JOURNAL FÜR
FERTILITÄT UND REPRODUKTION
JOURNAL FÜR
FERTILITÄT UND REPRODUKTION
Krause & Pachernegg GmbH · VERLAG für MEDIZIN und WIRTSCHAFT · A-3003 Gablitz
ZEITSCHRIFT FÜR IN-VITRO-FERTILISIERUNG, ASSISTIERTE REPRODUKTION UND KONTRAZEPTION
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SCHINDLER AE
Epidemiologie, Pathogenese und Diagnostik der Endometriose
Journal für Fertilität und Reproduktion 2007; 17 (4) (Ausgabe
für Österreich), 22-27
J. FERTIL. REPROD. 4/200722
E
ndometriose ist definiert als das Auftreten von endome-
triumartigen Zellverbänden außerhalb des Cavum uteri.
Das Endometriumgewebe besteht aus Drüsen und Stroma.
Endometriose zählt zu den sogenannten gutartigen, prolife-
rativen Erkrankungen der Frau (u. a. Endometriumhyperpla-
sie, Myome, gutartige Brustveränderungen) und ist östro-
genabhängig. Endometriose gehört neben den Myomen zu
den häufigsten gutartigen, proliferativen Erkrankungen der
Frau im reproduktionsfähigen Alter [1].
Geschichte der Endometriose
Dabei geht es zum einen um die Beschreibung von Ge-
websveränderungen, die nach dem heutigen Verständnis
auf eine Endometriose hinweisen. Die Daten dazu sind in
Tabelle 1 zusammengefaßt. Zum anderen geht es um die
Geschichte der Endometriosetheorien. Dies ist in Tabelle 2
dargestellt.
Endometriosetherorien
Um die Entstehung der Endometriose zu erklären, sind im
Laufe der Zeit zahlreiche Theorien entwickelt worden, wo-
bei bis jetzt keine der bisher aufgestellten Theorien alle im
Zusammenhang mit Endometriose festgestellten Befunde
voll und ganz erkären konnte. Zu diesen Endometriose-
theorien gehören:
1. Implantations- bzw. Transplantationstheorie (retrograde
Menstruation) (J. A. Sampson)
2. Metaplasietheorie (R. Meyer)
3. Archimetra-Konzept (Leyendecker et al.)
4. Endometriosis-Disease-Theorie (P. H. Konnickx)
5. Immuntheorie
6. Aromatasekonzept
Um eine vollständige Klärung zu erreichen, sind sog. Kombi-
nationstherapien entwickelt worden, die nachfolgend auf-
geführt sind:
1. Primär: Entwicklung im Uterus-Tubenwinkel; sekundär:
Ausdehnung durch Progression: Philipp und Huber (1939)
2. Kombination von Homeoplasie, Extension, Exfolliation
und Implantation: Javert (1949)
3. Brücken-Theorie: embryonales Mesenchym und hor-
monelle Konstitution und hämatogene Implantation:
Heim (1933)
4. Komplex-Theorie: primär: Entwicklung in situ, induziert
durch hormonale immunologische Faktoren; sekundär:
Ausdehnung kontinuierlich und diskontinuierlich (lym-
phogen, hämatogen): Schweppe (1984)
Epidemiologie der Endometriose
Trotz jahrzehntelanger Basis- und Klinik-Forschung sind
keine genaueren Daten zur Inzidenz bzw. Prävalenz be-
kannt. Bei den Risikofaktoren gibt es konkretere Daten. Es
wird geschätzt, daß die Prävalenz der Endometriose bei
Epidemiologie, Pathogenese und Diagnostik
der Endometriose
A. E. Schindler
Endometriose ist eine häufige sogenannte „gutartige pr oliferative Erkrankung“ der Frau (ähn lich wie Myom, Endometriumhyperplasi e und Mastopa-
thie). Zur Erklärung der Entstehung sind verschiedene Endometriosetheorien entwickelt worden. Es bestehen zwei pathologische Au sdrucksformen:
1. Endometriose, 2. Adenomyose. Zahlreiche Risikofaktoren von Endometriose sind identifiziert worden. Die Pathogenese ist letzt endlich aber noch
nicht endgültig geklärt. Die Hauptsymptome der Endometriose/Adenomyose sind Unterbauchschmerzen, Sterilität und Blutungsstörung en. Aufgrund
des weltweit noch bestehenden jahrelangen Zeitintervalls vom Einsetzen der Symptome bis zur Diagnose der Endometriose müssen die diagnostischen
Möglichkeiten immer wieder hervorgehoben werden, denn es ist entscheidend, fortgeschrittene Stadien der Endometriose/Adenomyose möglichst zu
vermeiden, um negative Auswirkungen auf die Schmerzproblematik und Konzeptionsfähigkeit zu vermeiden und die Lebensqualität optimal zu gestalten.
