Offizielles Organ: AGRBM, BRZ, DVR, DGA, DGGEF , DGRM, D·I·R, EFA, OEGRM, SRBM/DGE
Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, A-3003 Gablitz
Journal für
Reproduktionsmedizin
und Endokrinologie
– Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology –
Andrologie • Embryologie & Biologie • Endokrinologie • Ethik & Recht • Genetik
Gynäkologie • Kontrazeption • Psychosomatik • Reproduktionsmedizin • Urologie
Indexed in EMBASE/Excerpta Medica/Scopus
www.kup.at/repromedizin
Online-Datenbank mit Autoren- und Stichwortsuche
Kolorektale tief infiltrierende Endometriose (TIE):
Indikation und Ergebnisse der operativen Therapie bei
gestörter Fertilität // Deep-infiltrating
endometrioses: Indication and results of operative
therapy for impaired fertility
Hudelist G, Sevelda U, Rüsch C, Dauser B, Nemeth Z
J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2019; 16 (3), 116-120
20.-21. März 2026
Universitätsmedizin Mainz
ENDOKRINOLOGIE & FERTILITÄT
FÜR KLINIK & PRAXIS
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& Anmeldung unter
Einladung zu unserer wissenschaftlichen Veranstaltung Endo-Ferti-Forum
Brücke(n) zwischen Unikliniken und Praxen an Rhein und Main(z)
– die aus dem bisherigen Format „Ferti Forum“ ab 2026 hervorgeht –
Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und den lebendigen Austausch mit Kolleg:innen und Expert:innen aus Klinik und
Praxis. Freitagabend laden wir Sie herzlich zu einem entspannten Empfang ein –
eine perfekte Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und den T ag genussvoll ausklingen zu lassen.
Wissenschaftliche Leitung: Univ.-Professorin Annette Hasenburg, Dr. Susanne Theis, Universitätsmedizin Mainz,
Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, BVF Rheinland-Pfalz Dr. Rüdiger Gaase, BVF Hessen Dr. Klaus J. Doubek
Schirmherrschaften: Prof. Nicole Sänger, Uniklinik Bonn, Prof. Jan-Steffen Krüssel, Uniklinik Düsseldorf,
Dr. Annette Bachmann, Uniklinik Frankfurt am Main, Prof. Christine Skala, Uniklinik Köln
116
J Reproduktionsmed Endokrinol 2019; 16 (3)
Kolorektale tief infiltrierende Endometriose (TIE):
Indikation und Ergebnisse der operativen Therapie
bei gestörter Fertilität
G. Hudelist1, U. Sevelda1, C. Rüsch1, B. Dauser2, Z. Nemeth1
Einleitung
Vier bis 35 % aller Patientinnen mit En-
dometriose weisen eine tiefe Infiltration
des Rektosigmoids auf [1], wobei meist
additive ovarielle und peritoneale Läsio-
nen als auch Adenomyosis konkomitant
auftreten. Aktuelle Studien zeigen, dass
25 %–40 % aller Patientinnen, die in
reproduktionsmedizinischen Einrichtun-
gen vorstellig werden, von Endometriose
in unterschiedlicher Ausprägung betrof-
fen sind [2]. Als ursächliche Faktoren
für die Beeinträchtigung der Fertilität
werden die Veränderung der normalen
anatomischen Verhältnisse durch tief in-
filtrierende Endometriose (TIE) und se-
kundäre Adhäsionen, eine gestörte Folli-
kelreifung, Implantation als auch uterine
Dysperistalik beschrieben [3]. Die Re-
duktion der spontanen Konzeptionsraten
durch fortgeschrittene Endometriose ist
ungenügend untersucht. Trotzdem legen
die wenigen vorhandenen Untersuchun-
gen nahe, dass bei Patientinnen mit mil-
der bis moderater Endometriose (nach
rAFS-Klassifikation) spontane Schwan-
gerschaften in bis zu 30 % zu erwarten
sind, während bei Patientinnen mit TIE
bzw. fortgeschrittener Endometriose eine
natürliche Konzeption wesentlich selte-
ner eintritt (0 %–13 %) [4–6]. In Bezug
auf assistierte reproduktionsmedizini-
sche Techniken (ART) weisen Patientin-
nen mit kolorektaler TIE – welche in der
Praxis meist mit Adenomyosis uteri und
ausgedehnten Adhäsionen kombiniert
ist – deutlich reduzierte Fertilisationsra-
ten, Implantationsraten bzw. Schwanger-
schaftsraten auf [7]. Speziell TIE dürfte
einen negativen Einfluss auf IVF- ICSI-
Ergebnisse haben [8].
