductionandEmbryology(ESHRE)wirdbei
PaarsterilitätundEndometrioseimrASRM-
Stadium I und II aufgrund höherer Raten
spontaner Schwangerschaften die opera-
tiveLaparoskopieimVergleich zurrein di-
agnostischenLaparoskopieempfohlen[ 4].
Jedochbestehthierfürnureine„moderate
Evidenz“, da lediglich drei randomisierte,
kontrollierte Studien eingeschlossen wer-
denkonnten.MangelsStudienzuhöheren
rASRM-Stadien findet sich bezüglich ope-
rativer Therapie und natürlicher Fertilität
bei rASRM-Stadium III und IV keine Emp-
fehlung [4]. Liegt eine tiefe Endometriose
186 GynäkologischeEndokrinologie3·2023
Leitthema
mitentsprechenderSchmerzsymptomatik
vor,wirddieoperativeLaparoskopieemp-
fohlen,jedochkonntekeineVerbesserung
der Fertilität gezeigt werden [4].
» Einegenerelle Empfehlung
füreineLaparoskopiezurreinen
VerbesserungderFertilitätbesteht
nicht
In der Klinik allgegenwärtig ist die Fra-
ge nach der operativen Therapie von
Endometriomen und nach deren Auswir-
kung auf die natürliche Fertilität. Hierzu
liegen aktuell leider keine validen rando-
misierten, kontrollierten Studien vor, die
das natürliche Fertilitätsoutcome eines
exspektativen Managements mit dem
eines operativen Vorgehens vergleichen.
Aufgrund dessen besteht gemäß den
ESHRE-Leitlinien nur eine geringgradige
Empfehlung zur operativen Laparoskopie
bei Endometriomen und Infertilität [4].
Jedoch sollte eine chirurgische Interven-
tion vor IVF/ICSI in Betracht gezogen
werden, sofern größere und/oder pro-
grediente Endometriome vorliegen. Zu-
sätzlich bestehende Schmerzsymptome,
eineausreichendeEizellreservesowieeine
sonographisch oder magnetresonanzto-
mographisch nicht klar auszuschließende
Malignität können in diesem Kontext
weitere Argumente für eine Endometrio-
mentfernung mit Diagnosesicherung dar-
stellen[11].EinReviewausdemJahr2019
beschreibt gleiche Schwangerschaftsra-
ten im Rahmen der ART mit oder ohne
Endometriomoperation [3]. Sollte jedoch
im Rahmen des Kinderwunschs nach Ab-
wägung bestimmter klinischer Faktoren
(beispielsweise Schmerzsymptomatik, Al-
ter der Patientin und Eizellreserve) eine
Laparoskopie durchgeführt werden, so
empfiehlt sich die Erhebung des EFI. An-
hand des intraoperativ erhobenen EFI
lässt sich die natürliche Konzeptionsrate
besser abschätzen, was in der Beratung
bezüglich ART vs. monofollikuläre Stimu-
lationodernatürlicheKonzeptionhilfreich
sein kann [28].
„Egg freezing“ bei Endometriose
zum Fertilitätserhalt?
DieDiagnoseeinerEndometriosestelltkei-
nedirekteIndikationfürein„eggfreezing“
dar, jedoch sollten Patientinnen über die-
se Option insbesondere aufgeklärt wer-
den, wenn bei Endometriomen das Risiko
besteht, dass Ovarialgewebe und die da-
rin befindlichen Eizellen verloren gehen.
Idealerweise erfolgt dies im Rahmen der
generellenAufklärungüberEndometriose
und deren Auswirkungen, wobei situati-
onsabhängig auf die potenziell geringere
Eizellreserve und das erhöhte Risiko ei-
ner prämaturen Ovarialinsuffizienz (POI)
eingegangen werden sollte. In Kooperati-
on mit Reproduktionsmedizinern können
Kosten und Risiken der multifollikulären
Stimulation mit Eizellentnahme bespro-
chen und gegen deren eventuellen zu-
künftigen Nutzen abgewogen werden. Ei-
ne Entscheidungshilfe, etwa im Rahmen
einer geplanten Laparoskopie, kann hier-
bei eine präoperative AMH-Bestimmung
sein.
Möglicherweise führen frühere Endo-
metrioseoperationen jedoch zu einer ge-
ringeren Anzahl von Eizellen im Rahmen
einer Stimulationsbehandlung. Eine klini-
scheLebendgeburtenratevon46,4%nach
Kryokonservierung von Eizellen kann je-
doch als adäquates Outcome gewertet
werden [26].
Fazit für die Praxis
4 Aufgrund eines erhöhten Risikos von
Frühaborten und Frühgeburten bei En-
dometriose sollten engmaschige Schwan-
gerschaftskontrollen durchgeführt wer-
den.
4 In der Schwangerschaft können Endome-
triome sonographisch malignen Befun-
den ähneln.
4 Die Lebendgeburtenrate nach Anwen-
dung von Techniken der assistierten Re-
produktion bei endometriosebedingter
Subfertilität ist vergleichbar mit der von
Paaren, die aufgrund anderer Indikatio-
nen eine Sterilitätstherapie erhalten.
4 Eine Operationsindikation zur Fertilitäts-
verbesserung bei Endometriose ist äu-
ßerst zurückhaltend zu stellen und ver-
langt ein Abwägen zahlreicher klinischer
Faktoren (unter anderem Schmerzsym-
ptomatik, Alter und Eizellreserve).
4 Bei Durchführung einer operativen Lapa-
roskopie kann der Endometriosis Fertility
Index bestimmt werden, um die natürli-
che Konzeptionswahrscheinlichkeit abzu-
schätzen.
4 Prä- und postoperativ kann eine Kontrolle
des Anti-Müller-Hormons angeboten wer-
den. Je nach klinischem Kontext sollte ein
„egg freezing“ in Erwägung gezogen wer-
den.
Korrespondenzadresse
Dr. Maike Katja Sachs
KlinikfürReproduktions-Endokrinologie,
UniversitätsspitalZürich
Frauenklinikstrasse10,8091Zürich,Schweiz
[email protected]
Funding. OpenaccessfundingprovidedbyUniver-
sityofZurich
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. M.K.SachsundB.Leenersgeben
an,dasskeinInteressenkonfliktbesteht.
FürdiesenBeitragwurdenvondenAutor/-innen
keineStudienanMenschenoderTierendurchgeführt.
FürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort
angegebenenethischenRichtlinien.
Open Access.DieserArtikelwirdunterderCreative
CommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz
veröffentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung,
Bearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli-
chemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die
ursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge-
mäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz
beifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom-
menwurden.
DieindiesemArtikelenthaltenenBilderundsonstiges
Drittmaterialunterliegenebenfallsdergenannten
CreativeCommonsLizenz,sofernsichausderAbbil-
dungslegendenichtsanderesergibt.Soferndasbe-
treffendeMaterialnichtunterdergenanntenCreative
CommonsLizenzstehtunddiebetreffendeHandlung
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dieobenaufgeführtenWeiterverwendungendesMa-
terialsdieEinwilligungdesjeweiligenRechteinhabers
einzuholen.
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licenses/by/4.0/deed.de.
GynäkologischeEndokrinologie3·2023 187
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