Letztendlich scheinen eine frühe Diagnose der Endometriose/Adenomyose und eine gezielte Behandlung auch das Brustkrebsrisiko de r Frau mit
Endometriose zu vermindern.
Endometriosis is frequent and belongs to the so called “benign pr oliferative diseases” of the woman (similar to myoma, endometrial hyperplasia and
benign breast disease). To explain the development of endometriosis/adenomyosis different endometriosis theories have been deve loped. Two patho-
logical forms of morphological expression exist: 1. endometriosis, 2. adenomyosis. Several risk factors for endometriosis have been identified. The
pathogenesis is not yet clarified. Main symptoms of endometriosis/adenomyosis are lower abdominal pain, sterility/infertility a nd bleeding problems.
Worldwide there is a long lasting interval between start of symptoms and diagnosis of endometriosis. Therefore, full diagnostic capabilities have to be
repeatedly emphasised, since one should avoid progressed stages of endometrioses/adenomyosis, in order to avoid negative effect s on pain problems
and conception and to assure optimal quality of life. Last but not least it appears that early diagnosis of endometriosis/adenomyosis and proper therapy
seem to reduce the breast cancer risk in women with endometriosis. J Fertil Reprod 2007; 17 (4): 22–27.
Korrespondenzadresse: Prof. Dr. Adolf E. Schindler, Institut für Medizini-
sche Forschung und Fortbildung Essen, D-45122 Essen, Hufelandstraße 55,
E-Mail:
[email protected]
Tabelle 1: Geschichte der Endometriose
1690 Älteste bekannte morphologische Von Schroen
Beschreibung
1793 Beschreibung einer Endometriosezyste Von Csell
1860 Erste detaillierte morphologische C arl von Rokitansky
Beschreibung einer extraovariellen
Endometriose. Aufgrund eines kombinierten
Auftretens von Endometriumgewebe und
glatter Muskulatur als Adenomyom
bezeichnet.