Chirurgische Therapie
optionen – milde Endo
metriose und Endo
metriosezysten
Die Indikation zur operativen Therapie
kann bei therapieresistenten Beschwer -
den der Patientin und/oder bestehender
Infertilität und frustranen reproduktions-
medizinischen Interventionen entspre-
chend den aktuellen Leitlinien (DGGG,
ESHRE) gestellt werden [9, 10]. Sterili-
tätspatientinnen mit minimal bzw. gering-
gradig ausgeprägter Endometriose nach
rAFS profitieren nur marginal von einer
operativen Behandlung [11]. Obwohl
die Unterschiede zur rein diagnostischen
Laparoskopie statistische Signifikanz er-
reichen, beträgt die NNT (number needed
to treat) 25 bezüglich spontaner Schwan-
gerschaften nach einer Operation bzw.
Resektion der peritonealen Endometriose
versus Kontrollgruppe bzw. rein diagnos-
tischer Laparoskopie. Ähnlich verhält es
sich für die Erfolgsraten der ART nach
rein peritonealer Endometrioseresektion
versus diagnostischer Laparoskopie ohne
Resektion peritonealer Herde [12]. Pa-
tientinnen mit Ovarialendometriose pro-
fitieren jedoch klar von einer operativen
Resektion der Endometriose. Die Raten
an spontanen Schwangerschaften variie-
ren zwischen 30 % und 70 % mit einer
durchschnittlichen NNT von 2,7 [13]. Im
Gegensatz dazu zeigt eine Meta-Analyse
keinen klaren Benefit der Resektion von
Endometriomen vor ART [14]. In der
klinischen Praxis können dem Repro-
duktionsmediziner große Endometriome
durch retrouterine Lage oder schwierige
Zugänglichkeit der Follikel Probleme be-
reiten und dadurch doch eine Indikation
zur Operation vor ART gegeben sein.
Tief infiltrierende kolorek
tale TIE
Aktuelle Studien zeigen, dass etwa ein
Drittel der Darmendometriose-Patientin-
Eingegangen am 18. März 2019, angenommen nach Revision am 20. Mai 2019 (verantwortliche Rubrik-Herausgeberin A. Weghofer, Wien)
Aus der 1Abteilung für Gynäkologie und der 2Abteilung für Chirurgie, Klinisch-wissenschaftliches Endometriosezentrum, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien.
Korrespondenzadresse: Univ.-Doz. Dr. Gernot Hudelist, MSc, Abteilung für Gynäkologie, Leitung Klinisch-Wissenschaftliches Endometriosezentrum, Krankenhaus der Barm-
herzigen Brüder, A-1020 Wien, Johannes-Gott-Platz 1; E-Mail:
[email protected].
Patientinnen mit tief infiltrierender Endometriose (TIE) weisen deutlich erniedrigte spontane Konzeptionsraten auf. Im Rahmen der assistier-
ten reproduktionsmedizinischen Techniken (ART) zeigen Patientinnen mit kolorektaler TIE ebenfalls reduzierte Fertilisations-, Implantations-,
und Schwangerschaftsraten. Die chirurgische Therapie der kolorektalen TIE verbessert nachweislich die Schwangerschaftsrate, die Ergeb-
nisse variieren jedoch in den vorliegenden Studien beträchtlich. Die Indikation zur operativen Resektion bei Fertilitätsstörungen ist prinzipiell
bei der symptomatischen Patientin oder nach mehrfachen frustranen IVF-Versuchen gegeben. Asymptomatischen Frauen mit kolorektaler
TIE kann bei Fertilitätsproblemen die primäre ART empfohlen werden.
