{"paper_id":"bd57f15e-dc4c-4143-a77e-88c1242f02f1","body_text":"Die Gynäkologie\nvormals Der Gynäkologe\nGynäkologieaktuell\nGynäkologie2023·56:803–808\nhttps://doi.org/10.1007/s00129-023-05158-x\nAngenommen:15.September2023\nOnlinepubliziert:18.Oktober2023\n©TheAuthor(s)2023\nRedaktion\nTanjaFehm,Düsseldorf\nLudwigKiesel,Münster\nRainerKimmig,Essen\nGibtesneueHoﬀnungsträger\nabseitsderchirurgischen\nEndometriosetherapie?\nAlexandraPerricos-Hess·RenéWenzl\nKlinischeAbteilungfürAllgemeineGynäkologieundGynäkologischeOnkologie,Universitätsklinikfür\nFrauenheilkunde,Wien,Österreich\nQR-Codescannen&Beitragonlinelesen\nEndometriose ist eine gutartige chroni-\nscheErkrankung, dieca. 10%aller Frauen\nim gebärfähigen Alter betriﬀt. Durch die\nVielzahl an möglichen Symptomen und\ndie individuell variierende Intensität der\nBeschwerden muss die Wahl der Thera-\npie an jede Patientin angepasst werden\n[1]. Diese personalisierte Therapie richtet\nsich nach dem Alter, eventuell bestehen-\ndem Kinderwunsch und dem Beschwer-\ndebildder Betroﬀenen. Prinzipiell besteht\ndie Endometriosetherapie aus 2 Armen:\nkonservative Therapieoptionen und eine\noperative Sanierung.\nAbsolute Indikationen für eine ope-\nrative Therapie sind selten, jedoch bei\neiner wesentlichen Beeinträchtigung le-\nbenswichtiger Organe (zum Beispiel eine\nkonsekutive Kompression der Ureteren\nmit asymptomatischer Hydronephrose,\ndie zu einem Verlust der Funktion der\nbetroﬀenen Niere führen kann) gegeben.\nRelative Operationsindikationen sind\neinunerfüllterKinderwunsch,derMaligni-\ntätsausschluss bei ovariellen Raumforde-\nrungen und mangelndes Ansprechen auf\neine medikamentöse Therapie. Der Stra-\ntegie von Charles Chapron folgend, sollte\nidealerweise die operative Endometriose-\ntherapie auf einen einzigen chirurgischen\nEingriﬀ im Leben der Patientin reduziert\nwerden [2]. Diesem Gedanken folgend,\nkommt einer konservativen medikamen-\ntösen Therapie vermehrte Bedeutung\nzu.\nNeben einer First-Line-Therapie\n(Schmerzmittel und Gestagene) kom-\nmenseitJahrzent enGnRH(„gonadotropin\nreleasing hormone“)-Agonisten zum Ein-\nsatz–neueSubstanzklassenzurSchmerz-\ntherapie werden derzeit in klinischen\nStudien untersucht.\nNSAR,GestagenpillenundKOK\nAls First-Line-Präparat, meist in Kombina-\ntion mit einer Gestagen- oder kombinier-\nten Kontrazeption, stehen nichtsteroidale\nAntirheumatika (NSAR)zurVerfügung [1].\nEntscheidend ist hier die Aufklärung über\ndierechtzeitige undausreichendeEinnah-\nme des Analgetikums. Erfahrungsgemäß\nsind junge Frauen zunehmend zurückhal-\ntend bei der Einnahme von Medikamen-\nten,sodassauchaufAnalgetikaoftzuspät\nzurückgegriﬀen wird.