1893 Arbeiten über Adenomyome
Von Recklinghausen
1896 Adenomyose im Ligamentum rotundum Cullen
1897 Rektov aginale Endometriose Pfannenstiel
1903 Narbenendometriose R. Meyer
1909 Sigma- und Lymphknotenendometriose R. Meyer
1921 Blasenendometriose Judd
Tabelle 2: Geschichte der Endometriosetheorien
1898/1919 Coelom- bzw. Serosa-Metaplasie- Iwanoff/R. Meyer
Theorie
1925/1927 Retrograde Menstruation Sampson
1998 Endometriosekrankheitstheorie K oninckx et al.
1998 Archimetra-Konzept Leyendecker et al.
2000 Aromatase-Konzept Bulun et al.
2001 Zell-Molekularbiologiekonzept Starzinski-Powitz et al.
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10–15 % liegt. Die genaue Prävalenz ist jedoch nicht be-
kannt, da dafür bei allen Frauen zunächst eine Laparoskopie
notwendig wäre. In verschiedenen Untersuchungen läßt
sich schlußfolgern, daß die klinischen Begleitumstände die
Prävalenz variieren. So liegt die Prävalenz der asympto-
matischen Endometriose bei 4 %, bei fertilen Frauen wird
sie mit 0,5–5 % angegeben. Dagegen findet sich in der
Adoleszenz mit sehr starker Dysmenorrhoe eine Prävalenz
von 50 %. Bei Frauen mit Schmerzen ohne Fertilitätspro-
bleme liegt die Prävalenz zwischen 40 und 70 %. Zieht
man bekannte klinische Situationen heran, so können stark
schwankende Häufigkeiten festgestellt werden, wie dies in
Tabelle 3 gezeigt wird. Mädchen mit chronischen Unter-
bauchschmerzen haben in 20–47 % eine Endometriose;
bei Jugendlichen mit Unterbauchschmerzen, die nicht auf
eine Hormonbehandlung (orale hormonale Kontrazeptiva)
ansprachen, fand sich in 50–70 % eine Endometriose bei
Laparoskopie. Es unterscheidet sich auch die Häufigkeit
der verschiedenen Lokalisationen (Tab. 4). Die Häufigkeit
steigt zunächst mit dem Alter an und scheint dann prämeno-
pausal wieder geringer zu werden (Tab. 5). Menstruations-
zyklus-Charakteristika und die Reproduktionsanamnese
können die Gesamtzahl der Endometriosezellen und die
uterine Peristaltik beeinflussen, was darüber entscheidet,
wie viele der Endometriumzellen letztendlich in die Peri-
tonealhöhle gelangen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind
in Tabelle 6 zusammengestellt. Dabei gilt Schwangerschaft
als möglicher korrigierender Faktor für die Entstehung
bzw. Weiterentwicklung der Endometriose (9 Monate Ame-
norrhoe und ggf. Laktationsamenorrhoe). Bei ausgetragener
Schwangerschaft kommt es zu einer ausgeprägten
Dezi-
dualisierung der Endometriose, die nach der Geburt von
Apoptose gefolgt ist. Dagegen kommt es bei induzierten
bzw. Spontanaborten zu einer Endometrioserisikosteigerung,
wie dies aus Tabelle 7 hervorgeht.
Der Körperhabitus scheint insofern für Endometriose eine
Rolle zu spielen, als Übergewicht mit einem geringeren
Endometrioserisiko verbunden ist. Größere Frauen dage-
gen haben ein höheres Endometrium sowie ein höheres
Endometrioserisiko. Dies scheint mit einem höheren folli-
kulären Östradiolspiegel einherzugehen [2]. Weiterhin
scheint bei Rothaarigen ein höheres Endometrioserisiko
vorzuliegen. Auch bei Asiaten scheint ein höheres Endo-
metrioserisikopotential zu existieren. Aber auch Umwelt-
einflüsse scheinen auf das Endometrioserisiko einzuwirken.
Dazu gehören u. a. Dioxin und polychlorierte Phenole.
Störungen des Immunsystems wie z. B. Autoimmunerkran-
kungen gehen mit einem erheblichen Endometrioserisiko
einher.
Pathogenese der Endometriose
Die Pathogenese der Endometriose ist nach wie vor unklar.
Zu nennen ist, daß eine genetische Basis der Endometriose
angenommen wird. Im Vordergrund steht dabei die fami-
liäre Häufung. Die Prävalenz bei Verwandten I. Grades
(Töchter, Schwestern) ist 6- bis 9fach erhöht. Bei monozy-
goten Zwillingen ist die Prävalenz sogar 15fach höher [4].
Zu beachten ist die Häufigkeit bestimmter Chromosomen
bei Frauen mit Endometriose und bestehenden Genpoly-
morphismen, so daß postuliert werden kann, Endometriose
sei eine polygene, multifaktorielle Erkrankung, die durch
die Interaktion verschiedener Gene und das Milieu ver-
ursacht wird [5]. Ein Östrogenrezeptor-Alpha-Genpoly-
morphismus ist signifikant korreliert mit dem Risiko einer
Endometriose, Adenomyose oder eines Myoms [6], alles
sogenannte gutartige Erkrankungen der Frau [7].
Eine niedrige, natürliche Killerzell-Aktivität in Plasma und
Peritonealflüssigkeit unterstützt die immunologische These
der Endometrioseentstehung.
Arten der Endometriose
Vor der morphologischen Beschreibung ausgehend unter-
scheidet man:
1. Endometriose
2. Adenomyose
Diese zwei dominanten Phänotypen der Endometriose
scheinen hauptsächlich von der Topographie abzuhängen.
