J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2007; 10 (1) 0
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IVF-Gesellschaft
Offizielles Organ der Österreichischen
Menopause-Gesellschaft
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Operative und medikamentöse Therapie der
Endometriose/Adenomyose
Schindler AE
Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)
(Ausgabe für Österreich), 18-26
Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)
(Ausgabe für Schweiz), 18-24
18 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
Einführung
Nachdem in einer vorhergehenden Ausgabe des Journals Epi-
demiologie, Pathogenese und Diagnostik abgehandelt worden
waren [1], sollen jetzt die Möglichkeiten des differenzierten
Einsatzes der operativen und medikamentösen Therapieformen
der Endometriose dargelegt werden. Dies ist von besonderer
Bedeutung, da Endometriose eine progressive Erkrankung ist
und eine hohe Rezidivhäufigkeit aufweist und die Neuent-
wicklung von Endometriose sich laufend vollziehen kann,
solange eine funktionelle Aktivität der Ovarien (Östrogene)
vorhanden ist und menstruationsartige Blutungen auftreten.
Bei der Therapie der Endometriose sind verschiedene Formen
zu unterscheiden:
1. Symptomatische Behandlung, d. h. Schmerzbehandlung
2. Operative Behandlung
3. Medikamentöse Behandlung
4. Alternative Therapieformen
Diese verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten können ein-
zeln oder in Kombination, simultan oder konsekutiv verwendet
werden.
Zu den Endometriose-Behandlungsoptionen gehören:
1. Chirurgische Verfahren
a. Exzision (z. B. Nabel, Narbe)
b. Laparoskopie bzw. Thorakoskopie
c. Laparotomie
Ziel der operativen Verfahren ist die möglichst komplette
Entfernung der sichtbaren Endometrioseherde.
2. Medikamentöse Therapie
a. Östrogen/Gestagen-Kombinationen
b. Gestagene
c. GnRH-Agonisten
d. Danazol
e. Aromatasehemmer
1
f. Cox-2-Hemmer 1
g. Selektive Progesteronrezeptormodulatoren 1
h. Östrogenrezeptor- β-Agonisten1
1 zurzeit in experimenteller bzw. klinischer Untersuchung
3. Weitere Therapieansätze
Dieser Bereich ist äußerst umfangreich und komplex. Dazu
gehören Psychotherapie, Physiotherapie, Ernährungsthera-
pie, Homöopathie, Phytotherapie, Entspannungsverfahren
und Hypnosetherapie, Reflexzonentherapie und Traditionelle
Chinesische Medizin [2].
Es soll der Versuch unternommen werden, die verschiedenen
Therapiemodalitäten (operativ/medikamentös) darzustellen und
Operative und medikamentöse Therapie
der Endometriose/Adenomyose
A. E. Schindler
Korrespondenzadresse: Professor Dr. Adolf E. Schindler, Institut für Medizinische
Forschung und Fortbildung, D-45122 Essen, Hufelandstraße 55,
E-Mail:
[email protected]
Kurzfassung: Endometriose ist eine der häufigsten
gutartigen, proliferativen Erkrankungen der Frau. Die
Therapie konzentriert sich auf drei Problemkreise: 1.
Schmerzen (vor allem zyklusabhängige Beschwerden,
aber auch zyklusunabhängige Beschwerden, Blasen-
beschwerden und Darmbeschwerden), 2. Fertilitäts-
störungen (gestörte Konzeption und erhöhte Abortrate),
3. Beeinträchtigung von Organen bzw. Organfunktio-
nen (z. B. Ureterstenose, Darmstenose, Blasenwand-
infiltration). Da die Endometriose eine progressive
Erkrankung mit hoher Rezidivhäufigkeit ist und wäh-
rend der Funktion der Ovarien immer wieder neue
Herde entstehen können, kommt der Therapie ein
besonderer Stellenwert zu.
Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine möglichst
frühe Erkennung der Endometriose wichtig. Thera-
peutisch stehen operative Verfahren zur Verfügung,
die zum Ziel haben, möglichst alle sichtbaren Endo-
metriosegewebe zu entfernen und, falls Schwanger-
schaft erwünscht ist, fertilitäts- und organerhaltend
zu operieren. Art und Umfang des operativen Vorge-
hens sind abhängig vom Befund.
Für die medikamentöse Behandlung steht eine
Reihe von Substanzgruppen und Präparaten zur Verfü
-
gung. Dazu gehören: 1. Östrogen/Gestagen-Kombinati-
on (Pille), wenn möglich als Langzyklus, 2. Gestagene in
kontinuierlicher Anwendung und mit dem Ziel, eine
Amenorrhoe zu erreichen, um einen optimalen klini-
schen Effekt zu erzielen, 3. GnRH-Agonisten, die am
effektivsten zur Funktionsruhe der Ovarien führen und
damit auf die Endometriose einwirken, wobei die durch
den Östrogenentzug herbeigeführten Symptome
durch eine sogenannte Add-back-Therapie kontrolliert
werden können. Dies trifft auch für den Knochen-
dichteverlust zu.
