Hormonalcycle·Menstrualleave·Gender
equality·Menstrualcomplaints·Occupational
healthmanagement·Workplace
bensstile odererlernte Verhaltensweisen
innerhalb der Familie die Ursache sein,
da etwa 56% der Informationen zur
Schmerzbewältigung von Müttern an
ihre Töchter weitergegeben werden [17,
22]. Auch wenn Mitsuhashi et al. [22]
keinen signifikanten Zusammenhang
zwischen der Prävalenz von PD und
physischer Aktivität, Alkohol- und Kof-
feinkonsum sowie morgentliches Fasten
finden konnten, sind dies weitere Fak-
toren, die häufig diskutiert werden. Zur
Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie
Übersichten: Arbeitsmedizin
Tab. 1 Häufigauftretendemenstruellebzw.prämenstruelleSymptome
Quelle Menstrual cycle-associated
symptoms and workplace
productivity in US employees:
A cross-sectional survey of
users of the Flo mobile phone
app [29]
The impact of mens-
trual symptoms on
everyday life: a sur-
vey among 42,879
women [31]
The Prevalence of Menstrual
Cycle Disorders and Menstru-
al Cycle-Related Symptoms
in Female Athletes: A Sys-
tematic Literature Review
[34]
The prevalence of menstrual
cycle symptoms and their as-
sociation with mental health
and sleep in German exercising
women and athletes [18]
Studienparameter Symptome in % Symptome in % Mean Prävalenz (von–bis)
Symptome in % + weitere
Symptome
Symptome in %
EingeschlosseneZiel-
gruppen
US-amerikanischeFrauenim
arbeitsfähigenAlter(>18Jahre)
Niederländische
FrauenimAlter15–
45Jahre
Athletinnenmitunterschied-
lichenWettkampfniveausaus
unterschiedlichenSportarten
DeutschesportlichaktiveFrauen
Anzahluntersuch-
terFrauen(Nutzung
hormonellerKontra-
zeption)
1801(nichtangegeben) 42.879(16.395;
47,7%)
6380(0) 332(176;53,01%)
PhysischeSymptome
Krämpfe/Abdominale
Schmerzen
91 85 59(47,5–7) 75
Blähungen 81 – 18(2,0–45,1)Verstopfung,
Schwellung
80
Rückenschmerz 79 59 16(15,0–17,1) 80
Kopfschmerz 79 54 10 75
EmpfindlicheBrüste 74 42 11(0,9–31,4) 75
Akne 68 – 1 –
Übelkeit/Erbrechen 65 15 4(4,0–4,6) 30
Durchfall 62 – – 60
Schwindel – – – 50
Temperaturfluktuatio-
nen
– – – 50
Gelenkschmerzen/
Muskelkrämpfe
– – – 50
ÖdemExtremitäten/
Wassereinlagerung
– – 33(1,8–78,4) 45
Verstopfung – – 18(2,0–45,1)
Blähungen,Schwellung
30
Veränderungen/
Schwierigkeitenzu
atmen
– – – 20
– – – – –
Dysmenorrhoe(bei
Erwachsenen)
– – 30(7,8–85) –
– – – – –
Emotional/affektiveSymptome
Müdigkeit 85 71 40(4,1–72,7) 90
Gereizt/genervt 73 – 49(0,5–71,6) –
Stimmungsschwan-
kungen
73 – 25(4,0–61,4) 90
Hungergelüste 71 – 40(0,9–70,4) 90
Ruhig 69 – – –
Ängstlich 63 – 46(0,5–75,0) –
Traurig 59 – – –
Schlaflosigkeitoder
Hypersomnie
– – 53,3(46,3–60,3) 60
Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie
Tab. 1 (Fortsetzung)
Quelle Menstrual cycle-associated
symptoms and workplace
productivity in US employees:
A cross-sectional survey of
users of the Flo mobile phone
app [29]
The impact of mens-
trual symptoms on
everyday life: a sur-
vey among 42,879
women [31]
The Prevalence of Menstrual
Cycle Disorders and Menstru-
al Cycle-Related Symptoms
in Female Athletes: A Sys-
tematic Literature Review
[34]
The prevalence of menstrual
cycle symptoms and their as-
sociation with mental health
and sleep in German exercising
women and athletes [18]
Studienparameter Symptome in % Symptome in % Mean Prävalenz (von–bis)
Symptome in % + weitere
Symptome
Symptome in %
ReduziertesInteresse
(Arbeit,zuHause,
sozial)
– – 40(29,9–50,0) –
Abstimmungs-oder
Konzentrationsproble-
me
– – 39(2,3–60,1) 60
Überwältigt – – 34(25,9–42,0) –
Linderung von Beschwerden werden
neben medikamentösen Möglichkeiten
auch alternative Aspekte im Rahmen
von Selbstmanagement-Strategien dis-
kutiert, wie z.B. Cannabis [2]o d e re i n e
Ernährungsumstellung bzw. Nahrungs-
ergänzungsmittel [1, 14, 16, 21, 23].