\n» Bei der hormonsensitiven\nErkrankungEndometriosesind\nGestagenpräparate nachwievor\nMitteldererstenWahl\nDaessich beiEndometrioseumeine hor-\nmonsensitive Erkrankung handelt, sind\n– trotz intensiver Forschungsaktivitäten –\nGestagenpräparate mit oder ohne Östro-\ngenanteil immer noch Mittel der ersten\nWahl in der Therapie endometrioseas-\nsoziierter Symptome [3]. Oﬀensichtlich\nscheint die Applikationsform (subkutan,\nintrauterin, muskulär, transdermal, oral)\nkeinen Einﬂuss auf die Wirksamkeit zu\nhaben. Ein entscheidender Faktor in der\nWahl des Präparats ist bekanntlich das\nerhöhte Thromboserisiko, das bei kombi-\nnierten oralen Kontrazeptiva (KOK) durch\ndie Östrogenkomponente gegeben ist. In\njedem Fall, sei es bei der Verschreibung\nDieGynäkologie11·2023 803\n\nGynäkologieaktuell\nvonGestagenpräparaten oderKOK,istdie\ndurchgehende Einnahme ohne Pause für\nden Therapieerfolg entscheidend. Auch\nhierwirdeinegenaueAufklärungderPati-\nentinhinsichtlichderSinnhaftigkeitdieser\nkontinuierlichenEinnahmeundmöglicher\nZwischenblutungen empfohlen, da somit\ndie Compliance deutlich erhöht werden\nkann.\nGnRH-Agonisten\nDurch ihrdirektes Konkurrierenmitendo-\ngenemGnRHandenRezeptoreninderHy-\npophyseführendieseAgonistendurchein\nnegativesFeedbackzueinerGnRH-Rezep-\ntor-Downregulation, konsekutiv zu einem\nErliegen der hypophysär-ovariellen Achse\nund somit zu postmenopausalen Östro-\ngenspiegeln. Innerhalb der ersten Thera-\npiewochekommteszueinerkurzzeitigen,\nnichtunbedingterwünschten,Stimulation\nder Östrogenproduktion (Flare-up-Eﬀekt).\nObwohl diese Medikamente sich zwar in\nder Wirksamkeit nicht vonGestagenpillen\noder KOK unterscheiden [4], ﬁnden sich\nsigniﬁkanteUnterschiedeinihremNeben-\nwirkungsproﬁl [5]. Postmenopausale Be-\nschwerden, die dieser hypoöstrogene Zu-\nstand mit sich bringt –langfristig kann es\nauchzueinerAbnahmederKnochendich-\nte kommen, können mit einer Add-back-\nTherapie mitigiert werden.\nGnRH-Antagonisten\nIm Gegensatz zu den GnRH-Agonisten\nführen GnRH-Antagonisten zu einer so-\nfortigen Blockade der Rezeptoren und\nverhindern somit den kurzzeitigen Flare-\nup-Eﬀekt.Elagolix,derersteGnRH-Antago-\nnist,deraufgrundseinernichtpeptidischen\nStruktur oral verabreicht werden kann,\nwurde in den USA in der Behandlung von\nPatientinnen mit mäßiger bis schwerer\nendometrioseassoziierter Symptomatik\nzugelassen. Die weltweit durchgeführten\nPhase-III-StudienElarisEMIundElarisEM2\nuntersuchtendieWirksamkeitvon150mg\nElagolix einmal täglich sowie 200mg Ela-\ngolix zweimal täglich (bei zusätzlicher\nDyspareunie) gegenüber Placebo [6]. Die\nEinnahmedauer von 6 Monaten wurde\nin einer Verlängerungsstudie um weitere\n6 Monate erweitert, in der ein Anhalten\nder Wirkung gezeigt wurde [7]. Die Ga-\nbe erfolgte ohne Add-back und brachte\nals mögliche Nebenwirkungen Hitzewal-\nlungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und\nein Verlust an Knochendichte mit sich.\nUmsogrößererscheintdaherdieNotwen-\ndigkeit einer klinischen Studie, die eine\nweiterhin bestehende Wirksamkeit von\nElagolix in Kombination mit einer Add-\nback-Therapie überprüft [ 8]. Aufgrund\nder nicht unbeträchtlichen Wirkung auf\ndie Knochendichte sind auch „non-inferi-\nority“ Studien ausstehend, insbesondere\nmit Gestagenpräparaten oderKOK, die im\nAlltaginderTherapiederendometrioseas-\nsoziierten Symptome häuﬁger eingesetzt\nwerden [9]. Unseres Wissens wurde bis-\nher nur eine Studie durchgeführt, die\nsowohl die Wirksamkeit im Sinne der\nSchmerzlinderung als auch den Eﬀekt auf\ndie Knochendichte zwischen Elagolix und\ndem subkutan verabreichten Gestagen\nMedroxyprogesteronacetat verglich [10].