Die Genese scheint einheitlich zu sein [8].
Tabelle 3: Häufigkeit der Endometriose
Klinische Situation Gefundene Endometriose (%)
Unterbauchschmerzen 45–80 %
Sterilität 20– >50 %
Tubensterilisation 2–43 %
Junge Frauen (< 22 Jahre)
mit Unterbauchschmerzen ~ 70 %
Tabelle 4: Häufigkeit der verschiedenen Lokalisationen
Ligamentum sacrouterinum 60 %
Ovar 52 %
Douglas 28 %
Harnblase 15 %
Lig. latum 16 %
Rektum 12 %
Mesosalpinx 10 %
Lig. rotundum 5 %
Eileiter 2–8 %
Appendix 2 %
Tabelle 5: Häufigkeit der Endometriose [2]
15–19 Jahre 17/100.000 Frauen
40–44 Jahre 285/100.000 Frauen
45–49 Jahre 184/100.000 Frauen
Tabelle 6: Risikofaktoren für Endometriose
1. Häufigkeit der Menstruation
a. Frühe Menarche
b. Häufige Menstruationen
2. Starke Blutungen
3. Schmerzhafte Perioden
4. Nulliparität
5. Späte erste Schwangerschaft
6. Intrauterine Eingriffe (Schwangerschaftsabbruch, Kürettage)
7. Adipositas
8. An Endometriose erkrankte F amilienangehörige 1. Grades
9. Hoher sozialer Status
10. Rothaarig
11. Asiatinnen
12. Umweltfaktoren (z. B. Dioxin)
Tabelle 7: Endometrioserisiko bei induziertem und spontanem Abort (nach
[3])
1. Frauen mit Spontanabort vor dem 18. Lebensjahr
(RR 3,8; 95 % KI, 1,0–14,4)
2. Frauen mit einem oder mehr induzierten Aborten
(RR 1,5; 95 % KI, 1,1–2,2)
3. Frauen mit induzierten Aborten vor dem 18. Lebensjahr
(RR 2,4; 95 % KI, 1,2–4,8)
4. Frauen mit fertilitätsassoziierter Endometriose und mit Abort
(RR 2,6; 95 % KI, 1,2–6,0)
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Zu 1: Entlang der Müllerschen Gänge Tube, Corpus und
Cervix uteri, der Fornicae (inkl. Rektovaginalem Septum)
sowie im Bereich des Sakrouterinligamente handelt es sich
um Adenomyose.
Zu 2: Außerhalb der Müllerschen Gänge auf dem Peritoneum
und dem Ovar handelt es sich um Endometriose [9].
Makroskopische und mikroskopische
Erscheinungsbilder der peritonealen
Endometriose
Bei der peritonealen Endometriose findet man weiße, gelbe,
rote und schwarze Herde, die bei derselben Frau simultan
vorliegen können. Man unterscheidet sie auch als pigmen-
tierte und nicht pigmentierte Herde. Rote und nicht pig-
mentierte Herde gelten als frühe und besondere aktive
Manifestation der Endometriose. Das makroskopische Er-
scheinungsbild von aktiver und inaktiver Endometriose ist
in Tabelle 8 zusammengefaßt, die mikroskopischen Er-
scheinungsformen der aktiven und inaktiven Endometrio-
se sind in Tabelle 9 dargestellt.
Hervorgehoben werden muß, daß sich das korrespondie-
rende Endometrium von Frauen mit und ohne Endometriose
in vielerlei Hinsicht unterscheidet: Dies ist in Tabelle 10
zusammengefaßt.
Tief infiltrierende Endometriose
Besonderheiten bei der tief infiltrierenden Endometriose sind
die ungünstigen Beurteilungsmöglichkeiten und damit auch
die fehlende exakte schwierige Diagnosestellung sowie
die destruierende Auswirkung auf die Umgebung (z. B.
Ureterstenose) und deutliche Schmerzsymptomatik. Somit
kann diese Art der Endometriose eigentlich nur postoperativ
richtig beurteilt werden und entzieht sich fast völlig der
Beurteilung des weltweit verwendeten Verfassungsschemas
der American Society of Reproductive Medicine (r-ASRM).