Man muss aber beachten, dass diese medikamen-
tösen Therapieformen maximal eine Rückbildung der
Endometriose bewirken können. Bei Beendigung der
Behandlung (chirurgisch oder medikamentös) ist in ein
bis mehreren Jahren mit Rezidiven oder neuen Endo-
metrioseherden zu rechnen. Deshalb ist für die ope-
rative und medikamentöse Kontrolle der Endometri-
ose ein individuelles Langzeittherapiekonzept zu er-
stellen. Eine Reihe von weiteren Substanzgruppen
wird zurzeit klinisch untersucht.
Abstract: Operative and Medicinal Therapy of
Endometriosis/Adenomyosis. Endometriosis is one
of the most frequent, benign, proliferative diseases
of the woman. The therapy concentrates on three
problems: 1. Pain (mainly menstrual cycle dependent,
but also menstrual cycle independent, bladder and
bowel discomfort), 2. fertility disturbances (decreased
conception rate and increased abortion rate), 3. im-
pact on organ or organ function (i. e. ureter stenosis,
bowel stenosis, bladder wall infiltration). Since
endometriosis is a progressive disease with a high
recurrence rate and during the time of ovarian func-
tion new lesions can develop, therefore, the medici-
nal therapy has a particular importance.
For successful treatment early diagnosis of endo-
metriosis is important. For treatment surgical proce-
dures are available which should aim to remove all
visible endometriotic lesions and if pregnancy is
desired all operative procedures should be organ-
and fertility-preserving. Type and extend of opera-
tion depend upon the individual findings.
For medicinal treatment a number of drugs are
available: 1. Estrogen/progestogen combination (pill)
if possible as “long”-cycle, 2. progestogens continu-
ously with the aim to accomplish amenorrhea, in order
to obtain the optimal clinical effect, 3. GnRH-agonists,
which are most effective to obtain quiescence of the
ovaries and by this to reduce endometriosis, but lead
by this to symptoms which can be alleviated by so
called “add-back” therapy. This also avoids bone
density loss.
One has to consider, that medicinal therapy leads
at most to a regression of endometriosis. After the
end of treatment (operative or medicinal) one has to
realize that after one or several years recurrence
and/or new endometriotic lesions can be encountered.
Therefore, the operative and medicinal control of
endometriosis has to follow an individual long-term
therapy concept. A number of further substances are
at present time experimentally under clinical investi-
gation. J Gynäkol Endokrinol 2008; 18 (2): 18–26 .
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
20 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
ihren Einsatz einzeln oder in Kombination (simultan oder
konsekutiv) je nach Endometriosebefund (peritoneale bzw.
tiefinfiltrierende Endometriose, morphologisch aktiv oder in-
aktiv) im Hinblick auf die vorliegende Zielsetzung (Schmerz-
behandlung bzw. Fertilitätsproblematik) bestmöglich anzu-
wenden.
Nach unserer Kenntnis gibt es keine Untersuchungen, die simul-
tan operative und medikamentöse Therapieformen prospektiv
und randomisiert verglichen haben. Die Therapieentscheidung
muss der behandelnde Arzt mit der betroffenen Frau treffen.
Diese individuelle Entscheidung hängt u. a. ab von dem Grad
der vorliegenden Symptome, dem Umfang der Organbeteili-
gung, der reproduktionsmedizinischen Notwendigkeit (z. B.
Kinderwunsch) und letztendlich auch von der Präferenz der
aufgeklärten Patientin. Hinzu kommt, dass über ein Langzeit-
konzept nachgedacht werden muss [3].
Operative Therapie der Endometriose
Folgende Endometrioseindikationen werden in Betracht gezo-
gen:
1. Peritonealendometriose inkl. Ovarendometriose
2. Tief infiltrierende Endometriose
3. Ektope Endometriose
a. Narben (Sectionarbe, Episiotomie)
b. Nabelendometriose, Inguinalendometriose
c. Pleura bzw. Lungenendometriose
4. Adenomyose
Operative Therapie der peritonealen Endo-
metriose/Ovarendometriose
Bei dieser Form der Endometriose befinden sich die Endome-
trioseherde oberflächlich auf dem Peritoneum, potenziell im
gesamten Bauchraum (z. B. auch Zwerchfellkuppeln) oder
Ovar. Dabei ist die Exzision/Exstirpation, die Koagulation
(mono- oder bipolar) oder die Zerstörung des Endometriose-
gewebes durch Laserbehandlung vorzunehmen. Dies ist von
der Lokalisation der Endometriose, der Ausdehnung, der tech-
nischen Ausstattung und dem Können des jeweiligen Opera-
teurs abhängig.
So konnte gezeigt werden, dass die laparoskopische Exzision
der Endometriose effektiver als Placebo ist, um Schmerzen zu
beheben oder zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbes-
sern. Der Placeboeffekt liegt bei 30 % und ist stadiumabhän-
gig. Keine Verbesserung durch die Operation hatten 20 % [4].
Bei der ovariellen Endometriose können die oberflächlich
gelegenen Herde ebenfalls abgetragen werden bzw. thermisch
zerstört werden. Die Ovarendometriose in Form des Endome-
trioms erfordert die Exstirpation als optimale Therapieform.
