Offizielles Organ: AGRBM, BRZ, DVR, DGA, DGGEF , DGRM, D·I·R, EFA, OEGRM, SRBM/DGE
Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, A-3003 Gablitz
Journal für
Reproduktionsmedizin
und Endokrinologie
– Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology –
Andrologie • Embryologie & Biologie • Endokrinologie • Ethik & Recht • Genetik
Gynäkologie • Kontrazeption • Psychosomatik • Reproduktionsmedizin • Urologie
Indexed in EMBASE/Excerpta Medica/Scopus
www.kup.at/repromedizin
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Medikamentöse Endometriosetherapie
Thaler CT, Djalali S, Agic A, Diedrich K, Hornung D
J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2008; 5 (6), 325-328
20.-21. März 2026
Universitätsmedizin Mainz
ENDOKRINOLOGIE & FERTILITÄT
FÜR KLINIK & PRAXIS
Weitere Informationen
& Anmeldung unter
Einladung zu unserer wissenschaftlichen Veranstaltung Endo-Ferti-Forum
Brücke(n) zwischen Unikliniken und Praxen an Rhein und Main(z)
– die aus dem bisherigen Format „Ferti Forum“ ab 2026 hervorgeht –
Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und den lebendigen Austausch mit Kolleg:innen und Expert:innen aus Klinik und
Praxis. Freitagabend laden wir Sie herzlich zu einem entspannten Empfang ein –
eine perfekte Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und den T ag genussvoll ausklingen zu lassen.
Wissenschaftliche Leitung: Univ.-Professorin Annette Hasenburg, Dr. Susanne Theis, Universitätsmedizin Mainz,
Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, BVF Rheinland-Pfalz Dr. Rüdiger Gaase, BVF Hessen Dr. Klaus J. Doubek
Schirmherrschaften: Prof. Nicole Sänger, Uniklinik Bonn, Prof. Jan-Steffen Krüssel, Uniklinik Düsseldorf,
Dr. Annette Bachmann, Uniklinik Frankfurt am Main, Prof. Christine Skala, Uniklinik Köln
325J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 6/2008
B
ei den meisten Frauen mit Endo-
metriose ist eine Erhaltung der
Reproduktionsfähigkeit von großer
Bedeutung. Es sollte derjenige thera-
peutische Ansatz gewählt werden,
der bei geringer Invasivität und mini-
mierten Kosten eine ausreichende
Effektivität mit möglichst geringen
langfristigen Risiken gewährleistet.
Die Patientin ist in alle Entscheidun-
gen bezüglich therapeutischer Opti-
onen einzubeziehen. Bei Vorliegen
einer symptomatischen Endometrio-
se kann die Behandlung durch Anal-
getika, Hormone, Chirurgie, assis-
tierte Reproduktion oder eine Kom-
bination derselben erfolgen. Viele
Frauen leiden gleichzeitig an Schmer-
zen und Subfertilität, was die Wahl
einer geeigneten Therapie erschwert.
Da es sich bei Endometriose um eine
chronische Erkrankung handelt, führt
die Elimination von Endometriose-
läsionen durch chirurgische oder
pharmakotherapeutische Maßnah-
men oft nur zu einer vorübergehen-
den Besserung der Symptome.
Welche Patientin profitiert von einer
medikamentösen Endometriosethe-
rapie?
• Eine Patientin mit operativ diag-
nostizierter und therapierter Endo-
metriose profitiert von einer medi-
kamentösen Therapie im Sinne ei-
ner „Prophylaxe“ vor einem Endo-
metrioserezidiv.
• Eine Patientin mit operativ diag-
nostizierter und nicht vollständig
resezierter Endometriose z. B. am
Peritoneum profitiert von Medika-
menten im Sinne einer Therapie.
• Eine Patientin mit vermuteter
Endometriose könnte von einer
Medikamentöse Endometriosetherapie
C. T. Thaler, S. Djalali, A. Agic, K. Diedrich, D. Hornung
Pharmakotherapeutische Ansätze stellen einen wichtigen Baustein in der modernen Behandlung der Endometriose dar. In dieser
Übersichtsarbeit stellen wir die aktuellen Erkenntnisse in der Anwendung der Pille im Langzyklus, der nicht-steroidalen Antiphlo-
gistika (NSAIDs), der GnRH-Analoga, der Gestagen-Monotherapie, der Gestagenspirale Mirena ® (Spirale mit 52 mg Levonor-
gestrel) sowie der Aromatasehemmer dar. Die Pilleneinnahme im Langzyklus hat sich als sinnvolle Variante bei der Anwendung
von oralen Kontrazeptiva für die Therapie der Endometriose etabliert. Zyklusabhängige Beschwerden treten bei hoher Zufriedenheit
der Patientinnen deutlich seltener auf. NSAIDs werden zur Behandlung Endometriose-bedingter Schmerzen, meist zusätzlich
zur Pille, mit großem Erfolg eingesetzt.