Deshalb wurde zur Dokumentation und inhaltlichen Beur-
teilung der sogenannte „Enzian-Score“ dafür entwickelt
[11].
Symptome der Endometriose
Im Vordergrund stehen Schmerzen und Sterilität. Bei den
Schmerzen sind zu beachten:
1. Dysmenorrhoe
2. Dyspareunie
3. Dysurie
4. Dyschezie
5. Weitere Symptome je nach Endometriose-Lokalisation
Speziell akute und chronische Unterbauchschmerzen
können durch Endometriose hervorgerufen werden. Eine
generelle Übersicht über endometriosebezogene Sympto-
me gibt Tabelle 11 wieder. Dysmenorrhoe, Unterbauch-
schmerzen, Dyspareunie, aber auch Blutungsstörungen
(Hypermenorrhoe/Menorrhagie) sind häufig mit Endome-
triose vergesellschaftet. Dazu geht aus einer britischen
Studie hervor [13], daß Dysmenorrhoe in 85 %, Dyspareunie
in 63 % und Schmerzen bei der Ovulation in 57 % bei En-
dometriose auftreten. Ähnliches ist auch von anderer Seite
festgestellt worden. Mehr als 50 % der Frauen mit Endome-
Tabelle 8: Aktive und inaktive Endometriose: makroskopische Erschei-
nungsformen (nach [10])
Makroskopie
Peritonealendometriose
aktiv inaktiv
– rote Herde – schwarze, braune Herde
– Hypervaskularisierung – wenig Blutgefäße
– Entzündungszeichen – weißliche
– vesikuläre Implantate Pe ritonealverdickungen
Ovarielle Endometriose
aktiv inaktiv
– dünnwandige Zysten – dickwandige Zysten
– Zystenwände gut vaskularisiert – fibrotisch
– livide – braun
– eingeblutet – schwarz
– dunkelrot
Tabelle 9: Aktive und inaktive Endometriose: mikroskopische Erscheinungs-
formen (nach [10])
Mikroskopie
Epithel
aktiv inaktiv
– endometroid – isthmoid
– hoch zylindrisch – kubisch
– variabel im Zyklus – keine Veränderung im Zyklus
– hoch differenziert wie Endometrium – niedrig differenziert
– endokrin moduliert – atrophisch
– eutroph – seltene Mitosen
– häufige Mitosen
Stroma
aktiv inaktiv
– Ödem – kondensiert
– Entzündungszellen – Fibrose
– Erythrozyten – Siderophagen
– viele Kapillaren – wenig Kapillaren
– eutroph – kondensiert
Tabelle 10: Unterschiede im Endometrium bei Frauen ohne und mit Endo-
metriose
Parameter Ohne Mit
Endometriose Endometriose
Morphologie Normal Polypoides Aussehen
Integrin-Expression Normal Erhöht
Plasminogen-Rezeptor Normal Überexpressiert
Endotheliale, epitheliale
und stromale Proliferation Normal Erhöht
CA-12.5 im Menstruationsblut Normal Erhöht
Interleukin-6 Normal Erhöht
Aromatase Normal Erhöht
Stratum vasculare N ormal Verdickt
Peristaltik Normal Erhöht
Intrauteriner Druck Normal Erhöht
Tabelle 11: Häufigkeit der endometriosebedingten Symptome [12]
Symptomatik %
Dysmenorrhoe 60–88
Menorrhagie 25–57
Hypermenorrhoe 16–75
Unterbauchschmerzen 38–84
Dyspareunie 25–76
Abdominalbeschwerden 16–63
Dysurie 8–14
Hämaturie 6–8
Darmbluten 4–7
Tenesmen 7–24
Adnexbefunde 28–61
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triose hatten eine tiefsitzende Dyspareunie wäh rend ihres
gesamten Sexuallebens [14].
