J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2007; 10 (1) 0
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Operative Therapie der peritonealen Endometriose
Mecke H
Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)
(Ausgabe für Österreich), 48-49
Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)
(Ausgabe für Schweiz), 50-51
48 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)
Peritoneale Endometrioseherde können ein unterschiedliches
Erscheinungsbild haben. Charakteristisch sind schwarz-braun
pigmentierte, zum Teil erhabene konfluierenden Herde, die vor
allem im kleinen Becken, Blasendach, Douglas, retroovariell
und an den Ligg. sacrouterinae vorkommen. Neben diesen
charakteristischen schwarz-braun pigmentierten Endometriose-
herden gibt es noch eine Vielzahl von anderen Erscheinungsfor-
men der peritonealen Endometriose, die bereits von Sampson
1927 [1] beschrieben wurden. Es kommen rote bläschenartige
Läsionen, peritoneale Taschen, himbeerfarbene und narbige
Läsionen vor. Häufig treten diese verschiedenen Erscheinungs-
formen auch nebeneinander auf. Differentialdiagnostisch
kommen Hämangiome, Narben, alte Nähte, Adhäsionen, post-
entzündliche Veränderungen, Metastasen, Mesothelprolifera-
tionen oder Reaktionen auf Fremdkörper in Betracht. Eine
histologische Sicherung ist deshalb stets anzustreben. Bei
Verdacht auf Endometriose sollten systematisch das kleine
Becken und der Bauchraum inspiziert und bei verdächtigen
Läsionen neben den Organen des kleinen Beckens, wie Ovarien,
retroovarieller Bereich, Tuben, Uterusoberfläche, Sakrouterin-
ligamente, auch die Appendix und das Zwerchfell beschrieben
werden.
Neben der Problematik der Diagnostik der Endometriose stellt
sich die Frage, ob und wie peritoneale Endometrioseherde
chirurgisch behandelt werden müssen. Hierzu muss man die
Therapieergebnisse nach Behandlung von milder oder mini-
maler Endometriose betrachten. In der Literatur werden ver-
schiedene Stadieneinteilungen der Endometriose angegeben,
die älteste ist die nach Acosta, die bekannteste ist die Einteilung
der American Society for Reproductive Medicine (ASRM) [2]
sowie die EEC (European Endoscopic Classification).
Allein bei der EEC sind peritoneale Läsionen als solitäres Sta-
dium abgebildet. Sie entsprechen dem Grad I der Einteilung
EEC. Die gängige Einteilung der Endometriose ist jedoch die
nach ASRM. Die peritoneale Endometriose wird hier am
ehesten im Stadium minimal bzw. gering, also Stadium I bis
II, repräsentiert sein.
Die Frage der Notwendigkeit der Behandlung stellt sich bei
folgenden Gruppen:
1. Sterilitätspatientinnen
2. Schmerzpatientinnen
3. Asymptomatische Patientinnen mit peritonealer Endome-
triose
4. Peritoneale Läsionen bei Patientinnen mit höheren Endo-
metriosestadien
Bei Sterilitätspatientinnen mit Endometriose Grad I und II
nach ASRM wurden in einer Untersuchung von Marcoux [3]
172 Patientinnen laparoskopisch-chirurgisch und 169 expek-
tativ behandelt. In der Gruppe der laparoskopisch-chirurgisch
behandelten Patientinnen wurden 50 (29 %) Schwangerschaf-
ten beobachtet; nach diagnostischer Laparoskopie lediglich
29 Schwangerschaften (17 %). Immerhin wiesen 60 % der la-
paroskopisch operierten Gruppe allein peritoneale Läsionen
auf, ohne Adhäsionen oder Ovarbeteiligung. Eine histologi-
sche Sicherung der Diagnose wurde in beiden Gruppen nicht
durchgeführt. Nowroozi [4] fand bei 69 laparoskopisch be-
handelten Patientinnen eine Schwangerschaftsrate von 61 %. Bei
54 Patientinnen mit diagnostischer Laparoskopie ebenfalls im
Endometriosestadium Grad I und II nach ASRM traten lediglich
18,5 % Schwangerschaften auf. Nach Datenlage sollten bei
Sterilitätspatientinnen mit Endometriose die peritonealen En-
dometrioseherde deshalb chirurgisch behandelt werden.