Punktion des Endometrioms ist ineffektiv. Um den Ovargewebs-
verlust (ovarielle Reserve) möglichst günstig zu gestalten, ist
die Eröffnung des Endometrioms, die Entleerung des Inhalts
und Laserkoagulation der Endometrioseherde vorgeschlagen
worden. Die Rezidivrate ist verglichen mit der Gesamtexstir-
pation höher (18,4 % versus 6,4) [5].
Die vollständige Exstirpation des Ovarendometrioms hat neben
dem geringen Rezidivrisiko (OR 0,41, 95 % KI, 0,18–0,43)
auch eine Verminderung erneuter Beschwerden wie Dysme-
norrhoe (OR 0,15, 95 % KI, 0,06–0,38) und Dyspareunie (OR
0,08, 95 % KI, 0,01–0,51) zur Folge. Auch die Zahl weiterer
chirurgischer Eingriffe ist vermindert (OR 0,21, 95 % KI,
0,05–0,70) [6].
Es muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass Endo-
metriomexstirpation zu einer Verminderung der ovariellen
Reserve führen kann. Dies muss besonders bei Endometriom-
rezidiv und bestehendem Kinderwunsch berücksichtigt wer-
den.
Um eine Schmerzausschaltung bzw. -reduzierung zu bewirken,
kann unabhängig von Endometriosebefall entweder (1) eine prä-
sakrale Nervenresektion (PSN) oder (2) eine laparoskopische
uterine Nervenabtragung (LUNA) vorgenommen werden.
Bei einem Vergleich beider Verfahren nach 12 Monaten war
PSN effektiver als LUNA (OR 0,10, 95 % KI, 0,03–0,32) [7].
Bezogen auf die Fertilität ist bei einer operativen Entfernung
der Endometrioseherde eine Verbesserung der Fekundabilität
berichtet worden. So stieg die Fekundabilität, die bei minima-
ler und milder Endometriose 0,03 betrug, nach der operativen
Sanierung auf 0,47 an [8].
Operative Therapie der tiefinfiltrierenden
Endodometriose
Je nach Lokalisation und Größe des Befundes sind umfangrei-
che (teils interdisziplinäre) operative Eingriffe erforderlich.
Deshalb sollen nach Chapron [8] folgende V oraussetzungen
gegeben sein:
1. Schmerz- oder Organ-beeinträchtigende Herde sollten ope-
riert werden.
2. Die Patientinnen müssen umfangreich aufgeklärt werden
(funktionelle Resultate, Komplikationsrisiko, Rezidivmög-
lichkeiten usw.).
3. Gesamtexzision der Veränderungen nach Möglichkeit in
einem Eingriff.
4. Diagnose und chirurgisch optimale Behandlung erfordern
eine multidisziplinäre Zusammenarbeit.
5.
Die schwierigen Eingriffe sollten in einem Zentrum erfolgen.
Dabei kann es notwendig werden, Sakrouterinligamente zu
rezessieren, Ureterolyse, ggf. Ureterresektion, vorzunehmen,
Blasenteilresektion, Sigma- bzw. Rektumresektionen durch-
zuführen, ebenso andere Darmresektionen und Appendekto-
mie. Der Erfolg ist von der Qualität des Eingriffs abhängig.
Ein komplette chirurgische Behandlung der tiefinfiltrieren-
den Endometriose mit Darmbeteiligung ergibt nach Chapron
in 86 % ein zufriedenstellendes Ergebnis. Als Komplikationen
werden Darmfisteln in 3–5 % und Blasenentleerungsschwie-
rigkeiten angegeben [9]. Keckstein berichtete 2006 über eine
Verbesserung der Schmerzsymptomatik in 95 %, die Sexualität
war bei 75 % verbessert und bei Sterilitätspatientinnen lag die
Schwangerschaftsrate bei 55 % [10]. Die 4-Jahres-Rezidivrate
wurde von Busacca et al. für eine solitäre tiefe Endometriose
(Fallzahl 1106) mit 30,6 % angegeben [11]. Je höher der post-
therapeutische AFS-Score ist, desto kürzer ist das rezidivfreie
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 21
Intervall [12]. Frauen mit Resektion der rektovaginalen Endo-
metriose haben eine bessere Lebensqualität 12 Monate nach
der Operation. Nach 12 Monaten berichteten noch 62 % über
einen guten Verlauf [12].
Tief infiltrierende Endometriose und Kinderwunsch
Dafür ist die komplette Resektion der Endometrioseherde er-
forderlich. Dies muss aber fertilitätserhaltend geschehen. Es
besteht in diesen Fällen keine Indikation für eine medikamen-
töse suppressive Therapie. Bei Anwendung von Maßnahmen
der assistierenden Reproduktion ist eine Endometriosepro-
gression möglich, wenn es zu keiner ausgetragenen Schwan-
gerschaft kommt.