In der Tat ist Endometriose häufiger bei Frauen mit chroni-
schen Unterbauchschmerzen (70 %) und bei Frauen mit
Fertilitätsstörungen (30–50 %) zu finden. Zu beachten ist
auch, daß Jugendliche mit Unterbauchschmerzen, die nicht
auf die Pille oder Antiphlogistika ansprechen, in über 70 %
eine Endometriose haben [15]. Es gilt dabei zu beachten,
daß es keine direkte Korrelation zwischen Stadium der
Endometriose und Unterbauchschmerzen gibt.
Ein weltweites Problem ist noch vor der Darstellung der
Diagnostik anzusprechen: Es bestehen weltweit noch lan-
ge Zeitintervalle vom Beginn der Symptome bis zur Dia-
gnose der Endometriose. In einer Studie 2003 betrug die
mediane Zeit vom Beginn der Symptome bis zur Diagnose
der Endometriose 7 Jahre (Streubereich 3,5–12,1 Jahre). Je
jünger die betroffenen Frauen zum Zeitpunkt des Symptom-
beginns waren, umso länger war das Zeitintervall bis zur
Diagnosestellung [16] (Tabelle 12).
Durch eine skandinavische Studie wurde festgestellt, daß
über einen Zeitraum von 1979 bis 2001 das Symptom/
Diagnoseintervall von 5,8 Jahre ± 5,0 Jahre auf 7,2 ± 6,8
Jahre zugenommen hatte [17]. Dies wird noch durch wei-
tere Zahlen unterstützt (Tabelle 13).
Die Folge aus dieser großen Zeitverzögerung der Diagnose
ist eine Stadienerhöhung der Endometriose, und dies re-
sultiert in stärkeren Symptomen in 71 % und drastischeren
Behandlungsformen in 51 % nach englischen Erhebungen
von 1998 [13].
Wir selbst (Europäisches Endometriose-Informationscenter)
kamen bei einer Auswertung unserer Umfrage über das
Internet (
www.endometriose.de) im Jahr 2002 zu folgen-
dem Ergebnis, wie dies in Tabelle 14 zusammengefaßt ist.
Diagnostik der Endometriose
Für die Diagnose der Endometriose sind folgende Punkte
zu berücksichtigen:
1. Anamnese
2. Gynäkologische Untersuchung (vaginal, rektovaginal)
3. Ultraschall (vaginal, gegebenenfalls transrektal)
4. Laparoskopie (Visualisierung, histologische Klärung)
5. Laboruntersuchungen
6. Zusatzuntersuchung wie z. B. MRT
Bei der Diagnostik der Endometriose sind zu unterscheiden:
– Nichtinvasive Diagnostik
– Invasive Diagnostik
Zur nicht invasiven Diagnostik gehören:
1. Anamnese
2. Gynäkologische Untersuchung
a. Inspektion
b. Spekulumeinstellung
c. Vaginale Palpation
d. Rektovaginale Palpation
3. Ultraschall
4. MRT
Bei der Anamnese ist nach Leitsymptomen zu fragen. Dazu
gehören Dysmenorrhoe, Dyspareunie, Darmsymptomatik/
Dyschezie, Dysurie, Blutungsstörungen, Sterilität und auf-
fallende Häufung von sogenannten „uncharakteristischen
Symptomen“. Die angegebenen Symptome treten vielfach
kombiniert auf.
Bei der Inspektion ist von dem Nabel über die Leistenbeugen
bis zum äußeren Genitale nach Endometrioseveränderungen
zu suchen (Abb. 1).
Bei der Spekulumeinstellung gilt es, ein besonderes Augen-
merk auf den hinteren Fornix und auf die Portio zu richten,
gegebenenfalls unter Zuhilfenahme des Kolposkops (Abb.
2).