\nDie Autoren konnten hier zeigen, dass\nbeide Medikamente sowohleine ähnliche\nWirksamkeit als auch ein vergleichbares\nNebenwirkungsproﬁl aufwiesen.\nEine Phase-IIb-Studie mit dem oralen\nGnRH-Antagonisten Linzagolix beobach-\ntete eine signiﬁkante Verbesserung von\nDysmenorrhö und chronischen Unter-\nbauchschmerzen bei Patientinnen mit\nEndometriose ab einer Dosierung von\n75mg[ 11,12].Die multizentrische Phase-\nIII-Studie, welche die Wirksamkeit von\nLinzagolix 75mg und Linzagolix 200mg\nmitAdd-back-Therapie evaluierte, musste\nihre Rekrutierung mit Aufkommen der\nCOVID(„coronavirus disease“)-19-Pande-\nmie abbrechen [13].\nViel Aufmerksamkeit hat in letzter\nZeit der GnRH-Antagonist Relugolix ge-\nwonnen. Eine im Jahr 2020 publizierte\nDosisﬁndungsstudie zeigte eine dosisab-\nhängige Wirksamkeit von Relugolix zur\nLinderung derDysmenorrhö beiEndome-\ntriosepatientinnen [14]. Hier wurde eine\nvergleichbare Wirksamkeit von 40mg Re-\nlugolix zum bereits etablierten GnRH-\nAgonisten Leuprorelin gezeigt. Ebenso\nvergleichbar waren die beschriebenen\nNebenwirkungen, insbesondere das Aus-\nmaß des Verlustes an Knochendichte. In\nAnbetracht dessen wurde in den für En-\ndometriose ausschlaggebenden Studien\nSPIRIT 1 und SPIRIT 2 die Wirksamkeit\nvon 40mg Relugolix in Kombination mit\neiner Add-Back-Therapie bestehend aus\n1mg Estradiol und 0,5mg Norethisteron-\nacetat evaluiert [15]. Im Rahmen dieser\nmultizentrischen, doppelblinden, place-\nbokontrollierten Studien wurden 3 Grup-\npen miteinander verglichen: (a) Relugolix\n40mg mit Add-back, (b) Relugolix 40mg\nzunächst ohne Add-back und anschlie-\nßend mit Add-back-Therapie für jeweils\n12 Wochen und (c) Placebo. Im Vergleich\nzur Placebogruppe zeigten beide Relugo-\nlix-Gruppen eine signiﬁkante Besserung\nsowohl der Dysmenorrhö als auch der\nchronischen Unterbauchschmerzen. Der\nVerlust der Knochendichte war größer\nunter der Relugolix-Monotherapie, unter\nRelugolix+Add-back jedoch ähnlich wie\nbei Placebo.\nDie erste Menstruation nach Absetzen\nd e rT h e r a p i ee r f o l g t ei mM e d i a nn a c h\n31 Tagen. Das orale Kombinationspräpa-\nratausRelugolix40mgmit1mgEstradiol\nund0,5mgNorethisteronacetat istderzeit\nfür Patientinnen mit Hypermenorrhö und\nAnämie bei bekanntem Uterus myoma-\ntosus zugelassen [16]. In Österreich ist\neine Kostenrückerstattung als Therapie\nbei Patientinnen mit Endometriose noch\nausständig, aber eingereicht.\nAI\nDer Einsatz von Aromatasehemmern (AI),\nallerdingsinKombinationmitKOK,Gesta-\ngenpräparatenoderGnRH-Analoga,zeigte\nzunächstvielversprechende Resultate[17,\n18]. Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2005\nanalysierte die Wirksamkeit von vaginal\nappliziertem Anastrozol bei Patientinnen\nmit rektovaginaler Endometriose. Es zeig-\nten sich hier bisaufeine leichte Verbesse-\nrungderDysmenorrhö, keineAuswirkung\nauf weitere Symptome der Patientinnen,\nallerdings auch kein negativer Eﬀekt auf\ndie Knochendichte [19].