Obwohl inderklinischenPraxishäu-
fig zu beobachten ist, dass sich die prä-
menstruelle BeschwerdennachSchwan-
gerschaften nachhaltig verändern kön-
nen, fehlt es bis dato an systematischen
wissenschaftlichen Untersuchungen, die
diese Zusammenhänge umfassend ana-
lysieren und empirisch belegen. Außer-
demkonntebeobachtetwerden,dassdie
SymptomedesPMSjenachAltervariie-
ren; beispielsweise waren bei brasiliani-
schenFrauenimreproduktivenAlterdie
emotional affektiven Symptome stärker
ausgeprägt [26].
Insgesamt weist die aktuelle Studien-
lageLimitationenauf.Sosindthematisch
relevante Studien oft heterogen und er-
schweren die Zusammenstellung von
umfänglichen systematischen Reviews
[17, 22]. Außerdem werden in einigen
Untersuchungen Frauen mit Verwen-
dung von hormoneller Kontrazeption
eingeschlossen, obwohl dies erhebli-
che Auswirkungen auf die Symptome
haben kann. Darüber hinaus werden
ethnische Unterschiede teilweise un-
zureichend berücksichtigt. Viele der
zugrundeliegenden Daten basieren auf
Selbstberichtenohne ärztliche Überprü-
fung der Symptome, was die Validität
der Ergebnisse ebenfalls limitiert [22].
Zusammenfassend sind nach jetzigem
Stand der Studien die Einflussfaktoren
auf das Auftreten von Menstruationsbe-
s c h w e r d e nm u l t i f a k t o r i e l l .N e b e nd e m
Alter, reproduktiven Merkmalen und
Lebensstilvariablen spielen auch ge-
netische und psychologische Einflüsse
eine wesentliche Rolle. Ethnische sowie
methodische Unterschiede sollten in
zukünftigen Analysen stärker berück-
sichtigt werden.
Einfluss menstrueller
Symptome auf die Arbeitswelt
Symptome vor oder während der Mens-
truation können die Arbeitsfähigkeit
von Frauen beeinflussen. In Abhängig-
keit von derjeweiligen Studiegaben 16–
91% der befragten Arbeitnehmerinnen
an, unter starken bis moderarten Be-
schwerden zu leiden [15, 17, 19, 29, 31].
AuchindiesenUntersuchungenwurden
Studieneingeschlossen,indenenFrauen
hormonelle Kontrazeption verwenden,
wasAuswirkungenaufdieSymptomeha-
benkann.AufgrunddieserBeschwerden
mussten sogar 2–45% der Arbeitneh-
merinnen der Arbeit fernbleiben [15,
17, 19, 29]. Bei US-amerikanischen An-
gestellten führten diese Symptome im
Durchschnittzu5,8Fehltagen innerhalb
der letzten 12 Monate [29]. Nicht nur
die Anzahl der Fehltage, sondern auch
die Arbeitsproduktivität dieser Frauen
wird im moderaten bis starken Aus-
maß beeinträchtigt, insbesondere durch
Symptome, die Konzentration, Energie-
level, Leistungsfähigkeit, Interesse an
derArbeitsowieStimmungbeeinflussen
[29]. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich
b e iF r a u e ni nE n g l a n d[15]. In diesen
beiden Studien wurde auch die fehlen-
de diesbezügliche Kommunikation mit
Vorgesetzten thematisiert [15, 29]. Die
Gründe hierfür lagen in der Wahrneh-
mung der Symptome als unzureichende
Rechtfertigung für krankheitsbedingte
Fehlzeiten sowie in der Sensibilität des
Themas,dashäufigalsprivatoderunan-
genehm angesehen wurde [15]. Frauen
sprachen das Thema seltener an, wenn
der Vorgesetzte ein Mann war [ 15].
Ferner gaben 94,6% der betroffenen
Arbeitnehmerinnen an, keine speziellen
Maßnahmen zur Unterstützung zu er-
halten [29]. Die 5,4% der Frauen, die
Unterstützung bekamen, erhielten diese
durch Wellness-Programme, Beratung,
Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Kran-
kenversicherung oder bezahlten Urlaub.
Der „Menstruationsurlaub“ kann ei-
nerseits als bedeutender Aspekt der
Gesundheitsfürsorge von Frauen ver-
standen werden, andererseits besteht
auch die Gefahr einer Stigmatisierung
und Diskriminierung am Arbeitsplatz.
Levitt und Barnack-Tavlaris [20]a n a -
lysieren in ihrer Arbeit die politische
Maßnahmedes„Menstruationsurlaubs“.
Sie betonen, dass bisher nur wenige
Studien die Auswirkungen solcher Re-
gelungen sowohl auf die Betroffenen
als auch auf die Arbeitsumgebungen,
die diese Option anbieten, untersucht
haben.DieAutorenargumentieren, dass
„Menstruationsurlaub“ auch potenziell
negative Konsequenzen für Menstruie-
rendenachsichziehenkönnte,insbeson-
Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie
Übersichten: Arbeitsmedizin
dere,wennzugrundeliegendesexistische
Einstellungenundgeschlechtsspezifische
Diskriminierungen nicht systematisch
adressiert werden.