Tabelle 12: Medianes Zeitintervall bis zur Diagnosestellung
Medianes Zeitintervall
Frauen ≤ 19 Jahre 12,1 Jahre
Frauen ≥ 30 Jahre 3,0 Jahre
Problem Sterilität 4,0 Jahre
Problem Unterbauchschmerzen 7,0 Jahre
Tabelle 13: Durchschnittliches Symptom/Diagnoseintervall nach Jahren
Durchschnittliches Zeitintervall
England 1994 6,8 Jahre
England 1997 7,2 Jahre
Japan 2001 7,5 Jahre
Norwegen 2003 6,7 Jahre
Tabelle 14: Umfrage zur eingeschränkten Lebensqualität über das Internet
durch das Europäische Endometriose-Informationscenter (EEIC) (Januar–
September 2002)
Auswertung Prozentuale Häufigkeit
endometriosebedingter Leitsymptome der Nennungen
Körperliche Aktivität stark eingeschränkt 65 %
Dyspareunie 68 %
Beeinträchtigung der sexuellen Aktivität 79 %
Berufliche Aktivität stark eingeschränkt 54 %
Arbeitstageausfall wegen Dysmenorrhoe 17 % (mehr als 10 Tage pro Jahr)
29 % (2–10 Tage pro Jahr)
Abbildung 1: Nabelendometriose [18]
J. FERTIL. REPROD. 4/200726
Bei der Diagnostik der Endometriose ist bei der Anamnese
besonders auf Dysmenorrhoe und verstärkte Menstruations-
blutungen (Hypermenorrhoe/Menorrhagie) zu achten. Bei
der vaginalen Untersuchung fällt meistens ein diffus ver-
größerter und druckempfindlicher Uterus auf, und bei An-
wendung der Vaginalsonographie kann der klinische Ver-
dacht bestätigt werden. Auch das MRT ist diesbezüglich
ein gutes, nicht invasives Diagnostikum. Die Laparoskopie
zeigt einen verstärkt durchbluteten vergrößerten Uterus.
Eine Stanzbiopsie kann zur histologischen Verifizierung der
Adenomyose führen.
Differentialdiagnostische Überlegungen
Bei Unterbauchschmerzen sind folgende Möglichkeiten in
Betracht zu ziehen:
1. Prämenstruelles Syndrom
2. Beckenbodenmuskulaturverspannung
3. Darmprobleme
4. Blasen-/Ureteren-Probleme
Zum Spektrum der urologischen Differentialdiagnose ge-
hören:
1. Interstitielle Zystitis
2. Chronische Harnwegsinfekte
3. Rezidivierende/akute Zystitis
4. Rezidivierende/akute Uretritis
5. Nierensteine
6. Blasenkarzinom
7. Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie
8. Urethraldivertikel
Zum Spektrum der gastroenterologischen Differentialdia-
gnose gehören:
1. Colitis
2. Divertikolose/Divertikulitis
3. Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
4. Chronische intermittierende Darmobstruktion
5. Obstipation
6. Laktoseintoleranz
7. Glutenintoleranz
8. Darmkarzinom
Weitere differentialdiagnostische Begriffe:
1. Adnexitis
2. Subakute bzw. chronische Appendicitis
3. „Pelveopathea spastica“
4. Funktionelle Sterilität
5. „Chronischer Unterleib“
Schlußfolgerung
Aufgrund der weltweit noch bestehenden, langen Zeitinter-
valle zwischen dem Auftreten endometriosebezogener
Symptome und der eigentlichen Diagnose der Endome-
triose müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden,
um das dargestellte diagnostische Armentarium gekonnt
einzusetzen, die Diagnose zu stellen und dann das indivi-
duelle Behandlungs- und Betreuungskonzept festzulegen.
Dies ist gerade bei Endometriose so entscheidend, um fort-
geschrittene Stadien mit möglichen Auswirkungen auf die
Struktur des inneren Genitales und des kleinen Beckens zu
vermeiden, die Rate der Rezidive zu senken und die Endo-
metrioseherde zu minimieren. Damit wird letztendlich der
Gesamtkomplex „Lebensqualität“ verbessert und die Mög-
lichkeit der zukünftigen Fähigkeit zur Schwangerschaft
Danach erfolgt die vaginale und rektovaginale Palpation,
um dabei Verhärtungen bzw. schmerzhafte Regionen aus-
findig zu machen (z. B. Portiohebeschmerz, schmerzhafte
und verdickte Sakrouterinligamente, Veränderungen im
Septum rectovaginale und Adnexvergrößerungen). Beim
Uterus ist auf Größe, Konsistenz und Druckdolenz zu ach-
ten (z. B. Adenomyose).
