Premature menopause · Climacteric·
Amenorrhea · Hormonal replacement
therapy·Fertility
der Effekt anhält. Zudem gibt es bisher
nur unzureichende Daten über die Aus-
wirkung auf die Fertilität. Laut AWMF-
Leitlinie istdaherdiealleinige Gabevon
GnRH-Analoga nicht ausreichend [19].
IsteineRadiatio desBeckensgeplant,
kann außerdem eine Transposition der
Ovarien durchgeführt werden. Die Fer-
tilitätseinschränkung durch die Strah-
lenschädigungdesUteruskann dadurch
aber nicht vermieden werden.
BeiPatientinnenmitTurner-Syndrom
und vorhandener ovarieller Funktion
kommt eine Fertilitätsprotektion mit-
tels Kryokonservierung von Oozyten,
Embryonen oder Ovargewebe ebenfalls
infrage [12, 27].
Hat eine Frau mit bereits manifester
POIKinderwunsch,soistdieEizellspen-
de die Methode der Wahl. In Österreich
ist diese Behandlung seit der Novelle
des Fortpflanzungsmedizingesetzes von
2015erlaubt,allerdings darfdieSpende-
rin maximal 30 Jahre alt sein. Die Kom-
merzialisierung der Eizellspendeist ver-
boten. Aufgrund dieser Einschränkun-
gen ist die Suche nach einer Spenderin
erschwertundfürdiePatientinnenbleibt
häufig nur die Option einerBehandlung
im Ausland.
JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Österreich3·2019 71
Originalien
Abb.1 9 aLaparo-
skopischeTeilresek-
tiondesOvarsvor
geplanterChemo-
therapie;bOvarge-
webevorderVerar-
beitung;caufgear-
beitetesOvargewe-
bevorderKryokon-
servierung
POIundSchwangerschaft
Spontane Schwangerschaftenbei Frauen
mit idiopathischer POI oder mit POI
nach Chemotherapie sind nicht mit hö-
heren geburtshilflichen oder neonatalen
Komplikationsraten assoziiert [24, 28].
Eine Ausnahme stellen Behandlungen
mit Anthrazyklinen und eine mediasti-
nale Radiotherapie dar [29]. Aufgrund
der Kardiotoxizität dieser Therapien
sollte in der Schwangerschaft eine kar-
diologische Mitbetreuung stattfinden.
Ist die POI auf eine pelvine Radio-
therapie zurückzuführen, kann neben
den Ovarien auch der Uterus durch die
Strahlung geschädigt sein. Hierbei muss
mit Komplikationen wie Spätaborten,
Frühgeburten, niedrigem Geburtsge-
wicht, IUFT, postpartaler Hämorrhagie,
Plazentationsstörungen und Uterusrup-
tur gerechnet werden [28]. Schwangere
im Z.n. Radiatio des Uterus sollten da-
her in einem geburtshilflichen Zentrum
betreut werden [1].
Ist die Schwangerschaft hingegen
durch Eizellspende entstanden, treten
geburtshilfliche Komplikationen, vor
allem hypertensive Schwangerschafts-
erkrankungen, Wachstumsretardierung
undFrühgeburten,häufigerauf[ 30].Da-
her empfiehlt die ESHRE hier ebenfalls
die Betreuung in einem Zentrum.
Schwangerschaften bei Frauen mit
Turner-Syndrom sind mit einem hohen
Risiko nicht nur für geburtshilfliche,
sondern auch für maternale Kompli-
kationen assoziiert. Im Vordergrund
stehen kardiovaskuläre Komplikationen
[12], sodass neben der Anbindung an
ein geburtshilfliches Zentrum auch eine
kardiologische Mitbetreuung nötig ist.
AbhängigvonderUrsachederPOIist
folglich eine gründliche präkonzeptio-
nelle Beratung und ggf. Abklärung auf
maternale Risikofaktoren indiziert. In
einzelnenFällenmussvoneinerSchwan-
gerschaft sogar abgeraten werden.