GnRH-Analoga führen zu einer reversiblen Suppression der Produktion von ovariellen Steroiden, was zu einer Besserung der
Schmerzsymptomatik bei Endometriose führen kann. Gestagene verursachen über die Dezidualisierung des Endometriums
einen antiproliferativen Effekt. Sie haben bei geringeren Kosten eine mit GnRH-Analoga vergleichbare therapeutische Wirkung,
jedoch einige Nebenwirkungen. Eine lokal wirkende Sonderform der Gestagenbehandlung mit deutlich weniger Nebenwirkun-
gen wurde durch die Entwicklung der Gestagenspirale Mirena
® etabliert.
Für die Anwendung von Aromatasehemmern in der Therapie der postmenopausalen Endometriose existiert derzeit leider
keine Zulassung, auch wenn viele „Fallberichte“ eine erfolgreiche Behandlung beschreiben. Für die Therapie der prämenopausalen
Endometriose wären sie ausschließlich als Teil einer Kombinationstherapie mit anderen Suppressoren der ovariellen Aktivität
einsetzbar.
Schlüsselwörter: Aromatasehemmer, Endometriose, Gestagene, GnRH-Analoga, Langzyklus, NSAIDs
Pharmacotherapy for Endometriosis. The pharmacotherapeutical approach is an important element of modern treatment of
endometriosis. In this review we present a conclusive summary of the recent state-of-the-art therapy with contraceptives in the
long-cycle, non-steroidal anti-inflammatory drugs (NSAIDs), GnRH-analogues, gestagen monotherapy, gestagen IUD Mirena
®
and aromatase inhibitors. Oral contraceptives in the long-cycle are a good treatment option for symptomatic endometriosis.
Especially the reduced frequency of cycle-dependent pain and the high patient satisfaction are remarkable benefits. NSAIDs are
used for the treatment of endometriosis-associated pain, often combined with oral contraceptives.
GnRH analogues lead to a reversible suppression of ovarian steroid production, usually resulting in an improvement of
endometriosis-associated pain symptoms. Gestagens cause an antiproliferative effect by stimulating the endometrial
decidualization. They present with lower costs than GnRH analogues, but with remarkable side effects. A locally applicated
version of gestagen treatment with remarkable less side effects is the use of the gestagen IUD Mirena
® (52 mg Levonorgestrel).
For the therapy of postmenopausal endometriosis with aromatase inhibitors, unfortunately there exists no concession to
date, even so many case reports describe the successful treatment. For the treatment of premenopausal endometriosis, they
could be used only as part of a combination therapy with other ovarian suppressors. J Reproduktionsmed Endokrinol 2008; 5
(6): 325–8.
Key words: aromatase inhibitors, endometriosis, gestagenes, GnRH analogues, long-cycle, NSAIDs
Eingegangen: 23.9.2008; akzeptiert nach Revision: 30.09.2008.
Aus der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universität Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Korrespondenzadresse: Prof. Dr. med. Daniela Hornung, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Schleswi g-Holstein,
Campus Lübeck, D-23538 Lübeck, Ratzeburger Allee 160; E-Mail:
[email protected]
medikamentösen Therapie profi-
tieren (empirische Behandlung).
• Spätestens, wenn diese empiri-
sche Therapie nicht zur Besserung
der Beschwerden führen sollte, ist
eine operative Abklärung erforder-
lich.
Welche Patientin profitiert
nicht von
einer medikamentösen Endometrio-
setherapie?
• Eine Patientin mit Ovarialendo-
metriose oder mit tief infiltrieren-
der Endometriose (z. B. in Darm,
Blase, Ureter etc.) sollte operiert
werden, da die Endometriose-
implantate ihre Hormonrezepto-
ren verloren haben und nicht
mehr auf eine medikamentöse Be-
handlung ansprechen.
• Patientinnen mit Adhäsionen er-
fahren durch eine medikamentöse
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326 J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 6/2008
Therapie keine Besserung ihrer
Beschwerden.
