Diagnostik und Therapie benigner
und prämaligner Veränderungen
des Endometriums
Ingolf Juhasz-Böss
Russalina Ströder
Gilda Schmidt
Erich Solomayer
Lars Christian Horn
Daniel Herr
Frauenheilkunde up2date
6 · 2019
Allgemeine Gynäkologie 1
VNR: 2760512019156642215
DOI: 10.1055/a-0986-5884
Frauenheilkunde up2date 2019; 13 (6): 511 –529
ISSN 1439-3719
© 2019 Georg Thieme Verlag KG
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Unter dieser Rubrik sind bereits erschienen:
Benigne und präinvasive Läsion der Brust K. Stewen, S. Theis,
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Gynäkologische Infektionen W. Mendling Heft 2/2019
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D. O. Bauerschlag Heft 2/2017
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schwangere und Frühschwangere U. Pecks, D. O. Bauerschlag
Heft 1/2017
Die medikamentöse Therapie der Patientin mit Endometriose
J. Lermann, J. Hackl, S. Burghaus, T. Hildebrandt, C. Fahlbusch,
S. P. Renner, M. W. Beckmann Heft 1/2017
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J. Petresin, A. Müller, A. Boosz Heft 6/2016
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Heft 5/2016
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H. Siggelkow, P. Hadji Heft 3/2016
HPV-induzierte Erkrankungen M. Hampl, A. Porn Heft 6/2015
Mykosen und Chlamydien in Gynäkologie und Geburtshilfe
W. Mendling, M. Hampl Heft 6/2015
Gynäkologische Notfälle J .W i l m ,A .H e l l f e i e r ,O .O r t m a n n
Heft 5/2015
Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt A. Fürmetz,
K. Jundt Heft 4/2015
Septische Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe
G. Bauerschmitz, A. Opiela, G. Emons Heft 6/2014
Maligne Melanome des weiblichen Urogenitaltrakts
S. Hoffmann, S. Kommoss Heft 3/2014
Genitaler Lichen sclerosus – Diagnostik und Therapie F. Neis,
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Diagnostik und Therapie benigner und prämaligner Verände-
rungen der Vulva und der Zervix F .N e i s ,M .H e n e s ,K .R a l l
Heft 4/2013
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rungen des Endometriums I. Juhasz-Böss, R. Mavrova,
G. Schmidt, E. Solomayer, D. Herr Heft 4/2013
Myomembolisation – State of the Art T. Kröncke Heft 3/2013
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für Brust- und Eierstockkrebs G. Pfeiler Heft 3/2013
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I. Kappstein, T. Hauer Heft 1/2012
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CME-Fortbildung
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In der Praxis stellen sich fast 30 % der prämenopausalen Frauen und 75 % der
postmenopausalen Frauen wegen abnorme nu t e r i n e nB l u t u n g e nv o r .D i e s es i n d
häufig Symptom verschiedener benigner und prämaligner Veränderungen des
Endometriums. Anhand aktueller Leitlinien informiert die vorliegende Arbeit über
die diagnostischen und therapeutisc h e nM ö g l i c h k e i t e ni mZ u s a m m e n h a n gm i t
Endometriumveränderungen.
Einleitung
Benigne und prämaligne Veränderungen des Endomet-
riums sind häufig und bestimmen zu großen Teilen den
Alltag in Praxis und Klinik. Es gibt zahlreiche diagnosti-
sche Optionen, um diese Veränderungen zu erkennen
bzw. zu therapieren. Die vorliegende Arbeit soll einen ak-
tualisierten Überblick über das diagnostische und thera-
peutische Vorgehen geben. Dabei werden sowohl die ein-
zelnen Verfahren beschrieben als auch die aktuelle Evi-
denz zur diagnostischen Sicherheit der jeweiligen Unter-
suchungen dargestellt. Bezüglich der Therapie wird in
Abhängigkeit von der jeweiligen Diagnose ebenfalls eine
aktualisierte und – sofern vorhanden – eine evidenzba-
sierte Therapieempfehlung vorgestellt.
Teil 1 – allgemeine Diagnostik
Der Goldstandard bei der Darstellung des Endometriums
ist die Sonografie ( ▶ Abb. 1). Neben der Abdominalsono-
grafie, der 3-D ‑Sonografie, der Doppler-Sonografie und
der Sonohysterografie ist die Bedeutung der klassischen
Transvaginalsonografie (TVS) trotz ihrer Gre nzen im Hin-
blick auf die niedrige Spezifität und die teilweise schwie-
rige Differenzierung zwischen gutartigen und bösartigen
Befunden unbestritten.
Die Transvaginalsonografie (TVS)
Grundsätzlich erfolgt eine Bewertung des Endometriums
meist nebenbefundlich im Rahmen einer Untersuchung
aufgrund anderer Indikationen (z. B. Unterbauchschmer-
zen, Unterbauchtumor, Urogynäkologie usw.). Es gibt
nur wenige Studien, die sich explizit mit der Ultraschall-
untersuchung asymptomatischer Frauen und der Fra-
gestellung z. B. nach der Früherkennung eines Endome-
triumkarzinoms befassen. Im Rahmen des United King-
dom Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening
(UKCTOCS) wurde bei 48 230 postmenopausalen Frauen
eine TVS ausgewertet. Diese Studie zeigt zwar eine hohe
Sensitivität für die TVS, für ein generelles Screening sind
diese Daten jedoch nicht ausreichend. Zudem fehlen aus
dieser Studie Angaben zum Gesamtüberleben. Auch wei-
sen diese Daten auf eine hohe Zahl unnötig durchgeführ-
ter operativer Eingriffe hin [1].
Die meisten Daten zum Stellenwert der Ultraschallunter-
suchung liegen bei Patientinnen mit postmenopausaler
Blutung vor [2, 3]. Hierbei ergibt sich eine niedrige Wahr-
scheinlichkeit für das Vorliegen einer malignen Verände-
rung des Endometriums bei transvaginal gemessenem
schmalen Endometrium. Die Cut-off-Werte für die Endo-
metrium-Gesamtdicke liegen dabei je nach Studie bei 3 –
5 mm. Smith-Bindman et al. fanden z. B. eine Endometri-
umkarzinomrate von 7,3 % ab einer Endometriumdicke
> 5 mm, wobei die Endometriumkarzinomrate bei einer
Dicke ≤ 5 mm bei lediglich 0,07 % lag [2]. In einer aktuel-
leren Studie wird gar eine Endometriumdicke von 3 mm
als Cut-off-Wert diskutiert [3].
Postmenopausal wird die Endometriumdicke durch die
Einnahme einer Hormonersatztherapie (HRT) beeinflusst.
Eine große Metaanalyse zeigte, dass auch die Inzidenz
von Blutungsstörungen und Endometriumhyperplasien
bei Anwendung einer Östrogentherapie deutlich erhöht
war.
Merke
Die Art der HRT ist für die sonografische Beurteilung
der Endometriumdicke von Bedeutung.
In einer Studie von Van den Bosch et al. mit insgesamt
238 Frauen betrug die durchschnittliche Endometriumdi-
cke unter einer kontinuierlichen kombinierten Östrogen-
Gestagen-HRT 3,5 ± 1,6 mm, wohingegen die Endometri-
umdicke unter der Einnahme von Tibolon 4,1 ± 1,9 mm
und unter der Einnahme einer sequenziellen HRT
Diagnostik und Therapie benigner und prä-
maligner Veränderungen des Endometriums
Ingolf Juhasz-Böss, Russalina Ströder, Gilda Schmidt, Erich Solomayer,
Lars Christian Horn, Daniel Herr
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511Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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5,5 ± 2,5 mm betrug [4]. Die Endometriumdicke unter
einer sequenziellen HRT ist damit um 2 mm signifikant di-
cker als unter der Einnahme von Tibolon oder einer kon-
tinuierlichen HRT (p = 0,0001). Verwendet man also die
Cut-off-Werte von Patientinnen ohne HRT für Patientin-
nen, die eine HRT einnehmen, so liegt eine niedrigere
diagnostische Spezifität für das Erkennen eines Endome-
triumkarzinomes vor, v. a. bei Patientinnen unter sequen-
zieller HRT [5].
Auf den Stellenwert der TVS in Abhängigkeit der einzel-
nen endometrialen benignen und prämalignen Erkran-
kungen wird weiter unten genauer eingegangen. Auch
wenn der transvaginale Ultraschall als Screeningmethode
für die Früherkennung eines Endometriumkarzinoms der-
zeit seine Wertigkeit evidenzbasiert nicht belegen kann,
so stellt diese Methode eben in der Diagnostik der benig-
nen Erkrankungen des Endometriums einen festen Be-
standteil der gynäkologischen Untersuchung dar.
Die Magnetresonanztomografie (MRT)
Die Magnetresonanztomografie kann bei schlechten
Schallverhältnissen oder komplexen Fragestellungen zu-
sätzliche Informationen liefern, z. B. bei der Beurteilung
von Synechien im Cavum beim Asherman-Syndrom oder
bei Uterusfehlbildungen. Durch die Möglichkeit zur Dar-
stellung mehrerer Ebenen ist die MRT bei der Planung
des hysteroskopischen/operativen Eingriffes hilfreich.
Hier kann das MRT beispielsweise beim hysteroskopi-
schen Eingehen ins Cavum bei einem fortgeschrittenen
Asherman-Syndrom von Nutzen sein, um die richtige
Ebene freizulegen. Allerdings ist aufgrund der Kosten-
Nutzen-Relation die S onografie in der Primärsituation
klar dem MRT vorzuziehen. Des Weiteren ist die Verfüg-
barkeit der Sonografie dem MRT ebenfalls überlegen.
Beide Verfahren sind nicht invasiv und führen zu keiner
Strahlenbelastung. Laut einer Studie von Griffin et al. ist
bei der Pelvic inflammatory Disease (PID) das MRT der
TVS überlegen, bei einer Sensitivität von 95 %, einer Spe-
zifität von 89 % und einer Genauigkeit von 93 % gegen-
über einer Sensitivität von 81%, einer Spezifität von 78%
und einer Genauigkeit von 80 % beim TVS [6].
