Die Gynäkologie
vormals Der Gynäkologe
Gynäkologieaktuell
Gynäkologie2023·56:803–808
https://doi.org/10.1007/s00129-023-05158-x
Angenommen:15.September2023
Onlinepubliziert:18.Oktober2023
©TheAuthor(s)2023
Redaktion
TanjaFehm,Düsseldorf
LudwigKiesel,Münster
RainerKimmig,Essen
GibtesneueHoffnungsträger
abseitsderchirurgischen
Endometriosetherapie?
AlexandraPerricos-Hess·RenéWenzl
KlinischeAbteilungfürAllgemeineGynäkologieundGynäkologischeOnkologie,Universitätsklinikfür
Frauenheilkunde,Wien,Österreich
QR-Codescannen&Beitragonlinelesen
Endometriose ist eine gutartige chroni-
scheErkrankung, dieca. 10%aller Frauen
im gebärfähigen Alter betrifft. Durch die
Vielzahl an möglichen Symptomen und
die individuell variierende Intensität der
Beschwerden muss die Wahl der Thera-
pie an jede Patientin angepasst werden
[1]. Diese personalisierte Therapie richtet
sich nach dem Alter, eventuell bestehen-
dem Kinderwunsch und dem Beschwer-
debildder Betroffenen. Prinzipiell besteht
die Endometriosetherapie aus 2 Armen:
konservative Therapieoptionen und eine
operative Sanierung.
Absolute Indikationen für eine ope-
rative Therapie sind selten, jedoch bei
einer wesentlichen Beeinträchtigung le-
benswichtiger Organe (zum Beispiel eine
konsekutive Kompression der Ureteren
mit asymptomatischer Hydronephrose,
die zu einem Verlust der Funktion der
betroffenen Niere führen kann) gegeben.
Relative Operationsindikationen sind
einunerfüllterKinderwunsch,derMaligni-
tätsausschluss bei ovariellen Raumforde-
rungen und mangelndes Ansprechen auf
eine medikamentöse Therapie. Der Stra-
tegie von Charles Chapron folgend, sollte
idealerweise die operative Endometriose-
therapie auf einen einzigen chirurgischen
Eingriff im Leben der Patientin reduziert
werden [2]. Diesem Gedanken folgend,
kommt einer konservativen medikamen-
tösen Therapie vermehrte Bedeutung
zu.
Neben einer First-Line-Therapie
(Schmerzmittel und Gestagene) kom-
menseitJahrzent enGnRH(„gonadotropin
releasing hormone“)-Agonisten zum Ein-
satz–neueSubstanzklassenzurSchmerz-
therapie werden derzeit in klinischen
Studien untersucht.
NSAR,GestagenpillenundKOK
Als First-Line-Präparat, meist in Kombina-
tion mit einer Gestagen- oder kombinier-
ten Kontrazeption, stehen nichtsteroidale
Antirheumatika (NSAR)zurVerfügung [1].
Entscheidend ist hier die Aufklärung über
dierechtzeitige undausreichendeEinnah-
me des Analgetikums. Erfahrungsgemäß
sind junge Frauen zunehmend zurückhal-
tend bei der Einnahme von Medikamen-
ten,sodassauchaufAnalgetikaoftzuspät
zurückgegriffen wird.
» Bei der hormonsensitiven
ErkrankungEndometriosesind
Gestagenpräparate nachwievor
MitteldererstenWahl
Daessich beiEndometrioseumeine hor-
monsensitive Erkrankung handelt, sind
– trotz intensiver Forschungsaktivitäten –
Gestagenpräparate mit oder ohne Östro-
genanteil immer noch Mittel der ersten
Wahl in der Therapie endometrioseas-
soziierter Symptome [3]. Offensichtlich
scheint die Applikationsform (subkutan,
intrauterin, muskulär, transdermal, oral)
keinen Einfluss auf die Wirksamkeit zu
haben. Ein entscheidender Faktor in der
Wahl des Präparats ist bekanntlich das
erhöhte Thromboserisiko, das bei kombi-
nierten oralen Kontrazeptiva (KOK) durch
die Östrogenkomponente gegeben ist. In
jedem Fall, sei es bei der Verschreibung
DieGynäkologie11·2023 803
Gynäkologieaktuell
vonGestagenpräparaten oderKOK,istdie
durchgehende Einnahme ohne Pause für
den Therapieerfolg entscheidend. Auch
hierwirdeinegenaueAufklärungderPati-
entinhinsichtlichderSinnhaftigkeitdieser
kontinuierlichenEinnahmeundmöglicher
Zwischenblutungen empfohlen, da somit
die Compliance deutlich erhöht werden
kann.