\nEinePhase-IIb-StudieausdemJahr2017\nevaluiertedieWirksamkeit vonAnastrozol\ninunterschiedlichenDosierungeninKom-\nbination mit einer levonorgestrelhaltigen\nHormonspirale, im Vergleich zum GnRH-\nAgonisten Leuprorelin und Placebo. Die\nDaten zeigten die beste Response-Rate\nin der Leuprorelin-Gruppe und keinen\nUnterschied zwischen den Anastrozol-\nGruppen und der Placebogruppe [20].\n804 DieGynäkologie11·2023\n\nGreifen Sie zu:\nFrisches Gemüse:               Frische Früchte:\nWeißes Fleisch:\nSojaprodukte:\nSojamehl, Sojasprossen, Sojabohnen\nTofu\nVollkornprodukte\nSamen und Körnerprodukte:\nSesam, Leinsamen\nSonnenblumen, Kürbis\nNüsse\nMagnesiumhaltige Nahrungsmittel:\nReis\nMais\nHaferflocken\nWeizenkeime\nKalt gepresste Öle (v.a. Extra Vergine):\nV.a. Olivenöl\nRapsöl\nFischöl\nLeinöl\nMeiden Sie:\nZuckerhaltige Getränke:\nWellnessgetränke\nEnergydrinks\nLimonaden/Cola\nRotes Fleisch:\nRind bzw. Kalb\nSchwein\nSchaf\nWild\nManche Milchprodukte:\nHartkäse\nSalz\nSüßigkeiten/Süßspeisen:\nV.a. Schokolade\nKakao\nZucker allgemein\nOmega-6-haltige Nahrungsmittel\nTierische Fette:\nButter\nSchmalz\nAlkohol:\nV.a. Weißwein und Bier\nBrokkoli\nSpinat\nKartoffel\nKohl\nTomaten\nHühnerfleisch\nPutenfleisch\nFisch: Lachs, Thunfisch, Sardellen, \nSardinen, Schalentiere\nBeeren\nOrangen\nGrapefruit\nBananen\nAutoren:\nUniv.Prof.Dr. R. Wenzl\nc.m. S. Gutschelhofer\nc.m. D. Hrebacka\nAbb. 1 8ErnährungsempfehlungEndometriose.(Mitfreundl.Genehmigung©EndometriosezentrumderMedizinischen\nUniversitätWien,alleRechtevorbehalten)\nSelektiveÖstrogenrezeptormodu-\nlatoren\nAuchdieseMedikamentengruppesetztam\nhormonellen Aspekt der Pathogenese der\nEndometriose an. Einer der am Weitesten\nverbreiteten selektiven Östrogenrezeptor-\nmodulatoren (SERM) ist Raloxifen, das in\nder Osteoporosetherapie klinisch einge-\nsetzt wird. Wie der Überbegriﬀ dieser Me-\ndikamente besagt, entfaltet Raloxifen, je\nnach Gewebe, eineteils agonistische, teils\nantagonistische Wirkung an den unter-\nschiedlichen Östrogenrezeptoren [21]. Da\nim Endometrium antiöstrogene Wirkun-\ngen beschrieben wurden [22], wurde die\nWirksamkeit von Raloxifen zur Prävention\neinerwiederkehrendenSymptomatiknach\noperativerEndometriosesanierungimVer-\ngleich zu Placebo und anderen etablier-\ntenEndometriosetherapienevaluiert–die\nStudiebrachtejedochunzufriedenstellen-\nde Ergebnisse mit einem frühzeitigeren\nSchmerzrezidiv [23].\nSelektiveProgesteronrezeptormo-\ndulatoren\nUlipristalacetat (UPA) wurde in der symp-\ntomatischenkonservativenMyomtherapie\neingesetzt,jedochkurzzeitigaufgrundvon\nHepatotoxizität vom Markt genommen\n[24]. Nach Wiedereinführung beschränkt\nsich die derzeitige Zulassung auf Patien-\ntinnenmitUterusmyomatosus,beidenen\neine operative Sanierung kontraindiziert\nist oder ineﬀektiv war. In vivo zeigte\nsich durch die Behandlung von UPA eine\nHemmung der Proliferation von Endo-\nmetriosezellen sowie eine Verkleinerung\nder Herde [25]. Eine Phase-IV-Studie zur\nEvaluierung der Wirksamkeit bei Endo-\nmetriosepatientinnen wurde registriert,\njedoch sind derzeit noch keine Daten\nverfügbar [26].