• Patientinnen, die unter medika-
mentöser Therapie ein Neuauf-
treten oder eine Verschlechterung
ihrer Beschwerden erleiden, soll-
ten erneut operiert werden.
Welche Ziele verfolgt die medika-
mentöse Therapie der Endometriose?
• Schmerzreduktion
• Prophylaxe vor Endometrioserezi-
diven
• Verhinderung eines Progresses der
Erkrankung
• Erhalt der Fertilität
Pille im Langzyklus
Die Anwendung von kombinierten
oralen Kontrazeptiva könnte eine
vorbeugende Wirkung gegen die Ent-
stehung oder das Wiederauftreten
von Endometriose bewirken. Für
Frauen mit Poly- oder Hypermenor-
rhö, welche bekannte Risikofaktoren
für Endometriose sind, führt die Ein-
nahme von oralen Kontrazeptiva zu
einer Verminderung der Blutungs-
stärke und -dauer.
Der Begriff des Langzyklus steht für
die zeitlich begrenzte, periodisch
sich wiederholende Einnahme aus
mehr als einem Blister mit 21 Dra-
gees oder Filmtabletten, entspre-
chend dem Begriff Zyklus. Die meis-
ten Patientinnen entscheiden sich für
3- oder 6-Monatsphasen, aber auch
längere Einnahmeintervalle ohne
Pause sind möglich.
Die praktische Erfahrung zeigt, dass
beim Langzyklus die Wahl des ge-
nauen Einnahmemodus von eher
untergeordneter Bedeutung ist. Bei
Dauerschmierblutungen sollte eine
Einnahmepause eingelegt werden.
Derzeit verwendete Präparate für die
Anwendung der Pille im Langzyklus
sind zum Beispiel Valette
® (30 μg
Ethinylestradiol plus 2 mg Dieno-
gest) oder Leios
® (20 μg Ethinylestra-
diol plus 100 μg Levonorgestrel).
GnRH-Analoga
GnRH-Analoga binden an die hypo-
physären GnRH-Rezeptoren und sti-
mulieren die LH- und FSH-Synthese
und -Freisetzung. Eine langfristige
Stimulation verursacht aber eine
Hemmung der gonadotrophen Akti-
vität. Folglich ist die Produktion von
ovariellen Steroiden supprimiert,
was zu einem medikamentös indu-
zierten und reversiblen Status einer
Pseudomenopause führt.
Es wurde eine Vielzahl verschiedener
GnRH-Analoga entwickelt und in
der Behandlung von Endometriose
verwendet. Zu diesen Präparaten
gehören Leuprorelin, Buserelin,
Nafarelin, Histrelin, Goserelin,
Deslorelin und Tryptorelin. Diese
Medikamente müssen intramuskulär,
subkutan oder intranasal appliziert
werden.
Die Nebenwirkungen von GnRH-
Analoga werden durch den Hypo-
östrogenismus verursacht und bein-
halten Flush-Symptomatik, vaginale
Trockenheit, reduzierte Libido und
verminderte Knochendichte. Die
Reversibilität der osteoporotischen
Wirkung ist derzeit umstritten [1, 2]
und muss noch näher untersucht
werden, insbesondere in Hinblick
auf die Behandlungsdauer, die nor-
malerweise nur 3 Monate dauern
soll. Allerdings können bei einer
Patientin mehrere dieser 3-Monats-
therapien erforderlich werden.
Wenn die Behandlung auf 6 Monate
beschränkt ist, ist meist nach 12 Mo-
naten der ursprüngliche Knochen-
dichtestatus wieder erreicht [3].
Durch eine Add-back-Begleitthera-
pie, z. B. mit Östrogen-/Gestagen-
kombinationen (z. B. Fem7 Kombi
® :
Estradiol-Hemihydrat und Levonor-
gestrel; Presomen comp
®: konjugier-
te Estrogene, Medrogeston) etc. kön-
nen die Nebenwirkungen von
GnRH-Analoga minimiert werden.
Das Ziel dieser Begleittherapie be-
steht darin, Endometriose und die
damit assoziierten Schmerzen wir-
kungsvoll zu therapieren, während
vasomotorische Symptome und eine
Verminderung der Knochendichte
verhindert werden sollen. Hier-
für muss der Östrogenspiegel im
therapeutischen Bereich unterhalb
50 pg/ml gehalten werden.