Operative Therapie der Adenomyose
Bei der operativen Behandlung ist grundsätzlich zu unter-
scheiden, ob es sich um eine diffuse Adenomyose oder ein
Adenomyom handelt. Für die diffuse Adenomyose ist eigent-
lich die Hysterektomie die operative Therapie der Wahl. Dies
kommt natürlich bei V orliegen von Kinderwunsch primär
nicht in Frage. In diesen Fällen wäre eine Behandlung mit
GnRH-Agonisten angezeigt, um die Rückbildung der Adeno-
myose zu bewirken (was ultraschallmäßig kontrolliert werden
sollte), um dann gezielt eine Konzeption mit oder ohne repro-
duktionsmedizinische Maßnahmen anzustreben. Kürzlich ist
von japanischer Seite zur Uteruserhaltung bei diffuser Adeno-
myose die sogenannte 3-Lappen-Technik propagiert worden.
Inwieweit dies erfolgreich bei Frauen mit Kinderwunsch an-
wendbar ist, bedarf entsprechender Untersuchungen.
Bei Adenomyom ist die Exstirpation mit Erhaltung des Uterus
möglich. Eine eigentliche Trennschicht (Kapsel) ist nicht vor-
handen und es muss mit starken Blutungen gerechnet werden.
Unsererseits wird in diesen Fällen, wie beim Myom, eine GnRH-
Agonisten-V orbehandlung vorgenommen, was nach unserer
Erfahrung eine adäquate uteruserhaltende Operation ermöglicht.
Medikamentöse Therapie der Endo-
metriose
Die Anwendung der verschiedenen medikamentösen Therapie-
formen zur Behandlung der Endometriose kann folgender-
maßen eingeteilt werden:
1. Primärbehandlung (Kurz- und Langzeit) für Schmerzbe-
handlung
2. Postoperative Behandlung (Kurz- und Langzeit)
3. Rezidivbehandlung (Kurz- und Langzeit)
Dabei ist prinzipiell eine symptomatische Behandlung (Schmerz)
von einer endometriosebezogenen Behandlung zu unterschei-
den, die direkt oder indirekt auf die Endometriose einwirkt.
Symptomatische medikamentöse Therapie der
Endometriose
Dabei geht es um die Behebung bzw. Verminderung von Be-
schwerden, die durch Endometriose verursacht werden. Hierbei
handelt es sich um nicht steroidale Antiphlogistika als Schmerz-
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
22 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
Gestagene
Um Schmerzen, aber auch die Größe der Endometrioseherde
günstig zu beeinflussen, ist grundsätzlich eine kontinuierliche
Anwendung vorzunehmen, wobei die Dosierung des gewähl-
ten Gestagens individuell so gestaltet werden sollte, dass es
zu einer Amenorrhoe kommt. In Tabelle 2 sind die Gestagene
angegeben, die bei Endometriose verwendet wurden.
Ziele bei der Behandlung der Endometriose mit Gestagenen sind:
1. Behandlung der Symptomatik
2. Erzielung einer Regression bzw. Status quo der Endome-
triose
3. Vermeidung von
a. Progression
b. Neuauftreten von Endometrioseherden
4. Mitbehandlung anderer klinischer Probleme
a. Androgenisierungserscheinungen (Akne, Hirsutismus,
Alopezie)
b. Myome
c. Blutungsstörungen (Hypermenorrhoe, Menorrhagie)
Die Behandlung mit Gestagenen kann oral und parenteral
(i.m., s.c., intrauterin) erfolgen. Die Gestagene wirken über
verschiedene Mechanismen. Dazu gehören:
1. Hemmung der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse
und damit Blockade der Ovarfunktion (im optimalen Fall
= Amenorrhoe)
2. Vermeidung der Implantation
3. Direkte sekretorisch-deziduale Wirkung mit Regression
der Endometriose (dies kann durch einen Defekt der 17 α-
Hydroxysteroiddehydrogenase Typ II beeinträchtigt werden),
sodass die Wirkung auf die Umwandlung von Östradiol zu
Östron in der Endometriosezelle beeinträchtigt ist. Dabei
ist die Östradiolproduktion in der Endometriosezelle durch
eine zelluläre Aromataseaktivität erhöht.
4. Entzündungshemmend
5. Senkung der Makrophagenzahl und -aktivität
Eine Übersicht über die Prinzipien der Gestagenbehandlung
der Endometriose ist in Tabelle 3 wiedergegeben. In Tabelle 4
T abelle 2: Gestagenmonopräparate zur Behandlung der Endo-
metriose
Progesteronderivate Dydrogesteron
Medrogeston
17α-Hydroxyprogesteronderivate Medroxyprogesteronacetat
Cyproteronacetat
Chlormadinonacetat
19-Nortestosteronderivate Norethisteronacetat
Levonorgestrel (Minipille, Mirena®)
Desogestrel (Minipille)
T abelle 3: Prinzipien der Gestagenbehandlung der Endometriose
Wirkungsweise Länge der Neben- Art der
Behandlung wirkungen Anwendung
Funktionelle Ovarruhe Kontinuierliche Gewichts- Oral
Sekretorisch-deziduale Langzeit- zunahme Parenteral
Umwandlung mit behandlung Blutungs-
Regression probleme
Milieuverbesserung Akne bei 19-
Nortestosteron-
präparaten
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
mittel (z. B. Acetylsalicylsäure, Indometacin, Diclofenac, Ibu-
profen) und zyklisch verwendete hormonale Kontrazeptiva
als Einphasenpräparate. Diese führen aber nicht zu einer Re-
duzierung der eigentlichen Endometrioseherde und schützen
auch nicht vor einer Neuentwicklung von Endometriose.