\nM i f e p r i s t o nz e i g t ei ne i n e rD o s i s ﬁ n -\ndungsstudie ab einer Dosierung von\n2,5mgimVergleich zuPlaceboeine deut-\nlicheReduktionderSchmerzsymptomatik\nüber eine Therapiedauer von 6 Mona-\nten. Die Nebenwirkungen im Sinne eines\nAnstiegs der Transaminasen sowie Übel-\nkeit, Erbrechen und Fatigue erwiesen sich\njedoch als limitierend [27].\nDopaminagonisten\nInDopaminagonisten ﬁndenwir eine Me-\ndikamentengruppe, die abseits der östro-\ngenorientierten Pathogenese der Endo-\nmetriose ansetzt. Durch ihre antiangioge-\nnetische Wirkung sollensieindenHerden\ndirektdieAngiogeneseundsomitdiePro-\ngression der Herde hemmen [28].\n» Dopaminagonisten setzen\nabseitsderöstrogenorientierten\nPathogeneseder Endometriosean\nEine klinische Studie aus dem Jahr 2020\nmit 227 Patientinnen beschrieb die aus-\ngeprägtesteSchmerzlinderunguntereiner\nKombinationstherapie mitdemDopamin-\nDieGynäkologie11·2023 805\n\nGynäkologieaktuell\nFirst-Line-Therapie\nSecond-Line-Therapie\nThird-Line-Therapie\nGestagenpille \n(oral, i.m., s.c. \nImplantat, \nIntrauterinpessar) \nKOK \n(transdermal, \noral, Vaginalring)\nNSAR\nGnRH-Agonisten \n(i.m., s.c.)\nGnRH-\nAntagonisten\n(oral +/- Add-\nBack)\n?\nErnährungsempfehlung\nAbb. 2 9Therapiemög-\nlichkeitenfürPatientinnen\nmitendometrioseas-\nsoziiertenSchmerzen.\nGnRH„gonadotropin\nreleasinghormone“,i.m.in-\ntramuskulär, KOKkombi-\nnierteoraleKontrazeptiva,\nNSARnichtsteroidaleAnti-\nrheumatika, s.c.subkutan\nagonisten Cabergolin und einem GnRH-\nAgonisten sowie unter Cabergolin mit Di-\nenogest, verglichen mit einer Cabergo-\nlin-Monotherapie, einer GnRH-Monothe-\nrapie und einer Dienogest-Monotherapie.\nDieResultatezeigten jedochkeineSigniﬁ-\nkanz[29].Derzeitläufteineweitererando-\nmisierte,placebokontrollierte,doppelblin-\nde Phase-II-Studie, die an 80 Frauen mit\nchirurgisch bestätigter Endometriose die\nWirksamkeit vonCabergolin 0,5mg 2-mal\nwöchentlich rein im Vergleich zu einem\nPlacebo evaluiert [30].\nImmunmodulatoren\nIm Bereich der Immunmodulatoren Ana-\nkinra und Tanezumab wurden zwar For-\nschungsaktivitäten gesetzt, derzeit kann\njedoch aufgrund der mangelnden Daten-\nlage keine Aussage bezüglich ihrer Wirk-\nsamkeit bei endometrioseassoziierten Be-\nschwerden getroﬀen werden.\nMetformin\nDas Antidiabetikum Metformin wurde\npostoperativ adjuvant bei 69 Frauen mit\nchirurgisch bestätigter Endometriose im\nStadium rAFS I („revised American Fer-\ntility Society score“) und II angewandt.\nHauptzielparameter warendieKonzentra-\ntionenvonIL-6(Interleukin),IL-8unddem\nangiogenetischen Faktor VEGF („vascular\nendothelial growth factor“) im Vergleich\nzuPlacebo.AlsNebenzielparameterwurde\nein reduziertes Auftreten von Dysmenor-\nrhö beschrieben [31]. Obwohl die Studie\nbereits 2012 publiziert wurde, konnten\nwir keine weiteren Forschungsaktivitäten\nin diese Richtung ﬁnden.