Schlüsselwörter: kolorektale tief-infiltrierende Endometriose, Fertilität, IVF
Deep-infiltrating endometrioses: Indication and results of operative therapy for impaired fertility. Patients with deep-infiltrating endome-
trioses (DIE) show reduced spontaneous pregnancy rates. As far as ART is concerned, fertilisation-, implantation- and pregnancy rates are
also impaired by colorectal DIE. Surgical therapy of colorectal DIE has shown to improve pregnancy rates but the fertility outcomes vary sig-
nificantly in the existing studies. Surgical treatment of infertile women with colorectal TIE is mainly indicated for symptomatic patients or af-
ter the failure of several IVF-cycles. For asymptomatic women with colorectal TIE and fertility problems, primary ART can be recommended.
J Reproduktionsmed Endokrinol 2019; 16 (3): 116–20.
Key words: colorectal deep-infiltration endometriosis, fertility, ART
For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
Kolorektale tief infiltrierende Endometriose (TIE)
117
J Reproduktionsmed Endokrinol 2019; 16 (3)
nen ungenügend auf hormonelle bzw. me-
dikamentöse Therapien ansprechen und
sich für eine operative Therapie entschei-
den [15, 16]. Eine wesentliche Reduktion
der Beschwerdesymptomatik ist in über
90 % der Fälle zu erwarten [1, 17]. Fertili-
tätsstörungen bei nur geringer Beschwer-
desymptomatik stellen nach Meinung der
Autoren keine Indikation zur primär ope-
rativen Therapie dar. Obwohl die bis dato
publizierten Ergebnisse der ART bzw.
IVF/ICSI uneinheitlich sind, kann davon
ausgegangen werden, dass etwa ein Drit-
tel der Patientinnen mit in situ rektovagi-
naler TIE nach ART Schwangerschaften
erwarten kann [18]. Somit besteht primär
für die symptomatische Sterilitätspatien-
tin mit kolorektaler TIE die Indikation zur
operativen Intervention – mit dem Ziel
einer Reduktion der Beschwerdesympto-
matik und Verbesserung der Fertilität.
Die wesentlichen Fragen, welche sich
im Zuge des Entscheidungsprozesses
stellen, sind:
– Welche potentiellen Komplikationen
sind zu erwarten?
– Inwieweit verbessert die radikale
chirurgische Therapie die spontanen
Schwangerschaftsraten?
– Sollte die operative Resektion der TIE
vor der ART durchgeführt werden?
– Welche Komplikationen können Pa-
tientinnen mit kolorektaler TIE durch
eine hormonelle Stimulation und pri-
märe ART/IVF ohne vorherige Ope-
ration erfahren?
Operationstechnik und
Komplikationen
Prinzipiell stehen 3 mögliche chirurgi-
sche Behandlungsmethoden – „Rectal
Shaving“ (RS), „Disc-Resektion“ (DR)
und Segmentresektion des Rektums
(SR) – zur Verfügung. Ziel der chirurgi-
schen Therapie ist die Resektion der TIE
mit Erhalt der reproduktiven Organe im
Sterilitätsfall. Operationsart und Technik
hängen prinzipiell von der Erfahrung und
Präferenz des interdisziplinären gynäko-
logisch-chirurgischen Teams ab. Mehre-
re Studien belegen klar den V orteil mini-
mal-invasiver Techniken gegenüber der
Laparotomie hinsichtlich. Blutverlust,
postoperative Komplikationen, Liege-
dauer und postoperativen Schwanger -
schaftsraten [19].
Unter „Rectal Shaving“ (RS) wird die
oberflächliche, schichtweise Entfernung
der TIE verstanden mit dem Ziel, „ge-
sundes“, nicht betroffenes Gewebe zu
schonen und somit die Darmmukosa und
die luminale Struktur des Rektosigmoids
zur erhalten. Nach einer Übersichtsar -
beit von Donnez et al. [20] und bis dato
4470 publizierten Fällen werden meist
Läsionen zwischen 2–3 cm Durchmes-
ser reseziert. Die Komplikationsraten
des „Shavings“ variieren stark und sind
in manchen Studien nicht angegeben.