GnRH-Agonisten
Durch ihrdirektes Konkurrierenmitendo-
genemGnRHandenRezeptoreninderHy-
pophyseführendieseAgonistendurchein
negativesFeedbackzueinerGnRH-Rezep-
tor-Downregulation, konsekutiv zu einem
Erliegen der hypophysär-ovariellen Achse
und somit zu postmenopausalen Östro-
genspiegeln. Innerhalb der ersten Thera-
piewochekommteszueinerkurzzeitigen,
nichtunbedingterwünschten,Stimulation
der Östrogenproduktion (Flare-up-Effekt).
Obwohl diese Medikamente sich zwar in
der Wirksamkeit nicht vonGestagenpillen
oder KOK unterscheiden [4], finden sich
signifikanteUnterschiedeinihremNeben-
wirkungsprofil [5]. Postmenopausale Be-
schwerden, die dieser hypoöstrogene Zu-
stand mit sich bringt –langfristig kann es
auchzueinerAbnahmederKnochendich-
te kommen, können mit einer Add-back-
Therapie mitigiert werden.
GnRH-Antagonisten
Im Gegensatz zu den GnRH-Agonisten
führen GnRH-Antagonisten zu einer so-
fortigen Blockade der Rezeptoren und
verhindern somit den kurzzeitigen Flare-
up-Effekt.Elagolix,derersteGnRH-Antago-
nist,deraufgrundseinernichtpeptidischen
Struktur oral verabreicht werden kann,
wurde in den USA in der Behandlung von
Patientinnen mit mäßiger bis schwerer
endometrioseassoziierter Symptomatik
zugelassen. Die weltweit durchgeführten
Phase-III-StudienElarisEMIundElarisEM2
untersuchtendieWirksamkeitvon150mg
Elagolix einmal täglich sowie 200mg Ela-
golix zweimal täglich (bei zusätzlicher
Dyspareunie) gegenüber Placebo [6]. Die
Einnahmedauer von 6 Monaten wurde
in einer Verlängerungsstudie um weitere
6 Monate erweitert, in der ein Anhalten
der Wirkung gezeigt wurde [7]. Die Ga-
be erfolgte ohne Add-back und brachte
als mögliche Nebenwirkungen Hitzewal-
lungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und
ein Verlust an Knochendichte mit sich.
UmsogrößererscheintdaherdieNotwen-
digkeit einer klinischen Studie, die eine
weiterhin bestehende Wirksamkeit von
Elagolix in Kombination mit einer Add-
back-Therapie überprüft [ 8]. Aufgrund
der nicht unbeträchtlichen Wirkung auf
die Knochendichte sind auch „non-inferi-
ority“ Studien ausstehend, insbesondere
mit Gestagenpräparaten oderKOK, die im
AlltaginderTherapiederendometrioseas-
soziierten Symptome häufiger eingesetzt
werden [9]. Unseres Wissens wurde bis-
her nur eine Studie durchgeführt, die
sowohl die Wirksamkeit im Sinne der
Schmerzlinderung als auch den Effekt auf
die Knochendichte zwischen Elagolix und
dem subkutan verabreichten Gestagen
Medroxyprogesteronacetat verglich [10].
Die Autoren konnten hier zeigen, dass
beide Medikamente sowohleine ähnliche
Wirksamkeit als auch ein vergleichbares
Nebenwirkungsprofil aufwiesen.
Eine Phase-IIb-Studie mit dem oralen
GnRH-Antagonisten Linzagolix beobach-
tete eine signifikante Verbesserung von
Dysmenorrhö und chronischen Unter-
bauchschmerzen bei Patientinnen mit
Endometriose ab einer Dosierung von
75mg[ 11,12].Die multizentrische Phase-
III-Studie, welche die Wirksamkeit von
Linzagolix 75mg und Linzagolix 200mg
mitAdd-back-Therapie evaluierte, musste
ihre Rekrutierung mit Aufkommen der
COVID(„coronavirus disease“)-19-Pande-
mie abbrechen [13].
