Conclusion
The first results of the nutrition
counselling are promising indicating a possible po-
sitive effect. Especially the patients with desire to
become pregnant were satisfied to have a self-con-
tained, hormone-free measure against endometriosis.
J Gynäkol Endokrinol 2008; 18 (2): 58–61 .
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 59
Ergebnisse der Ernährungsberatung bei Frauen mit Endometriose
Grundsätzliche Empfehlungen für Frauen
mit Endometriose
Allgemeine Richtlinien für eine grundsätzlich
gesunde Ernährung
Diese Richtlinien entsprechen denen der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung (DGE). Zusätzlich resultieren aus der Auswertung
der Ernährungsprotokolle individuelle Empfehlungen, da hier
die aufgenommene Menge an Nährstoffen (Kohlenhydraten,
Eiweiß, Fett), Mineralstoffen (Kalzium, Natrium, Magnesium,
etc.), Vitaminen (B-Komplex, C, A, E, etc.) sowie das Fettsäure-
spektrum ermittelt werden. Ein „Zuviel“ oder „Zuwenig“ muss
angepasst an das Krankheitsbild ausgeglichen werden.
Vermeidung von Nahrungsmitteln, die zu indi-
viduellen Beeinträchtigungen führen
Sehr häufig und in steter Zunahme begriffen sind Laktose-
und Fruktoseunverträglichkeiten. Häufig ist Fruktose an
„Reizdarm“-Symptomen beteiligt oder verschlimmert die
Schmerzen im Unterbauch noch zusätzlich. Auch Allergien
müssen berücksichtigt werden. Neben der klassischen allergi-
schen Reaktion, welche gut nachweisbar ist, findet sich im
Nahrungsmittelbereich häufig die Nahrungsmittelunverträg-
lichkeit. Diese resultiert in Unwohlsein nach Genuss des ent-
sprechenden Lebensmittels. Die Symptome sind vielseitig,
können aber stark einschränkend sein. Blähungen sind häufig
anzutreffen, ebenso Müdigkeit und Kopfweh, aber auch allge-
meines Unwohlsein, Übelkeit, plötzlich auftretende Schlapp-
heit. Des Weiteren gibt es Reaktionen im Mund-Rachen-
Raum oder Juckreiz auf der Haut. Viele Patienten reagieren
ganz individuell auch mit Sodbrennen, Magenschmerzen oder
plötzlichem Durchfall/Verstopfung auf das entsprechende
Nahrungsmittel. Dies weiß die Patientin entweder schon, oder
es wird durch das Ernährungsprotokoll aufgespürt.
Vermehrte Aufnahme von Nahrungsmitteln,
welche die Endometriose in ihrem Fortschreiten
bremsen (Proliferation unterdrücken, Östrogen
regulieren/reduzieren)
Östrogen begünstigt das Wachstum der Endometriose, daher
sollte möglichst wenig oder gering wirksames Östrogen im Kör-
per zirkulieren. Ballaststoffe, ausgewogene B-Vitamine, die
„richtigen“ Fettsäuren und Phytoöstrogene sind hier anzuraten.
Vermehrte Aufnahme von Nahrungsmitteln, die
das Schmerzempfinden und das Entzündungs-
geschehen positiv beeinflussen
Hier gibt es eine ganze Reihe von Lebensmitteln, die in dieser
Hinsicht wirksam sind. Das Fettsäurespektrum unserer Nah-
rung beeinflusst die Entstehung des Schmerzes, genauso wie
bestimmte Wirkstoffe im Kaffee. Schmerz und Entzündungs-
geschehen sind im Körper über Prostaglandine geregelt.
Schmerzen und auch Entzündungen werden maßgeblich
durch diese beeinflusst.
Prostaglandine der Serie 1 wirken antientzündlich und schmerz-
stillend, Prostaglandine der Serie 2 wirken entzündlich und
schmerzsensibilisierend.
Jeder Ansatz zur Bekämpfung von Schmerz und Entzündung
muss also dafür sorgen, dass mehr Serie-1-Prostaglandine als
Serie-2-Prostaglandine entstehen. Hier gibt es Parallelen zur
medikamentösen Therapie, bei der die Wirkung von COX2-
Hemmern auf die Endometriose untersucht/genutzt wird.
Die Fettsäurezufuhr entscheidet maßgeblich über die in uns
gebildeten Prostaglandine. Das Gleichgewicht zugunsten der
„guten“ Prostaglandine lässt sich verschieben durch:
1. Reduzierung der Arachidonsäurezufuhr
2.