Jene Publikationen mit detailliertem
Follow-up berichten eine intraoperative
Perforation bzw. Eröffnung des Lumens
in 1,74 % (83/4470) mit konsekutiver
komplikationsloser Übernähung im
Rahmen des Ersteingriffs. Postoperative
Dehiszenzen und Fistelbildung berich-
ten Studien zwischen 0,03 % und 3,3 %
[20]. Die Darmfunktion (Entleerungs-
frequenz, Obstipation und Kontinenz)
scheint im bis dato selten publizierten
Langzeit-Follow-up durch das Belas-
sen des nerven- und gefäßführenden
pararektalen Fettgewebes nicht negativ
beeinträchtigt bzw. sogar teilweise ver -
bessert zu sein [21]. Rezidivraten nach
Rektum-Shaving hinsichtlich Schmerz-
symptome betragen etwa 10 %, wobei
nicht klar ist, ob die wiederkehrende
Schmerzsymptomatik direkt mit der
Operationstechnik assoziiert ist [20]. Die
bis jetzt publizierten Re-Interventionsra-
ten schwanken zwischen 2,4 % [21] und
27 % nach bereits 20 Monaten [22], was
eine klinisch relevante Persistenz der ko-
lorektalen TIE im Rahmen des Erstein-
griffs nahelegt.
Eine weitere chirurgische Option stellt
die „Disc-Resektion“ (DR) dar, wel-
che sich zur einer Standardmethode bei
mittelgroßen (2–3 cm Durchmesser)
Darmläsionen etabliert. Dabei wird der
entstehende Wanddefekt nach Invagi-
nation oder Exzision der TIE vernäht
oder mittels Stapler, welcher meistens
transanal eingebracht wird, verschlos-
sen. V orbedingung ist prinzipiell eine
unifokale Erkrankung, welche in der
Praxis unter 2–4 cm Infiltrationsstrecke
und weniger als 50 % der Gesamtzir -
kumferenz betrifft [1, 23]. Die Kom-
plikationen der DR scheinen jene des
Shavings zu übertreffen – Leakage bzw.
Rektovaginalfistelbildung wird bei 371
publizierten Fällen in 3,6 % berichtet
[24], wobei die Rate an Rektovaginalfis-
teln begünstigt bei Eröffnung der Vagina
(82 %) bis zu 7,2 % betragen kann [25].
In einer prospektiven Kohortenstudie der
Autoren wies keine der 32 Patientinnen
nach DR eine Leckage- oder Fistelbil-
dung auf, wobei die Vagina in der Hälfte
der Fälle eröffnet und reseziert wurde
[17]. Im Gegensatz zu der von Roman
et al. [25] publizierten Serie werden an
unserem Zentrum nur Läsionen mit bis
3 cm Durchmesser mittels DR behandelt,
größere Knoten mit SR.
Die Segmentresektion (SR) bei TIE mit
vollständiger Resektion des betroffenen
Darmsegments und Re-Anastomosierung
der Lumina wurde bereits am Beginn
des 20. Jahrhunderts beschrieben [26]
mit bis dato über 4000 publizierten Fäl-
len. Klassische Indikation der SR ist die
ausgedehnte, in der Regel über 4–6 cm
infiltrierende und multifokale TIE. Die
Extraktion des Darmsegments erfolgt
über eine erweiterte supra symphysäre
oder paraspinale Inzision, die kolorektale
Anastomose wird in der Regel End-End
oder End-Seit mit Zirkulärstapler durch-
geführt. Ein von einigen Autoren ein-
gebrachtes Argument gegen die SR ist
die erweiterte Radikalität der Operation,
die mögliche Irritation der Gefäß- und
Nervenversorgung des Rektums und
angrenzender Beckenorgane und die
damit verbundene Erhöhung der post-
operativen Morbidität. Die publizierten
Raten an Rektovaginalfisteln und Anas-
tomoseninsuffizienzen (AI) schwanken
zwischen 0 % und 18 %, wobei die Höhe
der Anastomose (unter 5 cm ab ano Ver-
dreifachung der AI-Rate bzw. Rate an
AI/Fistel bei Anastomose unter 8 cm bis
13 %) [20] eine wesentliche Rolle spielt.