Viel Aufmerksamkeit hat in letzter
Zeit der GnRH-Antagonist Relugolix ge-
wonnen. Eine im Jahr 2020 publizierte
Dosisfindungsstudie zeigte eine dosisab-
hängige Wirksamkeit von Relugolix zur
Linderung derDysmenorrhö beiEndome-
triosepatientinnen [14]. Hier wurde eine
vergleichbare Wirksamkeit von 40mg Re-
lugolix zum bereits etablierten GnRH-
Agonisten Leuprorelin gezeigt. Ebenso
vergleichbar waren die beschriebenen
Nebenwirkungen, insbesondere das Aus-
maß des Verlustes an Knochendichte. In
Anbetracht dessen wurde in den für En-
dometriose ausschlaggebenden Studien
SPIRIT 1 und SPIRIT 2 die Wirksamkeit
von 40mg Relugolix in Kombination mit
einer Add-Back-Therapie bestehend aus
1mg Estradiol und 0,5mg Norethisteron-
acetat evaluiert [15]. Im Rahmen dieser
multizentrischen, doppelblinden, place-
bokontrollierten Studien wurden 3 Grup-
pen miteinander verglichen: (a) Relugolix
40mg mit Add-back, (b) Relugolix 40mg
zunächst ohne Add-back und anschlie-
ßend mit Add-back-Therapie für jeweils
12 Wochen und (c) Placebo. Im Vergleich
zur Placebogruppe zeigten beide Relugo-
lix-Gruppen eine signifikante Besserung
sowohl der Dysmenorrhö als auch der
chronischen Unterbauchschmerzen. Der
Verlust der Knochendichte war größer
unter der Relugolix-Monotherapie, unter
Relugolix+Add-back jedoch ähnlich wie
bei Placebo.
Die erste Menstruation nach Absetzen
d e rT h e r a p i ee r f o l g t ei mM e d i a nn a c h
31 Tagen. Das orale Kombinationspräpa-
ratausRelugolix40mgmit1mgEstradiol
und0,5mgNorethisteronacetat istderzeit
für Patientinnen mit Hypermenorrhö und
Anämie bei bekanntem Uterus myoma-
tosus zugelassen [16]. In Österreich ist
eine Kostenrückerstattung als Therapie
bei Patientinnen mit Endometriose noch
ausständig, aber eingereicht.
AI
Der Einsatz von Aromatasehemmern (AI),
allerdingsinKombinationmitKOK,Gesta-
genpräparatenoderGnRH-Analoga,zeigte
zunächstvielversprechende Resultate[17,
18]. Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2005
analysierte die Wirksamkeit von vaginal
appliziertem Anastrozol bei Patientinnen
mit rektovaginaler Endometriose. Es zeig-
ten sich hier bisaufeine leichte Verbesse-
rungderDysmenorrhö, keineAuswirkung
auf weitere Symptome der Patientinnen,
allerdings auch kein negativer Effekt auf
die Knochendichte [19].
EinePhase-IIb-StudieausdemJahr2017
evaluiertedieWirksamkeit vonAnastrozol
inunterschiedlichenDosierungeninKom-
bination mit einer levonorgestrelhaltigen
Hormonspirale, im Vergleich zum GnRH-
Agonisten Leuprorelin und Placebo. Die
Daten zeigten die beste Response-Rate
in der Leuprorelin-Gruppe und keinen
Unterschied zwischen den Anastrozol-
Gruppen und der Placebogruppe [20].