Das Add-back kann durch Gestage-
ne erfolgen, zu denen Norethisteron
1,2 mg/Tag [2], Norethindronacetat
5 mg/Tag [4] und Medrogeston
10 mg/Tag [5] zählen. Add-back
kann auch durch Tibolon 2,5 mg/Tag
[6, 7] oder durch eine Östrogen-/
Gestagen-Kombination, z. B. konju-
gierte Östrogene 0,625 mg kombi-
niert mit Medroxyprogesteronacetat
2,5 mg [8] oder mit Norethindron-
acetat 5 mg [4], Östradiol 2 mg und
Norethisteronacetat 1 mg [9] erreicht
werden [10].
Die „Draw-back-Therapie“ wurde in
einer aktuellen Studie als Alternative
gezeigt, wobei hier Nafarelin
400 μg/Tag über 6 Monate so wirk-
sam war wie 400 μg/Tag über 1 Mo-
nat, gefolgt von 200 μg/Tag über 5
Monate mit ähnlichen Östrogenspie-
geln (30 pg/ml), aber einem geringe-
ren Verlust an Knochendichte [11].
Gestagenmonotherapie
Gestagene bewirken durch die Dezi-
dualisierung des endometrialen Ge-
webes mit anschließender Atrophie
einen antiproliferativen Effekt. Sie
können als eine mögliche Therapie
für die Behandlung von Endometrio-
se betrachtet werden, da sie in der
Reduktion der Schmerzen sowie des
rAFS-Grades den GnRH-Analoga
gleichwertig sind, aber geringere
Kosten verursachen [12]. Die Ne-
benwirkungen werden jedoch von
vielen Patientinnen als noch unange-
nehmer als unter GnRH-Therapie
empfunden. Beispiele für die Gesta-
genmonotherapie sind Cerazette
®
oral (75 μg Desogestrel/Tag) oder
Depo-Provera® i.m. (150 mg Proges-
teronacetat alle 3 Monate).
Gestagenspirale Mirena®
Die Anwendung von Mirena ® hat
sich in den vergangenen Jahren als
Form der Gestagenbehandlung bei
Endometriose entwickelt. Durch die
intrauterine Freisetzung von Levonor-
gestrel mit hoher Konzentration im
Uterus und im kleinen Becken, ver-
glichen mit den Spiegeln im periphe-
ren Blut, konnten die Symptome der
Endometriose verbessert und die Her-
de regressiv gestaltet werden [13, 14].
Auch bei postoperativer Anwendung
nach laparoskopischer Therapie der
Endometriose werden das Rezidiv-
risiko und das Auftreten von Dysme-
norrhö mit Mirena
® signifikant redu-
ziert. Die vorhandenen Daten spre-
chen dafür, dass eine kontinuierliche
Gestagenbehandlung eine effektive
Therapie der Endometriose-assozi-
ierten Schmerzsymptomatik ist. Eine
alleinige zyklische Gestagenbehand-
327J. REPRODUKTIONSMED. ENDOKRINOL. 6/2008
lung gilt als nicht wirksam. Der opti-
male Gestageneffekt bei der Behand-
lung der Endometriose wird erreicht,
wenn eine anhaltende Amenorrhö
erzielt wird. Gestagene sind somit
eine Möglichkeit der Langzeitbehand-
lung der Endometriose und der damit
verbundenen Beschwerden [15].
Aromatasehemmer
Aromatasehemmer könnten für die
medikamentöse Therapie der Endo-
metriose eine Rolle spielen, insbeson-
dere bei postmenopausalen Frauen
[16–18]. Trotz einer idealen Eignung
für diese Gruppe von Frauen sind
Aromatasehemmer leider für die ge-
nannte Indikation in Deutschland der-
zeit nicht zugelassen. Obwohl eine
Anzahl von kleineren Studien diese
Hypothese bestätigte [19, 20], beste-
hen für die breite Anwendung in der
Behandlung der Endometriose im
Allgemeinen sowie für die Therapie
bei einem Patientinnenkollektiv in
der reproduktiven Phase im Spezi-
ellen derzeit noch unzureichende
Daten. Wenn Aromatasehemmer eine
Rolle in der Behandlung der präme-
nopausalen Endometriose einneh-
men sollten, dann wahrscheinlich als
Teil einer Kombinationstherapie mit
anderen Hemmern der Ovarialfunk-
tion [16].