Indirekte und direkte Einwirkung auf die Endometrioseläsio-
nen wird durch folgende Medikamente bzw. Substanzgruppen
bewirkt:
1. Einphasenpräparate (Östrogen/Gestagen-Kombination) in
Form des „Lang“-Zyklus
2. Gestagene
3. GnRH-Agonisten
4. Danazol (in Deutschland nicht mehr auf dem Markt)
Noch im Experimentalstadium oder in klinischer Untersu-
chung sind folgende Substanzgruppen:
1. GnRH-Antagonisten
2. Aromatasehemmer
3. Cox-2-Hemmer
4. Selektive Progesteronrezeptormodulatoren
5. Östrogenrezeptor- β-Agonisten
Östrogen/Gestagen-Kombination
Die von Kistner 1959 initiierte Östrogen/Gestagen-Kombi-
nationsbehandlung wurde kontinuierlich mit steigenden Dosen
durchgeführt (im Sinne einer Pseudogravidität). Das Endo-
metrium, aber auch die Endometriose werden dabei dezidua-
lisiert und später erfolgt Degeneration und Regression. Wegen
der häufigen Nebenwirkungen (Ödeme, Durchbruchsblutun-
gen, Gewichtszunahme usw.) kam es zu einer hohen Thera-
pieabbruchrate und deshalb wurde diese Behandlungsform
zunächst wieder verworfen. Ohne Zweifel hatte aber eine solche
Behandlung eine gute Wirkung auf die Endometriose-assozi-
ierten Beschwerden von 60 bis über 90 % [13]. Vercellini et al.
haben neuerdings von einer Behandlung von Endometriose-
schmerzen mit einer Pille (0,02 mg EE/0,15 mg Desogestrel)
berichtet, wobei ein deutlicher Effekt auf verschiedene
Schmerzmöglichkeiten untersucht wurde. Man sieht (Tab. 1)
zum einen die klinische Wirkung, aber zum anderen das
Wiederauftreten bzw. Stärkerwerden der Symptome 6 Monate
nach Absetzen der Pille [14].
Unter dem Gesichtspunkt Schmerzbehandlung bei Endome-
triose sollte die kontinuierliche Anwendung einer Östrogen/
Gestagen-Kombination für endometriosebedingt wiederkeh-
rende Dysmenorrhoe bei fehlendem Effekt der zyklischen
Anwendung erfolgen. Untersuchungen zu histomorphologi-
schen Effekten der zyklischen bzw. kontinuierlichen Anwen-
dung der Einphasenpräparate fehlen jedoch.
T abelle 1: Behandlung von endometriosebedingten Beschwerden
mit der Pille (0,02 mg EE und 0,51 mg Desogestrel) [14]
Symptom Ausgangs- Unter Pille 6 Monate
wert nach 6 Monaten nach Pille
Dysmenorrhoe 8,0 ± 1,9 3,7 ± 2,1 7 ,4 ± 1,7
Dyspareunie 6,3 ± 3,3 3,9 ± 2,9 5,6 ± 2,7
Nichtzyklische 4,2 ± 3,0 1,9 ± 2,5 3,6 ± 2,6
Unterbauchschmerzen
Signifikanz p < 0,01
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 23
sind die Gestagene, die für die Behandlung der Endometriose
eingesetzt wurden, mit Handelsnamen und Dosierungsanga-
ben aufgeführt. Beispiele für die Effektivität von einigen Ge-
stagenen bei der Behandlung der Endometriose sind in Tabelle
5 wiedergegeben. Bezogen auf die Veränderung der Endo-
metrioseherde, kontrolliert durch Laparoskopie, ergaben sich
unter 6-monatiger Behandlung mit 2 mg Dienogest die in Ta-
belle 6 zusammengefassten Daten [16].
Die Rate und der Zeitpunkt des Wiederauftretens von Beschwer-
den stehen in Beziehung zur verwendeten Gestagendosis, wie
dies für Medrogeston gezeigt wurde [17]. Das Wiederauftreten
von Symptomen nach 4 Jahren lag bei 25 mg Medrogeston bei
60 % und bei Anwendung von 75 mg Medrogeston bei 40 %.
Für die postoperative Nachbehandlung mit Gestagenen erga-
ben sich bessere Schmerzfreiheit und eine eindeutige Redu-
zierung der Endometriose bei laparoskopischer Kontrolle ver-
glichen mit Placebo [18].