POIundgesundheitlicheFolgen
Der Östrogenmangel führt unabhängig
von der Ursache der POI zu einer Ab-
nahme der Knochendichte und steigert
somitdasRisiko vonFrakturen[ 31].Die
PrävalenzvonOsteoporoseliegtbeiFrau-
en mit POI bei 8–14% [23, 31], wobei
dasRisikodurcheinfrühesAuftretender
POI,VerzögerungderDiagnoseundThe-
rapie,Bewegungsmangel,niedriges Kör-
pergewicht, Rauchen sowie Vitamin-D-
undKalziummangelgesteigertwird[ 31].
Die Patientinnen sollten daher zur Ver-
meidung dieser zusätzlichen Risikofak-
toren angehalten werden. Der Dachver-
bandfürOsteologieempfiehltfüralleRi-
sikogruppendieSicherstellungeinerGe-
samtzufuhrvontäglich1000mgKalzium
und 800–1000IE Vitamin D3 durch die
Ernährung und/oder Supplemente [32].
EineHormonersatztherapie (HRT) auch
zur Osteoprotektion bis zum Erreichen
des natürlichen Menopausenalters wird
sowohl von den ESHRE- als auch von
den NICE-Leitlinien empfohlen [1, 2].
Zum Zeitpunkt der Diagnose der POI
sollte eine Osteodensitometrie durchge-
f ü h r tw e r d e n .E i nN u t z e nr o u t i n e m ä ß i -
ger Knochendichtekontrollen unter lau-
fenderTherapieistlautDachverbandfür
Osteologienichtbelegt[ 32].DieESHRE-
Leitlinie empfiehlt dennoch, die Osteo-
densitometrie mindestensalle5Jahrezu
wiederholen,wennbeiderinitialenMes-
sung eine Osteoporose vorliegt [1].
Roccaetal.,habeneinereduzierteLe-
benserwartung bei Frauen mit POI ge-
zeigt[33].Diesistvorallemaufdasgestei-
gerteRisiko für kardiovaskuläre Erkran-
kungen zurückzuführen, das in zahlrei-
chen Studien nachgewiesen wurde. Da-
her sollten die Betroffenen zusätzliche
kardiovaskuläre Risikofaktoren vermei-
den. Eine HRT wirkt sich positiv auf
Blutdruck,Plasmalipide,Insulinresistenz
und Endothelfunktion aus [34–37]u n d
sollte daher empfohlen werden [1]. Eine
jährliche Reevaluation des kardiovasku-
lärenRisikosanhandvonBlutdruck,BMI
und Nikotinabusus sollte ebenfalls er-
folgen. Bei Frauen mit Turner-Syndrom
solltenzusätzlichLipide,Nüchterngluko-
se und HbA1c jährlich beurteilt werden,
und die Betreuung sollte zusammen mit
einem erfahrenen Kardiologen erfolgen.
D i eD i a g n o s eP O Ik a n ns i c hz u d e m
negativ auf das psychosexuelle Wohlbe-
finden auswirken [38]. Deshalb ist es
wichtig, die Patientinnen nach Proble-
men im Bereich der Sexualität zu fra-
72 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Österreich3·2019
gen. Urogenitale Beschwerden wie vagi-
nale Trockenheit,Dyspareunie,Dysurie,
Inkontinenz und gesteigerte Miktions-
frequenz können trotz einer adäquaten
systemischen Östrogensubstitution auf-
treten. In diesem Fall kann zusätzlich
lokal Östrogen appliziert werden. Wenn
eine HRT kontraindiziert ist, kann die
Verwendung von Gleitgel hilfreich sein.
Die transdermale Applikation von Tes-
tosteron bei Libidoverlust im „off label
use“ ist hingegen umstritten [39].
DieAuswirkungdesHormonmangels
aufneurologischeFunktionen istunklar,
aber vor allem eine iatrogene POI infol-
ge von Adnexektomie scheint mit einer
VerschlechterungderverbalenGedächt-
nisfunktion,beschleunigtemkognitivem
AbbauunderhöhtemRisikofürDemenz
undParkinsonassoziiertzusein[ 40,41].
