Endometriose als klinisches und gesundheitsökonomisches Problem
dissertation
OA: green
CC0
Abstract
Ziel dieser Arbeit war es, durch die Analyse gesundheitsökonomischer und klinischer Aspekte der Endometriose zu erörtern, ob es wirtschaftlich lohnend ist ein ambulantes Endometriosezentrum zu gründen oder in einer Praxis einen Endometrioseschwerpunkt zu bilden. Aufgrund einer ausgeprägten Symptomatik kann es bei Endometriose zu schweren individuellen, sozialen sowie volkswirtschaftlichen Einschränkungen für betroffene Frauen kommen. Um Lasten und Folgen so gering, wie möglich zu halten, sollte die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden. Es darf für niedergelassene Gynäkologen durch fehlende spezifische Abrechnungsmöglichkeiten kein wirtschaftliches Risiko darstellen, Patientinnen mit einer Endometriose zu behandeln. Methodik Für den Zeitraum 01.01.2016 bis 31.12.2016 wurden in der Praxis für Frauengesundheit, Gynäkologie und Geburtshilfe (Professor Andreas D. Ebert) in Berlin retrospektiv 619 digitale Akten von Patientinnen mit diagnostizierter Endometriose, inklusive der jeweiligen Abrechnungsvorgänge analysiert. Die Patientinnen waren zum Erfassungszeitpunkt durchschnittlich 34,95 Jahre alt. 86% (n=532) waren an einer Adenomyosis uteri (Endometriosis genitalis interna) erkrankt. Bei den Patientinnen mit Endometriosis genitalis externa konnte folgende Stadieneinteilung vorgenommen werden: rASRM-Stadium I: n=197 (36%), rASRM-Stadium II: n=119 (21,9%), rASRM-Stadium III: n=116 (21,4%) sowie rASRM-Stadium IV: n=110 (20,3%). Abrechnungsspezifische Daten wurden unter Verwendung von Microsoft EXCEL® erfasst. In der Diskussion wurden diese Daten mit Werten aus dem Jahr 2015 verglichen. Die Vorgaben der „Good Clinical Practice“ (GCP) der Charité-Universitätsmedizin Berlin sowie des Berliner Datenschutzgesetztes wurden berücksichtigt. Ergebnisse 2016 ergab sich für in der Praxis erbrachte Leistungen eine Abrechnungssumme von 75.781,62€ (52.557,99€ für die Behandlung von 569 gesetzlich Krankenversicherten, zuzüglich individueller Gesundheitsleistungen (6.026,40€) sowie 17.197,22€ für die Behandlung von 50 Privatpatientinnen). Durchschnittlich am besten vergütet (111,69€) wurden Patientinnen des rASRM-Stadium IV. Für selbsterbrachte endometriosespezifische operative Eingriffe (n=104) inklusive individueller Zahlungen für die Adhäsionsprophylaxe (n=90) ergab sich nach Abzügen (gesamt: 24.269,50€ für Zahlungen an das Operationszentrum sowie für die Anwendung der Adhäsionsprophylaxe) bei 96 gesetzlich versicherten Patientinnen (27.192,86€; 283,26€/Patientin) und acht Privatpatientinnen (9.151,69€; 1.143,96€/Patientin) eine Summe von 36.344,55€. Die höchste durchschnittliche GKV-Vergütung (286,62€) erfolgte bei Operationen von Patientinnen im rASRM-Stadium III (n=17). Insgesamt wurde durch die Behandlung von Endometriosepatientinnen 2016 eine Gesamtvergütung nach Abzügen von 112.126,17€ erwirtschaftet (durchschnittliche jährliche Vergütung von 181,14€/Endometriosepatientin nach Abzügen). Schlussfolgerung Um Diagnoseverzögerungen und ihre grundsätzlichen Folgen zu vermeiden, ist es notwendig, dass sich Ärzte Zeit für eine eingehende Untersuchung, Diagnosestellung und entsprechende Therapie nehmen können. Es müssten spezifische Abrechnungsziffern für die Behandlung von Endometriosepatientinnen geschaffen werden, die den damit verbundenen Aufwand entsprechend honorieren, denn unter den aktuellen gesundheitsökonomischen Bedingungen lohnt sich eine Behandlung von Endometriosepatientinnen für niedergelassene Gynäkologen nicht.
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- openalex
- last seen: 2026-06-10T17:14:06.276822+00:00
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