\nMediterraneDiätundNEM\nDaaußerGnRH-Antagonistendieweiteren\nmedikamentösen Therapieansätze derzeit\nkeine ausreichende Forschungsdaten auf-\nweisen, wollen wir hier auch die Bedeu-\ntung additiver Nahrungsergänzungsmit-\ntel, aber ebenso einer Ernährungsumstel-\nlungbeleuchten.DieWirkungeinerErnäh-\nrungsanpassung ist bei multiplen Krank-\nheitsbildern bekannt – so auch bei Endo-\nmetriose. Es konnte gezeigt werden, dass\nderKonsumraﬃnierterNahrungsmittel in\nZusammenspiel mit Alltagsstress, Pestizi-\nden und Umweltverschmutzung zu einer\nSteigerung des oxidativen Stresses führt\nundsomiteineVerschlechterungderSym-\nptomatikmitsichbringenkann.DieErnäh-\nrungsempfehlungbeiPatientinnenmitEn-\ndometriose (\n.Abb.1) sollte somit in die\nRichtung einer mediterranen Diät gehen,\nm i tv i e lO b s tu n dG e m ü s e ,V o l l k o r n p r o -\ndukten sowie reduziertem Konsum von\nrotem Fleisch und zuckerhaltigen Speisen\nund Getränken, in Kombination mit Nah-\nrungsergänzungsmitteln (NEM), wie ω-3-\nFettsäuen und Kurkuma [32].\nAnhand der angeführten Empfehlung\nhaben Patientinnen die Möglichkeit, ab-\nseitseiner medikamentösen Therapie Ein-\nﬂussaufihreBeschwerdenzunehmen[ 33].\nWie messen wir einen\nTherapieerfolg?\nDa es sich bei Endometriose um eine be-\nnigne Erkrankung handelt, erscheint als\nMaß des Therapieerfolges in erster Linie\ndassubjektiveWohlbeﬁndenderPatientin\nentscheidendzusein.EssolltenimRahmen\neiner Erstvorstellung immer die einzelnen\ntypischen endometrioseassoziierten Sym-\nptomehinsichtlichihrerIntensität(anhand\ndes VAS[visuelle Analogskala]-Scores ge-\nmessen) und ihrer Häuﬁgkeit (Tage pro\nMonat) abgefragt werden. Als wichtigstes\nInstrumentstehtjedochdervalidierteFra-\ngebogen Endometriosis-Health-Proﬁle-30\n(EHP-30)zurVerfügung[ 34].IndiesemFra-\ngebogen werden unterschiedliche Aspek-\nte der Lebensqualität betroﬀener Patien-\ntinnen abgehandelt. Durch den direkten\nVergleich vor und nach einer begonne-\nnen Therapie kann so der Therapieerfolg\ngemessen werden.\nZusammenfassung\nKeine der derzeit bei Endometriose wirk-\nsamenSubstanzgruppenscheintinBezug\nauf Eﬀektivität den anderen Präparaten\nüberlegen zu sein. Daher richtet sich die\nWahl der medikamentösen Therapiestra-\ntegie hauptsächlich nach den zu erwar-\ntenden Nebenwirkungen.\nDurch die zunehmende Präsenz des\nThemas EndometrioseindenMedien und\nauf Sozialen Netzwerken ist glücklicher-\nweise auch die allgemeine Awareness be-\nzüglich des enormen Leidensdruckes be-\n806 DieGynäkologie11·2023\n\ntroﬀener Frauen gestiegen. Das hat unter\nanderem dazu geführt, dass nun auchdie\nKosten von etablierten hormonellen Prä-\nparaten, wie Hormonspirale, Gestagenpil-\nlen oder KOK, bei Patientinnen mit Endo-\nmetriose von Sozialversicherungsträgern\nin Österreich größtenteils übernommen\nwerden. Die Wahl des Medikaments rich-\ntet sich nicht primär nach der Eﬀektivität\n(kein Präparat ist dokumentiert den an-\nderen in Bezug auf Wirkung überlegen),\nsondern nach dem Nebenwirkungsproﬁl\nund eventueller Kontraindikationen. Die\nsicherlich größten Hoﬀnungsträger in der\nZukunft der