Mit einer randomisierten Vergleichsstudie von niedrig dosierten
Gestagenen mit einer niedrig dosierten Ethinylestradiol (EE)/
Cyproteronazetat (CPA)- Kombination (0,01 mg EE/3 mg CPA)
ergab sich nach 12 Monaten für Dysmenorrhoe, nicht zyklus-
abhängige Schmerzen und Dysschezie Folgendes:
● Östrogen/Gestagen-Präparat: Behandlungserfolg 62 %
● Nur-Gestagen-Präparat: Behandlungserfolg 72 % [19]
Die Schlussfolgerung der Autoren war: Gestagene kontinuierlich
sind eine effektive, kostengünstige Therapieform der ersten
Wahl und eine Alternative zu wiederholten Operationen, wenn
kein Kinderwunsch besteht. Als besondere Form der Gestagen-
behandlung der Endometriose hat sich in den letzten Jahren die
Anwendung von Mirena
® herausgestellt. Durch die intrauterine
Freisetzung von Levonorgestrel mit hoher Konzentration im
Uterus und kleinen Becken verglichen mit den Spiegeln im
peripheren Blut konnten die Symptome der Endometriose ver-
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
T abelle 4: Behandlung der Endometriose mit Gestagenen
1. Orale 17ααααα-Hydroxyprogesteronderivate
Gestagen Präparat Dosierung
Medroxyprogesteron- Clinovir ® 30–100 mg tgl.
acetat
Cyproteronacetat Androcur ® 10–100 mg tgl.
Medrogeston Prothil ® 25–75 mg tgl.
2. Orale 19-Nortestosteronpräparate
Norethisteronacetat Norethisteronacetat 10 mg tgl.
Jenapharm®
Desogestrel Cerazette ® 0,075–0,150 mg tgl.
3. Parenterale Gestagenpräparate
Medroxyprogesteron- Depot-Clinovir ® 159 mg i.m.
acetat alle 3 Monate
Cyproteronacetat Androcur-Depot ® 300 mg alle 4 Wochen
Etenogestrel Implanon ® 68 mg s.c. //
Implantation alle 3 Jahre
Levonorgestrel Mirena ® 20 µg/Tag intrauterin //
alle 5 Jahre
bessert und die Herde regressiv gestaltet werden [20, 21].
Auch bei postoperativer Anwendung nach laparoskopischer
Therapie der Endometriose werden das Rezidivrisiko und das
Auftreten von Dysmenorrhoe mit Mirena
® signifikant redu-
ziert [22]. Die vorhandenen Daten sprechen dafür, dass eine
kontinuierliche Gestagenbehandlung eine effektive Therapie
der Endometriose-assoziierten Schmerzsymptomatik ist. Allei-
nige zyklische Gestagenbehandlung ist nicht wirksam. Der
optimale Gestageneffekt bei der Behandlung der Endometrio-
se wird erreicht, wenn eine anhaltende Amenorrhoe erzielt
wird. Gestagene sind somit eine therapeutische Möglichkeit
der Langzeitbehandlung der Endometriose und der damit ver-
bundenen Beschwerden.
Dabei ist die Zielsetzung:
1. Kontrolle der vorhandenen Endometrioseherde
2. Vermeidung neuer Endometrioseherde
3. Behandlung der Symptomatik
4. Kontrazeption ist gegeben
5. Je nach Gestagen sind Zusatzwirkungen erzielbar,
z. B. antiandrogener Effekt
Es handelt sich somit um eine kostengünstige Behandlungsform.
GnRH-Agonisten
Bisher sind die in Tabelle 7 zusammengefassten GnRH-Ago-
nisten zur klinischen Anwendung gekommen. Der Hauptwir-
kungsmechanismus besteht in der Suppression der Hypotha-
lamus-Hypophysen-Ovar-Achse und damit in der sicheren
und konstanten Senkung des Serum-Östradiol-Spiegels, wie
T abelle 5: Effektivität von Gestagenen bei der Behandlung von
endometriosebedingten Beschwerden [15]
Gestagen Art der Behandlung Schmerzaufhebung
n%
Cyproteronacetat 10 mg tgl. x 20 Tage/ 7/7 100
Zyklus für 6 Monate
12,5 mg tgl. für 6 Monate 34/45 75
Medroxy- 50 mg tgl. für 3 Monate 35/40 87
progesteronacetat 150 mg i.m./3 Monate 36/40 90
für 12 Monate
Dienogest 2 mg für 6 Monate 18/29 62
88/101 87
88/97 91
18/35 52
Norethisteron- 5–20 mg tgl. für 6 Monate 48/52 92
acetat 10 mg tgl. für 6 Monate 46/48 96
Lynestrenol 10 mg tgl. für 6 Monate 11/22 50
Levonorgestrel 20 µg tgl. intrauterin 12/20 60
für 12 Monate 11/11 100
T abelle 6: Laparoskopisch kontrollierte Veränderung der
Endometrioseherde unter 6-monatiger Behandlung mit 2 mg
Dienogest [16]