Weniger klar sind die Ergebnisse bei der Behandlung von mil-
der und minimaler Endometriose bei Patientinnen mit Be-
schwerden, Dysmenorrhoen und Unterbauchschmerzen. Sutton
[5] führte eine prospektiv randomisierte Doppelblindstudie
bei 300 Patientinnen mit Endometriose und Schmerzen durch.
Ein Teil der Patientinnen erhielt keine chirurgische Therapie.
Bei der zweiten Gruppe wurden durch Laserlaparoskopie die
endometrialen Endometrioseherde vaporisiert oder reseziert.
Daneben erfolgte jedoch eine Durchtrennung der Ligg. sacro-
uterinae. Außerdem handelt es sich um die Endometriosesta-
Operative Therapie der peritonealen Endometriose
H. Mecke
Korrespondenzadresse: Priv.-Doz. Dr. Herbert Mecke, Vivantes – Auguste-Viktoria-
Klinikum, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, D-12157 Berlin, Rubensstraße
125, E-Mail:
[email protected]
Kurzfassung: Peritoneale Endometrioseherde kom-
men in unterschiedlichen Erscheinungsformen – als
schwarz-braune, rote, bläschenförmige Läsionen oder
als peritoneale Taschen – vor. Eine histologische Si-
cherung ist daher stets anzustreben. Bei Sterilitäts-
patientinnen ist die Notwendigkeit einer chirurgi-
schen Behandlung der peritonealen Endometriose
relativ gut fundiert. Auch bei Schmerzpatientinnen
sollten peritoneale Endometrioseherde entfernt wer-
den, soweit dies ohne operatives Risiko möglich ist.
Dies gilt auch bei asymptomatischen Patientinnen
mit peritonealer Endometriose als Zufallsbefund und
bei Patientinnen mit peritonealen Läsionen im Zu-
sammenhang mit höhergradigen Endometriosesta-
dien. Die laparoskopisch-chirurgische Resektion der
peritonealen Endometrioseläsionen ist das Verfah-
ren der Wahl. Alternativ bleibt die Koagulation in
Form der Endokoagulation oder bipolarer Hochfre-
quenzkoagulation.
Abstract: Surgical Treatment of Peritoneal Endo-
metriosis. Peritoneal endometrial implants have
many appearances: black lesions, white lesions, clear
or slightly brown-colored papillary lesions, strawberry
red lesions or peritoneal pockets which often contain
endometrial implants. Therefore the diagnosis should
be always confirmed through histological examination
after laparoscopic biopsy. In sterility patients the
necessity of surgery treatment of peritoneal implants
is proved. In patients with endometriosis and pelvic
pain peritoneal implants should be removed if it is
possible without taking operative risks. The same
should be done in asymptomatic patients with
endometrial implants and in patients with peritoneal
implants combined with an advanced stage of
endometriosis. The laparoscopic resection of the
endometrial implants is the treatment of choice. An
alternative is the coagulation by endocoagulation or
coagulation with bipolar high frequency current.
J Gynäkol Endokrinol 2008; 18 (2): 48–49 .
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J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 49
Operative Therapie der peritonealen Endometriose
dien I bis III ASRM. Eine Nachuntersuchung durch einen un-
abhängigen Untersucher erfolgte nach 3 und 6 Monaten. Nach
6 Monaten fand sich eine signifikante Verbesserung der Sym-
ptomatik anhand eines Pain Score in der chirurgisch behan-
delten Gruppe. Am geringsten ausgeprägt war diese Verbesse-
rung allerdings im Stadium I, wie es am ehesten alleinigen
peritonealen Endometrioseherden entspricht. Unklar ist weiter-
hin, ob eine Adenomyosis uteri statt der peritonealen Endo-
metrioseherde für die Beschwerden der Patientinnen verant-
wortlich war.
