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Hämostaseologie; 10–12|© 2025. Thieme. All rights reserved.
Forum
Endometriose steigert
Risiko für venöse
Thrombembolien
unter oraler
Kontrazeption
Weltweit leiden ca. 10% aller Frauen im
reproduktionsfähigen Alter unter Endo-
metriose. Die genauen Mechanismen
der Entstehung dieser Erkrankung sind
bisher nicht bekannt, aber man weiß,
dass betroff ene Patientinnen ein erhöh-
tes Risiko für kardiovaskuläre Erkran-
kungen haben. Eine aktuelle Studie
zeigte, dass die Einnahme von oralen
Kontrazeptiva zudem mit einer Risi-
kosteigerung für venöse Thrombembo-
lien verbunden ist.
De Corte P, Milhoranca I, Mechsner S, et al.
Unravelling the Causal Relationship between
Endometriosis and the Risk for Developing
Venous Thrombembolism: A Pooled Analysis.
Thromb Heamost 2024; 10.1055/a-2407-9498
PubMed: 39222924
Die Untersuchungen fokussierten auf
Frauen mit bzw. ohne Endometriose
(n=22072 bzw. n=91056) und der Neuein-
nahme eines oralen Kontrazeptivums. In die
gepoolte Analyse gingen Daten von insge-
samt 113128 Teilnehmerinnen dreier gro-
ßer internationaler Studien ein, in denen
jeweils begünstigende Faktoren bei der
Entstehung venöser Thrombembolien
erforscht wurden. Während in die INAS-
VIPOS-Studie Patientinnen mit Endometri-
ose und neu etablierter Hormontherapie
(Danazol, GnRH-Analoga, Kontrazeptiva)
stiertes Risiko für venöse Thrombembolien
(HR 2,07; 95%-KI 1,33-3,22). Patientinnen
mit venöser Thrombembolie waren im Ver-
gleich zu Frauen ohne Thrombembolie im
Mittel älter (33,6 versus 28,5 Jahre), hatten
einen höheren Body Mass Index (28,1 ver-
sus 23,4kg/m
2), hatten häu fi ger schon in
der Vergangenheit orale Kontrazeptiva
angewendet (70,2% versus 51,6%) und wie-
sen eine höhere Zahl kardiovaskulärer Risi-
kofaktoren auf, wie Bluthochdruck bzw.
eine familiäre Vorbelastung für venöse
Thrombembolien. Genetische Studie wie-
sen in der Vergangenheit auf gemeinsame
Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkran-
kungen und Endometriose hin. Dies könnte
für biologische Vorgänge im Körper spre-
chen, die beide Erkrankungen begünstigen,
so die Autor:innen.
Dr. Katharina Franke, Darmstadt
eingeschlossen worden waren, nahmen an
der INAS-FOCUS und der INAS-SCORE-Stu-
die nur Frauen teil, die mit der Einnahme
eines oralen Kontrazeptivums begonnen
hatten. Kombinierte Kontrazeptiva wurden
in der Gesamtkohorte häufi ger eingenom-
men als reine Gestagenpräparate, und die
Mehrzahl der Frauen wendete ein Präparat
der 4. Generation an. Patientinnen mit
einer venösen oder arteriellen Thrombem-
bolie in der Vorgeschichte waren von der
Studienteilnahme ausgeschlossen. Klini-
sche Informationen wurden in allen drei
Studien über Fragebögen erhoben. Frauen
mit Endometriose waren im Vergleich zu
Frauen ohne Endometriose im Mittel älter
(32,6 Jahre versus 27,5 Jahre), nahmen vor
Studienbeginn seltener ein Kontrazeptivum
ein (25,8% versus 59,0%) und hatten häufi -
ger eine familiäre Vorbelastung für venöse
Thrombembolien (7,8% versus 2,6%).
Ergebnisse
Innerhalb einer Beobachtungszeit von 60
Monaten wurden insgesamt 168 venöse
Thrombembolien verzeichnet. In der
Gruppe der Patientinnen mit Endometriose
lag die Inzidenzrate bei 5,2 pro 10000
Frauen gegenüber 4,1 pro 10000 Frauen in
der Vergleichsgruppe. Ein adjustiertes
Modell ergab für Frauen mit Endometriose
ein um 79% höheres Risiko für venöse
Thrombembolien (HR 1,79; 95%-KI 1,24-
2,57). Bei Frauen, die erstmals in ihrem
Leben ein orales Kontrazeptivum einnah-
men, lag die adjustierte Risikosteigerung
bei 45% (HR 1,45; 95%-KI 0,78-2,71). Dem-
gegenüber ergab sich in der Gruppe der
Frauen mit Endometriose, die schon zuvor
ein orales Kontrazeptivum angewendet
hatten ein mehr als doppelt so hohes adju-
FAZIT
Die Anwendung von oralen Kontra-
zeptiva erhöhte bei Patientinnen mit
Endometriose das Risiko für venöse
Thrombembolien. In zukünftigen
Studien sollten die Zusammenhänge
zwischen Endometriose und dem
venösen Thrombembolierisiko auch
bei Frauen untersucht werden, die
keine orale Kontrazeption einneh-
men. Aus den aktuellen Ergebnissen
lässt sich ableiten, dass individuali-
sierte und informierte Entscheidun-
gen bei der Anwendung von oralen
Kontrazeptiva sinnvoll sind, wenn
eine manifeste Endometriose
vorliegt.
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Artikel online veröffentlicht: 19.02.2025
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