Die Hysteroskopie (HSK)
Die Hysteroskopie wurde erstmals durch Bozzini 1807 be-
schrieben und gehört offenbar zur ältesten endoskopi-
schen Technik in der Medizin. Heutzutage verwendet
man sie routinemäßig zur Abklärung unterschiedlicher
Symptome, als deren Ursache eine endometriale oder in-
trakavitäre Pathologie vermutet wird (
▶ Abb. 2). Die Hys-
teroskopie kann jedoch nicht nur diagnostisch, sondern
auch therapeutisch eingesetzt werden. Sie ist eine ein-
fache, ambulant durchführbare Methode mit einer Kom-
plikationsrate < 1 %. Zahlreiche Studien konnten bisher
die Effizienz der diagnostischen Hysteroskopie bestäti-
gen, vor allem zur Abklärung der abnormen uterinen Blu-
▶ Abb. 1 Transvaginalsonografie: Darstellung eines prämenopausalen
Endometriumkarzinoms in 3 Ebenen.
512 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
CME-Fortbildung
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tung. Die direkte Visualisierung des Cavums uteri kann
intrauterine Pathologien bei Frauen mit abnormen uteri-
nen Blutung detektieren.
PRAXISTIPP
Fast 30 % der prämenopausalen Frauen und 75 % der
postmenopausalen Frauen konsultieren den Frauen-
arzt wegen abnormen uterinen Blutungen [5]. Eine
exakte Lokalisation der intrauterinen Befunde ist
mithilfe der Hysteroskopie möglich.
Die Hysteroskopie eignet sich sehr gut zur Diagnostizie-
rung von:
▪ Korpuspolypen
▪ submukösen Myomen
▪ Synechien
▪ kongenitalen uterinen Malformationen
▪ dem Asherman-Syndrom usw.
Die Endometriumbiopsie, die blind durchgeführt wird,
hat im Gegensatz zur Hysteroskopie eine deutlich gerin-
gere Sensitivität und führt in bis zu 50 % der Fälle zum
Übersehen von kleinen endometrialen Veränderungen.
Eine Studie von 1998 konnte zeigen, dass 13,4 % der Pa-
tientinnen mit postmenopausaler Blutung nach alleiniger
Abrasio wegen persistierender bzw. rezidivierender Blu-
tung abermals operiert werden mussten, während es
nur 3,0 % der Patientinnen nach kombinierter Hystero-
skopie und Abrasio waren. Der Grund hierfür lag z. B. da-
rin, dass bei der alleinigen fraktionierten Abrasio offen-
sichtlich Reste oder weitere Polypen zurückgelassen wur-
den.
Aber auch die Hysteroskopie hat ihre diagnostischen
Grenzen. Technische Probleme und die Erfahrung des
Operateurs scheinen eine Rolle zu spielen. Trotz Hystero-
skopie ist es möglich, Befunde zu übersehen, sodass un-
terschiedliche Sensitivitäten und Spezifitäten in der Lite-
ratur für die Hysteroskopie angegeben werden. Diese rei-
chen von einer Sensitivität von 74 % und einer Spezifität
von 96 % bis zu einer Sensitivität von 100 % und einer Spe-
zifität von 99 %.
Merke
Bei 3 –5 % der Patientinnen mit postmenopausaler
Blutung ist die Hysteroskopie aus technischen oder
anatomischen Gründen überhaupt nicht möglich [7].
Insgesamt ist die Hysteroskopie eher zur Diagnose als
zum Ausschluss eines Karzinoms geeignet. Dies zeigt
auch eine prospektive Studie von 2012. Insgesamt wur-
den 83 Frauen mit postmenopausaler Blutung und einer
Endometriumdicke im TVS von ≥ 5 mm hysteroskopisch
untersucht. Zusätzlich zur Hysteroskopie erfolgte auch
eine Endometriumbiopsie. Anschließend wurden die hys-
teroskopisch erhaltenen Diagnosen mit den endgültigen
histologischen verglichen. Festzustellen war, dass mit
31,1 % Korpuspolypen die häufigste endometriale Verän-
derung darstellten. Insgesamt war in 27,8 % der Fälle ein
hyperplastisches Endometrium vorzufinden, aber in nur
15,6 % wurde es überhaupt hysteroskopisch vermutet.
Außerdem wurde von den insgesamt 16,9 % histologisch
gesicherten Endometriumkarzinomen lediglich die Hälfte
hysteroskopisch erkannt. Bei gutartigen endometrialen
Veränderungen war die Sensitivität der Hysteroskopie
mit 94,7 %, die Spezifität mit 97,8 %, der positive Prädik-
tionswert mit 97,3 % und der negative Prädiktionswert
mit 95,7 % anzugeben. Die Gesamtsensitivität der Hyste-
roskopie betrug jedoch nur 56,5 %, die Gesamtspezifität
91,6 %, der positive Prädiktionswert 72,2 % und der nega-
tive Prädiktionswert 84,6 %. Bei Endometriumhyperplasie
sind die Werte, wie auch beim Endometriumkarzinom
folgendermaßen anzugeben: 50 % für die Sensitivität,
94,2 % für die Spezifität, ein positiver Prädiktionswert
von 63,6 % und ein negativer von 90,2 % [8].
Eine 2002 veröffentliche Metaanalyse mit Daten zu
26 346 Patientinnen zeigte, dass die Sensitivität der Hys-
teroskopie beim Endometriumkarzinom im Mittel bei
86,4 % liegt und die Spezifität bei 99,2%, während die
Hysteroskopie bei leicht- und mittelgradigen Verände-
rungen wie etwa glandulär-zystischer Hyperplasie oder
adenomatöser Hyperplasie nicht ganz so gut ist mit einer
Sensitivität von 78 % und einer Spezifität von 95,8 % [7].
Während einer durchgeführten Hysteroskopie kann es
theoretisch auch zu einer intraabdominellen Tumorzell-
verschleppung kommen. Kleine randomisierte Studien
und die überarbeiteten FIGO-Leitlinien zeigen, dass diese
Tumorzellverschleppung keinen Einfluss auf die Rezidiv-
rate oder Überleben von Endometriumkarzinompatien-
▶ Abb. 2 Diagnostische Hysteroskopie: Es zeigt sich ein allseits unauffäl-
liges, entsprechend der ersten Zyklushälfte proliferiertes Endometrium.
513Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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tinnen zu haben scheint. Auch eine wiederholte präope-
rative HSK bei Patientinnen mit einem Endometriumkar-
zinom führt zu keiner signifikant vermehrten Rate an po-
sitiven Douglaszytologien [9].
In Deutschland bleibt die Hysteroskopie zusammen mit
der fraktionierten Abrasio Goldstandard zur Abklärung
endometrialer Veränderungen.
PRAXISTIPP
Eine alleinige Hysteroskopie kann bei Frauen mit
postmenopausaler Blutung und einer erhöhten
Endometriumdicke eine Endometriumhyperplasie
oder ein Endometriumkarzinom nur selten aus-
schließen [8]. Ohne Abrasio reicht sie nicht aus,
um benigne von prä- oder malignen intrakavitären
Befunden unterscheiden zu können.
Methodik der histologischen Sicherung
Das Standardverfahren zur histologischen Sicherung von
unklaren Befunden im Bereich des Endometriums ist wei-
terhin die fraktionierte Abrasio, bei der das Gewebe ge-
trennt in Zervix- bzw. Korpusfraktion gewonnen wird. Es
besteht jedoch eine relevante diagnostische Unsicherheit
bei Durchführung einer alleinigen Abrasio [5]. Die initiale
Abrasio ist im Vergleich mit einer Re-Abrasio bzw. mit der
im zeitnahen Anschluss erfolgten Hysterektomie mit
einer diagnostischen Fehlerquote von 10 –25 % behaftet.
Insbesondere fokale Läsionen, wie gestielte Polypen und
submuköse Myome, sowie Endometriumveränderungen
im Bereich der Tubenecken werden zum Teil bei der Ge-
webeentnahme der initialen Abrasio nicht miterfasst. Da-
her hat sich in der klinischen Routine der zusätzliche Ein-
satz der Hysteroskopie zur Verbesserung der diagnosti-
schen Sicherheit der fraktionierten Abrasio oder der Ein-
satz der Hysteroskopie mit gezielter Biopsie durch-
gesetzt. Trotz zahlreicher kleinerer Studien zum Vergleich
der verschiedenen invasiven Abnahmetechniken (Pipelle,
Pistolet, Abradul, Strichkürettage) haben diese sich als Al-
ternative zur fraktionierten Abrasio bzw. hysteroskopisch
gestützt entnommenen Biopsie nur in Ausnahmefällen
durchgesetzt. Besteht z. B. ein hohes Narkoserisiko, kann
auf eine Hysteroskopie und Kürettage verzichtet werden
und es ist der Versuch einer einfachen Biopsie aus dem
Cavum uteri gerechtfertigt. Die Entnahme von Endomet-
rium mit den oben genannten alternativen Techniken gilt
aber seit der 2000 publizierten Metaanalyse von 39 Studi-
en von Dijkuizen besonders bei prämenopausalen Patien-
tinnen als nicht ausreichend zuverlässig und sollte im Re-
gelfall eine histologische Abklärung mittels Kürettage
nicht ersetzen.
Merke
Nur im Falle eines positiven Befundes nach der
Durchführung alternativer Abnahmeverfahren
(anstelle fraktionierter Abrasio bzw. hysteroskopisch
entnommener Biopsie) ist dieser als beweisend zu
betrachten [10].
Aufarbeitung und Befundung
von Abrasiomaterial in der Pathologie
Makroskopie
Bei der makroskopischen Beurteilung ist es zweckmäßig,
die Beschaffenheit des übersandten Gewebes anzuge-
ben. In jedem Fall soll eine metrische Größenangabe er-
folgen. Beim Vorliegen von Polypen und/oder Leiomyo-
men sollte deren Größe und Beschaffenheit angegeben
werden. Lässt sich im übersandten Gefäß makroskopisch
kein Material nachweisen, sollten die übersandte Flüssig-
keit zentrifugiert und daraus Zytospinpräparate angefer-
tigt werden. Die Rate insuffizienten Gewebes, das bei
der Abrasio gewonnen wurde, schwankt zwischen 12
und 27 % (
▶ Abb. 3). Der Nachweis eines pathologischen
Endometriumbefundes beim Zweiteingriff (Re-Abrasio
oder Hysterektomie) schwankt zwischen 10 und 20 %,
wobei in rund der Hälfte dieser Patientinnen ein Endome-
triumkarzinom gesichert werden konnte. Der Pr ozentsatz
eines im Zweiteingriff nachweisbaren Malignoms ist bei
prämenopausalen Patientinnen signifikant geringer. Glei-
ches gilt für Patientinnen, bei denen sonografisch und
hysteroskopisch ein atrophes Endometrium vorliegt. Ba-
sierend auf den publizierten Studien kann die in
▶ Tab. 1
zusammengefasste Empfehlung abgeleitet werden.