Fazit: Chancen und He-
rausforderungen für die
arbeitsmedizinische Praxis
Im internationalen Kontext wird der
„Menstruationsurlaub“ kontrovers dis-
kutiert. Diese Tatsache betont die Not-
wendigkeit, Menstruationsbeschwerden
bei der Analyse von Arbeitsunfähig-
keit ernsthaft zu berücksichtigen. Un-
abhängig dieser Debatten sollten Ar-
beitsmediziner:innen wichtige medizi-
nischeAspektedesMenstruationszyklus
kennen und berücksichtigen. Gynäko-
log*innen sollten darüber hinaus als
erste Ansprechpartner bei Einschrän-
kungen durch den Menstruationszyklus
fungieren, umorganischeUrsachenaus-
zuschließen, effektive Therapien anzu-
bieten oder interdisziplinäre Verfahren
(bspw. Konsultierung eines Psychiaters
bei PMDD) anzubahnen.
DieEinführungspezifischerRegelun-
gen könnte dazu beitragen, die gesund-
heitlichen Bedürfnisse menstruierender
Arbeitnehmerinnen besser zu adressie-
renundgezielteMaßnahmenzurU n ter-
stützung betroffener Mitarbeiterinnen
zu entwickeln. Dies wäre beispielswei-
se durch flexible Arbeitszeitmodelle,
Homeoffice-Optionen, Schulungen zu
zyklusgerechter Arbeitsgestaltung, die
Förderung gesundheitsfördernder Ak-
tivitäten am Arbeitsplatz, das Erlernen
von Copingstrategien für Arbeitnehme-
rinnen oder Sport bzw. Bewegung zur
Schmerzbewältigung möglich [11, 28].
Diese Aspektekönnten auchunter einer
geschlechtersensiblen Terminologie für
Männer angeboten werden, um poten-
zieller geschlechtsspezifischer Diskrimi-
nierung vorzubeugen. Es muss jedoch
berücksichtigt werden, dass die aktuelle
Forschung zu menstruationsbedingten
Symptomen meist auf retrospektiven
Befragungen mittels Fragebögen basiert
[18, 29, 31, 34]. Zudem werden Frauen
mit hormoneller Kontrazeption einge-
schlossen oder der Anteil wird nicht
erhoben [16, 18, 19, 22, 29, 31]. Weite-
re prospektive Untersuchungen sollten
effektive Strategien zur Symptomreduk-
tion untersuchen, um Fehlzeiten zu
minimieren und die Produktivität sowie
Zufriedenheit von Arbeitnehmerinnen
zu steigern. Auch die Bedeutung und
der Einfluss von sportlicher Aktivität
auf den Menstruationszyklus (insbeson-
dere des zyklusbasierten Trainings) und
deren neurophysiologische Auswirkun-
gen sollten zukünftig Berücksichtigung
finden [32]. Schließlich ist eine Entta-
buisierung des weiblichen Zyklus und
des Menstruierens unerlässlich, um das
WohlbefindenundphysischeEinschrän-
kungen von Arbeitnehmerinnen nach-
haltig zufördern, aberauchdemStigma
und der Tabuisierung desThemassowie
fehlender Flexibilität in Arbeitsstruk-
turen entgegenzuwirken. Ein besseres
Verständnis dieser Zusammenhänge
kann dazu beitragen, arbeitsbezogene
Einschränkungen zu minimieren und
die Lebensqualität zu erhöhen.
WichtigistinjedemFalleineEntstig-
matisierung und ein Enttabuisieren der
gesamten Thematik durch Gespräche,
Diskussionen und ins Fokussetzen der
Thematik in allen Bereichen.
Korrespondenzadresse
Prof. Dr. Dr. Daniela Ohlendorf
InstitutfürArbeitsmedi zin,Sozialmedizinund
Umweltmedizin,Goethe-UniversitätFrankfurt
Theodor-Stern-Kai7,60596FrankfurtamMain,
Deutschland
[email protected]
Funding. OpenAccessfundingenabledandorgani-
zedbyProjektDEAL.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt.E.Schultz,F.Holzgreve,E.M.Wan-
ke,G.Oremek,B.Schaber,D.Brüggmann,R.Schubert
undD.Ohlendorfgebenan,dasskeinInteressenkon-
fliktbesteht.
DieserBeitragbeinhaltetkeinevondenAutoren
durchgeführteStudienanMenschenoderTieren.
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menwurden.DieindiesemArtikelenthaltenenBilder
undsonstigesDrittmaterialunterliegenebenfallsder
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derAbbildungslegendenichtsanderesergibt.Sofern
dasbetreffendeMaterialnichtunterdergenannten
CreativeCommonsLizenzstehtunddiebetreffende
HandlungnichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubt
ist,istfürdieobenaufgeführtenWeiterverwendun-
gendesMaterialsdieEinwilligungdesjeweiligen
Rechteinhaberseinzuholen.WeitereDetailszurLizenz
entnehmenSiebittederLizenzinformationauf http://
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adressenneutral.
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