Offizielles Organ: AGRBM, BRZ, DVR, DGA, DGGEF , DGRM, D·I·R, EFA, OEGRM, SRBM/DGE
Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, A-3003 Gablitz
Journal für
Reproduktionsmedizin
und Endokrinologie
– Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology –
Andrologie • Embryologie & Biologie • Endokrinologie • Ethik & Recht • Genetik
Gynäkologie • Kontrazeption • Psychosomatik • Reproduktionsmedizin • Urologie
Indexed in EMBASE/Excerpta Medica/Scopus
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Online-Datenbank mit Autoren- und Stichwortsuche
Adenomyosis uteri // Adenomyosis
Rabe T, Schweppe KW, Ebert AD, Mlynek-Kersjes ML
Merkle E, Albring C, Bachmann A
J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2017; 14 (5), 211-218
20.-21. März 2026
Universitätsmedizin Mainz
ENDOKRINOLOGIE & FERTILITÄT
FÜR KLINIK & PRAXIS
Weitere Informationen
& Anmeldung unter
Einladung zu unserer wissenschaftlichen Veranstaltung Endo-Ferti-Forum
Brücke(n) zwischen Unikliniken und Praxen an Rhein und Main(z)
– die aus dem bisherigen Format „Ferti Forum“ ab 2026 hervorgeht –
Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und den lebendigen Austausch mit Kolleg:innen und Expert:innen aus Klinik und
Praxis. Freitagabend laden wir Sie herzlich zu einem entspannten Empfang ein –
eine perfekte Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und den T ag genussvoll ausklingen zu lassen.
Wissenschaftliche Leitung: Univ.-Professorin Annette Hasenburg, Dr. Susanne Theis, Universitätsmedizin Mainz,
Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, BVF Rheinland-Pfalz Dr. Rüdiger Gaase, BVF Hessen Dr. Klaus J. Doubek
Schirmherrschaften: Prof. Nicole Sänger, Uniklinik Bonn, Prof. Jan-Steffen Krüssel, Uniklinik Düsseldorf,
Dr. Annette Bachmann, Uniklinik Frankfurt am Main, Prof. Christine Skala, Uniklinik Köln
211
Adenomyosis uteri
T. Rabe1, K.-W. Schweppe2, A. D. Ebert3, M.-L. Mlynek-Kersjes4, M. Elsässer5, E. Merkle6, C. Albring7, A. Bachmann8
Arbeitskreis „Uteruspathologie”: J. Bitzer9, R. Leon De Wilde10, C. Egarter11, T. Füger12, L. Kiesel13, K. König14,
S. Gattenlöhner15, G. Merki16, A. Nerlich17, N. Sänger18, P . Sinn19, T. Strowitzki20, H. Tinneberg21, M. Wallwiener20, M. Ziller22
Eingegangen: 28. Juli 2016; akzeptiert nach Revision: 13. Januar 2017 (verantwortlicher Rubrik-Herausgeber: G. Döhmen, Mönchengladbach
Aus: 1Heidelberg; 2Endometriosezentrum Ammerland; 3Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Deutsches Endometriosezentrum Berlin; 4Institut für Pathologie, Moers;
5Uni versitäts-Frauenklinik Heidelberg; 6Bad Reichenhall; 7Berufsverband der Frauenärzte e. V. Hannover; 8Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Frankfurt/M.; 9Basel, CH;
10Universitätskllinik für Gynäkologie, Pius-Hospital, Oldenburg; 11Abt. f. Gyn. Endokrinologie u. Reproduktionsmedizin, Medizinische Universität Wien, A; 12MIC-Zentrum, München;
13Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Münster; 14Berufsverband der Frauenärzte e.V., Steinbach/Ts; 15Universitätsklinikum Gießen und
Marburg; 16Klinik für Reproduktions-Endokrinologie, Universitätsspital Zürich, CH; 17Institut für Pathologie am Klinikum Bogenhausen; 18Klinikum für Frauenheilkunde und Geburts-
hilfe, Frankfurt/M; 19Pathologisches Institut, Heidelberg; 20Universitätsklinik Heidelberg; 21Universitätsklinik Gießen und Marburg, Campus Gießen; 22Ordination Medizin Marburg
Mitte, Marburg
Korrespondenzadresse: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thomas Rabe, Ludolf-Krehl-Straße 56, D-69120 Heidelberg; E-Mail:
[email protected]
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Krankheitsbild: Nach heutigem Verständnis handelt es sich bei der Adenomyosis uteri (Endometriosis genitalis interna) um heterotrope Drüsen der Zona ba-
salis des Endometriums mit einer fokalen oder homogenen Ausbreitung im Myometrium. Wie bei der Endometriosis genitalis externa wird derzeit ein lokaler
Hyperöstrogenismus im Grenzgebiet zwischen Drüsen, Stroma und glatter Muskulatur bei dieser proliferativen, benignen Erkrankung diskutiert.
Häufigkeit: Die Angaben zur Häufigkeit in Hysterektomiepräparaten variieren in der Literatur zwischen 5 % und 70 %. MRT-gestützte Erhebungen zeigten
eine Inzidenz der Adenomyose von 70 % bei Frauen mit Endometriose, eine Inzidenz von 27 % bei Frauen mit pelviner Endometriose und eine Inzidenz von
54 % bei Frauen mit Infertilität, Dysmenorrhö oder Menorrhagie.
Kokarzinogenese: Vieles spricht dafür, dass die Adenomyose kein erhöhtes Risiko für eine maligne Entartung darstellt. Allerdings können beide Erkrankun-
gen zeitgleich auftreten. Außerdem kann sich aus dem eutopen Endometrium ein endometroides Adenokarzinom mit potenziell tiefer Myometriuminvasion
entwickeln.