Zur Aufarbeitung und Befundung von Abrasiogewebe hat
auch die S3-Leitlinie explizit Stellung genommen [11, 12]:
„Das aufgrund einer dysfunktionalen bzw. postmenopau-
salen Blutung per Abrasio oder endometrialer Biopsie
▶ Abb. 3 Beispiel für ein insuffizientes Abrasiomaterial in einem Korpus-
abradat bei einer 55-jährigen Frau mit postmenopausaler Blutung mit viel
koaguliertem Blut und Fibrin und nur wenigen, fragmentierten endo-
metrialen Drüsen (Pfeile).
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entnommene Gewebe soll vollständig entsprechend der
Entnahmelokalisation (Zervix- und Korpusfraktion) auf-
gearbeitet werden “ [11, 12].
Mikroskopie
Im histopathologischen Befundbericht soll zum Vorliegen
und zur Art einer endometrialen Hyperplasie Stellung ge-
nommen werden. Die in den letzten Jahren immer wieder
modifizierte Nomenklatur endometrialer Hyperplasie ist
in
▶ Tab. 2 und Abb. 4 zusammengefasst. Beim Nachweis
eines Karzinoms soll der histopathologische Tumortyp
unter Berücksichtigung der aktuellen WHO-Klassifikation
angegeben werden.
Lässt sich im Abradat ein MMMT (Karzinosarkom) nach-
weisen, soll auch hier der histologische Tumortyp des
Karzinomanteils entsprechend der aktuellen WHO-Klassi-
fikation angegeben werden. Zweckmäßig erscheint
ebenso die dezidierte Angabe des histologischen Typs
des Sarkomanteils, der entscheidend für die Einordnung
des MMMT in seinen homo- bzw. heterologen Typ ist, so-
wie die Angabe des Prozentsatzes der einzelnen Kom-
ponenten. Prognostisch ungünstig ist der Nachweis eines
serösen Karzinoms in der malignen epithelialen und einer
rhabdomyosarkomatösen Komponente in der malignen
mesenchymalen Komponente sowie ein Sarkomanteil
der mehr als 50 % der Gesamttumormasse einnimmt
(sog. sarkomatöse Überwucherung).
Cave
Beim Auftreten einer Sarkomkomponente im Abradat
(insbesondere bei heterologer Morphologie) muss
immer auch ein endometriales Sarkom mit heterolo-
gen Elementen ausgeschlossen werden.
PRAXISTIPP
Beim Nachweis von Tumorgewebe in der Zervixfrak-
tion soll eine Aussage erfolgen, ob eine Infiltration
des endozervikalen Stromas vorhanden ist oder das
Tumorgewebe isoliert vorliegt und aufgrund der
azyklischen Blutung aus dem Cavum uteri in den
Zervikalkanal disloziert wurde [13].
▶ Tab. 1 Risikoadaptiertes Vorgehen bei Patientinnen mit Gewinnung insuffizienten Abrasiomaterials.
Risikokonstellation für eine Endometriumhyperplasie bzw. ‑karzinom und Notwendigkeit eines Zweiteingriffes
niedriges Risiko hohes Risiko
▪ prämenopausal ohne Risikofaktoren
▪ atrophes Endometrium
▪ prämenopausal mit Risikofaktoren (z. B. PCO, Adipositas; familiäre
Belastung)
▪ Lynch-Syndrom
▪ sonografisch und/oder hysteroskopisch verdicktes Endometrium
▪ VD Follikelpersistenz
▪ VD hormonaktiver Ovarialtumor
↓↓
keine Re-Abrasio
sonografische Kontrolle
Re-Abrasio (3–6 Monate)
ggf. Hysterektomie nach weiterer präoperativer Abklärung
▶ Tab. 2 Gegenüberstellung der Nomenklatur endometrialer Hyperplasien mit Vergleich der WHO-Klassifikation von 2003 und 2014 entsprechend
der aktuellen S3-Leitlinien Endometriumkarzinom (AWMF 2018).
Typ 1-Karzinome (östrogenassoziiert, Lynch- und Cowden-Syndrom)
Deskription glandulär-zystische Hyperplasie gering-/mäßiggradige adenomatöse
Hyperplasie
hochgradige adenomatöse
Hyperplasie
WHO 1994/2003 einfache Hyperplasie
a) ohne Atypien
b) mit Atypien
komplexe Hyperplasie atypische Hyperplasie
WHO 2014 nicht atypische Hyperplasie atypische Hyperplasie
syn. endometriale intraepitheliale
Neoplasie (EIN)
Typ 2-Karzinome (seröses Karzinom)
WHO 2014 –– seröses endometriales
In-situ-Karzinom (SEIC)
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Molekularpathologie
Bei der Diagnose eines endometrioiden Endometrium-
karzinoms empfiehlt die S3-Leitlinie die immunhistoche-
mische Bestimmung des Steroidhormonstatus [11, 12].
Unabhängig vom histologischen Subtyp des Karzinoms
ebenso empfohlen wird der immunhistochemische Aus-
schluss bzw. Nachweis einer Mikrosatelliteninstabilität
bei Patientinnen < 60. Lebensjahr. Diese kann auf ein
Lynch-Syndrom hinweisen, das dann weiter interdiszipli-
när abgeklärt werden muss. Mittelfristig ist zu erwarten,
dass die immunhistochemisch basierte molekulare Klassi-
fikation des Endometriumkarzinoms praxisrelevant wird.
Diese kann valide am Abrasiomaterial bestimmt werden
[14], sodass das Ergebnis bereits in die präoperative The-
rapieentscheidung einbezogen werden kann.
Teil 2 – spezifische Diagnostik
und Therapie
Postmenopausenblutung (PMB)
Blutungen, die in der Postmenopause auftreten, sind irre-
gulär und bedürfen einer histologischen Abklärung. Bis
zu 10% aller Frauen, die älter als 55 Jahre sind, haben im
Laufe ihres Lebens eine Postmenopausenblutung. Sie ist
damit ein unspezifisches Symptom und kann sehr viele
unterschiedliche Ursachen haben.
Zum einen kann sie z. B. durch eine harmlose atrophische
Kolpitis bedingt sein, der lediglich ein Östrogenmangel
zugrunde liegt. Zum anderen kann die Postmenopausen-
blutung auch das 1. Symptom einer ernsthaften Erkran-
kung sein wie Vulva-, Vaginal-, Zervix-, Endometrium-,
Tuben- oder Ovarialkarzinom.
komplexe, nicht atypische
Hyperplasie (WHO 2003)
einfache, nicht atypische
Hyperplasie (WHO 2003)
seröses endometriales
In-situ-Karzinom (SEIC)
seröses Adenokarzinom
des Endometriums
nicht atypische Hyperplasie
(WHO 2014)
atypische Hyperplasie
(WHO 2014)
komplexe, atypische
Hyperplasie (WHO 2003)
endometrioides
Adenokarzinom (G1)
▶ Abb. 4 Beispiele zur Histopathologie endometrialer Hyperplasien mit Vergleich der WHO-Klassifikation von 2003 und 2014 entsprechend der
aktuellen S3-Leitlinien Endometriumkarzinom.
516 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
CME-Fortbildung
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Studien zeigen, dass nur ca. 10 % der Frauen mit einer
postmenopausalen Blutung auch wirklich ein Endometri-
umkarzinom haben. In den meisten Fällen liegt eine beni-
gne Ursache für die Postmenopausenblutung vor.
Merke
Ist die Endometriumdicke im Transvaginalultraschall
mit ≥ 5 mm erhöht, verdoppelt sich die Inzidenz-
wahrscheinlichkeit für das Endometriumkarzinom.
Eine 2008 veröffentlichte Arbeit zeigt, dass 60 –80 % der
Frauen mit einer Postmenopausenblutung ein atrophi-
sches Endometrium hatten, ohne Pathologie. Bei wei-
teren 15 –25 % von ihnen war die Hormonersatztherapie
Ursache für die Postmenopausenblutung. Eine Endome-
triumhyperplasie, mit und ohne Atypien, lag in 5 –10 %
der Fälle vor. Korpus- oder Zervixpolypen waren bei 2 –
12 % der Frauen mit postmenopausaler Blutung vorzufin-
den. Uterusmyome, Zervixkarzinome, Zervizitis, atrophi-
sche Vaginitis, Tamoxifen-Therapie, Trauma, Gerinnungs-
hemmer usw. waren hingegen selten und kamen in < 10 %
der Fälle vor [15].
Ähnliche Ergebnisse zeigt eine Studie mit 1031 post-
menopausalen Patientinnen, die zur Abklärung der vagi-
nalen Blutung an die Klinik überwiesen wurden. Hier fand
man in 45,4 % der Fälle ein atrophes Endometrium ohne
Pathologie. Bei 19,5 % der Frauen ließen sich Korpus-
polypen nachweisen. 17,6 % der untersuchten Frauen
hatten ein Endometriumkarzinom und 6,8 % eine Endo-
metriumhyperplasie (1,9 % fokale, 3,5 % diffuse, 1,4 % aty-
pisch komplexe). In 5,4 % der Fälle lag ein Zervixkarzinom
vor [16].
Obwohl in den meisten Fällen eine benigne Ursache für
die Postmenopausenblutung vorliegt, ist das Hauptziel
der gynäkologischen Untersuchung, die Ursache für die
postmenopausale Blutung herauszufinden und ein Endo-
metriumkarzinom auszuschließen.
Tamoxifenassoziierte Veränderungen
des Endometriums
Tamoxifen als selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator
wird häufig im Rahmen der endokrinen Therapie des
Mammakarzinoms eingesetzt. Dabei konnte bei post-
menopausalen Frauen unter Tamoxifen-Therapie eine hö-
here Progressionsrate zu einer atypischen Proliferation
gezeigt werden. In der statistischen Analyse ergibt sich
ein 2,7-fach erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Endo-
metriumkarzinoms unter einer Tamoxifen-Therapie. Da
die transvaginale Sonografie nur sehr unzureichend in
der Lage ist, pathologische Veränderungen der Endome-
triumschleimhaut im Rahmen der Nachsorgeunter-
suchung bei Tamoxifen-Therapie sicher zu erfassen, wird
in der aktuellen S3-Leitlinie empfohlen, bei asymptomati-
schen Patientinnen unter einer Tamoxifen-Therapie die
TVS zur Früherkennung eines Endometriumkarzinoms
nicht durchzuführen [11, 12]. In neuesten Studien wird
für die TVS eine Spezifizität von 63,6 % und eine Sensitivi-
tät von lediglich 81,1% beschrieben [17]. Da Patientinnen
mit einem Endometriumkarzinom meist eine vaginale
Blutung als klinisches Zeichen einer schwerwiegenden
Endometriumpathologie aufweisen, soll nur eine Blutung
unter Tamoxifen-Einnahme histologisch abgeklärt wer-
den (
▶ Abb. 5).