804 DieGynäkologie11·2023
Greifen Sie zu:
Frisches Gemüse: Frische Früchte:
Weißes Fleisch:
Sojaprodukte:
Sojamehl, Sojasprossen, Sojabohnen
Tofu
Vollkornprodukte
Samen und Körnerprodukte:
Sesam, Leinsamen
Sonnenblumen, Kürbis
Nüsse
Magnesiumhaltige Nahrungsmittel:
Reis
Mais
Haferflocken
Weizenkeime
Kalt gepresste Öle (v.a. Extra Vergine):
V.a. Olivenöl
Rapsöl
Fischöl
Leinöl
Meiden Sie:
Zuckerhaltige Getränke:
Wellnessgetränke
Energydrinks
Limonaden/Cola
Rotes Fleisch:
Rind bzw. Kalb
Schwein
Schaf
Wild
Manche Milchprodukte:
Hartkäse
Salz
Süßigkeiten/Süßspeisen:
V.a. Schokolade
Kakao
Zucker allgemein
Omega-6-haltige Nahrungsmittel
Tierische Fette:
Butter
Schmalz
Alkohol:
V.a. Weißwein und Bier
Brokkoli
Spinat
Kartoffel
Kohl
Tomaten
Hühnerfleisch
Putenfleisch
Fisch: Lachs, Thunfisch, Sardellen,
Sardinen, Schalentiere
Beeren
Orangen
Grapefruit
Bananen
Autoren:
Univ.Prof.Dr. R. Wenzl
c.m. S. Gutschelhofer
c.m. D. Hrebacka
Abb. 1 8ErnährungsempfehlungEndometriose.(Mitfreundl.Genehmigung©EndometriosezentrumderMedizinischen
UniversitätWien,alleRechtevorbehalten)
SelektiveÖstrogenrezeptormodu-
latoren
AuchdieseMedikamentengruppesetztam
hormonellen Aspekt der Pathogenese der
Endometriose an. Einer der am Weitesten
verbreiteten selektiven Östrogenrezeptor-
modulatoren (SERM) ist Raloxifen, das in
der Osteoporosetherapie klinisch einge-
setzt wird. Wie der Überbegriff dieser Me-
dikamente besagt, entfaltet Raloxifen, je
nach Gewebe, eineteils agonistische, teils
antagonistische Wirkung an den unter-
schiedlichen Östrogenrezeptoren [21]. Da
im Endometrium antiöstrogene Wirkun-
gen beschrieben wurden [22], wurde die
Wirksamkeit von Raloxifen zur Prävention
einerwiederkehrendenSymptomatiknach
operativerEndometriosesanierungimVer-
gleich zu Placebo und anderen etablier-
tenEndometriosetherapienevaluiert–die
Studiebrachtejedochunzufriedenstellen-
de Ergebnisse mit einem frühzeitigeren
Schmerzrezidiv [23].
SelektiveProgesteronrezeptormo-
dulatoren
Ulipristalacetat (UPA) wurde in der symp-
tomatischenkonservativenMyomtherapie
eingesetzt,jedochkurzzeitigaufgrundvon
Hepatotoxizität vom Markt genommen
[24]. Nach Wiedereinführung beschränkt
sich die derzeitige Zulassung auf Patien-
tinnenmitUterusmyomatosus,beidenen
eine operative Sanierung kontraindiziert
ist oder ineffektiv war. In vivo zeigte
sich durch die Behandlung von UPA eine
Hemmung der Proliferation von Endo-
metriosezellen sowie eine Verkleinerung
der Herde [25]. Eine Phase-IV-Studie zur
Evaluierung der Wirksamkeit bei Endo-
metriosepatientinnen wurde registriert,
jedoch sind derzeit noch keine Daten
verfügbar [26].
M i f e p r i s t o nz e i g t ei ne i n e rD o s i s fi n -
dungsstudie ab einer Dosierung von
2,5mgimVergleich zuPlaceboeine deut-
licheReduktionderSchmerzsymptomatik
über eine Therapiedauer von 6 Mona-
ten. Die Nebenwirkungen im Sinne eines
Anstiegs der Transaminasen sowie Übel-
keit, Erbrechen und Fatigue erwiesen sich
jedoch als limitierend [27].
Dopaminagonisten
InDopaminagonisten findenwir eine Me-
dikamentengruppe, die abseits der östro-
genorientierten Pathogenese der Endo-
metriose ansetzt. Durch ihre antiangioge-
netische Wirkung sollensieindenHerden
direktdieAngiogeneseundsomitdiePro-
gression der Herde hemmen [28].
» Dopaminagonisten setzen
abseitsderöstrogenorientierten
Pathogeneseder Endometriosean
Eine klinische Studie aus dem Jahr 2020
mit 227 Patientinnen beschrieb die aus-
geprägtesteSchmerzlinderunguntereiner
Kombinationstherapie mitdemDopamin-
DieGynäkologie11·2023 805
Gynäkologieaktuell
First-Line-Therapie
Second-Line-Therapie
Third-Line-Therapie
Gestagenpille
(oral, i.m., s.c.
Implantat,
Intrauterinpessar)
KOK
(transdermal,
oral, Vaginalring)
NSAR
GnRH-Agonisten
(i.m., s.c.)