Veränderungen der Dienogestbehandlung
Endometrioseherde 2 mg tgl. für 6 Monate
n%
Nicht mehr nachweisbar 65 65,0
Teilweise zurückgebildet 20 20,0
Unbeeinflusst 16 15,0
Gesamt 101 100,0
24 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
paroskopie zusammen mit einer GnRH-Agonisten-Behand-
lung die Therapie der Wahl [28]. Weiterhin wird empfohlen,
vor Maßnahmen der assistierten Reproduktion bei Frauen mit
Endometriose eine Behandlung mit GnRH-Agonisten über 3–
6 Monate vorzunehmen [28].
In einer Cochrane-Analyse konnte gezeigt werden, dass die
Rate der Lebendgeburten pro Frau signifikant höher bei den
Frauen war, die mit GnRH-Agonisten behandelt wurden, ver-
glichen mit Kontrollen (RR 9,19, 95 % KI, 1,8–78,2). Die kli-
nische Schwangerschaftsrate pro Frau war ebenfalls signifi-
kant erhöht (RR 4,28, 95 % KI, 2,00–9,15). Die Autoren zogen
die Schlussfolgerung, dass die Anwendung von GnRH-Ago-
nisten für 3–6 Monate vor IVF und ICSI bei Frauen mit Endo-
metriose die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Schwanger-
schaft um das 4-Fache erhöht [29]. Diese Art der Behandlung
wird durch die Anwendung des 3-Monats-Präparates (Trenan-
tone
®) nicht nur vereinfacht, sondern auch kostengünstiger
gestaltet.
Die Erfahrungen mit GnRH-Agonisten bei Frauen mit Endo-
metriosebehandlung können folgendermaßen zusammenge-
fasst werden:
1. Frühe Endometriosestadien sind immunologisch und me-
tabolisch aktiver als die Spätstadien.
2. Die frühen Stadien reagieren besser auf eine Hormonthe-
rapie (z. B. mit GnRH-Agonisten) als die fortgeschrittenen.
3. Die absolute Rezidivrate und die rezidivfreie Zeit sind für
die Frühstadien deutlich niedriger bzw. länger als für die
Spätstadien.
4. Die konsequente Behandlung minimaler und leichter En-
dometriose fördert die Fertilität als spontane Konzeption
oder nach Stimulation.
5.
Das aktive frühe Angehen der Frühstadien ist als beste Prä-
vention der endometriosebedingten Sterilität anzusehen.
Die optimale Langzeitstrategie zum Management der Pa-
tientin mit Rezidiv ist die Optimierung der Primärtherapie!
6. Symptomfreiheit, verzögertes Rezidiv und Erfüllung des
Kinderwunsches führen zur Steigerung der Lebensqualität.
Es ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:
● GnRH-Agonistenbehandlung ist zurzeit die effektivste me-
dikamentöse Therapieform, um Endometriose-assoziierte
Schmerzen zu behandeln.
Abbildung 1: Östradiol-Serumspiegel und menstruationsartige Blutungen während
der 24-wöchigen Behandlung mit Leuprorelinacetat-Depot (n = 161 vollständige Be-
obachtungen): eigene, unveröffentlichte Ergebnisse
in Abbildung 1 wiedergegeben. Dies führt nach den ersten 4
Wochen in den allermeisten Fällen zu einer Amenorrhoe.
Dadurch können typische klimakterische Symptome ausgelöst
werden, was das Wesentlichste am Nebenwirkungsspektrum
der GnRH-Agonisten ist. Bei der Langzeitbehandlung kann
der durch Östrogenmangel bedingte Knochendichteverlust
mittels einer sogenannten Add-back-Behandlung ausgeglichen
werden, ohne die Effektivität auf die Endometriosebehandlung
messbar zu beeinflussen.
Für die Add-back-Behandlung kommen infrage:
1. Gestagene
2.
Östrogen/Gestagen-Kombination (Präparate für die Hormon-
substitution im Klimakterium) und Tibolon
Einige Behandlungsergebnisse sind in Tabelle 8 zusammen-
gefasst. Für die postoperative GnRH-Agonisten-Behandlung
hat sich ein günstiger Effekt auf das Wiederauftreten von Be-
schwerden zeigen lassen [23]. Mit einigen Untersuchungen
wurde gezeigt, dass bei gering und mäßig ausgeprägter Endo-
metriose der therapeutische Effekt der GnRH-Agonisten größer
ist (z. B. Atrophieverteilung, Drüsenfläche, Cytoplasmafläche,
Stromaausdehnung usw.) als bei schweren Endometriosefor-
men. Damit wird die Forderung nach einer möglichst frühen und
umfangreichen Therapie unterstrichen [13]. Bedeutsam ist, dass
im Bereich der Reproduktionsmedizin eine längere GnRH-
V orbehandlung (2–7 Monate) zur wesentlichen Verbesserung
der Schwangerschaftsrate bei ART-Maßnahme führt
[24, 25].