Im Ultraschall geht es bei der Gesamtbeurteilung des Uterus
um die Beurteilung der Uteruswandstrukturen (Adenomyose,
Myome, Adenomyom) und bei den Ovarien um die Erken-
nung eines Endometrioms). Die Diagnostik der ovariellen
Endometriose setzt sich aus Tastuntersuchung, transvagina-
lem Ultraschall und letztendlich Laparoskopie mit histolo-
gischer Klärung bzw. Entfernung der Herde zusammen.
Dabei gehört die Laparoskopie zur sogenannten invasiven
Diagnostik, die die Gewebsabnahme zur histologischen
Verifizierung im Bauchraum ermöglicht. Sie dient gleich-
zeitig auch der operativen Therapie.
Die Diagnostik der tief infiltrierenden Endometriose setzt
sich aus folgenden obligaten Untersuchungen zusammen:
Spekulumeinstellung (vor allem hinterer Fornix), vaginale
und rektovaginale bimanuelle Untersuchung, Sonographie,
Nierensonographie, gegebenenfalls i.v. Pyelogramm, um
z. B. Stauungen im Ureterbereich zu lokalisieren und zu
beurteilen.
Als Zusatzuntersuchungen kommen in Frage: Zystoskopie,
Rektosigmoidoskopie und MRT.
Als Laborparameter ist vielfach der Tumormarker CA-125
untersucht worden. Damit ist keine Früherkennung möglich.
Ein Anstieg dieses Parameters reflektiert die entzündliche/
metabolische Aktivität. Falls dieser Marker erhöht ist, ist er
bezogen auf Therapieeffekte einsetzbar.
Vielerorts ist man bemüht, einen Endometriosefrüherken-
nungstest zu entwickeln. Praktisch relevante Ergebnisse
stehen jedoch noch aus.
Diagnostik der Adenomyosis uteri
Ein besonderes diagnostisches Problem stellt die Adeno-
myose des Uterus dar. Es gibt diffuse und knotige Formen.
Letztere sind klinisch kaum von Myomen zu unterschei-
den. Drei Symptome stehen bei der Adenomyosis uteri im
Vordergrund:
1. Dysmenorrhoe
2. Menorrhagie
3. Sterilität
Abbildung 2: Portioendometriose ohne und mit Kolposkop [18]
27J. FERTIL. REPROD. 4/2007
gesichert. Nicht zuletzt reduziert eine frühe Diagnose und
damit eine gezielte Endometriosebehandlung das Brust-
krebsrisiko für postmenopausale Frauen mit Endometriose
[19].
Literatur:
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sis a progressive disease? Hum Reprod 2000; 15: 1–3.
Prof. Dr. Adolf E. Schindler
1962 Staatsexamen und Promotion, Johann- Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt. 1964–
1966 Senior Research Fellow Ford Foundation Universität Washington, Seattle/Washington/
USA. 1966–1969 Assistenzarzt Abt. Gynäkologie und Geburtshilfe und Forschung in gynäkol.
und geburtshilfl. Endokrinologie SW. Med. School Dallas/TX/USA. 1971 Habilitation „Steroide
im Fruchtwasser“, Privatdozent Universität Tübingen. 1979 Professor Universitätsfrauenklinik
Tübingen. 1986–2002 Direktor Abt. Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, Universitäts-
klinikum Essen. 1986–2002 geschäftsführender Direktor Zentrum für Frauenheilkunde, Univer-
sitätsklinikum Essen. 1997–2002 Direktor Abt. Geburtshilfe und perinatale Medizin, Universi-
tätsklinikum Essen. Ab 2002 Direktor Institut für Medizinische Forschung und Fortbildung,
Essen.
Auszeichnungen: Lynch Memorial Award Pacific Coast, Obstetrical and Gynecological Society 1965, Frederick Purdue
Award, American College of Obstetricans and Gynecologists 1967, Vesalius-Medaille der Stadt Augsburg 1978. Heraus-
geber oder Mitglied bei zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften. Autor und Koautor von mehr als 500 Publikationen
in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Mitglied in mehr als 20 nationalen und internationa-
len Gesellschaften.
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