GnRH-
Antagonisten
(oral +/- Add-
Back)
?
Ernährungsempfehlung
Abb. 2 9Therapiemög-
lichkeitenfürPatientinnen
mitendometrioseas-
soziiertenSchmerzen.
GnRH„gonadotropin
releasinghormone“,i.m.in-
tramuskulär, KOKkombi-
nierteoraleKontrazeptiva,
NSARnichtsteroidaleAnti-
rheumatika, s.c.subkutan
agonisten Cabergolin und einem GnRH-
Agonisten sowie unter Cabergolin mit Di-
enogest, verglichen mit einer Cabergo-
lin-Monotherapie, einer GnRH-Monothe-
rapie und einer Dienogest-Monotherapie.
DieResultatezeigten jedochkeineSignifi-
kanz[29].Derzeitläufteineweitererando-
misierte,placebokontrollierte,doppelblin-
de Phase-II-Studie, die an 80 Frauen mit
chirurgisch bestätigter Endometriose die
Wirksamkeit vonCabergolin 0,5mg 2-mal
wöchentlich rein im Vergleich zu einem
Placebo evaluiert [30].
Immunmodulatoren
Im Bereich der Immunmodulatoren Ana-
kinra und Tanezumab wurden zwar For-
schungsaktivitäten gesetzt, derzeit kann
jedoch aufgrund der mangelnden Daten-
lage keine Aussage bezüglich ihrer Wirk-
samkeit bei endometrioseassoziierten Be-
schwerden getroffen werden.
Metformin
Das Antidiabetikum Metformin wurde
postoperativ adjuvant bei 69 Frauen mit
chirurgisch bestätigter Endometriose im
Stadium rAFS I („revised American Fer-
tility Society score“) und II angewandt.
Hauptzielparameter warendieKonzentra-
tionenvonIL-6(Interleukin),IL-8unddem
angiogenetischen Faktor VEGF („vascular
endothelial growth factor“) im Vergleich
zuPlacebo.AlsNebenzielparameterwurde
ein reduziertes Auftreten von Dysmenor-
rhö beschrieben [31]. Obwohl die Studie
bereits 2012 publiziert wurde, konnten
wir keine weiteren Forschungsaktivitäten
in diese Richtung finden.
MediterraneDiätundNEM
DaaußerGnRH-Antagonistendieweiteren
medikamentösen Therapieansätze derzeit
keine ausreichende Forschungsdaten auf-
weisen, wollen wir hier auch die Bedeu-
tung additiver Nahrungsergänzungsmit-
tel, aber ebenso einer Ernährungsumstel-
lungbeleuchten.DieWirkungeinerErnäh-
rungsanpassung ist bei multiplen Krank-
heitsbildern bekannt – so auch bei Endo-
metriose. Es konnte gezeigt werden, dass
derKonsumraffinierterNahrungsmittel in
Zusammenspiel mit Alltagsstress, Pestizi-
den und Umweltverschmutzung zu einer
Steigerung des oxidativen Stresses führt
undsomiteineVerschlechterungderSym-
ptomatikmitsichbringenkann.DieErnäh-
rungsempfehlungbeiPatientinnenmitEn-
dometriose (
.Abb.1) sollte somit in die
Richtung einer mediterranen Diät gehen,
m i tv i e lO b s tu n dG e m ü s e ,V o l l k o r n p r o -
dukten sowie reduziertem Konsum von
rotem Fleisch und zuckerhaltigen Speisen
und Getränken, in Kombination mit Nah-
rungsergänzungsmitteln (NEM), wie ω-3-
Fettsäuen und Kurkuma [32].
Anhand der angeführten Empfehlung
haben Patientinnen die Möglichkeit, ab-
seitseiner medikamentösen Therapie Ein-
flussaufihreBeschwerdenzunehmen[ 33].
Wie messen wir einen
Therapieerfolg?
