Intraoperative Häufigkeit der Endometriose in 22 Berliner Frauenkliniken im Jahr 2001
article
OA: green
CC0
Abstract
Methodik: 22 Berliner Frauenkliniken waren Gegenstand der epidemiologischen Untersuchungen. Es erfolgte eine retrospektive Analyse der OP-Bücher, OP- Berichte und Krankenakten. Insgesamt wurden 36808 Patientinnen in Berlin im Jahr 2001 gynäkologisch operiert. 11057 Patientinnen von Ihnen erhielten eine Laparoskopie und/oder Laparotomie. Bei 908 dieser Patientinnen wurde Endometriose diagnostiziert. Ergebnisse: Die Prävalenz, unabhängig von der Operationsindikation, betrug in Berlin im Jahr 2001 8,2%. Bei 6,7% aller in Berlin im Jahr 2001 per laparoskopiam bzw. per laparotomiam operierten Patientinnen wurde die Erkrankung erstmalig diagnostiziert. 41,8% der Patientinnen hatten Blutungsstörungen. Hypermenorrhoen (19,9%), Menorrhagien (17,9%), Zwischenblutungen (6,5%) und Polymenorrhoe (5,4%) wurden am häufigsten angegeben. Die häufigsten Schmerzsymptome waren Dysmenorrhoen (91,2%), chronische Unterbauchschmerzen (Chronic Pelvic Pain) (44,3%) und Dyspareunien (13,4%). 17,5% der untersuchten Patientinnen litten unter einer Sterilität. 67,3% der operierten Endometriosepatientinnen hatten oberflächliche peritoneale Endometrioseherde. 10,9% aller Patientinnen litten unter ausgedehnten, überwiegend tief infiltrierenden Endometrioseherden. 3% aller Patientinnen hatten eine rektovaginale Endometriose. Bei 55,2% der untersuchten Patientinnen wurden ovarielle Endometriosezysten beschrieben. Die häufigsten Lokalisationen der Endometriose waren die Ovarien (63,5%), der Douglas (33,8%), das vesicouterine Peritoneum (32,7%) und die Sakrouterinligamente (19,3%). 27,1% der oberflächlichen Endometrioseläsionen wurden hinsichtlich farblicher Ausprägung bzw. Wachstumsmuster beschrieben. Bei nur 89% aller Patientinnen wurde eine Histologie aus endometrioseverdächtigen Läsionen entnommen. Insgesamt hatten 81,7% aller Patientinnen eine histologisch verifizierte Endometriose. Die durchschnittliche Gesamtpunktzahl nach der rASRM-Klassifikation betrug 20,5. 35,8% waren im Stadium I, 9,5% im Stadium II, 42,2% im Stadium III und 12,5% im Stadium IV erkrankt. Schlussfolgerung: Die Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen der Frauen im reproduktionsfähigen Alter. Frauen mit einem höheren Bildungsgrad scheinen häufig an Endometriose zu erkranken. Der Anteil an Patientinnen mit Nikotinabusus ist unter den Endometriosepatientinnen höher als in der „Normalbevölkerung“. Allergikerinnen scheinen kein erhöhtes Risiko zu haben, an Endometriose zu erkranken. Das häufigste Symptom der Endometriose ist die Dysmenorrhoe. Endometriose zeigt ein bevorzugtes linksseitiges Vorkommen. Um einheitliche Therapiestandards im Rahmen der evidenzbasierten Medizin zu erarbeiten, müssen die Anamnese sowie das diagnostische und therapeutische Procedere besser dokumentiert werden. Dass wichtige Bereiche der Anamnese in vielen Fällen nur mangelhaft eruiert wurden und dass das diagnostische und therapeutische Vorgehen zum Teil nur eingeschränkt zu reproduzieren war bzw. mangelhaft durchgeführt wurde, ist eine beunruhigende Erkenntnis. Um jedoch optimal diagnostizieren und behandeln zu können, sind eine umfangreiche und auf Vollständigkeit bedachte Anamnese sowie eine möglichst leitliniengerechte Diagnostik und Therapie mit anschließender gründlicher Dokumentation Grundvoraussetzung. Hier gilt es in der Zukunft bessere Qualitätsstandards für das Bundesland Berlin zu erarbeiten.
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- openalex
- last seen: 2026-05-11T04:17:49.241643+00:00
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