Conclusion
This new surgical technique for the
therapy of rectovaginal endometriosis allows concise
diagnosis and treatment of rectovaginal endometriosis
with low morbidity. The resection of the bowel tube
without resection of the mesorectum is sufficient as
the endometriotic nodules are always located on the
antimesenteric surface of the bowel as we proved
histologically. Thus the vegetative nerves of the pelvic
organs can be preserved. J Gynäkol Endokrinol
2008; 18 (2): 44–47 .
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 45
zu reduzieren. Die Notwendigkeit des Verzichts auf die Meso-
resektion soll histologisch standardisiert untersucht werden.
Patientinnen und Methodik
70 Patientinnen mit rektovaginaler Endometriose wurden in
diese prospektive Studie eingeschlossen. Beim klinischen Ver-
dacht auf rektovaginale Endometriose mit oder ohne Darm-
beteiligung wurden präoperativ eine Bildgebung mittels vagi-
nalem Ultraschall, MRT, Endosonographie des Rektums und
eine Rektosigmoidoskopie durchgeführt.
Die Operation wird von vaginal begonnen. Das Ziel des vagi-
nalen Teils der Operation ist es, eine Darmbeteiligung zu
bestätigen oder auszuschließen. Unter permanenter digitaler
rektaler Kontrolle des Operateurs (1–2 Finger) erfolgt die Prä-
paration im Septum rectovaginale (Abb. 1), um festzustellen,
ob der Endometriosebefund die Darmwand infiltriert und somit
die Indikation zur Darmteilresektion gegeben ist. Der Endo-
metrioseherd wird auf der Darmoberfläche präpariert. Sollte es
sich um einen nicht infiltrativen Prozess handeln, so wird der
Endometrioseherd nun abgetragen werden und die Operation
kann beendet werden.
Bei infiltrativen Prozessen wird nach der Präparation laparo-
skopisch fortgefahren.
Nach transperitonealer Präparation wird von lateral die Darm-
wand erreicht und der Darm weiter freipräpariert. Dadurch
wird der bereits vaginal mobilisierte Herd weiter nach kranial
verlagert und medialisiert und nur der unmittelbar befallene
Darmschlauch isoliert. Rektum und Rektosigmoid werden
unter Schonung der hypogastrischen Nerven präpariert und
aus der Kreuzbeinhöhle eleviert (Abb. 2). Am Ende des lapa-
roskopischen Operationsteils ist der rektovaginale Endome-
trioseherd bis zum Level des Promontoriums mobilisiert und
kann durch den folgenden Laparotomieanteil leicht erreicht
werden.
Es erfolgt nun die Pfannenstielinzision. Das Rektosigmoid wird
von seinen restlichen Mesoverbindungen abgelöst, der endo-
metriosetragende Darmbefund ist nun mit einem Sicherheits-
saum von mindestens einem Zentimeter allseits isoliert. Es
erfolgt die Darmresektion. Das Mesorektum bleibt dabei völlig
intakt. Eine End-zu-End-Anastomosierung wird ausgeführt.
Alle entnommenen Rektum-Teilresektate wurden einer stan-
dardisierten Aufarbeitung mit Großflächenschnitten der gesam-
ten Darmzirkumferenz sowie im Bereich des Endometrioms/
der Endometriome zugeführt.
Ergebnisse
26 Patientinnen konnten rein vaginal-ablativ behandelt wer-
den. Bei 44 Frauen wurde eine Darmresektion durchgeführt.
Unter den präoperativen Untersuchungen zeigte die rektale
Endosonographie mit 44 % die beste Sensitivität im Hinblick
auf einen Darmbefall der Endometriose (Tab. 1).
Bei einer Patientin mit V on-Willebrand-Jürgens-Syndrom
Typ 1 kam es zu einem intraoperativen Blutverlust von mehr
als 500 ml. Der postoperative Verlauf war bis auf eine enterale
Clostridieninfektion und einen Subileus, der konservativ the-
rapiert wurde, in allen Fällen unauffällig.
Histologisch wurde bei allen 70 Patientinnen ein Endometrio-
sebefall nachgewiesen. Bei den 44 Patientinnen mit Darmre-
sektion wurde die Darminfiltration in allen Fällen belegt. Die
Abbildung 1: Vaginaler Operationsteil: Man blickt auf das eröffnete Septum recto-
vaginale, die hintere Vaginawand ist mit 2 Kocherklemmen gefasst. Der Endo-
metrioseherd kann unter permanenter digitaler rektaler Kontrolle disseziert werden.
Bei diesem Operationsschritt erfolgt die Differenzierung zwischen infiltrativen und
nicht infiltrativen Endometrioseprozessen im Septum rectovaginale.
Abbildung 2: Laparoskopischer Operationsteil: Das Peritoneum ist medial des Ureters
eröffnet, das Sigma aus der Kreuzbeinhöhle eleviert. Die hypogastrischen Nerven-
stränge (gelb) sind dargestellt und können geschont werden. Eine weitere Mobilisation
des Darms ist möglich, wenn das Peritoneum entlang der linken parakolischen Rinne
in Richtung Arteria mesenteria inferior (Pfeil) eröffnet wird. Im Weiteren wird der
Darmschlauch ohne sein Meso exzidiert und der Darm reanastomosiert.