Weiters wird die postoperative Stenosie-
rung des Anastomosenbereichs in bis zu
15 % beschrieben sowie eine mögliche
Funktionsstörung des Rektums (Lower
anterior resection syndrome, LARS) häu-
figer nach SR im Gegensatz zu RS und
DR berichtet [20]. Hier ist anzumerken,
dass die SR per se je nach Arbeitsgruppe
sehr unterschiedliche Ergebnisse, Kom-
plikationsraten und Operationsvarianten
(limitierte nerven- und gefäßsparende
Variante versus klassische TMR – tota-
le mesorektale Resektion) aufweist. Die
von den Autoren praktizierte „Nerve-ves-
sel sparing tubular Resection“ [17], bei
der das gesamte mesorektale nerven- und
gefässführende Fettgewebe belassen wird
(Abb. 1 a, b) zeigt in einer rezenten Publi-
kation der Autoren niedrige Raten an AI
und Fistelbildung (1,9 % bzw. 1 %) sowie
im Vergleich zur DR keinen signifikanten
Unterschied hinsichtlich der postopera-
Kolorektale tief infiltrierende Endometriose (TIE)
118
J Reproduktionsmed Endokrinol 2019; 16 (3)
tiven Funktionalität (minor und major
LARS – Resektionssyndrom – in 5 %
bzw. 1 %) und postoperative Anastomo-
senstenose in 1,2 % [17]. Weiters konnte
die bis jetzt einzige prospektiv-randomi-
sierte Studie zum Vergleich DR versus
SR keine signifikanten Unterschiede hin-
sichtlich Komplikationsraten und Funk-
tionalität nachweisen [27].
Ergebnisse der radikalen
chirurgischen Therapie der
kolorektalen TIE bei Infer
tilität
Bis dato existiert nur eine prospektiv-
randomisierte Studie zum Vergleich der
Resektionsarten der kolorektalen TIE zur
Verbesserung der Fertilität. Diese zeigt
keine signifikanten Unterschiede zwi-
schen DR und SR in Bezug auf die spon-
tanen Schwangerschaftsraten (66,7 % vs.
72,7 %) [27].
Eine signifikante Reduktion der
Schmerzsymptome wird in bis zu 93 %
der Fälle nach RS beschrieben [28] mit
kumulativer postoperativer Schwanger -
schaftsrate bei infertilen Patientinnen für
RS und DR zwischen 65 % und 85 %
[21, 28]. Die SR ist effektiv im Bezug
auf Symptomreduktion, weist niedrige
Rezidiv- und Reinterventionsraten (un-
ter 1 %) [20], sowie hohe postoperative
Schwangerschaftsraten (SSR) bei infer -
tilen Patientinnen auf. In einem Review
von 1889 Patientinnen nach SR [29] be-
trug die Rate an vollständiger postope-
rativer Beschwerdefreiheit nach 1 Jahr
in Studien mit publiziertem Follow-up
81,5 % (111/135), an Verbesserung der
Symptome in 17 % (19/112) und an feh-
lender Veränderung nur 2,7 % (3/112).
Eine rezente Analyse zur Fertilitätsver -
besserung nach SR bei TIE berichtet
eine kumulative SSR von 48 %–69 %,
wobei die spontanen Konzeptionsraten
zwischen 21 % und 61 % stark variieren
[30]. In einer Gruppe von 102 Patientin-
nen nach SR beobachteten die Autoren
ebenso eine signifikante Reduktion der
Schmerzscores (NAS) für Dysmenorrhö,
Dyspareunie, Dyschezie von im Mittel
8,3 auf 2,1; 3,5 auf 0,7 und 4,2 auf 0,7
mit einer kumulativen postoperativen
SS-Rate von 64 % mit 40 % spontaner
Konzeptionsrate [17].
ART und operative Thera
pie der kolorektalen TIE
Ob eine chirurgische Resektion der kolo-
rektalen TIE vor der IVF die Ergebnisse
der IVF versus primäre IVF verbessert,
ist nur ungenügend untersucht. Wie be-
reits erwähnt kann davon ausgegangen
werden, dass etwa ein Drittel der Patien-
tinnen mit in situ rektovaginaler tief infil-
trierender Endometriose (TIE) nach ART
Schwangerschaften erwarten kann [18].