Klinik: Das klinische Erscheinungsbild ist geprägt von Menorrhagie (50 %), Dysmenorrhö (> 30 %), Metrorrhagie (20 %) und Dyspareunie. Etwa 35 % al-
ler Adenomyosefälle sind asymptomatisch. Die Adenomyose ist mit 46 % die häufigste Ursache abnormer uteriner Blutungen (AUB) bei perimenopausalen
Frauen.
Symptome: Bei einem Teil der Patientinnen treten keine Symptome auf, andere klagen über eine schwere Beeinträchtigung durch Schmerzen. Die endome-
trialen Herde im Myometrium bluten während der Menstruation, wobei das Blut nicht abfließen kann. Die durch die entstehende intramurale Druckerhöhung
bedingten Schmerzen können ähnlich stark sein wie die Schmerzen sub partu.
Differentialdiagnostik: Als weitere Ursachen einer pathologischen Uterusblutung kommen in Betracht: Endometriumpolypen, submuköse Myome, Endo-
metriumhyperplasie, Endometriumkarzinome, in seltenen Fällen auch Metastasen anderer Primärtumore.
Diagnostik: Der Verdacht auf eine Adenomyose ergibt sich aus der Anamnese, den Symptomen und dem Palpationsbefund, wobei eine Retroflexio uteri
nicht selten ist. Die Verdachtsdiagnose wird durch den transvaginalen Ultraschall und/oder die Magnetresonanztomographie (MRT) erhärtet.
Behandlung: Medikamentöse Therapie: Schmerztherapie: Die konservative Behandlung besteht oft aus entzündungshemmenden Medikamenten wie
Ibuprofen oder anderen NSAIDs.
Kinderwunschtherapie: Bei Frauen mit Kinderwunsch ist primär ein medizinischer Behandlungsversuch angezeigt. Gestagene und GnRH-Analoga sind die
am häufigsten verwendeten langfristigen Behandlungsformen bei Adenomyose und Schmerzsymptomen. Eine Kinderwunschbehandlung (IUI, IVF/ICSI) kann
frühzeitig indiziert sein.
Nicht-chirurgische Optionen: Die Mirena-Spirale ist die Therapie der Wahl. Gestagene, COC im Nonstop-Modus („off label use“) oder GnRHA können zu
einer längerfristigen Symptomverbesserung führen. Durch die Embolisation der Arteriae uterinae wird auch die Blutversorgung des ektopischen Endome-
triums unterbrochen. Die Auswirkungen (Ischämie) betreffen alle Gewebestrukturen, die von dieser Blutversorgung abhängen. Durch eine MRT gesteuerte
Hochfrequenz-Ultraschall-Ablation können sowohl fokale als auch diffuse Formen der Adenomyose im gesamten Uterus behandelt werden.
Operative Therapie: Umschriebene Adenomyome können lokal exzidiert werden, was wegen der fehlenden Pseudokapsel deutlich schwieriger ist als eine
Myomektomie. In Fällen schwerer Adenomyosis uteri kann versucht werden, eine Osada-Operation durchzuführen, d.h. operativ das erkrankte Gewebe zu
entfernen und den Uterus dann plastisch zu rekonstruieren. Schwangerschaften wurden berichtet.
Schlüsselwörter: Adenomyose, Ätiologie, Häufigkeit, Diagnostik, Therapie
Adenomyosis. Disease: Adenomyosis uteri (endometriosis genitalis interna) is defined by the presence of heterotopic glands of the zona basalis of the en-
dometrium in the myometrium with a focal or homogeneous spread in the myometrium. In this proliferative, benign disease, as with endometriosis genitalis
externa, presence of a local hyperestrogenism in the areas between glands, stroma and smooth muscle is currently discussed.
Prevalence: In literature, the prevalence of the disease in hysterectomy specimen varies between 5% and 70%. MRI-assisted surveys showed an inci-
dence of adenomyosis of 70% in women with endometriosis, an incidence of 27% in women with pelvic endometriosis and an incidence of 54% in women
with infertility, dysmenorrhea or menorrhagia.
Cocarcinogenesis: There is sufficient evidence that adenomyosis does not increase the risk of malignant transformation. However, both diseases can
occur simultaneously. In addition, an endometrial adenocarcinoma with potentially low myometrium invasion may develop from the eutopic endometrium.
Clinical features: Clinical symptoms include menorrhagia (50%), dysmenorrhea (> 30%), metrorrhagia (20%) and dyspareunia. In about 50% of perimeno-
pausal women adenomyosis is the cause of abnormal uterine bleeding (AUB). Approximately 35% of all adenomyosis cases are asymptomatic. Pain: some
patients suffer from severe pain. The endometrial foci in the myometrium bleed during menstruation. Since the blood is contained within the myometrium,
intramural pressure rises. The pain caused can be as strong as the pain sub partu.
Differential diagnosis: Other causes of pathological uterine bleeding are: endometrial polyps, submucosal fibroids, endometrial hyperplasia, endometrial
carcinomas, in rare cases also metastases of other primary tumors.
Diagnostics: The suspicion of an adenomyosis is derived from the history, the symptoms and the palpation findings, whereby a retroflexion is not uncom-
mon. The suspected diagnosis is cured by transvaginal ultrasound and / or magnetic resonance tomography (MRI).
Treatment options: Medical therapy: Pain therapy: Conservative treatment often consists of anti-inflammatory medications such as ibuprofen or other
NSAIDs.
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
Adenomyosis uteri
212
Begriffsbestimmung
Der österreichische Pathologe Carl von
Rokitansky beschrieb im Jahr 1861 als
erster die Adenomyose („Cystosarkoma
adenoides uterinum“) [1]. Der Begriff
„Adenomyosis uteri“ geht auf Oskar
Frankl (1925) [2] zurück, 2 Jahre später
definierte John A. Sampson die „Endo
metriose“ [3]. Hiervon ist ein atypisches
polypoides Adenomyom zu unterschei
den [4].