konservativen Endometriose-\ntherapiesindGnRH-AntagonistenmitAdd-\nback. Additive Ansätze, wie eine Umstel-\nlung der Ernährung und die Einnahme\nvon Nahrungsergänzungsmitteln, sollten\nin jedem Fall begleitend zu einer medi-\nkamentösen Therapie angeboten werden,\nda bereits die Tatsache die Therapie in\nihre eigenen Hände nehmen zu können,\neinen wichtigen Aspekt für den Therapie-\nerfolg bei Patientinnen mit Endometriose\ndarstellt( .Abb.2).Dennoch mussbetont\nwerden, dass derzeit kein weiterer medi-\nkamentöserBlockbusteraufderBühneder\nEndometriosetherapie zu erwarten ist.\nFazit für diePraxis\n4 Keine wirksame Substanzgruppe ist in\nBezugaufEﬀektivitäteinemandereneta-\nbliertenPräparatüberlegen.\n4 Die Therapiewahl richtet sich nach dem\nAlter, eventuell bestehendem Kinder-\nwunsch und dem Beschwerdebild der\nPatientin.\n4 Die Wahl der medikamentösen Therapie\nrichtetsichnachdemNebenwirkungspro-\nﬁlundmöglichenKontraindikationen.\n4 Der Therapieerfolg kann anhand der\nSchmerzintensität und -häuﬁgkeit so-\nwie anhand des EHP-30 (Endometriosis-\nHealth-Proﬁle-30)gemessenwerden.\n4 Die größten Hoﬀnungsträger in der Zu-\nkunft der medikamentösen Endometrio-\nsetherapiesindoraleGnRH(„gonadotropin\nreleasing hormone“)-Antagonisten mit\nAdd-back.\nKorrespondenzadresse\n© Ref. Muw/Matern\nUniv.-Prof. René Wenzl\nKlinische Abteilungfür Allgemeine\nGynäkologieundGynäkologischeOnkologie,\nUniversitätsklinikfürFrauenheilkunde\nWähringerGürtel18–20,1090Wien,Österreich\nrene.wenzl@meduniwien.ac.at\nFunding. OpenaccessfundingprovidedbyMedical\nUniversityofVienna.\nEinhaltungethischerRichtlinien\nInteressenkonﬂikt. R.WenzlhältVorträgefürGede-\nonRichterAustriaGmbH.A.Perricos-Hessgibtan,dass\nkeinInteressenkonﬂiktbesteht.\nFürdiesenBeitragwurdenvondenAutor/-innen\nkeineStudienanMenschenoderTierendurchgeführt.\nFürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort\nangegebenenethischenRichtlinien.\nOpenAccess. DieserArtikelwirdunterderCreative\nCommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz\nveröﬀentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung,\nBearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli-\nchemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die\nursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge-\nmäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz\nbeifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom-\nmenwurden.\nDieindiesemArtikelenthaltenenBilderundsonstiges\nDrittmaterialunterliegenebenfallsdergenannten\nCreativeCommonsLizenz,sofernsichausderAbbil-\ndungslegendenichtsanderesergibt.Soferndasbe-\ntreﬀendeMaterialnichtunterdergenanntenCreative\nCommonsLizenzstehtunddiebetreﬀendeHandlung\nnichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubtist,istfür\ndieobenaufgeführtenWeiterverwendungendesMa-\nterialsdieEinwilligungdesjeweiligenRechteinhabers\neinzuholen.\nWeitereDetailszurLizenzentnehmenSiebitteder\nLizenzinformationauf http://creativecommons.org/\nlicenses/by/4.0/deed.de.\nLiteratur\n1. 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