Ein Review von Cohen et al. berichtet
eine kumulative spontane SSR von 29 %
bei 1320 Patientinnen nach operativer
Resektion der kolorektalen TIE, jedoch
eine ebenso hohe SSR nach primärer
ART bei in situ TIE nach IVF [18].
Wesentlich ist jedoch die Frage des V or-
gehens bei Patientinnen, die aus anderen
Gründen (Male Factor, Tubal Factor
etc.) ohnehin einer reproduktionsmedi-
zinischen Maßnahme unterzogen wer -
den bzw. inwieweit diese Patientinnen
von einer Operation profitieren. Hierbei
dürfte die COH/IUI einen geringen Stel-
lenwert haben und die primäre IVF/ICSI
bevorzugt werden [31]. Darai et al. [31]
berichten in einem Review eine SSR von
21 % bei Patientinnen nach Resektion
der TIE und konsekutiver IVF vergli-
chen mit 27 % nach primärer IVF ohne
operative Resektion der TIE bei inferti-
len Patientinnen [31]. Hervorzuheben ist
die Studie von Ballester et al. [32]: V or
allem mit Patientinnen < 35 Jahren und
altersentsprechender Eizellreserve wei-
sen trotz bestehender rektovaginaler TIE
klinische Schwangerschaftsraten (CPR)
von 29 %, 52 % bis zu 69 % nach 1, 2
bzw. 3 Zyklen IVF/ICSI auf [8, 32]. Es
muss jedoch kritisch angemerkt werden,
dass CPR und Lebendgeburtraten (LBR)
divergieren und Patientinnen mit addi-
tiver Adenomyosis, die in vielen Fällen
konkomitant auftritt, deutlich niedri-
gere CPR von 19 % vs. 82 % nach 3
Zyklen IVF/ICSI [32] sowie signifikant
höhere Abortraten aufweisen [33]. Die
aktuellste Untersuchung zur Frage der
Abfolge Operation und ART (in den obi-
gen Reviews nicht berücksichtigt) wird
von Bendifallah et al. im Rahmen einer
retrospektiven Kohortenstudie vorgelegt
und beschreibt eine SSR nach Operation
und konsekutiver IVF von 60 % (40/67
Patientinnen mit kolorektaler TIE und In-
fertilität) versus 36 % nach primärer IVF
(25/69) ohne operative Resektion mit
entsprechenden Lebendgeburtenraten
Abbildung 1: (a): Situs bei „nerve-vessel sparing tubular rectal resection“ nach Präpation des zu resezierenden Darmsegments (**) und Belassen des mesorekta-
len Gewebes (++). (b): Reseziertes Darmsegment mit transmuraler TIE (*) und angrenzend gesunder Darmwand (**).
a b
Kolorektale tief infiltrierende Endometriose (TIE)
119
J Reproduktionsmed Endokrinol 2019; 16 (3)
von 49 % und 20 % [34]. Somit stehen
diese Ergebnisse im klaren Gegensatz zu
den vorher erwähnten und legen klar den
V orteil der primären operativen Therapie
vor ART nahe.
Aktuell existieren jedoch weder prospek-
tiv randomisierte Studien mit suffizien-
ten Fallzahlen noch Studien mit adäqua-
ten Kontrollgruppen zu diesem Thema.
Daher gilt nach Meinung vieler Autoren,
dass die chirurgische Therapie der ko-
lorektalen TIE vor IVF/ICSI vor allem
bei symptomatischen Patientinnen so-
wie Frauen mit mehrmaligen frustranen
IVF-Versuchen erwogen werden sollte.
ART bei in situ kolorek
taler TIE
Risiken, welche im Rahmen der ovariel-
len Stimulation bei bestehender kolorek-
taler Endometriose bestehen, inkludieren
Darmokklusion bzw. die Entwicklung
eines mechanischen Ileus sowie die Ste-
nosierung des Ureters mit konsekutiver
Hydronephrose. Seyer-Hansen et al.
[35] berichten in einer retrospektiven
Kohortenstudie von 76 Patientinnen mit
kolorektaler TIE und primärer IVF eine
Verschlechterung der Darmsymptome in
11,8 % (9/79) mit dem Auftreten eines
interventionspflichtigen Ileus in 3 Fällen
(3,8 %). Roman et al. [36] beschreiben
eine Ileusrate von 5 % bei 241 Patien-
tinnen mit in situ kolorektaler TIE unter
ovarieller Stimulation und fordern daher
eine detaillierte Evaluierung der TIE und
Aufklärung dieser Patientinnen vor pri-
märer IVF.