Asherman-Syndrom
Definition und Ätiologie
SYNONYME
Synonym zum Begriff Asherman-Syndrom werden
auch die folgenden Termini verwendet:
▪ intrauterine Adhäsionen
▪ intrauterine Synechien
▪ uterine Atresie
▪ traumatische Amenorrhö
▪ endometriale Sklerosierung
Intrauterine Adhäsionen wurden erstmals durch Heinrich
Fritsch (1894) und Joseph Asherman (1948) in der Litera-
tur beschrieben. Die häufigste Ursache für ein Asherman-
Syndrom ist die Kürettage am schwangeren Uterus.
Friedler et al. beschreiben eine Inzidenz von 16 % nach
stattgehabter Kürettage, nach weiteren Eingriffen stieg
die Inzidenz auf das Doppelte an [18]. Laut einer Über-
sichtsarbeit von Schenker und Margalioth von 1982 vari-
iert die Prävalenz von Land zu Land, da sich verschiedene
Faktoren wie die Häufigkeit illegaler Aborte, die Ausbil-
▶ Abb. 5 „Tamoximetra“. Hysteroskopische Darstellung
eines postmenopausal hyperplastischen Endometriums
unter Tamoxifen-Therapie.
517Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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dung der Gynäkologen, die Möglichkeit einer Diagnostik
des Asherman-Syndroms sowie die angewendete Metho-
de zur Kürettage unterscheiden [19]. Weitere Risikofak-
toren sind: iatrogene Ursachen (Abortkürettage, Inter-
ruptio, manuelle Plazentalösung, hysteroskopische Po-
lypentfernung, Myomenukleation), Endometritis, Pelvic
inflammatory Disease (PID), genitale Tuberkulose, Schis-
tosomiasis und Uterusmalformationen.
PRAXIS
Symptomatik bei Asherman-Syndrom
▪ Störungen des Regelzyklus bis hin zur Amenorrhö
▪ retrograde Blutung
▪ Endometrioseentstehung
▪ chronische Unterbauchbeschwerden
▪ Infertilität
▪ gehäufte Aborte
▪ gesteigerte Rate an Frühgeburten
▪ fehlerhaften Plazentasitz
▪ Placenta accreta
▪ Ausbildung einer fetalen IUGR während der
Schwangerschaft
Zur kompletten Diagnostik eines Asherman-Syndroms
gehören eine ausführliche Anamnese und eine hormonel-
le Abklärung, um ggf. andere Ursachen einer Amenorrhö
auszuschließen. Zur Bildgebung werden folgende Verfah-
ren verwendet: die Transvaginalsonografie, die 3-D ‑So-
nografie, die Hysterosalpingo-Kontrastsonografie, ggf.
eine Hysterosalpingografie und eine Magnetresonanz-
tomografie (MRT) vom Becken.
Merke
Als Goldstandard der Diagnostik gilt jedoch die
Hysteroskopie, da sie neben der Diagnostik auch
therapeutische Optionen ermöglicht.
Ziele der Behandlung des Asherman-Syndroms sind die
Wiederherstellung des Cavum uteri, eine Vermeidung er-
neuter Adhäsionen, eine Regeneration des Endomet-
riums und damit auch die Wiederherstellung der Fertili-
tät. Das Cavum wird durch eine hysteroskopische Adhä-
siolyse (mittels einer kleinen Schere, einer monopolaren
Nadel, eines bipolaren Versapoint oder eines Lasers) wie-
derhergestellt. Anschließend erfolgt die Anlage eines Bal-
lonkatheters (Foley catheter) intrakavitär postoperativ
oder eine intrauterine Hyaluronsäureapplikation, um er-
neuten Adhäsionen vorzubeugen; zusätzlich können Hor-
monpräparate zur Stimulation des Endometriums gege-
ben werden.
Wiederherstellung der Fertilität
nach einem hysteroskopischen Eingriff
Obwohl das Cavum laut Pace et al. in 57,8 –97,5 % wieder-
hergestellt werden kann, ist das reproduktive Endergeb-
nis aufgrund der Fibrosierung des Endometriums limi-
tiert. Die Schwangerschaftsrate steigt ebenfalls nach
Pace et al. nach einer Behandlung von 28,7 % auf 53,6 %
postoperativ [20]. Die Rate an Lebendgeburten liegt laut
Katz et al. präoperativ bei 18,3 % und steigt postoperativ
auf 68,8 % [21].
Dennoch haben Frauen mit einem Asherman-Syndrom
nach einer erfolgreichen hysteroskopischen Behandlung
während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko hin-
sichtlich einer erhöhten Abortrate, einer vorzeitigen Ent-
bindung, eines abnormen Plazentasitzes, der Entwick-
lung einer IUGR des Kindes, einer Uterusruptur und einer
Placenta accreta. Eine engmaschige Betreuung während
der Schwangerschaft ist anzuraten.
Polypen
Gebärmutterpolypen entstammen entweder der Zervix-
oder der Korpusschleimhaut. Sie entstehen durch erhöh-
te Zellteilungsaktivität der Gebärmutterschleimhaut.
Merke
Durch die häufig eingesetzte TVS haben Polypen
eine hohe Entdeckungsrate.
FALLBEISPIEL 1
Eine 42-jährige III Gravida I Para stellt sich aufgrund
einer überperiodenstarken Blutung seit 3 Tagen vor.
Zudem berichtet sie über Zwischenblutungen in den
letzten Monaten, davor sei der Zyklus regelmäßig
gewesen.
Anamnese: Keine Hormoneinnnahme, eine Unter-
bindung erfolgte mit 38 Jahren. Keine Nebenerkran-
kungen, negative Familienanamnese hinsichtlich
gynäkologischer Karzinome.
Untersuchung: In der Spekulumuntersuchung zeigt
sich eine überperiodenstarke Blutung aus dem Zer-
vixkanal mit Koageln in der Scheide, die Endometri-
umdicke im transvaginalen Ultraschall liegt bei
12 mm, zusätzlich V. a. Vorderwandpolyp intrakavitär
DD: Myom, ansonsten keine Auffälligkeiten. Im Labor
zeigt sich ein Hämoglobin von 9 mg/dl.
Prozedere: Indikation zur Durchführung einer opera-
tiven Hysteroskopie mit Abrasio.
Diagnose: Bei dem abgetragenen Gewebe intrakavitär
handelt es sich um einen hyperplastischen Korpus-
polypen. Es ist keine weitere Therapie notwendig.
518 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
CME-Fortbildung
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Zervixpolypen
Zervixpolypen sind lokale benigne Hyperplasien der Zer-
vixschleimhaut, die durch Proliferation des zervikalen Zy-
linderepithels bis in die Ektozervix entstehen. Oftmals
bleiben diese jahrelang unentdeckt. Sie können aber
auch durch Schmier-, Kontakt- oder Postmenopausen-
blutungen auffallen. Sichtbar werden die Zervixpolypen
bei der Spekulumuntersuchung; sie zeigen sich als Raum-
forderungen im Bereich des Muttermundes oder hängen
an ihrem Stiel aus dem Muttermund heraus.
PRAXISTIPP
Oft ist der Ursprung des Polypen (Zervikalkanal oder
Endometrium) nicht ganz eindeutig. Daher sollte
eine Hysteroskopie sowie eine In-toto-Entfernung
des Polypen angestrebt werden.
Korpus-/Endometriumpolypen
Endometriumpolypen sind exophytäre muköse Läsionen,
die sich in Form, Größe, Anzahl und Erscheinungsbild
deutlich unterscheiden können. Insgesamt unterteilt
m a nE n d o m e t r i u m p o l y p e ni n3F o r m e n :
▪ hyperplastische Polypen,
▪ atrophische Polypen und
▪ funktionelle Polypen.
Die hyperplastischen Polypen stammen von der Basalis
ab, sind östrogen-, aber nicht progesteronsensitiv und ih-
re Drüsen zeigen histologisch eine Hyperplasie auf. Hohe
Progesterondosierungen hingegen können auch die Zell-
teilungsaktivität erhöhen.
Die atrophischen Polypen kommen meist in der Post-
menopause vor und sind durch atrophisches, oft zysti-
sches Epithel gekennzeichnet.
Die funktionellen Polypen sind eher selten und folgen den
zyklusabhängigen Veränderungen des Endometriums.
Die heutzutage häufig eingesetzte antihormonelle Thera-
pie mit dem partiellen Östrogenantagonisten Tamoxifen
beim Mammakarzinom scheint auch das Auftreten von
Korpuspolypen durch Proliferation am Endometrium zu
fördern.
Meistens kommen Polypen singulär vor, ein multipler Be-
fall wird in der Literatur mit 12 –29 % angegeben. Bei post-
menopausalen Frauen hingegen wurden in 37,3 % der Fäl-
le das Vorkommen mehrerer Polypen gleichzeitig diag-
nostiziert.
Das Oberflächenepithel des Korpuspolypen ähnelt dem
des Endometriums und fühlt sich beim Berühren mit
dem Resektoskop meist weich an. Endometriumpolypen
können sowohl breitbasig als auch gestielt auftreten. Dif-
ferenzialdiagnostisch kommen auch gestielte Myome in-
frage, die ähnlich aussehen können. Diese fühlen sich je-
doch im Unterschied zu Korpuspolypen derber an und
sind anders als Korpuspolypen von einem kubischen oder
zylindrischen Ephithel bedeckt, in welchem sich ein Netz-
werk von hypertrophen Blutgefäßen abzeichnen lässt.
Merke
Korpuspolypen sind eine der häufigsten Blutungs-
ursachen insbesondere in der Perimenopause.
Bei ca. 20 % der Frauen mit abnormen uterinen Blutungen
und bei 15 % der infertilen Frauen werden hysterosko-
pisch Endometriumpolypen diagnostiziert. In einer ande-
ren Arbeit konnte gezeigt werden, dass von 1000 unter-
suchten Sterilitätspatientinnen bei 32 % der Frauen Poly-
pen vorzufinden waren. Es ist anzunehmen, dass ein Zu-
sammenhang zwischen Sterilität, erhöhter Abortrate
und Polypen besteht, beweisen konnte man es bisher je-
doch nicht.