V on C. C. Bird (1972) [5] stammt die
Definition einer „gutartigen Invasion
des Endometriums in das Myometrium,
aus der ein diffus vergrößerter Uterus
resultiert, der mikroskopisch ektopische,
nicht neoplastische endometriale Drüsen
und Stroma zeigt, umgeben von hyper
trophem und hyperplastischem Myome
trium“. Nach heutigem Verständnis han
delt es sich bei der Adenomyosis uteri je
doch nicht um ein invasives Geschehen,
sondern um eine Invagination basalen
Endometriums in das Myometrium mit
einer Ausbreitung dieser Endometrium
drüsen im Myometrium.
Das Adenomyom ist eine tumorartige Lä
sion der Adenomyosis uteri mit strukturell
komplexen Endometriumschleimhautdrü
sen in einem hyperplastischen Stroma,
bestehend aus glatter Muskulatur oder lei
omyofibromatösem Gewebe. Bei einer
Adenomyosis wächst teilweise auch nur
die Zona basalis des Endometriums zwi
schen glatten Muskelfasern, was zu einer
Myometriumhyperplasie führt. In diesem
Zusammenhang spricht Meyer [6, 7] von
einer „Adenofibromyohyperplasie“. In ei
nem solchen Fall kommt es im Gegensatz
zur Funktionsschicht nicht zu den typi
schen zyklischen Veränderungen während
des Menstruationszy klus [8] (Abb. 1–3)
Häufigkeit
In der Literatur variieren die Angaben zur
Häufigkeit einer Adenomyose und den
beobachtbaren morphologischen Befun
den in Hysterektomiepräparaten erheb
lich. Die Häufigkeit der Adenomyose in
Hysterektomiepräparaten schwankt in der
Literatur zwischen 5 % und 70 %. Einfluss
auf die Diagnosestellung haben das V or
liegen eines „symptomatischen Uterus“,
die Anzahl der Routineschnitte (31 %
bei 3 bzw. 61 % bei 6 Routineschnitten)
[5] und die Stringenz der dia gnostischen
Kriterien (z. B. Eindringtiefe > 25 % der
Abbildung 1: Adenomyosis uteri – Befund bei einer Laparoskopie. Man erkennt die unter der Serosa gelegenen dun-
kelblauen Herde einer Adenomyose. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Adenomyosis (Zuletzt gesehen: 14.09.2017),
Abbildung 2: Adenomyose: Hysterektomiepräparat nach totaler laparoskopischer Hysterektomie. Mit ausgedehnter
Adenomyosis uteri interna, einem Zustand nach Sektio und einem Leiomyomkeim bei einer 46-jährigen Frau. Da die
Gefäße nur koaguliert werden, ist der Uterus in den Außenschichten düster rot, d. h. blutreich. Quelle: M.-L. Mlynek-
Kersjes.
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Infertility: For women with infertility problems medical treatment is necessary. Progestins and GnRH analogs are the most frequently used long-term forms
of therapy for adnomyosis related pain. Feritility treatment (IUI, IVF/ICSI) should be considered at an early stage.
Non-surgical options: The Mirena intrauterine system is the therapy of choice. Progestins, combined oral contraceptive used in long cycles (off-label use)
or GnRHA can lead to a longer-term improvement. Embolization of uterine arteries also interrupts the blood supply of the ectopic endometrium. MRI-con-
trolled high-frequency ultrasound ablation can treat both focal and diffuse forms of adenomyosis throughout the uterus.
Operative therapy: Circumscribed adenomyomas can be excised locally, which is more difficult than myomectomy because of the lack of pseudocapsules.
In cases of severe adenomyosis uteri, attempts can be made to perform an Osada operation, i.e. surgically remove the diseased tissue and then reconstruct
the uterus plastically. Pregnancies were reported. J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5): 211–8.
Key words: adenomyosis, etiology, frequency, diagnosis, therapy
Adenomyosis uteri
213
Myometriumdicke). Basierend auf MRT
gestützte Erhebungen fanden Kunz et al.
[9] eine Inzidenz der Adenomyose von
70 % bei Frauen mit Endometriose, Ba
zot et al. [10] eine Inzidenz von 27 % bei
Frauen mit pelviner Endometriose und de
Souza et al. [11] eine Inzidenz von 54 %
bei Frauen mit Infertilität, Dysmenorrhö
oder Menorrhagie.
Füger u. Nerlich [12] untersuchten das
V orkommen einer Adenomyose in 480
Hysterektomiepräparaten. Das Untersu
chungsgut stammte von Operationen, die
von 2011 bis Juni 2013 (LASH, TLH) mit
den Indikationen symptomatischer Ute
rus myomatosus, therapieresistente AUB
oder V . a. Endometriose/Adenomyose
durchgeführt worden waren. Das Material
wurde im Institut für Pathologie am Kli
nikum Bogenhausen (Prof. A. Nerlich)
retrospektiv gesichtet und nach begleiten
den pathologischen Befunden untersucht.
Studienkollektiv: Die Patientinnen un
terschieden sich etwas in ihrem Durch
schnittsalter: Myompatientinnen: 48,1
Jahre, Adenomyosepatientinnen: 45,6
Jahre.
Uterusgewicht: Das durchschnittliche
Uterusgewicht betrug in der Gruppe mit
Myomen 266 g, in der Gruppe mit Ade
nomyose 191 g.