Ebenso existieren multiple Fallberichte
und Fälle aus dem Kollektiv der Auto-
ren, welche bei in situ kolorektaler TIE
im Rahmen der Follikelpunktion eine
sekundäre Ausbildung eines Tuboova-
rialabszesses bzw. Peritonitis berichten.
Die Literatur zu diesem Thema ist an-
dererseits widersprüchlich. Benaglia et
al. [37] berichten keine diesbezügliche
Komplikation im Rahmen einer prospek-
tiven Beobachtung von 214 ART-Zyklen
bei Patientinnen mit uni- oder bilateralen
Endometriomen. In einer retrospektiven
Analyse eines ART-Zentrums mit über
450 Punktionen pro Jahr konnten in
einem Zeitraum von 4 Jahren 10 Patien-
tinnen mit Tuboovarialabszessen (TOA)
bei Endometriomen isoliert werden [38].
Interessanterweise fanden bei nur 3 der
10 Patientinnen vor dem TOA Punktio-
nen statt, sodass die Autoren eine Aus-
bildung eines TOA begünstigt durch das
Endometriom per se annehmen. Klare
Raten an infektiös bedingten Komplika-
tionen nach ART-assoziierten Punktio-
nen liegen bis dato nicht vor.
Fazit
Die chirurgische Therapie der tief infil-
trierenden Darmendometriose beinhaltet
3 mögliche Operationsmethoden – Rec-
tal Shaving (RS), Disc-Resektion (DR)
und Segmentresektion (SR). Die zahlen-
mäßig größte Evidenz zur postoperati-
ven Schmerzreduktion, Verbesserung
der Fertilität sowie Komplikationsraten
liegt mit über 4000 publizierten Fällen
für die Segmentresektion vor. RS und
DR sind ebenso etablierte Techniken,
wobei das RS geringere Komplikations-
raten, jedoch möglicherweise höhere
Rezidiv- und Reinterventionsraten ver -
glichen mit DR und SR aufweist. Große
prospektiv-randomisierte Studien zum
Vergleich der 3 Methoden fehlen jedoch
bis jetzt. Angesichts der Tatsache, dass
auch die Erfahrung des interdisziplinä-
ren Teams und die damit verbundene
Fallzahl an Operationen (volume activity
per center and year) einen wesentlichen
Einfluss auf das Outcome hat – mit einer
Verdoppelung der Komplikationsraten
bei Einheiten unter 20 Fällen pro Jahr
[37] – sollte die chirurgische Therapie
der kolorektalen TIE primär an Zentren
mit entsprechender Erfahrung hinsicht-
lich der bevorzugten Operationstechnik,
interdisziplinären Zusammenarbeit und
dem Management vom Komplikationen
erfolgen, um ein optimales Ergebnis zu
erzielen.
Die Verbesserung der Fertilität ist bei
Patientinnen mit kolorektaler TIE und
chirurgischer Therapie bewiesen, vari-
iert jedoch nach vorliegenden Studien
beträchtlich. Die Indikation zur opera-
tiven Resektion ist prinzipiell bei der
symptomatischen Patientin, speziell bei
additiver Fertilitätsstörung, gegeben. Die
primäre ART bei Infertilität und kolorek-
taler TIE ist bei asymptomatischen Pa-
tientinnen oder Patientinnen mit gutem
Ansprechen auf medikamentöse bzw.
hormonelle Therapiemaßnahmen emp-
fohlen. Zusatzfaktoren wie Alter, Male
Factor, Ovarialreserve, vorangegangene
ART und möglicherweise bestehende
Adenomyosis werden die Empfehlung
zusätzlich beeinflussen und müssen be-
rücksichtigt werden, ebenso wie Risiken
der primären ART bzw. ovariellen Sti-
mulation bei in situ kolorektaler TIE wie
Ileus bzw. Progression der TIE.
Interessenkonflikt
Die Autoren geben an, dass kein Interes-
senkonflikt besteht.
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