Asymptomatische peritoneale Endometrioseherde, die im Rah-
men einer Laparoskopie aufgrund einer anderen Indikation
entdeckt werden, werden in ca. zwei Drittel progredient. Aus
einer nicht entfernten peritonealen Endometriose kann eine
tiefe Endometriose oder ein höhergradiges Endometriosesta-
dium entstehen. Ebenso wie bei Schmerzpatientinnen oder
bei Patientinnen mit höheren Endometriosegraden sollten
auch bei asymptomatischen Patientinnen mit peritonealen
Endometrioseherden diese laparoskopisch entfernt werden,
wenn dies ohne operatives Risiko möglich ist.
Techniken der chirurgischen Behandlung der peritonealen
Endometrioseherde:
– Exzision
– Koagulation
– Laservaporisation
Zur sicheren Entfernung der peritonealen Endometrioseherde
ist die Exzision das Verfahren der Wahl. Auch bei der Laparo-
skopie lassen sich peritoneale Endometrioseherde meist voll-
ständig resezieren. Problematischer ist die Exzision von tiefer
reichenden Endometrioseherden im Bereich des Ureters. Hier
muss unter Umständen weiter kranial der Ureter aufgesucht
und in die Tiefe freipräpariert werden. Dies kann bei Vernar-
bungen an der lateralen Beckenwand und tiefer reichender
Endometriose sehr schwer oder laparoskopisch unmöglich
sein.
Alternativ besteht die Möglichkeit der Koagulation der Endo-
metrioseherde mit Endokoagulation, bipolarem Hochfrequenz-
strom oder Laservaporisation. Zu berücksichtigen ist jedoch,
dass im Tierversuch die Vaporisation gegenüber der Koagula-
tion gleich großer Areale mit einer höheren Verwachsungsrate
einhergeht [6].
Das Verfahren der Wahl bei peritonealen Endometrioseherden
ist die chirurgische Exzision. Nur sie sichert neben dem histo-
logischen Befund auch die vollständige Entfernung der Läsi-
on.
Literatur:
1. Sampson JA. Peritoneal endometriosis
due to menstrual dissemination of endo-
metrial tissue into the peritoneal cavity.
Am J Obst Gynecol 1927; 14: 422–69.
2. American Society for Reproductive
Medicine. Revised American Society for
Reproductive Medicine classification of
endometriosis: 1996. Fertil Steril 1997; 67:
817–21.
3. Marcoux S, Maheux R, Berube S. Laparo-
scopic surgery in infertile women with
minimal or mild endometriosis. Canadian
Collaborative Group on Endometriosis.
N Engl J Med 1997; 337: 217–22.
4.
Nowroozi K, Chase JS, Check JH, Wu CH.
The importance of laparoscopic coagulation
of mild endometriosis in infertile women.
Int J Fertil 1987; 32: 442–4.
5. Sutton CJG, Ewen SP , Whitellaw N,
Haines P . Prospective, randomized, double-
blind, controlled trial of laser laparoscopy
in the treatment of pelvic pain associated
with minimal, mild, and moderate endo-
metriosis. Fertil Steril 1982; 83: 696–700.
6. Mecke H, Schünke M, Schulz S, Semm
K. Incidence of adhesions following ther-
mal tissue damage. Res Exp Med 1991;
191: 405 –11.
Priv.-Doz. Dr. Herbert Mecke
1972–1978 Studium der Humanmedizin in
Marburg. 1978–1979 Medizinalassistenten-
zeit in Marburg. 1979–1991 Klinische Tätig-
keit Universitätsfrauenklinik Kiel. 1991 Habi-
litation. Seit 1992 Chefarzt Klinik für Gynäko-
logie und Geburtsmedizin, Auguste-Viktoria-
Klinikum Berlin.
Wissenschaftlicher Schwerpunkt: minimal-
invasive Chirurgie
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