Korpuspolypen können zusammen mit einer glandulären
Hyperplasie auftreten und lange unerkannt bleiben. In
30–50 % der Fälle erweisen sich hyperplastische Endome-
triumstrukturen im TVS bei postmenopausalen Frauen
hysteroskopisch als Korpuspolypen. Auch bei s onogra-
fisch und hysteroskopisch unauffälligen Polypen in der
Postmenopause sollte eine histologische Abklärung erfol-
gen, denn in ca. 7 % der Fälle liegen prämaligne oder ma-
ligne Veränderungen vor (
▶ Abb. 6).
Ben-Arie et al. konnten zeigen, dass das Malignitätsrisiko
eines Endometriumpolypen ab einer Größe von 15 mm
bei etwa 3 % liegt und für prämaligne Läsionen bei 11,4 %.
In der Menopause erhöht sich das Risiko eines Polyps, zu
entarten, auf 3 –5% [22].
Weitere Faktoren wie hohes Alter, Postmenopausensta-
tus, Adipositas und Diabetes mellitus spielen ebenfalls
eine Rolle. Bislang konnte auch nicht eindeutig geklärt
werden, ob es sich in diesen Malignitätsfällen wirklich
um eine Polypentartung oder um eine eigene Entität han-
delt. Das Entartungspotenzial des partiellen Östrogen-
antagonisten Tamoxifen wird ebenfalls kontrovers dis-
kutiert. Während Mbatsosgo et al. eine Erhöhung des
Entartungsrisikos unter Tamoxifen-Therapie von ca. 1 %
auf etwa 2,5 –10 % postulieren, zeigte eine von Antunes
et al. durchgeführte Studie keine Assoziation zwischen
Tamoxifen-Therapie und Malignität auf [23, 24].
Wahrscheinlich ist die häufige Vergesellschaftung von
Polypen mit Endometriumkarzinomen (Lebenszeitrisiko
2–3 %) auf einen Hyperöstrogenismus zurückzuführen.
Der Hyperöstrogenismus erklärt auch, warum fettleibige-
re Patientinnen eher betroffen sind, denn im Fettgewebe
dieser Patientinnen ist die Östrogensynthese erhöht.
519Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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Merke
Frauen mit Polypen haben ein ca. 9-mal höheres
Risiko, ein Endometriumkarzinom zu entwickeln.
Die Therapie der Polypen besteht in der operativen Ent-
fernung. Werden Korpuspolypen lediglich durch Abrasio
ohne Hystero skopie entfernt, sistiert die Blutung häufig
nicht, da die Korpuspolypen meist inkomplett entfernt
wurden [16].
Mittels der Hysteroskopie ist eine komplette und gezielte
Entfernung der Polypen sowohl per Targetkürettage als
auch durch Abtrennung des Polyps mit einer kleinen
Schere und Extraktion mittels Fasszange unter Sicht mög-
lich. Die verfügbaren Scheren und Fasszangen sind je-
doch sehr klein und das Arbeiten ist in nur einer Bewe-
gungsebene möglich, sodass sich die Abtragung eines
Korpuspolypen als mühsam erweisen kann. Die elegante-
re und am häufigsten eingesetzte Methode ist die elek-
trochirurgische Schlingenresektion. Hier wird der Polyp
in mehrere Fragmente zerteilt, und die Fragmente wer-
den im Anschluss mittels Kürette entfernt. Der Vorteil
der Schlingenresektion liegt darin, dass die Basis des Po-
lyps bis zum Ansatz, tief im Endometrium, abgetragen
werden kann.
PRAXISTIPP
Die elektrochirurgische Schlingenresektion zeigt
im Vergleich zur Fasszangenentfernung oder zur
Kürettage eine niedrige Rezidivrate, da bei Letzteren
häufig ein Rest des Polypstiels verbleibt, was even-
tuell zum Rezidiv führen kann.
Bei den operativen Hysteroskopien ist es wichtig, ein phy-
siologisches Distensionsmedium wie 0,9%iges NaCl oder
Ringer-Lösung zu benutzen, um eine Überwässerung der
Patientin durch übermäßige Resorption zu vermeiden.
Die physiologischen Medien senken zwar die Rate der
Überwässerung im Vergleich zum elektrolytfreien Disten-
sionsmedium Purisole (Fresenius), jedoch können auch
hier bei lang dauernden Operationen die Patientinnen
ein Lungenödem bekommen.
Merke
Bei Verwendung von physiologischem Distensions-
medium muss eine bipolare Energiequelle verwendet
werden.
Laut einer Arbeit von Nathani und Clark ist die Therapie
der Blutungsstörungen durch eine hysteroskopische
Polypresektion in ca. 93 % der Fälle erfolgreich möglich
[25]. Die Komplikationsrate der Polypresektion wird in
einer 2007 veröffentlichen Arbeit mit 411 Patientinnen,
die sich einer Polypresektion unterzogen haben, mit 8 %
angegeben. Dabei ist die Uterusperforation mit 3 % die
häufigste, gefolgt von Via falsa in 2 % der Fälle. Blutungen
und Infektionen sind in 1 % vorgekommen. Ernsthafte Ver-
letzungen, wie z. B. die der Blase, waren mit 0,25 % selten
[26].
Die von der American Association of Gynecologic Lapa-
roscopists (AAGL) 1993 angegebenen Komplikationen
bei operativen Hysteroskopien sind bei 14 707 durch-
geführten Prozeduren deutlich geringer. Die AAGL gibt
eine Uterusperforationsrate bei operativen Hysterosko-
pien von nur 1,4 % an. Transfusionspflichtige Blutungen
kamen nur in 0,03 –0,1 % vor und eine Laparotomie muss-
te bei sonst unbeherrschbarer Blutung in 0,05 –0,28 % der
Fälle durchgeführt werden [27].
▶ Abb. 6 Histopathologie endometrialer Polypen. a Fibrosierter-zystischer Korpuspolyp mit zystisch erweiterten endometrialen
Drüsen mit flacher Epithelauskleidung, eingebettet in ein kollagenfaserreiches Stroma. b Glandulärer Korpuspolyp mit dichter lie-
genden Drüsen kleineren Durchmessers mit Reduktion des zwischenliegenden, nur teilweise fibrosierten endometrialen Stromas.
520 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
CME-Fortbildung
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PRAXISTIPP
Nach jeder Polypentfernung sollte stets eine intra-
operative Kontroll-Hysteroskopie durchgeführt wer-
den, um die komplette Polypentfernung zu überprü-
fen und eine mögliche Blutung im Kavum zu erken-
nen.
Endometriumhyperplasien
Die Endometriumhyperplasie ist eine generalisierte oder
fokale Größenzunahme des Endometriums, die durch
eine Vermehrung der Zellzahl verursacht ist.
Ursache hierfür ist meist eine anhaltende Stimulation des
Endometriums durch Östrogene bei fehlender simultaner
Stimulation durch Gestagene. Auch Erkrankungen, die
mit einer pathologisch erhöhten Östrogenproduktion
einhergehen (z. B. Follikelpersistenz, PCO-Syndrom,
östrogenproduzierende Tumoren), fördern die Ausbil-
dung einer Endometriumhyperplasie. Ein hormonbilden-
der Ovarialtumor sollte sonografisch und laborchemisch
(FSH, Estradiol, Testosteron, gegebenenfalls Inhibin) aus-
geschlossen werden. Nach 3 –6 Monaten ist eine Sono-
grafie und bei Auffälligkeiten eine hysteroskopische Kon-
trolle einschließlich Abrasio erforderlich.
Die Endometriumhyperplasie wird histologisch in eine
einfache bzw. komplexe sowie in eine typische bzw. aty-
pische Hyperplasie unterteilt. Je nach mikroskopischem
Bild neigen die 3 Formen in unterschiedlichem Ausmaße
dazu, in ein Endometriumkarzinom zu entarten.
Merke
Aus 1 % der einfachen, 3 % der komplexen und 10 –
30 % der atypischen Hyperplasien entsteht ein Karzi-
nom [28].
Therapie der Hyperplasie ohne Atypien
Hyperplasien des Endometriums ohne Atypien sollen
nicht durch eine Hysterektomie [11, 12], sondern konser-
vativ behandelt werden. Bei prämenopausalen Patientin-
nen sollte bei Hyperplasien ohne Atypien eine zyklische
Gestagenbehandlung empfohlen werden. Alternativ hier-
zu besteht auch die Möglichkeit einer lokalen Gestagen-
applikation mittels Intrauterinpessar. Bei Patientinnen
mit chronisch oligo-/anovulatorischen Zyklen (z. B. beim
polyzystischen Ovarsyndrom) ist die Gabe eines gesta-
genbetonten oralen Kontrazeptivums sinnvoll.
Zusätzlich sollte als Ursache der Hyperplasie nach einem
potenziellen östrogenproduzierenden Tumor gefahndet
werden. Circa 3 –6 Monate nach Einleitung einer konser-
vativen Therapie sollte eine Kontroll-Sonografie und bei
Auffälligkeiten großzügig eine Hysteroskopie und Abrasio
durchgeführt werden.
Postmenopausal kann man nach individueller Risiko-
abschätzung eine operative Sanierung mittels Hyster-
ektomie und beidseitiger Adnexexstirpation erwägen. Al-
ternativ ist eine regelmäßige Überwachung zu empfeh-
len, welche bei erneut auftretender Postmenopausenblu-
tung eine wiederholte Hysteroskopie und Abrasio bein-
haltet.
Therapie der Hyperplasie mit Atypien
Hyperplasien des Endometriums mit Atypien haben ein
hohes Entartungsrisiko bzw. eine hohe Rate an synchro-
nen Karzinomen. Daher wird gemäß der aktuellen S3-
Leitlinie folgendes Vorgehen angeraten: Bei Hyperplasien
des Endometriums mit Atypien sollte bei postmenopau-
salen Patientinnen und bei prämenopausalen Patientin-
nen mit abgeschlossener Familienplanung eine Hyster-
ektomie und ggf. Adnexektomie durchgeführt werden.
Die Ovarien können bei prämenopausalen Patientinnen
im Rahmen der Durchführung einer Hysterektomie und
beidseitiger Salpingektomie belassen werden, sofern kein
Anhalt für eine erbliche Disposition für ein Ovarialkarzi-
nom besteht (BRCA, Lynch-Syndrom) [11, 12].
FALLBEISPIEL 2
Eine 58-jährige II Gravida II Para berichtet über eine
neu aufgetretene vaginale Blutung seit 7 Tagen, die
letzte Menstruation war mit 55 Jahren, die letzte
gynäkologische Untersuchung war vor 6 Monaten.
Anamnese: Die Patientin ist 160 cm und wiegt 90 kg,
als Nebendiagnosen sind essenzielle Hypertonie und
ein Diabetes mellitus bekannt. Die Patientin nimmt
Ramipril, ASS 100 und Metformin ein.