Ergebnisse: In ca. 23 % der Fälle, d. h. bei
132 von 480 Hysterektomiepräparaten
wurde eine Adenomyose gefunden
(Abb. 4a). V on 132 Uteri mit Adeno
myose wiesen 62 gleichzeitig einen
Myom befund auf (Abb. 4b). Unter 100
Hysterek tomien mit PeritoneumPE fand
sich bei 38 zeitgleich eine Adenomyose
und eine Endometriose (Abb. 4c).
Ätiologie
Die unterschiedlichen, zum Teil wider
sprüchlichen Entstehungstheorien der
Adenomyose wurden u. a. von Ferenczy
[13], Benagiano und Brosens [14] und
Benagiano et al. [15] beschrieben. Mit
Abbildung 3: Adenomyose (histologischer Befund; Färbung Hämalaun-Erythrosin). In der Tiefe des Myometriums
zwischen den Bündeln glatter Muskelfasern finden sich gelegentlich (einige/zahlreiche/herdförmig angeordnet) unter-
schiedlich große Endometriumschleimhautdrüsen, umgeben von einer zytogenen Stromareaktion. Der entscheidende
Punkt ist die zytogene Stromareaktion. Dieses Bildmuster führt zur Diagnose: Adenomyosis uteri interna. Der Begriff
Endometriose sollte für morphologisch gleiche Herde außerhalb des Uterus reserviert sein. Bei einer Salpingitis isth-
mica nodosa finden sich Schleimhautdrüsen ohne zytogene Stromareaktion zwischen den Muskelfasern in den Tuben-
winkeln. Quelle: M.-L. Mlynek-Kersjes.
Anteil mit
Adenomyose
erfasste
Hysterektomien
500
400
300
200
100
0
480
132
a)
Anteil mit
Adenomyose
erfasste
Hysterektomien
0
35
70
105
140
132
62
b)
Anteil mit
Adenomyose
erfasste
Hysterektomien
0
50
100
100
38
c)
Abbildung 4: (a): 480 Hysterektomiepräparate, davon 132 mit Adenomyose. (b): 132 Uteri mit Adenomyose, davon 62 mit gleichzeitigem Myombefund. (c): 100 Hysterektomien mit
Peritoneum PE, davon 38 mit gleichzeitigem Vorliegen einer Adenomyose und Endometriose. Nachdruck aus [12] mit Genehmigung der publimed Medizin und Medien GmbH, München.
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Adenomyosis uteri
214
den Ursachen der Adenomyosis hat sich
die Arbeitsgruppe um Leyendecker et al.
[16] intensiv beschäftigt; hierbei wurde
ein Zusammenhang mit Endometriose
beschrieben [17, 18]. Leyendecker et al.
[18] haben den letzten Stand zur Ätiolo
gie der Adenomyose im „Tissue injury
and repair“Konzept zusammengefasst.
Grundlegend ist die primäre Erkrankung
des Uterus und seiner Gewebe (= Ade
nomyosis), die letztlich zur transtubaren
Aussaat des basalen Endometriums führt
(= Endometriose).
Bei allen Theorien ist die normale Ana
tomie zu bedenken: es gibt keine defi
nierte Grenze zwischen Endometrium
und Myometrium und zwar weder eine
Zone noch eine Basalmembran. Daher
ist es normal, keine definitive Endome
triumMyometriumGrenze zu finden.
Eine Barriere zwischen Endometrium
und Myometrium liegt nicht vor [19].
Es besteht ein Zusammenhang mit einem
Trauma des Uterus, wodurch die Bar riere
zwischen Uterus und Endometrium ge
stört wird, wie bei der Sectio caesarea, der
Tubenligatur, einem Schwangerschafts
abbruch oder einer Schwangerschaft.
Einige Autoren geben an, dass die Ade
nomyosis bei Frauen im Alter zwischen
35 und 50 Jahren häufiger auftritt, weil
es in diesem Alter zu einem relativen Ös
trogenüberschuss kommt.
Die Adenomyose korreliert mit erhöh
ten Spiegeln verschiedener Substanzen,
was möglicherweise für einen ursächli
chen Zusammenhang in ihrer Pathogene
se gewertet wird, obgleich eine Korrela
tion noch keine Ursache impliziert.
Endometrium: IL18Rezeptor mRNA
und das Verhältnis des IL18Bindungs
proteins zu IL18 ist bei Patientinnen mit
Adenomyose im Vergleich zu einem ge
sunden Kollektiv signifikant erhöht [20].
Eine Dysregulation des Leukämiehemm
faktors im Endometrium und eine Verän
derung der Konzentration in der uterinen
Spülflüssigkeit bei Frauen mit Adeno
myose erfolgt während der Zeit des Im
plantationsfensters [21].
Maligne Entartung
Azziz [22] hatte bereits beschrieben,
dass in bis zu 80 % aller Uteri mit Ade
nomyose assoziierte Pathologien auf
treten:
– Beckenendometriose 6–20 %
– Salpingitis isthmica nodosa
1,4–19,8 %
– Endometriumpolypen 2,3 %
– Endometriumhyperplasie 7 %
– Endometriumhyperplasie mit Atypi
en 3,5 %
– Adenokarzinom 1,4 %.
Vieles spricht dafür, dass die Adenomy
osis kein erhöhtes Risiko für die Ent
wicklung von Krebs darstellt. Allerdings
könnten sich die beiden Erkrankungen
gleichzeitig entwickeln und auftreten.
Im intrakavitären Endometrium könn
te ein EndometriumAdenokarzinom
mit potenziell tiefer Myometriuminvasi
on entstehen [23]. Koike et al. [24] gin
gen der Frage der malignen Transforma
tion einer Adenomyose nach und stellten
fest, dass die Adenomyose ein V orläu
fer von einigen Karzinomen sein könnte.
Die genauen molekularen Mechanismen,
die zur malignen Transformation führen,
sind weitgehend unverstanden.