Hormonersatztherapie
Eine Hormonersatztherapie bei POI ist
nicht nur zur Behandlung der Östro-
genentzugssymptomatik, sondern auch
zur Primärprävention von kardiovasku-
lären Erkrankungen und in der Osteo-
protektion dringend indiziert. Eine Sub-
stitutionmit17β-Östradiolistgegenüber
Ethinylöstradiol tendenziellzu bevorzu-
gen, da der osteoprotektive Effekt von
Ethinylöstradiolgeringerzuseinscheint.
Ob ein kombiniertes orales Kontrazep-
tivum (KOK) ebenfalls eine ausreichen-
deOsteoprotektiongarantiert, istderzeit
nochunklar.Lauteiner2012publizierten
Metaanalyse hemmen KOK bei perime-
nopausalen Frauen den Knochenabbau
[42]. Für das Kollektiv der Frauen mit
POI gibt es allerdings kaum Daten. Eine
unverblindete randomisierte Studie mit
59 POI-Patientinnen verzeichnete unter
HRTeinenleichtenAnstiegderBMDim
Zeitraum von 2 Jahren, aber auch unter
KOK blieb die Knochendichte zumin-
deststabil[43].ZweirandomisierteTrials
zeigten bei POI-Patientinnen unter Ös-
tradiol außerdem niedrigere Blutdruck-
werte im Vergleich zu Ethinylöstradiol
[34, 44]. Es könnte folglich ein positi-
ver Effekt auf das kardiovaskuläre Risi-
ko der HRT im Vergleich zu KOK be-
stehen. Wenn gleichzeitig Kontrazepti-
onsbedarf besteht, kann aber angesichts
der geringen Unterschiede dennoch ein
kombiniertesoralesKontrazeptivumein-
gesetztwerden [1].Es gibtkeineStudien
zum Einsatz von konjugiertem equinem
Östrogen oder den neuen KOK mit Ös-
tradiol bei POI-Patientinnen.
DietransdermaleApplikationvonÖs-
tradiol umgeht im Gegensatz zur oralen
Applikation den First-Pass-Effekt in der
Leber,sodassbeieinergeringerenDosie-
rung ausreichende Plasmalevel erreicht
werdenkönnen[ 45].Außerdemsinddie
metabolischenundthrombogenenEffek-
tegeringer[ 46].DerZielplasmawertvon
50 bis 100pg/ml kann transdermal mit
einer Dosis von 100μg Östradiol täglich
erreicht werden [47]. Bei einer oralen
HierstehteineAnzeige.
K
Anwendung sind 2–4mg täglich nötig
[48].
Bei intaktem Uterus muss die HRT
zwingend durch ein Gestagen ergänzt
werden.InBezugaufdieEndometrium-
protektionsinddieverschiedenenGesta-
genewahrscheinlichgleicheffizient[ 49],
wobeidieEvidenzbeisynthetischenGes-
tagenen höher ist. Natürliches mikroni-
siertes Progesteron scheintein günstige-
res kardiovaskuläres Risikoprofil zu ha-
ben [48, 50] und sich weniger auf das
Brustkrebsrisiko auszuwirken [51]. Die
Gestagenapplikationkannkontinuierlich
oder zyklischerfolgen. Die kontinuierli-
cheGabescheinteinegeringfügigbessere
JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Österreich3·2019 73
Originalien
Endometriumprotektion zu gewährleis-
ten [52]. Die zyklische Gabe sollte min-
destensalle12Wochenfür14Tageerfol-
gen. In einem kontinuierlichen Regime
ist eine Dosis von 1mg Norethisteron
oder 2mg MPA täglich ausreichend; se-
quenziell sollten 10mg MPA täglich für
jeweils 10–14 Tage verabreicht werden.
Alternativ können 200mg mikronisier-
tesProgesteronoralodervaginalgegeben
werden [52]. Bei Kontrazeptionsbedarf
kommt auch ein levonorgestrelhaltiges
IUD infrage [53].
Die Präferenz der Patientin sollte bei
derVerschreibungeinerHRTunbedingt
berücksichtigt werden, um die Compli-
ance zu gewährleisten.
Die Hormonersatztherapie sollte bis
zum Erreichen des natürlichen Meno-
pausenalters von circa 50 Jahren fortge-
setzt werden.
FazitfürdiePraxis
4 Bei einer Amenorrhö länger als
4 Monatevor dem 40. Lebensjahr
sollte eine hormonelle Abklärung
erfolgen.