Untersuchung: In der Spekulumuntersuchung zeigt
sich eine unterperiodenstarke Blutung aus dem
Cervixkanal, ansonsten keine Auffälligkeiten. In der
Transvaginalsonografie misst das Endometrium
14 mm, Ovarien sind aufgrund des Habitus nicht
sicher darstellbar, keine freie Flüssigkeit im Douglas.
Prozedere: Bei Endometriumhyperplasie und einer
Postmenopausenblutung Durchführung einer diag-
nostischen Hysteroskopie mit fraktionierter Abrasio
indiziert. Metformin muss präoperativ abgesetzt
werden.
Diagnose: Histologisch zeigt sich eine komplexe
Hyperplasie mit Atypien.
Empfehlung: Aufgrund der erhöhten Gefahr einer
Entartung wird der Patientin zu einer Hysterektomie
geraten. Hinsichtlich der verschiedenen Möglich-
keiten einer Hysterektomie erfolgt ein separates
Beratungsgespräch.
521Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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Therapie bei Frauen mit Kinderwunsch
und Hyperplasie mit Atypien
Bei Frauen mit Kinderwunsch ist nach entsprechender
Aufklärung auch ein konservatives Vorgehen vertretbar.
In der aktuellen S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom
werden hierzu folgende Empfehlungen gegeben [11, 12]:
▪ Aufklärung über Notwendigkeit engmaschiger sono-
grafischer Kontrollen und einer sekundären Hyster-
ektomie nach Abschluss der Familienplanung.
▪ Ggf. Durchführung einer hysteroskopisch gesteuerten
gezielten Biopsie des Endometriums.
▪ Ggf. LSK mit TVS oder MRT zur Beurteilung des Risikos
eines Adnexbefalls oder einer myometranen Infiltra-
tion.
▪ 6 Monate nach Beginn einer konservativen Therapie
sollte die geplante Schwangerschaft angestrebt wer-
den, ggf. bei fehlendem aktuellen Kinderwunsch Wie-
derholung der Endometriumbiopsie alle 6 Monate.
Die Gestagen-Therapie sollte bei Hyperplasien mit Aty-
pien höher dosiert sein (z. B. Medroxyprogesteronacetat
100 mg/d, Megestrolacetat 60 mg/d). Möglich ist auch
die Anwendung eines gestagenhaltigen IUPs. Die Neben-
wirkungen einer hochdosierten Gestagen-Therapie sind
bei der Therapieplanung zu berücksichtigen.
Eine konservative Behandlung setzt jedoch zum einen das
Verständnis und die Compliance der Patientin und zum
anderen die sorgfältige Überwachung durch den betreu-
enden Gynäkologen voraus, da sich auch nach initialer
Remission unter Gestagen-Therapie in ca. einem Drittel
der Fälle Rezidive im Sinne von Atypien bis hin zum inva-
siven Karzinom entwickeln können. Dies beinhaltet eine
Kontrolle auf Ansprechen der Therapie mittels Hystero-
skopie und Abrasio nach 3 –9 Monaten.
HNPCC- oder Lynch-Syndrom
Das HNPCC-Syndrom (Hereditäres nicht-Polyposis-assozi-
iertes kolorektales Karzinom-Syndrom) oder Lynch-Syn-
drom ist die häufigste erbliche Darmkrebsform und be-
trifft etwa 5 % der Darmkrebsfälle. Bei etwa 75 % der Gen-
träger tritt ein Kolonkarzinom auf. Entsprechend dem au-
tosomal-dominanten Vererbungsgang haben Nachkom-
men von Betroffenen eine Wahrscheinlichkeit von 50 %,
Genträger zu sein. Neben dem Auftreten von ausschließ-
lich Kolonkarzinomen (Lynch-Syndrom Typ 1) kommt es
mit einem medianen Erkrankungsalter von 46 –48 Jahren
auch zu einem deutlich erhöhten Risiko, an einem Endo-
metriumkarzinom zu erkranken (Lynch-Syndrom Typ 2).
Obwohl es sich histologisch meist um ein endometrioides
Adenokarzinom handelt, sind die HNPCC-assoziierten En-
dometriumkarzinome meist östrogenrezeptornegativ.
Einige der beim HNPCC veränderten Gene sind inzwi-
schen bekannt. Es handelt sich dabei um DNA-Repara-
tur-Gene/Mismatch-Repair-Gene/MMR-Gene. Die beim
HNPCC am häufigsten veränderten Gene sind MLH1-Gen,
MSH2-Gen, MSH6-Gen und PMS2-Gen.
Ist die krankheitsverursachende genetische Veränderung
in einer Familie bekannt, besteht die Möglichkeit einer
prädiktiven genetischen Analyse für Familienangehörige.
Als Risikopersonen für HNPCC gelten dabei alle Familien-
angehörigen, die mit einem Anlageträger oder mit einem
an einem Tumor aus dem HNPCC-Spektrum Erkrankten
erstgradig verwandt sind.
Merke
Den nachgewiesenen Anlageträgern mit HNPPC-
assoziierten Genmutationen wird die Teilnahme
an dem intensivierten Früherkennungsprogramm
empfohlen.
Endometritis (non puerperalis/puerperalis)
Endometritis non puerperalis
Definition und Einteilung
Unter einer Endometritis versteht man eine Entzündung
des Endometriums. Diese entsteht meist durch aufstei-
gende Infektionen aus der Scheide. Bei gleichzeitigem
Befall tieferer Schichten, wie beispielsweise dem Myome-
trium, spricht man von einer Endomyometritis. Eine Kom-
bination von Endometritis, Adnexitis bis hin zum Tubo-
ovarialabszess mit einer gleichzeitig auftretenden Perito-
nitis fasst man unter dem Begriff des PID (Pelvine inflam-
matory Disease) zusammen. Abhängig vom Zeitpunkt
des Auftretens unterscheidet man zwischen einer puer-
peralen Endometritis im Rahmen des Wochenbettes und
einer non puerperalen Endometritis unabhängig von
einer Schwangerschaft.
Der Pathologe kann anhand der eingewanderten Entzün-
dungs- bzw. Immunzellenzellen zwischen einer akuten
und einer chronischen Endmetritis differenzieren. Bei
der akuten Endometritis werden Neutrophile und Mikro-
abszesse gefunden, während bei einer chronischen Endo-
metritis Plasmazellen im Stroma als pathognomisch gel-
ten.
Ätiologie und Risikofaktoren
Auslöser sind meist Staphylokokken, Streptokokken,
Chlamydien, Gonokokken und Anaerobier. Seltener wird
das Endometrium durch eine deszendierende Infektion
infiziert, beispielsweise bei bestehender tuberkulöser Sal-
pingitis. Eine hämatogene Keimverschleppung ist eben-
falls möglich. Die Transformationszone stellt eine physio-
logische Barriere für Keime dar. Wird diese Barriere durch
Menstruation, Geburt oder durch transzervikale Eingriffe
durchbrochen, erhöht sich das Infektionsrisiko um ein
Vielfaches.
522 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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Risikofaktoren
Junge Frauen unter 25 Jahren, die früh sexuell aktiv
sind und ggf. wechselnde Geschlechtspartner haben,
gelten als Risikogruppe. Weitere Risikofaktoren sind:
▪ intrauterine Eingriffe, wie beispielsweise eine
Abortkürettage
▪ eine diagnostische Hysteroskopie
▪ ein liegendes IUD
Klinik
Eine Endometritis kann oligosymptomatisch verlaufen,
sich jedoch auch mit Unterbauchschmerzen und Blu-
tungsstörungen wie Meno-/Metrorrhagien und Dysme-
norrhö manifestieren. Besonders bei Blutungsstörungen
und gleichzeitiger Einnahme von Ovulationshemmern
sollte differenzialdiagnostisch stets an eine Endometritis
gedacht werden. Besonders Infektionen mit Chlamydien
laufen meist asymptomatisch ab und können durch Ver-
wachsungen zu einer Sterilität im Verlauf führen. Zu den
Langzeitfolgen einer nicht adäquat behandelten Endo-
metritis gehören Infertilität und chronische Schmerzen
mit wiederholten Laparoskopien und Miteinbeziehung
einer Schmerzambulanz. Zu den meist unspezifischen
Unterbauchschmerzen können Fieber, Schüttelfrost, Ver-
schlechterung des Allgemeinzustands, Übelkeit oder Er-
brechen bis hin zum akuten Abdomen auftreten.
Vorgehen zur Abklärung einer Endometritis
▪ gründliche Anamnese mit Fokus auf Blutungsunregel-
mäßigkeiten, Pilleneinnahme, Sexualverhalten
▪ Schmerzanamnese hinsichtlich Lokalisation, Dauer
und Intensität der Schmerzen
▪ Schwangerschaftstest
▪ Urinstatus
▪ Nativabstrich zur ersten Orientierung
▪ Abnahme bakterieller sowie spezieller Abstriche, z. B.
Gonokokken
▪ Chlamydiendiagnostik: Seit dem 1.1.2008 wird sexuell
aktiven Frauen unter 25 Jahren ein Chlamydien-Scree-
ning angeboten und unter bestimmten Voraussetzun-
gen von den Krankenkassen erstattet. Diese Voraus-
setzungen bestehen darin, dass die Untersuchung aus
einer Urinprobe durchgeführt wird und als Nachweis-
methode ein NAT (PCR) zur Anwendung kommt. Aus
Kostengründen werden bis zu 5 Proben gepoolt unter-
sucht. Aufgrund der geringeren Invasivität der Pro-
benabnahme und ähnlich hohen Sensitivität und Spe-
zifität im Vergleich zu Zervixabstrichen wird für das
Screening die Untersuchung aus Urin empfohlen. Bei
positivem Reaktionsausfall werden die Proben einzeln
nachuntersucht.
▪ Bimanuelle Untersuchung. Dabei ist besonders auf
Portioschiebeschmerz sowie einen drukdolenten Ute-
rus und Druckdolenzen im Bereich der Adnexe zu ach-
ten
▪ Bei der Spekulumeinstellung kann uns Menge, Farbe,
Konsistenz und der Geruch des Fluor vaginalis einen
entscheidenden Hinweis geben.
▪ Eine liegende Spirale sollte entfernt und ggf. bakterio-
logisch untersucht werden.
▪ Ein aktuelles Labor mit Entzündungsparametern kann
zur Verlaufsbeobachtung hilfreich sein.