Da die Adenomyosis uteri östrogenab
hängig ist, kommt es durch die Wech
seljahre zu einer deutlichen Inzidenzab
nahme und zu einem Verschwinden der
Symptome. Patientinnen mit einer Ade
nomyosis bzw. Endometriose haben oft
auch Leiomyome.
Histologie
Eine genaue Diagnose der Adenomyosis
ist nur durch eine histologische Untersu
chung des Hysterektomiepräparats mög
lich [8]. Man findet histologisch unge
ordnete Einschlüsse endometrialer Drü
sen im Myometrium, definitionsgemäß
sollten diese mindestens 2 mm oder tie
fer im Myometrium lokalisiert sein oder
mehr als ein mikroskopisches Gesichts
feld bei 10facher Vergrößerung von der
endomyometrialen Grenze entfernt sein
[25]. Es kann zu einer zystischen Erwei
terung dieser Adenomyoseherde mit Zei
chen frischer und älterer Einblutungen
kommen. Diese Herde lassen sich bereits
makroskopisch auf der Schnittfläche des
Hyster ektomiepräparates leicht erken
nen. Die Adenomyoseherde können von
einem manschettenartigen Ring hyper
tropher Muskelfasern umgeben sein. Bei
einer ausgeprägten, tiefreichenden Ade
nomyosis uteri resultiert eine begleiten
de, diffuse Hyperplasie des Myometri
ums. Meist behalten die Adenomyosis
drüsen die Charakteristika basalen En
dometriums, nur selten sieht man eine
sekretorische Transformation im Rah
men des weiblichen Zyklus. Das zytoge
ne Stroma kann fokal hyperplastisch ver
breitert sein, die Abgrenzung gegenüber
einer frühen Neoplasie des endometria
len Stromas ist in der Regel jedoch un
problematisch.
Bei unscharfer endomyometrialer Gren
ze, insbesondere bei Uterus myomato
sus, kann es zu unterschiedlicher Beur
teilung kommen, ob bereits eine Adeno
myosis uteri vorliegt, dies ist auch von
der Anzahl der Schnittpräparate abhän
gig. Daraus resultiert die hohe Variation
der in der Literatur berichteten Häufig
keit der Adenomyosis uteri [25].
Man unterscheidet eine diffuse von einer
fokalen Adenomyose ( Adenomyom).
Derartige Adenomyome können im My
ometrium liegen – auch multipel – oder
in Form eines adenomyoepithelialen Po
lypen in das Cavum uteri prolabieren.
Selten werden Plattenepithelmetaplasi
en in einem Adenomyom beobachtet.
Das atypische polypöse Adenomyom ist
eine seltene Sonderform des Adenomy
oms und tritt meist bei prämenopausa
len Frauen auf. Weder das Adenomyom
noch das atypische polypöse Adenomy
om gelten als präkanzeröse Läsion.
Die Adenomyosis uteri gilt nicht als prä
kanzeröse Läsion. Andererseits findet
man häufig in Zusammenhang mit ei
nem endometrialen Adenokarzinom eine
Adenomyosis uteri und dieser Befund,
in Zusammenhang mit einem Befall der
Adenomyoseherde durch das Adenokar
zinom, kann differentialdiagnostische
Schwierigkeiten bei der Beurteilung der
Invasionstiefe des Endometriumkarzi
noms verursachen.
Das histopathologische Bild einer uteri
nen Adenomyose in einem Hysterekto
miepräparat zeigt Abbildung 2.
Klinik
Das klinische Erscheinungsbild ist ge
prägt von Menorrhagie (50 %), Dysme
norrhö (30 %), Metrorrhagie (20 %) und
Dyspareunie. Etwa 35 % aller Adeno
myosefälle sind asymptomatisch [26].
Die Adenomyose ist mit 46 % die häu
figste Ursache abnormer uteriner Blutun
gen (AUB) bei perimenopausalen Frau
en [27].
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Adenomyosis uteri
215
Symptome
Bei einem Teil der Patientinnen treten kei
nerlei Symptome auf, andere klagen über
eine schwere Beeinträchtigung durch
Schmerzen. Die endometria len Implanta
te, die in der Uteruswand wachsen, blu
ten während der Menstrua tion ebenfalls,
jedoch kann das Blut im Gegensatz zum
normalen intrauterinen Endometrium
nicht abfließen. Die hierdurch bedingten
Schmerzen können ähnlich schwer sein
wie die subpartalen Schmerzen.
Andere Symptome sind:
– intensive, lähmende Schmerzen, die
während des gesamten Zyklus anhal
ten und/oder
– akute und zunehmende Schmerzen
bei der Menstruation und der Ovula
tion,
– Gefühl einer starken Uteruskontrak
tion,
– Abdominalkrämpfe,
– Druck „nach unten“,
– Druck auf die Blase,
– Ziehen in die Oberschenkel und Bei
ne,
– starke Blutungen,
– Abgang von größeren Blutgerinnseln,
– verlängerte Blutungen bis zu 8–14 Ta
gen,
– stellungsabhängige Dyspareunie mit
oder ohne Libidoverlust, insbesonde
re bei pathologischer Retroflexio uteri.
Fertilität
Campo et al. [28], Maheshwari et al. [29]
und Salim et al. [30] untersuchten den
Zusammenhang zwischen Adenomyose
und Fertilität. Die meisten Therapie
studien wurden unkontrolliert durchge
führt, die Ergebnisse wurden in der Re
gel in Form von Fallserien veröffentlicht.
Somit sind die verschiedenen Behand
lungsschemata in Bezug auf die Fertilität
derzeit kritisch zu hinterfragen.