Zufuhr von Di-Homo-γ-Linolensäure aus Borretschöl, Nacht-
kerzenöl, schwarzen Johannisbeeren oder Kaltwasserfischen
3. Alpha-Linolensäure aus Leinöl, Hanföl
4. Keine bis wenig tierische Fette (Wurst, Fleisch, Milch,
Käse, ...) mit Ausnahme der in Kaltwasserfischen und
Eiern enthaltenen Fettsäuren
5. Keine Trans-Fettsäuren (Blätterteig, Chips, ...)
6. Wenig Omega-6-Fettsäuren: Reduzierung von Distel-
oder Sonnenblumenöl
Nahrungsmittel und Verhaltensweisen, die den
Stoffwechsel harmonisieren und unterstützen
Hier sind allgemeingültige Regeln gemeint, wie z. B. „Kaiser-
König-Bettelmann“-Regel, regelmäßiges Essen, nicht zu has-
tiges Essen etc. Auch Faktoren wie Schlaf, Entspannung und
Sport gehören dazu.
Dieser Punkt betrifft auch die Insulinausschüttung, die wegen
des SHBG und der Reparaturmechanismen gering sein sollte.
Neben Nahrungsmitteln, die einen niedrigen glykämischen
Index aufweisen, sind hier auch Insulinpausen empfehlenswert.
Einsatz von Nahrungsmitteln mit geeigneter
sanfter Hormonwirkung
Phytoöstrogenhaltige Nahrungsmittel wie Soja oder Leinsamen,
aber auch Tees mit geeigneten sekundären Pflanzenstoffen
kommen hier zum Einsatz.
Wichtig ist auch die Vermeidung von Xenoöstrogenen. Daher
sollten weniger belastete Lebensmittel gegessen werden. Den
V orzug erhalten die Lebensmittel, welche am Anfang der
Nahrungskette stehen. Keine tierischen Produkte aus Massen-
betrieben, da hier Hormone und andere hormonähnliche Sub-
stanzen zum Einsatz kommen; also möglichst biologische
Produkte verwenden.
Zusätzlich werden selbstverständlich individuelle V orlieben/
Abneigungen, Allergien/Unverträglichkeiten sowie Möglich-
keiten (kocht zuhause, ist auf Kantinenverpflegung/Restau-
rant angewiesen) zur Nahrungsaufnahme berücksichtigt.
Im Anschluss an diese Empfehlungen wurden Fragebögen
verschickt, in denen nach der jeweiligen Zielerreichung gefragt
wurde. Die Umstellung lag zwischen 6 Monate und 4 Jahre
zurück.
Ergebnisse
Die Patientinnen durften in der Zieldefinition mehrere Bera-
tungsziele (Abb. 1) benennen. In den meisten Fällen sind die
genannten Ziele komplett erreicht worden (Abb. 2).
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Ergebnisse der Ernährungsberatung bei Frauen mit Endometriose
Für viele Endometriose-Patientinnen war der Schmerz ein
wichtiges Problem, welches es zu verringern galt. Oft klagten
die Frauen über Schmerzen, die sie arbeitsunfähig machten
und auf keine Medikation ansprachen, bis hin zu Schmerzen,
die mit gängigen Schmerzmitteln erträglich waren. Die Er-
nährungsumstellung brachte eine deutliche Besserung des
Schmerzempfindens (Abb. 3). Zur Ermittlung dieses Wertes
diente die visuelle Analog-Skala von 1–10 (V AS).
Neben dem Schmerzempfinden ist das allgemeine Wohlbefin-
den ein wichtiger Parameter für die Lebensqualität der Patien-
tin. Je besser sie sich fühlt, umso eher ist sie den Auswirkun-
gen der Erkrankung gewachsen. Auch hier konnte die
Ernährungsumstellung einen wichtigen Beitrag leisten und
das allgemeine Wohlbefinden deutlich steigern (Abb. 4).
Die wichtigsten Anliegen der Patientinnen sind die Vermeidung
von Rezidiven sowie der bislang unerfüllte Kinderwunsch.
Die Ernährungsumstellung erwies sich sowohl hinsichtlich
der Rezidivreduktion als auch wegen der Verbesserung der
Begleitsymptomatiken sehr erfolgreich, was sich auch auf die
Fertilität positiv ausgewirkt hat (Abb. 5).