▪ Als bildgebendes Verfahren der Wahl hat sich die
transvaginale Sonografie bewährt. Obwohl es keine
typischen sonografischen Kriterien hinsichtlich einer
Endometritis gibt, sollte man auf freie Flüssigkeit im
Douglas sowie Tumore und Abszesse achten.
▪ Eine Laparoskopie erlaubt eine Abstrichentnahme im
kleinen Becken und kann gleichzeitig eingesetzt wer-
den zur Entfernung von Adhäsionssträngen beispiels-
weise bei einer Perihepatitis (Fritz-Hugh-Curtis-Syn-
drom), die häufig bei Chlamydien- und Gonokokken-
infektionen beobachtet werden kann. Eine Laparosko-
pie sollte erst bei fehlender Besserung der Symptome
nach 48 h bei adäquater Therapie erwogen werden.
▪ Eine Strichkürettage zur histologischen Sicherung
kann in unklaren Fällen erwogen werden.
▪ Eine diagnostische Hysteroskopie kann bei einer rezi-
divierenden chronischen Endometritis oder zur Abklä-
rung einer bestehenden Sterilität hilfreich sein.
Therapie
Das Vorgehen bei der Therapie der Endometritis hängt
stark vom vorherrschenden Krankheitsbild ab. Je nach
Schweregrad kann auch eine stationäre Behandlung mit
i. v. Antibiose und Observatio notwendig sein. Zu emp-
fehlen ist eine 2- bis 3-fach Antibiotikatherapie mit einem
Breitbandantibiotikum, wie beispielsweise einem Cepha-
losporin, in Kombination mit dem Nitroimidazol Metroni-
dazol, das das Spektrum der Anaerobier abdeckt.
Spezielle Therapieempfehlungen
Bei Chlamydieninfektionen kommen Tetrazykline (Doxy-
cyclin), Makrolide (Erythromycin und insbesondere neue-
re Substanzen, wie Clarithromycin oder Azithromycin) so-
wie Chinolone (z. B. Levofloxacin) zum Einsatz. Die Gabe
von Azithromycin kann bei unkomplizierter genitaler
Chlamydieninfektion in einer Einzeldosis (1 g) erfolgen.
Laut Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
kann alternativ auch eine Therapie mit Doxycyclin
100 mg 2 × 1 für 7 Tage erfolgen. Erythromycin 500 mg
4 × 1, Ofloxacin 300 mg 2 × 1 oder Levofloxacin 500 mg
1 × 1 jeweils für 7 Tage stellen weitere Therapieoptionen
dar.
In vivo treten trotz antibiotischer Therapie häufig Rezidi-
ve auf, sodass auch bei unkomplizierten genitalen Infek-
tionen eine Behandlungsdauer von mindestens 14 Tagen
empfohlen wird. Unter Umständen sind bei fortbestehen-
der klinischer Symptomatik mehrere antibiotische Kuren
523Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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erforderlich. Bei komplizierten Infektionen, z. B. bei einer
Pelvic inflammatory Disease, ist auf jeden Fall eine 2- bis
3-wöchige Therapie erforderlich. Auch eine Unter-
suchung und Mitbehandlung von allen Sexualpartnern
der letzten 60 Tage soll veranlasst werden.
Die Leitlinie der CDC empfiehlt als Standardtherapie bei
positivem Nachweis von Neisseria gonorrhoeae geringe
Dosen Ceftriaxon (250 mg i. m.) einmalig kombiniert mit
Azithromycin (1 g) p. o. [29].
Als Alternativen können auch die u. g. Präparate verwen-
det werden:
▪ Cefixim 400 mg 1 –0–0p .o .1 (– 3) Tage als Alternative
für Ceftriaxon in Kombination mit Azithromycin, je-
doch sind zunehmende Resistenzen gegenüber Cefi-
xim zu verzeichnen.
▪ Bei schwerer Cephalosporin-Allergie wird Spectinomy-
cin 2 g i. m. kombiniert mit Azithromycin 2 g p. o. ein-
malig empfohlen.
▪ Doxycyclin 100 mg 1 –0–1 über 7 Tage ist eine Alter-
native für Azithromycin.
Endometritis puerperalis
Klinik und Risikofaktoren
Die Endometritis puerperalis manifestiert sich durch eine
Subinvolution des Uterus, Uteruskantenschmerz, putride
Lochien, Fieber und Verschlechterung des Allgemein-
zustands. Besonders Frauen nach Sectio caesarea sind ge-
fährdet. Weitere Risikofaktoren sind: bakterielle Vagino-
sen sowie ein vorzeitiger Blasensprung während der
Schwangerschaft, multiple vaginale Untersuchungen
während der Geburt, eine manuelle Plazentalösung oder
eine instrumentelle Nachtastung. Ein ungehinderter Lo-
chialfluss und Stillen wirken protektiv.
Diagnostik
Die Klinik trägt hier entscheidend zur Diagnosefindung
bei. Zusätzlich sollte ein Transvaginalschall in Kombina-
tion mit einem Abdominalschall durchgeführt werden.
Differenzialdiagnostisch sollte stets an eine Ovarialvenen-
thrombose gedacht werden. Diese kann per Computer-
tomografie ausgeschlossen werden. Ein bakteriologi-
scher Abstrich sollte vor Beginn mit der Antibiose durch-
geführt werden, um besonders eine Streptokokken-A-In-
fektion nicht zu übersehen. Die Entzündungsparameter
können als Verlaufsparameter benutzt werden.
Therapie
Bei der Therapie sollten neben Antibiotika auch Uteroto-
nika eingesetzt werden. Gegebenenfalls kann auch eine
Dilatation des Zervixkanals erfolgen. Eine kombinierte
Therapie mit Amoxicillin und Clavulansäure (2 –3×1g
p. o. oder 3 × 1,2 g i. v.) ist als Therapie der Wahl zu emp-
fehlen.
FALLBEISPIEL 3
Eine 28-jährige II Gravida II Para stellt sich mit Unter-
bauchschmerzen und Fieber seit 2 Tagen vor, eine
spontane Entbindung liegt erst 6 Wochen zurück,
die Patientin hat abgestillt.
Untersuchung: Schmerzhafte Palpation des unteren
Abdomens, in der Spekulumuntersuchung zeigt sich
gelblicher, übel riechender Ausfluss; im Ultraschall
lässt sich ein Lochialstau nachweisen. Im Labor leicht
erhöhte Entzündungswerte, 3-fach Leukos im Urin-
stix, Temperatur axillär bei 38,6 °C.
Diagnose: Endometritis puerperalis
Prozedere: Indikation zur Hysteroskopie mit Abrasio
gegeben. Cave: Eine OP/HSK/Abrasio im Wochenbett
oder bei einer Endometritis kann mit einer erhöhten
Uterusperforationgefahr einhergehen! Eine Single-
Shot-Antibiose während des Eingriffes mit einem
Cephalosporin ist ausreichend. Danach sonografische
Kontrolle in 7–10 Tagen empfohlen, falls keine
Besserung der Beschwerden auch früher.
KERNAUSSAGEN
▪ Benigne und prämaligne Veränderungen des
Endometriums sind häufig; typisches Symptom
hierbei ist eine atypische Blutung.
▪ Die transvaginale Sonografie stellt noch immer den
diagnostischen Goldstandard bei Endometrium-
veränderungen dar.
▪ Eine diagnostische Hysteroskopie mit fraktionier-
ter Abrasio ist zum Ausschluss einer Malignität
erforderlich.
▪ Mittels operativer Hysteroskopie kann Patientinnen
mit Polypen, einfacher Endometriumhyperplasie
und Asherman-Syndrom geholfen werden.
524 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
CME-Fortbildung
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Interessenkonflikt
Erklärung zu finanziellen Interessen
Forschungsförderung erhalten: nein; Honorar/geldwerten
Vorteil für Referententätigkeit erhalten: nein; Bezahlter
Berater/interner Schulungsreferent/Gehaltsempfänger: nein;
Patent/Geschäftsanteile/Aktien (Autor/Partner, Ehepartner,
Kinder) an Firma: nein. Patent/Geschäftsanteile/Aktien
(Autor/Partner, Ehepartner, Kinder) an Firma (Nicht-Sponsor):
nein.
Erklärung zu nichtfinanziellen Interessen
Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessen-
konflikt besteht.
Autorinnen/Autoren
Ingolf Juhasz-Böss
Prof. Dr. med. Jahrgang 1976. Seit 2019 Ärzt-
licher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde
am Universitätsklinikum Freiburg. Zuvor stell-
vertretender Klinikdirektor an der Klinik für
Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduk-
tionsmedizin am Universitätsklinikum des Saar-
landes in Homburg/Saar. Schwerpunkte: Operative Gynäko-
logie und Gynäko-Onkologie, minimal-invasive Chirurgie
(MIC III), Perinatologie.
Russalina Ströder
Dr. med., Jahrgang 1984. 2004 –2010 Studium
der Humanmedizin an der Universitätsklinik in
Homburg/Saar. 2010 –2016 Facharztausbil-
dung, 04/16 Fachärztin für Gynäkologie und
Geburtshilfe-Seit 10/16 Funktionsoberärztin in
der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und
Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlan-
des.
Gilda Schmidt
Dr. med. Jahrgang 1982. 2002– 2008 Studium
der Humanmedizin an der Universitätsklinik in
Homburg/Saar, praktisches Jahr in Luzern und
St. Gallen, 2009– 2014 Facharztausbildung,
2014 Fachärztin für Gynäkologie und Geburts-
hilfe, 2018 Schwerpunkt für onkologische Gy-
näkologie. Seit 2016 Oberärztin in der Klinik für Gynäkologie,
Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin am Universitätsklini-
kum des Saarlandes.
Erich-Franz Solomayer
Prof. Dr. med. Seit 2009 Direktor der Klinik für
Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduk-
tionsmedizin am Universitätsklinikum des Saar-
landes. Schwerpunkte: Operative Gynäkologie
und Gynäko-Onkologie, minimal-invasive Chi-
rurgie (MIC III), Leiter des endo skopischen Aus-
bildungszentrums.
Lars Christian Horn
P r o f .D r .m e d .O b e r a r z t .S e i t2 0 0 0L e i t u n gd e r
Arbeitsgruppe Mamma-, Gynäko- und Peri-
natalpathologie am Institut für Pathologie am
Universitätsklinikum Leipzig AöR. Seine Ausbil-
dung erhielt er an den Universitätsklinika Leip-
zig, Regensburg und Münster, am Institut für
Pathologie der Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden sowie am
Vancouver General Hospital, Canada. Er ist Mitglied der Deut-
schen Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Gesellschaft
für Pathologie, der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische
Onkologie (AGO), der International Society for Gynecological
Pathology (ISGyP) und der British Association for Gynaecolo-
gical Pathology (BAGP). Der wissenschaftliche Fokus liegt auf
den gynäkologischen Malignomen und deren Vorstufen.