Es gibt unterschiedliche Berichte über
den Einfluss einer Adenomyose auf den
Erfolg einer IVF. Es scheint, dass die
GnRHAnaloga eine spezifische Wir
kung bei Frauen mit Adenomyosis (und
Endometriose) haben, die über das Un
terdrücken der ovariellen Östrogenpro
duktion hinausgeht. Das Levonorgestrel
freisetzende intrauterine System Mirena
®
lindert die durch eine Adenomyose be
dingte Dysmenorrhö [31]. Es ist aber
noch fraglich, ob das LNGIUS die Fer
tilität bei infertilen Patientinnen mit
Adenomyosis wirksam verbessert.
Derzeit gibt es keine konkreten Empfeh
lungen dafür, ob man eine Adenomyosis
bei Patientinnen, die schwanger werden
möchten, behandeln sollte. Allerdings
wird durch die Adenomyose die Fertili
tät beeinträchtigt. In einer prospektiven
Studie mit Kinderwunschpatientinnen
(n = 275) wurde die Prävalenz einer ul
trasonographisch nachgewiesenen Ade
nomyose im Hinblick auf die Ergebnis
se nach IVF/ICSI untersucht [32]. Hier
bei zeigte sich sowohl eine verringerte
Schwangerschaftsrate als auch eine ge
ringere Rate an ausgetragenen Schwan
gerschaften bei Frauen mit Adenomy
ose. Die Häufigkeit von Fehlgeburten
war in der Adenomyosegruppe mit 50 %
deutlich höher als in der Nichtadenomy
osegruppe (2,8 %). Ein vermehrtes Auf
treten von vorzeitigen Wehen und vor
zeitigem Blasensprung wurde bei Frauen
mit Adenomyosis beobachtet.
Differentialdiagnostik
Als Ursache einer pathologischen Ute
rusblutung kommen im Allgemeinen in
Betracht:
– Endometriumpolypen
– Submuköse Myome
– Endometriumhyperplasie
– Endometriumkarzinom
Klinische Untersuchung
Der Verdacht auf das V orliegen einer
Adenomyose ergibt sich aus der Symp
tomatologie und dem Palpationsbefund.
Er wird durch Ultraschall und MRT er
härtet.
Ultraschall (Abb. 5, 6)
Beim transvaginalen Ultraschall des
Uterus zeigt sich das Endometrium mit
einem verstärkten echo(hellen) Bereich
in der Mitte und einer linearen Strei
fung, die radial zum Endometrium nach
zentrifugal ausgeht. Bei der transvagi
nalen Ultraschalluntersuchung finden
sich bei einer Adenomyose am häufigs
ten subendometriale lineare Streifen mit
einer dia gnostischen Genauigkeit von
96 %. Sie haben einen positiven V orher
sagewert von 80 % [33]. Andere Auto
ren sprechen von einer Sensitivität von
83 % und einer Spezifität von 85 % [33].
Andere Charakteristika bei der USUn
tersuchung sind eine kugelförmige Ute
rusform und Zysten im Myometrium
[32].
Zusammenfassung der Ultraschallkrite
rien durch Maheshwari et al. [29]:
– heterogene Bereiche im Myometri
um,
– kugeliger, asymmetrischer Uterus,
– unregelmäßige zystische Hohlräume,
– Myometrium mit linearen Streifen,
– schlechte Bestimmbarkeit des Über
gangs vom Endometrium zum My
ometrium (sog. junktionale Zone),
– Asymmetrie der anterioren und poste
rioren Myometriumwand,
Abbildung 5: Adenomyosis uteri im Ultraschall: Bei transvaginalem Ultraschall stellt sich das Endometrium in der
Mitte als hyperechogener (hellerer) Bezirk dar, mit davon ausgehenden linearen, nach oben verlaufenden Streifen-
bildungen. Quelle: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b1/Linear_striations_of_adenomyosis.jpg (Zuletzt
gesehen: 14.09.2017).
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Adenomyosis uteri
216
– Verdickung der vorderen und hinteren
Myometriumswand und erhöhte oder
verminderte Echogenität.
Einige Studien haben nur einen dieser
Parameter [34] angewandt, während in
einer anderen Studie, das V orhandensein
aller Parameter zur Diagnose einer Ade
nomyose erforderlich war [35].
Eine Bewertung der Ultraschalldiagnos
tik in Rahmen einer MetaAnalyse fin
det sich auf der Webseite der Universi
ty of Portsmouth [36]. Aufgrund der aus
geprägten Heterogenität zwischen den
eingeschlossenen Studien konnte in der
systematischen Überprüfung keine Aus
sage getroffen werden, welche Charak
teristika sich im Ultraschall am zuverläs
sigsten für eine korrekte Diagnose einer
Adenomyosis eignen. Gefunden wurden
Myometriumszysten, lineare Streifen im
Myometrium, eine schlechte Abgren
zung des endomyometrialen Übergangs
und ein heterogenes Myometrium. Eine
anteroposteriore Asymmetrie des My
ometriums ist kein nützlicher Diagnose
parameter.
MRT (Abb. 7)
Durch die MRT kann die Diagnose ei
ner Adenomyose mit hoher Treffsicher
heit gestellt werden. Die Sensitivität be
trägt 88 % und die Spezifität fast 100 %
[37]. Der Schweregrad wird anhand der
Invasionstiefe des ektopischen Endome
triums in das Myometrium klassifiziert.
Die V orteile der Methode beruhen auf ei
ner erhöhten Differenzierung des Binde
gewebes aufgrund einer besseren räumli
chen Trennung und eines besseren Kon
trasts im Vergleich zur transvaginalen
Sonographie.