Da es sich bei Endometriose um eine be-
nigne Erkrankung handelt, erscheint als
Maß des Therapieerfolges in erster Linie
dassubjektiveWohlbefindenderPatientin
entscheidendzusein.EssolltenimRahmen
einer Erstvorstellung immer die einzelnen
typischen endometrioseassoziierten Sym-
ptomehinsichtlichihrerIntensität(anhand
des VAS[visuelle Analogskala]-Scores ge-
messen) und ihrer Häufigkeit (Tage pro
Monat) abgefragt werden. Als wichtigstes
InstrumentstehtjedochdervalidierteFra-
gebogen Endometriosis-Health-Profile-30
(EHP-30)zurVerfügung[ 34].IndiesemFra-
gebogen werden unterschiedliche Aspek-
te der Lebensqualität betroffener Patien-
tinnen abgehandelt. Durch den direkten
Vergleich vor und nach einer begonne-
nen Therapie kann so der Therapieerfolg
gemessen werden.
Zusammenfassung
Keine der derzeit bei Endometriose wirk-
samenSubstanzgruppenscheintinBezug
auf Effektivität den anderen Präparaten
überlegen zu sein. Daher richtet sich die
Wahl der medikamentösen Therapiestra-
tegie hauptsächlich nach den zu erwar-
tenden Nebenwirkungen.
Durch die zunehmende Präsenz des
Themas EndometrioseindenMedien und
auf Sozialen Netzwerken ist glücklicher-
weise auch die allgemeine Awareness be-
züglich des enormen Leidensdruckes be-
806 DieGynäkologie11·2023
troffener Frauen gestiegen. Das hat unter
anderem dazu geführt, dass nun auchdie
Kosten von etablierten hormonellen Prä-
paraten, wie Hormonspirale, Gestagenpil-
len oder KOK, bei Patientinnen mit Endo-
metriose von Sozialversicherungsträgern
in Österreich größtenteils übernommen
werden. Die Wahl des Medikaments rich-
tet sich nicht primär nach der Effektivität
(kein Präparat ist dokumentiert den an-
deren in Bezug auf Wirkung überlegen),
sondern nach dem Nebenwirkungsprofil
und eventueller Kontraindikationen. Die
sicherlich größten Hoffnungsträger in der
Zukunft der konservativen Endometriose-
therapiesindGnRH-AntagonistenmitAdd-
back. Additive Ansätze, wie eine Umstel-
lung der Ernährung und die Einnahme
von Nahrungsergänzungsmitteln, sollten
in jedem Fall begleitend zu einer medi-
kamentösen Therapie angeboten werden,
da bereits die Tatsache die Therapie in
ihre eigenen Hände nehmen zu können,
einen wichtigen Aspekt für den Therapie-
erfolg bei Patientinnen mit Endometriose
darstellt( .Abb.2).Dennoch mussbetont
werden, dass derzeit kein weiterer medi-
kamentöserBlockbusteraufderBühneder
Endometriosetherapie zu erwarten ist.
Fazit für diePraxis
4 Keine wirksame Substanzgruppe ist in
BezugaufEffektivitäteinemandereneta-
bliertenPräparatüberlegen.
4 Die Therapiewahl richtet sich nach dem
Alter, eventuell bestehendem Kinder-
wunsch und dem Beschwerdebild der
Patientin.
4 Die Wahl der medikamentösen Therapie
richtetsichnachdemNebenwirkungspro-
filundmöglichenKontraindikationen.
4 Der Therapieerfolg kann anhand der
Schmerzintensität und -häufigkeit so-
wie anhand des EHP-30 (Endometriosis-
Health-Profile-30)gemessenwerden.
4 Die größten Hoffnungsträger in der Zu-
kunft der medikamentösen Endometrio-
setherapiesindoraleGnRH(„gonadotropin
releasing hormone“)-Antagonisten mit
Add-back.
Korrespondenzadresse
© Ref. Muw/Matern
Univ.-Prof. René Wenzl
Klinische Abteilungfür Allgemeine
GynäkologieundGynäkologischeOnkologie,
UniversitätsklinikfürFrauenheilkunde
WähringerGürtel18–20,1090Wien,Österreich
[email protected]
Funding. OpenaccessfundingprovidedbyMedical
UniversityofVienna.
EinhaltungethischerRichtlinien
Interessenkonflikt. R.WenzlhältVorträgefürGede-
onRichterAustriaGmbH.A.Perricos-Hessgibtan,dass
keinInteressenkonfliktbesteht.
FürdiesenBeitragwurdenvondenAutor/-innen
keineStudienanMenschenoderTierendurchgeführt.
FürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort
angegebenenethischenRichtlinien.
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menwurden.
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einzuholen.
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licenses/by/4.0/deed.de.
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808 DieGynäkologie11·2023
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