Kombinierter Operationsansatz zur Therapie der rektovaginalen Endometriose
46 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
Kombinierter Operationsansatz zur Therapie der rektovaginalen Endometriose
Infiltrationstiefe reichte in allen Fällen mindestens bis zur
Muscularis propria, in 31 % bis zur Submukosa und in 8 %
sogar bis in die Mukosa. Alle Darmendometrioseherde befanden
sich in der ventralen Zirkumferenz des Darmes. In keinem
Fall konnte eine Endometriose in der dorsalen Darmwand
bzw. im Mesosigmoid/Mesorektum nachgewiesen werden.
Schlussfolgerung
Eine der Schlüsselfragen, die sich bei einer Endometriose des
Douglas und Septum rectovaginale stellt, ist: Infiltriert die
Endometriose tatsächlich bis zum Darm, handelt es sich also
um eine echte infiltrierende Endometriose [3, 5–7, 9–11, 13,
17, 18, 20–22, 24, 28]? Diese Entscheidung kann aber präope-
rativ anhand der zu Verfügung stehenden bildgebenden Ver-
fahren nicht eindeutig gefällt werden [1, 3, 11, 17, 26, 27]. In
Studien, bei denen die Indikation zur Darmresektion auf den
bildgebenden Verfahren basierte, lässt sich in bis zu 29 % der
Resektate eine Endometriose nicht nachweisen [4, 18, 20, 23].
Andererseits konnten bei bis zu 67 % der Patientinnen nach
ablativer Operation erneut Endometrioseherde bei Second-
Look-Operationen nachgewiesen werden [7, 30]. Unter- bzw.
Übertherapie lassen sich bei rektovaginalen Endometriose-
Operationen demnach nicht ausschließen.
Obwohl alle bildgebenden Untersuchungen in unserer Studie
von Spezialisten betreut wurden, konnte selbst die rektale
Sonographie mit einer Sensitivität von 44 % nicht als verläss-
licher Parameter fungieren. Die Entscheidung für oder gegen
eine Darmresektion wurde allein intraoperativ – während der
vaginalen Präparation des Endometrioseherdes – gestellt. Hier
kann das ganze Ausmaß eines Endometrioseherdes im Septum
rectovaginale eingeschätzt werden.
Die nächste Schlüsselfrage der operativen Therapie der rekto-
vaginalen Endometriose betrifft die Notwendigkeit der Meso-
resektion. In unserer Studie konnten wir zum ersten Mal nach-
weisen, dass die rektovaginale Endometriose allein an der
ventralen Darmwand liegt. Dies rechtfertigt und fordert geradezu
den Erhalt des Mesorektums und Mesosigmoids, da sich im
dorsalen Abschnitt keine Endometrioseherde befinden und
keine Gefahr der unvollständigen Resektion besteht.
Die operative Therapie der rektovaginalen Endometriose va-
riiert stark, selbst innerhalb von Studien werden die Patienten
zum Teil heterogenen Therapieansätzen unterzogen. Ein stan-
dardisiertes Operationsverfahren gibt es nicht. Verschiedene
Resektionstechniken, wie Diskresektionen, Keilexzisionen,
T abelle 1: Aussagekraft der jeweiligen Untersuchungen bei 70
Patientinnen mit rektovaginaler Endometriose (darminfiltrativer
Befall: n= 44; nicht darminfiltrativer Befall: n= 26)
Untersuchung Sensitivität Spezifität PPV NPV
Rektovaginale Untersuchung 0,92 0,32 0,68 0,72
Endosono 0,44 0,70 0,65 0,44
Ca-125 0,42 0,81 0,79 0,45
MRT des Beckens 0,41 0,83 0,87 0,50
Gyn US 0,20 0,79 0,61 0,38
Rektosigmoidoskopie 0,03 0,92 0,33 0,39
tiefe anteriore Rektumresektionen oder Segmentresektionen
können angewandt werden [3–7, 9, 10, 13–18, 20–25, 28].
Die häufigsten in der Literatur beschriebenen Komplikationen
sind transfusionpflichtiger Blutverlust (bis 35 %), Anastomo-
seninsuffizienzen (bis 17 %), rektovaginale Fisteln (bis 10 %),
Anus-praeter-Anlagen (bis 6 %) und Blasenentleerungsstö-
rungen (bis 18,5 %) [4, 14–16, 19, 20, 23].
Die V orteile der hier beschriebenen Technik sind die eindeutige
Indikationsstellung zum darmchirurgischen und fertilitätser-
haltenden Eingriff beim vaginalen Teil sowie die Möglichkeit
der Standardisierung der Methode. Eine Aussage über einen
infiltrativen Prozess des Darms und somit die Indikationsstel-
lung zur Rektumresektion kann während der vaginalen Präpa-
ration durch digitale Palpation des Darms mit endgültiger Si-
cherheit getroffen werden. Sollte keine Infiltration vorliegen,
kann der Herd aus dem Septum rectovaginale gelöst und
disseziert werden. Bei Infiltration muss eine Darmresektion
vorgenommen werden, um den Endometrioseherd vollständig
entfernen zu können. Die Standardisierung führt zur Minde-
rung der Komplikationsrate.
Danksagung
Die Autoren danken Dr. med. Katja Dalkowski für die Abbil-
dungen und Prof. Dr. Dr. Dr. A. Ebert für die Unterstützung
ihrer Arbeit.
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Dr. Mandy Mangler
Dr. Mandy Mangler arbeit seit 2004 als
Assistenzärztin in der Klinik für Gynäkologie
der Charité. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist
operative Gynäkologie.
Prof. Dr. Christhardt Köhler
Prof. Dr. Christhardt Köhler arbeitet als leiten-
der Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie der
Charité. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in
operativen Behandlungsstrategien benigner
und maligner gynäkologischer Erkrankungen.
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