Die Aussagefähigkeit der MRT wird im
Gegensatz zur Aussagekraft der Sono
graphie durch verkalkte Myome nicht
eingeschränkt. Insbesondere ist die MRT
besser in der Lage, eine Adenomyose
von mehreren kleinen Myomen zu diffe
renzieren. Ein Uterus mit einer verdick
ten Übergangszone schwächt das Signal
sowohl in den T1 und T2gewichteten
Sequenzen, bedingt durch mögliche Ei
senablagerungen aufgrund chronischer
Mikroblutungen. Eine Dicke der Über
gangszone von > 10–12 mm spricht
dia gnostisch für eine Adenomyosis
(< 8 mm ist normal). Innerhalb des ver
dickten, hypointensen Signals der Über
gangszone sieht man oft hyperdense
(hellere) Herde auf den T2gewichteten
Scans, bedingt durch kleine, zystisch di
Abbildung 7: Adenomyose – MRT-Befund. Quelle: A. D.
Ebert.
Abbildung 6: Patientin mit Adenomyose. (a): Bei retroflektiertem Uterus zeigt sich im
Fundusbereich ein unscharf abgrenzbarer Befund, der – im Gegensatz zu einem klassi-
schen Uterusmyom – keinen „zwiebelschalenartigen“ Aufbau besitzt und daher für eine
Adenomyosis verdächtig erscheint. (b): Bei derselben Patientin wie in Abb. 6a zeigt
sich im Powerdoppler eine deutlich vermehrte Perfusion des unscharf abgrenzbaren
Bereiches als weiterer Hinweis auf eine Adenomyosis uteri. (c): Im Rahmen einer hor-
monellen Therapie (kombiniertes hormonelles Kontrazeptivum) dopplersonographisch
nachweisbarer Rückgang des Perfusionsmusters im Fundusbereich derselben Patientin.
Quelle: T. Rabe.
a b
c
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Adenomyosis uteri
217
latierte Drüsen oder durch akute Berei
che von Mikroblutungen.
Komplikationen
Patientinnen mit Adenomyose leiden un
ter einer erhöhten Abortrate [30]. Bei Pa
tientinnen mit Adenomyose kommt es in
der Schwangerschaft häufiger zum Auf
treten von vorzeitigen Wehen und zu
einem vorzeitigen Blasensprung [29].
Behandlung
Medikamentöse Therapie
Schmerztherapie: Die konservative Be
handlung besteht oft aus entzündungs
hemmenden Medikamenten wie Ibupro
fen oder anderen NSAIDs.
Das pharmakologische Management der
Adenomyose wird von Streuli et al. [38]
zusammengefasst: Als Hormonthera
pie werden kombinierte oder rein ges
tagenhaltige Kontrazeptiva sowie trans
dermale Pflaster und Levonor gestrel
freisetzende Intrauterinpessare ein
gesetzt. Als Langzeittherapie werden
vermehrt orale Kontra zeptiva anstelle
von Levonorgestrelhaltigen IUS ver
wendet [39]. Durch GonadotropinRe
leasingHormonAgonisten kommt es
zu einer hypophysären Hemmung der
Gonadotropinsekre tion und somit zum
Sistieren der ovariellen Östrogenbil
dung; hierdurch werden die Wechseljah
re simuliert und die Adenomyose bessert
sich häufig.
Dienogest sollte bei Endometriosis ge
nitalis interna (Adenomyosis uteri) als
Therapie der Wahl Anwendung finden,
wobei die Patientinnen über die mögli
chen Schmierblutungen aufgeklärt wer
den müssen, um die Compliance zu er
höhen.
Kinderwunschtherapie
Bei Frauen mit Kinderwunsch ist pri
mär ein medizinischer Behandlungsver
such angezeigt. Gestagene und GnRH
Analoga sind die am häufigsten verwen
deten langfristigen Behandlungsformen
bei Adenomyose und Schmerzsympto
men [38]. Bei KinderwunschPatientin
nen wurde auch versucht, die Fertilität
durch operative Interventionen in Kom
bination mit GnRHAnaloga wieder her
zustellen. Bei Patientinnen, die sich ei
ner assistierten Reproduktion unterzie
hen, besteht kein Anlass, eine Adenomy
ose zuvor auszuschließen [29].
Vereinzelt wurde auch eine Embolisation
der Arteria uterina bds. bzw. eine MRI
unterstützte Behandlung mit hochfokus
siertem Ultraschall vorgenommen.
Chirurgische Optionen
Organerhaltende Operationen
Hierzu zählen:
– Endometriumablation,
– laparoskopische Elektrokoagulation
des Myometriums,
– hysteroskopische oder laparoskopi
sche Exzision von Adenomyomen,
– offene oder laparoskopische Resek
tion der Adenomyosis mit Uterusplas
tik (OsadaTechnik).
Auch wenn positive Ergebnisse aus meh
reren Studien vorliegen, fehlen noch die
Langzeitdaten.
Hysterektomie
Bei Frauen in höherem reproduktiven Le
bensalter mit schwerer symptomatischer
Adenomyose ohne Kinderwunsch ist
eine Hysterektomie oft die einzige the
rapeutische Option, wenn medikamen
töse Behandlungsversuche nicht zum
Erfolg geführt haben und die Schmerz
symptomatik nicht toleriert werden kann
[38, 40]. Hier können die totallaparos
kopische Hysterektomie (TLH) oder die
laparoskopischassistierte suprazervika
le Hysterektomie (LASH) zur Anwen
dung kommen. Die LASH bedarf auf
grund des Morcellements und der fol
genden Risikobewertung einer beson
ders sorgfältigen Indikation. Falls sich
nach der laparoskopischen Hysterekto
mie aufgrund einer primär als gutartig
eingestuften Erkrankung mit Morcell
ment des Uterus herausstellt, dass ein
Karzinom die Ursache der Beschwerden
war, muss mit einer Aussaat des Tumors
ins Peritoneum gerechnet werden. Lange
Zeit wurde das Risiko als verschwindend
gering eingestuft (1: 10.000). Im April
2014 kam die FDA jedoch auf eine Häu
figkeit von 1: 350, die durch die Analy
se eines Krankenhausregisters im US
amerikanischen Ärzteblatt JAMA be
stätigt wurde. Ethicon, Tochter des US
Konzerns Johnson & Johnson, hat 2014
auf mögliche Sicherheitsrisiken seiner
„Power Morcellatoren“ reagiert und ließ
in den USA 3 Morcellatoren vom Markt
nehmen [41].