Ebenso besserten sich die am häufigsten genannten Begleiter-
scheinungen (Abb. 6) – allesamt Paradedisziplinen der Ernäh-
rungsberatung – zu 100 %.
Des Weiteren konnten 90 % der Patientinnen ihre Medikation
(Abb. 7) reduzieren bzw. ganz auf diese verzichten.
Nur 1 Patientin musste aufgrund eines Rezidivs der Endome-
triose erneut operiert werden.
Abbildung 1: Zieldefinition (Mehrfachnennung möglich)
Abbildung 2: Zielerreichung durch Ernährungsberatung
Abbildung 3: Schmerzreduktion (gemittelt)
Abbildung 4: Wohlbefinden (gemittelt)
Abbildung 5: Zielerreichung
Abbildung 6: Begleitsymptomatik (Mehrfachnennungen möglich)
Abbildung 7: Reduzierung der Medikation
J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 61
Ergebnisse der Ernährungsberatung bei Frauen mit Endometriose
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Britta Kaiser
Geboren 1970 in Iserlohn. Nach Ausbildung
zur Chemisch-Technischen Assistentin Studi-
um der Chemie. Tätigkeit u. a. als Labor-
leiterin am Institut für Traditionelle Chinesi-
sche Medizin in Bochum, Weiterbildung zur
Ganzheitlichen Ernährungsberaterin. Seit 2001
intensiv mit dem Thema „Ernährung und
Endometriose“ befasst. Seit 2002 selbständige
Ernährungsberaterin mit den Schwerpunkt-
themen Frauengesundheit und Chinesische
Diätetik. Zusammenarbeit mit verschiedenen
Kliniken und Arztpraxen, insbesondere mit den Wedau Kliniken Duisburg,
Herrn Priv.-Doz. Dr. Matthias Korell. Workshops, Vorträge und Beratungen
zum Thema.
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11. Engelhardt U. Chinesische Diätetik, 2.
Auflage. Urban und Fischer, München,
2002.
Diskussion
In Anbetracht unserer Erfahrungen und der vorliegenden Er-
gebnisse erscheint der Einsatz einer Ernährungsumstellung bei
Endometriose sehr empfehlenswert zu sein. Das bisherige,
insgesamt eher unbefriedigende Therapiespektrum wird mit
der Ernährungsberatung um eine vielversprechende Methode
ergänzt. Dabei sind die Effekte, welche zur Besserung der
Erkrankung sowie der Lebensqualität beigetragen haben,
vielfältig. Neben den rein physiologischen Auswirkungen,
welche die Änderung der Nährstoffzufuhr mit sich bringt,
wird auch zur Heilung auf seelischer Ebene beigetragen, in-
dem die Patientin eigenverantwortlich an ihrer Gesundheit
mitarbeiten kann und sich nicht mehr nur „fremdbestimmt“
fühlt. Zusätzlich ermöglicht die Chinesische Diätetik über
bestimmte Nahrungsmittel einen Zugang zu Emotionen, so-
dass die Patientin zudem in ihrer jeweiligen Stimmungslage
unterstützt werden kann.
Auch der Alltag der Patientin, ihre Lebensgewohnheiten ver-
schieben sich, da durch die gelebte Ernährungsumstellung ein
Bewusstsein für Gesundheit geschaffen wurde.
Die Einflussnahme der Ernährung erstreckt sich auf einen
weiten Bereich, der vom Hormonsystem über das Schmerz-
empfinden bis hin zu Begleiterkrankungen und schließlich
dem oft mit der Erkrankung einhergehenden unerfüllten Kin-
derwunsch reicht. Dabei bietet die Ernährungstherapie ent-
scheidende V orteile gegenüber herkömmlichen Methoden: Sie
ist frei von den klassischen Medikamenten-Nebenwirkungen,
wie sie bei der Endometriosetherapie häufig sind. Es treten
weder depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Nachtschweiß
noch Hitzewallungen, trockene Schleimhäute oder Knochen-
substanzverluste auf. Sie bietet sich auch insbesondere dann
an, wenn Kinderwunsch besteht und somit Hormonpräparate
nicht zum Einsatz kommen sollen.
Zusammenfassend scheint die Ernährungsberatung als indivi-
duelle ganzheitliche Methode bestens geeignet zu sein, um bei
der Behandlung eines ganzheitlichen, multikausalen Phänomens
wie der Endometriose unterstützend wirksam zu werden.
Literatur:
Mitteilungen aus der Redaktion
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