4 BeizweimaligenFSH-Werten über
25IU/mlliegteinePOIvor.
4 BeiPOI solleinegenetische Abklä-
rungerfolgen.
4 Eine autoimmune Ursache sollte
ausgeschlossenwerden.
4 EssollteeineinitialeOsteodensito-
metriedurchgeführtwerden.
4 VoreinergonadotoxischenTherapie
müssenPatientinnenüberdieMög-
lichkeiteneinerFertilitätsprotektion
aufgeklärtwerden.
4 EineSchwangerschaftsolltejenach
AnamneseineinemZentrumbetreut
werden.
4 EineHRTsolltezurPrimärprävention
vonkardiovaskulärenErkrankungen
und zur Osteoprotektion bis zum
Altervon50erfolgen.
Korrespondenzadresse
Dr.KatharinaFeil
Universitätsklinik
für Gynäkologische
Endokrinologie und
Reproduktionsmedizin,
MedizinischeUniversität
Anichstraße35,6020Inns-
bruck,Österreich
katharina.feil@tirol-
kliniken.at
Prof.Dr.BettinaToth
Universitätsklinikfür Gynäkologische
EndokrinologieundReproduktionsmedizin,
MedizinischeUniversität
Anichstraße35,6020Innsbruck,Österreich
[email protected]
Funding. OpenaccessfundingprovidedbyUniver-
sityofInnsbruckandMedicalUniversityofInnsbruck.
EinhaltungethischerRichtlinien
Interessenkonflikt. K.Feil,A.L.ZipplundB.Toth
gebenan,dasskeinInteressenkonfliktbesteht.
FürdiesenBeitragwurdenvondenAutorenkeine
StudienanMenschenoderTierendurchgeführt.
FürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort
angegebenenethischenRichtlinien.
OpenAccess. DieserArtikelwirdunterderCreative
CommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz
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de)veröffentlicht,welchedieNutzung,Vervielfäl-
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monsLizenzbeifügenundangeben,obÄnderungen
vorgenommenwurden.
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HinweisdesVerlags. DerVerlagbleibtinHinblick
aufgeografischeZuordnungenundGebietsbezeich-
nungeninveröffentlichtenKartenundInstituts-
adressenneutral.
Buchbesprechung
CorinnaA.Schön,KatjaWolf
Medizinische Akutversor-
gung nach sexualisierter
Gewalt
Ein forensisch-klinischer Pra-
xisleitfaden
Berlin: Springer 2019, 1., 272 S.,
252 Abb., (ISBN: 978-3-662-56173-
7), 44,99 EUR
DasBuchgibtin
11Kapitelneinen
umfassenden
Überblick über
dasThema. Dies
istschon daran
ersichtlich,dass
die Autorinnen
mitDefinitionen,
rechtlichenAspektenetc.anfangen, den
UntersuchungendieAnatomieder Ano-
genitalregion voranstellen. Dies ist mit
Blick auf Unsicherheiten,die in Befund-
beschreibungenimmerwieder deutlich
werden, hilfreich. Es schließen sich die
Untersuchungen,einschließlichderUnter-
suchungsbedingungenunddesUmgangs
mitdenBetroffenenan. EswerdenAspek-
tederDokumentationebensobehandelt
wie die Verletzungen,sexuell übertrag-
bare Erkrankungenund Langzeitfolgen.
AuchDifferentialdiagnosenfindenBerück-
sichtigung.ZahlreicheChecklistenfinden
sichalsAnhang.DieKapitelsindkleintei-
liggegliedert,wasaucheineNutzungals
„Nachschlagewerk“fürdengeradebenö-
tigtenAspektermöglicht.Diebekannten
GestaltungsregelneinesSpringer-Buches
sind ebenfalls hilfreich, die zahlreichen
FotosvonexzellenterQualität.
IchwerdediesesBuchgeradeauchgynä-
kologischtätigenKolleginnenundKolle-
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mit dem Thema befasstenFachdisziplin
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Institutsbibliotheksolltees als aktuelles
Übersichtswerkallenzugänglichsein.
S. Banaschak (Köln)
JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Österreich3·2019 75