Nicht-steroidale
Antiphlogistika (NSAIDs)
Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs)
sind wirksam bei der Reduktion Endo-
metriose-assoziierter Schmerzen [21–
23].
Da es sich bei Endometriose um eine
chronisch inflammatorische Erkran-
kung handelt, kommen NSAIDs für
die Behandlung dieser Erkrankung
grundsätzlich in Frage. NSAIDs ge-
hören inzwischen zu den meist ver-
wendeten therapeutischen Agenzien
in der Behandlung der durch entzünd-
liche Prozesse ausgelösten Schmer-
zen. Obwohl NSAIDs schon sehr oft
als Therapie der ersten Wahl für die
Reduktion Endometriose-assoziierter
Schmerzen eingesetzt wurden, war
bisher deren analgetischer Effekt im
Rahmen dieser Indikation noch nicht
eingehend untersucht worden. Ledig-
lich eine kleine, doppelblinde, pla-
cebokontrollierte Cross-over-Studie
über 4 Perioden wurde dazu veröf-
fentlicht [22]. Diese Studie zeigte
eine maßgebliche bis vollständige
Schmerzreduktion bei Endometrio-
se-bedingter Dysmenorrhö in 83 %
der Fälle, die mit Naproxen behan-
delt wurden, verglichen mit 41 %
der mit Placebo behandelten Patient-
innen. Frauen, die mit Naproxen be-
handelt worden waren, benötigten
signifikant weniger zusätzliche An-
algetika als jene in der Placebogrup-
pe. Manche NSAIDs dürften nicht
nur über die zentrale Hemmung der
Prostaglandinsynthese, sondern auch
über die Aktivierung von endogenen
Opioiden und serotoninergen Me-
chanismen wirken, wodurch die
Wirksamkeit von NSAIDs bei chroni-
schen Schmerzzuständen erklärt
werden könnte. Tatsächlich haben
NSAIDs und Opiate einen synergisti-
schen Effekt, eine Kombinationsthe-
rapie könnte zu einer Verminderung
oder sogar Vermeidung von Morphin-
toleranz beitragen und den Opiat-
verbrauch einschränken [24].
Endometriose-assoziierte Schmerzen
haben einen nozizeptiven Charakter
[25], eine permanente Stimulation
der Schmerzrezeptoren an Endo-
metrioseläsionen führt jedoch zu
einer zentralen Sensibilisierung, die
sich in somatischer Hyperalgesie
manifestieren kann. Die positive kli-
nische Erfahrung mit NSAIDs in der
Reduktion Endometriose-assoziierter
Schmerzen könnte einerseits durch
einen lokalen antinozizeptiven Effekt
erklärt werden, andererseits aber
auch durch eine reduzierte zentrale
Sensibilisierung. NSAIDs können
aber auch zu bedeutenden Neben-
wirkungen führen, zum Beispiel zu
einem Magenulkus.
Da Prostaglandine während der
Ovulation in den Mechanismus der
Follikelruptur involviert sind, sollten
NSAIDs von Frauen, die eine
Schwangerschaft beabsichtigen, in
dieser Phase nicht eingenommen
werden [26].
Relevanz für die Praxis
Die Einnahme oraler Kontrazeptiva (bevorzugt im Langzyklus) kann als
Mittel der ersten Wahl bei symptomatischer Endometriose angesehen wer-
den. NSAIDs werden zur Behandlung Endometriose-bedingter Schmerzen
neben der Anwendung der Pille häufig mit großem Erfolg eingesetzt.
GnRH-Analoga sind zur Therapie Endometriose-assoziierter Beschwerden
grundsätzlich verwendbar, wobei aber die relativ hohen Kosten und die er-
heblichen Nebenwirkungen infolge des Hypoöstrogenismus zu beachten
sind. Die Gestagen-Monotherapie verursacht bei ähnlicher Wirksamkeit
niedrigere Kosten als GnRH-Analoga, allerdings führen hierbei die Neben-
wirkungen (besonders Stimmungsveränderungen und Schmierblutungen)
häufig zum Therapieabbruch durch die Patientin. Als Sonderform der
Gestagenbehandlung findet die Spirale Mirena
® Verwendung, die sich für
eine effektive Therapie der Schmerzsymptomatik eignet. Aromatase-
hemmer wären die einzig mögliche und erfolgversprechende medikamen-
töse Therapieoption für die postmenopausale Endometriosetherapie, leider
fehlt dafür aber derzeit die Zulassung.
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