Daniel Herr
Prof. Dr. med. Jahrgang 1977, 1998– 2005
Medizinstudium in Freiburg, Lyon/Frankreich,
New York/USA und Zürich/Schweiz. 2005 –2012
Universitätsfrauenklinik Ulm. 2010 Habilitation
für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe.
2012–2013 Oberarzt und stellvertretender
Leiter des Zentrums für ambulante Therapie in der Klinik für
gynäkologische Onkologie der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken-
Wiesbaden. 2013 –2014 Oberarzt an der Universitätsfrauen-
klinik Homburg/Saar. Anerkennung Schwerpunkt „Gynäkolo-
gische Onkologie “ 2014. Seit 2014 Leitender Oberarzt an der
Universitätsfrauenklinik Würzburg, DEGUM II Mammasono-
graphie, MIC-II-Operateur (AGE), Senior-Mamma-Operateur
(Onkozert), 2016 Annahme des Rufes auf die W2-Professur
„Senologie und konservative gynäkologische Onkologie “ an
der Universitätsfrauenklinik Würzburg.
Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Ingolf Juhasz-Böss
Klinik für Frauenheilkunde
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
[email protected]
Wissenschaftlich verantwortlich
gemäß Zertifizierungsbestimmungen
Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungs-
bestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Ingolf
Juhasz-Böss, Freiburg.
Zitierweise für diesen Artikel
Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version und ersetzt den
folgenden Artikel: Juhasz-Böss I, Mavrova R, Schmidt G et al.
Diagnostik und Therapie benigner und prämaligner Verände-
rungen des Endometriums. Frauenheilkunde up2date 2013; 7:
299–317
525Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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Bibliografie
DOI https://doi.org/10.1055/a-0986-5884
Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 1439-3719
526 Juhasz-Böss I et al. Diagnostik und Therapie … Frauenheilkunde up2date 2019; 13: 511 –529
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VNR 2760512019156642215
Frage 1
Welche Aussage zur Diagnostik von Endometriumveränderun-
gen trifft zu?
A Die Transvaginalsonografie stellt den Goldstandard bei der
Diagnostik von Endometriumveränderungen dar.
B Eine Kombination aus Transvaginalsonografie und MRT ist bei
der Diagnostik von Endometriumveränderungen stets emp-
fohlen.
C Die Wertigkeit der transvaginalen S onografie als Screening-
methode für die Früherkennung eines Endometriumkarzi-
noms ist evidenzbasiert belegt.
D Eine Transvaginalsonografie soll nur bei einer Postmenopau-
senblutung durchgeführt werden.
E Die Hysteroskopie eignet sich hervorragend zum Ausschluss
eines Karzinoms.
Frage 2
Welche Aussage zu Endometriumveränderungen trifft zu?
A Die Bewertung des Endometriums erfolgt meist im Rahmen
eines Screenings.
B Die meisten Daten zum Stellenwert der Ultraschallunter-
suchung bei Endometriumveränderungen liegen bei Patien-
tinnen mit postmenopausaler Blutung vor.
C Eine Endometriumdicke von 3 mm gilt bei postmenopau-
salen Patientinnen als pathologisch und ist mit einer erhöh-
ten Endometriumkarzinomrate assoziiert.
D Endometriumveränderungen können sonografisch nicht be-
urteilt werden.
E Eine kontinuierliche HRT hat den stärksten Einfluss auf die En-
dometriumdicke.
Frage 3
Welche Aussage zu Endometriumdicke und Hormonersatzthera-
pie trifft nicht zu?
A Die Endometriumdicke kann durch die Einnahme einer Hor-
monersatztherapie (HRT) beeinflusst werden.
B Die Art der HRT ist für die sonografische Beurteilung der En-
dometriumdicke von Bedeutung.
C Laut der aktuellen Studienlage ist die Endometriumdicke un-
ter einer sequenziellen HRT signifikant größer als unter der
Einnahme einer kontinuierlichen HRT.
D Tibolon beeinflusst ebenfalls die Endometriumdicke.
E Die Endometriumdicke kann sonografisch nicht adäquat be-
urteilt werden.
Frage 4
Welche Aussage zur Anwendung der Magnetresonanztomogra-
fie (MRT) im Rahmen der Diagnostik von Endometriumverän-
derungen ist falsch?
A Die Magnetresonanztomografie kann bei schlechten Schall-
verhältnissen oder komplexen Fragestellungen wie dem
Asherman-Syndrom oder Uterusfehlbildungen zusätzliche In-
formationen liefern.
B Die Sonografie ist der MRT au fgrund der Kosten-Nutzen-Rela-
tion und der Verfügbarkeit bei der Diagnostik von Endometri-
umveränderungen überlegen.
C Durch die Durchführung einer MRT kann man aufgrund der
hohen Sensitivität und Spezifität auf eine Hystero skopie ver-
zichten.
D Eine MRT kann in Einzelfällen als ergänzende Untersuc hung
durchgeführt werden.
E Bei der Pelvic inflammatory Disease (PID) ist gemäß einer
Studie die MRT dem Transvaginalultraschall überlegen.
▶ Weitere Fragen auf der folgenden Seite …
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Fortsetzung …
Frage 5
Welche Aussage zu Hysteroskopie und Endometriumverän-
derungen ist falsch?
A Eine Hysteroskopie kann sowohl diagnostisch als auch thera-
peutisch eingesetzt werden.
B Die Komplikationsrate bei der Durchführung einer Hysteros-
kopie ist in der Literatur mit 10 % angegeben.
C Die häufigste Indikation zur Durchführung einer Hysterosko-
pie ist eine abnorme uterine Blutung.
D Die Hysteroskopie kann zumeist ambulant durchgeführt wer-
den.
E Die Hysteroskopie kann in Voll- oder Lokalanästhesie durch-
geführt werden.
Frage 6
Welche Aussage zu Hysteroskopie ist falsch?
A Eine Kombination aus Hysteroskopie und fraktionierter Abra-
sio stellt den Goldstandard zur Abklärung von benignen und
malignen Endometriumveränderungen dar.
B Jede Patientin sollte über eine mögliche intraabdominelle Tu-
morzellverschleppung im Falle eines Endometriumkarzinoms
aufgeklärt werden.
C Eine intraabdominelle Tumorzellverschleppung im Falle eines
Endometriumkarzinoms ist nicht mit einer erhöhten Rezidiv-
rate und einem schlechteren Überleben assoziiert.
D Auch eine wiederholte präoperative Hysteroskopie bei Pa-
tientinnen mit einem Endometriumkarzinom führt zu keiner
signifikant vermehrten Rate an positiven Douglas-Zytologien.
E Unter laufender ASS-Einnahme ist eine Hysteroskopie kontra-
indiziert.
Frage 7
Welche Aussage zu alternativen invasiven Abnahmetechniken
bei Endometriumveränderungen ist korrekt?
A Bei der Diagnostik von Endometriumveränderungen gibt es
verschiedene alternative invasive Abnahmetechniken wie Pi-
pelle, Pistolet, Abradul, Strichkürettage etc., die diagnostisch
genauso sicher sind wie die Kombination aus Hysteroskopie
und fraktionierter Abrasio.
B In der klinischen Routine hat sich der Einsatz von alternativen
invasiven Abnahmetechniken bei Endometriumveränderun-
gen durchgesetzt aufgrund der Zeit- und Kostenersparnis.
C Alternative invasive Abnahmetechniken können in Ausnah-
mefällen, z. B. bei multimorbiden Patientinnen mit hohem
Narkoserisiko, zur Diagnostik von Endometriumveränderun-
gen eingesetzt werden.
D Auch im Falle eines negativen Befundes sind alternative Ab-
nahmetechniken als beweisend zu betrachten.
E Alternative Abnahmetechniken ersetzen bei prämenopau-
salen Patientinnen zuverlässig die histologische Abklärung
mittels Kürettage.
Frage 8
Welche Aussage zur Postmenopausenblutung trifft zu?
A Bis zu 10 % aller Frauen, die älter als 55 Jahre sind, haben im
Laufe ihres Lebens eine Postmenopausenblutung.
B Frauen mit einer Postmenopausenblutung haben eine sehr
hohe Wahrscheinlichkeit für ein Endometriumkarzinom.
C6 0 –80 % der Frauen mit einer Postmenopausenblutung ha-
ben ein auffälliges Endometrium.
D Laut der S3-Leitlinie sollten nur Blutungen in der Post-
menopause in Kombination mit einer Endometriumdicke
von > 5 mm histologisch abgeklärt werden.
E Die Postmenopausenblutung kann nicht bei einem Vulva-,
Vaginal-, Zervix-, Tuben- oder Ovarialkarzinom auftreten.
▶ Weitere Fragen auf der folgenden Seite …
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Fortsetzung …
Frage 9
Welche Aussage zu Endometriumveränderungen und Tamoxi-
fen-Therapie trifft nicht zu?
A Tamoxifen ist ein selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator.
B Tamoxifen wird häufig im Rahmen der endokrinen Therapie
des Mammakarzinoms eingesetzt.
C Postmenopausale Frauen unter Tamoxifen-Therapie haben
nachweislich eine hohe Progressionsrate zu einer atypischen
Endometriumsproliferation und somit ein erhöhtes Risiko für
das Auftreten eines Endometriumkarzinoms.
D Jede Patientin unter Tamoxifen-Therapie sollte eine TVS zur
Früherkennung eines Endometriumkarzinoms erhalten.
E Eine histologische Sicherung ist laut der aktuellen S3-Leitlinie
nur bei einer Endometriumhyperplasie in Kombination mit
einer vaginalen Blutung indiziert.
Frage 10
Welche Aussage zum Asherman-Syndrom ist falsch?
A Risikofaktoren für die Entstehung eines Asherman-Syndroms
sind: iatrogene Ursachen, Endometritis, Pelvic inflammatory
Disease (PID), genitale Tuberkulose, Schistosomiasis etc.
B Die klinischen Symptome beinhalten vor allem Störungen des
Regelzyklus bis hin zur Amenorrhö.
C Als Goldstandard zur Abklärung eines Asherman-Syndroms
gilt die Hysteroskopie.
D Die Hysteroskopie kann neben der Diagnostik auch therapeu-
tische Optionen ermöglichen.
E Nach einer operativen Wiederherstellung des Cavums ist so-
wohl die Schwangerschaftsrate als auch die Rate an Lebend-
geburten nahezu bei 100 %.
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