Weiterhin wurde bei Frauen mit Endometriose gezeigt, dass vor
Maßnahmen der ART eine 6-monatige V orbehandlung mit
GnRH-Agonisten die klinische Schwangerschaftsrate er höht
[26, 27]. Bei mäßigen und schweren Endometriose-assoziier-
ten Fertilitätsstörungen ist die Kombination von operativer La-
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
T abelle 8: Behandlungsergebnisse mit GnRH-Agonisten
Autor GnRH- Subjektiver Objektiver
Agonist Erfolg (%) Erfolg (%)
Henzl et al. 1988 Nafarelin 79 79
Shaw 1990 Goserelin 80 93
Frentz u. Schweppe 1990 Buserelin 85 69
Zorn et al. 1990 Triptorelin 87 68
Schindler 1999 Leuprorelin 90 84
T abelle 7: GnRH-Agonisten für die Therapie der Endometriose
GnRH- Position Position Art der Dosis
Agonist 6 10 Applikation
Natürliches Gly Gly-NH2 i.v.; sc Variabel
GnRH entsprechend
der Indikation
Leuprorelin- D-Leu NH- sc; i.m. 1 mg tgl.
acetat Ethylamid 3,75 mg/Monat
(Enantone) 11,25 mg/3 Monate
Goserelin D-Ser Aza-Gly sc 3,6 mg/Monat
(Zoladex) (Implantat)
T ryptorelin D-Trp – sc; i.m. 3,75 mg/Monat
(Decapeptyl)
Buserelin D-Ser NH- intranasal; 900 mg tgl.
(Suprecur) Ethylamid sc
Navarelin
(Synarela) D-Naphthyl- – intranasal 400–800 mg
amin tgl.
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 25
Operative und medikamentöse Therapie der Endometriose/Adenomyose
● Niedrig dosierte Add-back-Therapie minimiert die Ne-
benwirkungen der Langzeit-GnRH-Behandlung, ohne den
therapeutischen Effekt zu gefährden.
● Insgesamt scheinen die GnRH-Agonisten die Fertilitäts-
chancen zu verbessern, besonders bei den schweren Formen
der Endometriose in Verbindung mit modernen Methoden
der Reproduktionsmedizin.
● Die medikamentöse Therapie der Endometriose hat eine
Schlüsselstellung bei der Behandlung Endometriose-asso-
ziierter Beschwerden, der Krankheitsprogression und der
Rezidivrate.
● Medikamentöse Therapien können effektiv die Endometriose-
assoziierte Schmerzproblematik beeinflussen bzw. beheben.
● Medikamentöse Therapie kann zur Erhaltung und Wieder-
herstellung der Fertilität beitragen.
Da Danazol in Deutschland nicht mehr verfügbar ist, wurden
dazu keine Ausführungen gemacht.
Eine umfassende Darstellung aller Aspekte der Endometriose
ist im Internet unter
www.cme-bits.de nachzulesen bzw. nach-
zuarbeiten.
Zukünftig werden weitere Medikamente zur Behandlung der
Endometriose verfügbar werden. Dazu gehören:
1. Selektive Östrogenrezeptormodulatoren (z. B. Raloxifen)
2. Aromatasehemmer (z. B. Letrozol, Aromasin, Arimidex)
3. Progesteronrezeptorantagonisten (z. B. Onapriston)
Abbildung 2: Algorithmus bei endometriosebedingter Schmerzsymptomatik
Abbildung 3: Algorithmus bei Sterilität und Kinderwunsch (IVF = In-vitro-Fertilisation;
ICSI = Intrazytoplasmatische Spermieninjektion)
4. Progesteronrezeptormodulatoren (z. B. RU486)
5. Cox-2-Hemmer
Zusammenfassend wird für die Schmerzsymptomatik, die
durch Endometriose bedingt wird, der in Abbildung 2 darge-
stellte Algorithmus vorgeschlagen; bei Kinderwunsch ist der
entsprechende Algorithmus in Abbildung 3 dargestellt.
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Prof. Dr. Adolf E. Schindler
1962 Staatsexamen und Promotion, Johann-
Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt. 1964–
1966 Senior Research Fellow Ford Founda-
tion Universität Washington, Seattle/Washing-
ton/USA. 1966–1969 Assistenzarzt Abt. Gy-
näkologie und Geburtshilfe und Forschung in
gynäkol. und geburtshilfl. Endokrinologie SW.
Med. School Dallas/TX/USA. 1971 Habilita-
tion „Steroide im Fruchtwasser“, Privatdozent
Universität Tübingen. 1979 Professor Univer-
sitätsfrauenklinik Tübingen. 1986–2002 Direk-
tor Abt. Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, Universitätsklinikum
Essen. 1986–2002 geschäftsführender Direktor Zentrum für Frauenheilkun-
de, Universitätsklinikum Essen. 1997–2002 Direktor Abt. Geburtshilfe und
perinatale Medizin, Universitätsklinikum Essen. Ab 2002 Direktor Institut
für Medizinische Forschung und Fortbildung, Essen.
Auszeichnungen: Lynch Memorial Award Pacific Coast, Obstetrical and
Gynecological Society 1965, Frederick Purdue Award, American College
of Obstetricans and Gynecologists 1967, Vesalius-Medaille der Stadt
Augsburg 1978. Herausgeber oder Mitglied bei zahlreichen wissenschaftli-
chen Zeitschriften. Autor und Koautor von mehr als 500 Publikationen in
nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Mitglied
in mehr als 20 nationalen und internationalen Gesellschaften. Präsident
bzw. Vorstandsmitglied in 6 nationalen und internationalen Gesellschaften
bzw. Stiftungen sowie mehrere Ehrenmitgliedschaften bei in- und aus-
ländischen medizinischen Gesellschaften.
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