Nicht-chirurgische Optionen
Durch die Embolisation der Arteriae ute
rinae wird auch die Blutversorgung des
ektopischen Endometriums unterbro
chen. Durch eine MRTgesteuerte Hoch
frequenzUltraschallAblation können
sowohl fokale als auch diffuse Formen
der Adenomyose im gesamten Uterus
behandelt werden.
Zukunftsaspekte
Aromatasehemmer [42]
Im Rahmen einer randomisierten Ver
gleichsstudie (n = 32) konnte gezeigt
werden, dass Aromatasehemmer im Hin
blick auf die Abnahme des Uterusvolu
mens und die Verbesserung der Symp
tomatik bei einer Adenomyose ebenso
wirksam sind wie GonadotropinRelea
singHormonAgonisten. Diese Thera
pieoptionen hatte die Arbeitsgruppe um
Kimura et al. [43] auch als Alternati
ve zur Hysterektomie, bei Wunsch nach
Fertilitätserhalt, beschrieben. ( Siehe
auch die Übersicht von Pelage et al.
[44].)
Antigestagene
Erste Tierversuche an Mäusen waren er
folgreich [45], allerdings wurden seit
dieser Publikation, laut PubMed, keine
weiteren Studien veröffentlicht.
Progesteronrezeptormodulatoren
Zum Einsatz des Progesteronrezeptor
modulators Ulipristalacetat oder ande
rer Substanzen aus dieser Gruppe, zur
Behandlung der Endometriose und der
Adenomyose siehe Benagiano et al. [46]
und PérezLópez [47].
Je nach Substanzen können diese oral,
vaginal (Tablette oder Ring) oder intra
uterin eingesetzt werden.
Auf ClinicalTrials.gov sind insgesamt
39 Studien gelistet, in denen das Wort
„Adenomyosis“ vorkommt; nur 13 Stu
dien befassen sich direkt damit.
Weiterführende Literatur
Garcia und Isaacson [48] haben eine
Übersichtsarbeit zur Adenomyose ge
schrieben.
Shklyar et al. [49] befassen sich mit kli
nischen und morphologischen Kriterien
der Adenomyose.
In „uptodate“ findet sich eine aktuel
le Übersicht zum Thema Adenomyose
[50].
J Reproduktionsmed Endokrinol_Online 2017; 14 (5)
Adenomyosis uteri
218
Schlussfolgerungen
Frauen mit Adenomyose sind jünger, ha
ben Uteri mit geringerem Gewicht und
häufiger gleichzeitig eine Endometriose
als Frauen, die nur Myome aufweisen.
Die Inzidenz der Adenomyose steigt mit
der kritischen Wahrnehmung des Ultra
schalldiagnostikers und der Erfahrung
des Operateurs sowie des Pathologen.
Sowohl bei der Planung der Therapie
von symptomatischen Frauen als auch
bei der histologischen Aufarbeitung wird
eine Adenomyose häufig „übersehen“.
Das V orliegen einer Adenomyose ist
wahrscheinlich ursächlich für das Ver
sagen von konservativen bzw. einge
schränkt radikalen Therapieansätzen bei
Endometriose. „Somit stellt bei einer
Adenomyosis bei Patientinnen mit abge
schlossener Familienplanung die Hyster
ektomie die effektivste Behandlungsme
thode dar.“ [51].
Vieles spricht dafür, dass die Adenomyo
sis kein erhöhtes Risiko für die Entwick
lung von Malignomen darstellt. Aller
dings könnten die beiden Erkrankungen
gleichzeitig auftreten und im intrakavitä
ren Endometrium könnte sich ein endo
metroides Adenokarzinom mit potenziell
tiefer Myometriuminvasion bilden [23].
Da diese Erkrankung Östrogenabhängig
ist, kommt es durch die Wechseljahre zu
einer deutlichen Abnahme der Symptome
und wahrscheinlich auch der Inzidenz.
Patientinnen mit Adenomyosis und En
dometriose haben oft auch Leiomyome.
Interessenkonflikt
Kein Interessenkonflikt: T. Rabe, C. Al
bring, A. Bachmann, J. Bitzer, R. Leon
De Wilde, A. D. Ebert, C. Egarter, M. El
sässer, T. Füger, S. Gattenlöhner, K. Kö
nig, E. Merkle, M.L. Mlynek Kersjes,
A. Nerlich, N. Sänger, K.W. Schweppe,
P. Sinn, T. Strowitzki, M. Wallwiener,
Interessenkonflikt: M. Ziller erhält Be
rater und Referentenhonorare der fol
genden pharmazeutischen Firmen: Jena
pharm, Dr. Kade, Gedeon Richter, He
xal, Schaper und Brümmer
L. Kiesel: Berater bzw. Gutachtertätig
keit oder bezahlte Mitarbeit in einem
wissenschaftlichen Beirat und Ad
BoardMitgliedschaften sowie V ortrags
honorare der Firmen Shionogi, Astra
Zeneca, Gedeon Richter und Mylan.
G. MerkiFeld hat als Adviser und Spea
ker für HRA Pharma gearbeitet.
H.R. Tinneberg erhielt V ortragshonorare
von Bayer, Gedeon Richter und Olympus.
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