{"paper_id":"d26f0358-8872-4cb5-9fa5-b952f1f4508d","body_text":"DOI: 10.1055/s-0044-1786653\nEndometriose und Adenomyose als Risikofaktoren für ein spontanes Hämatoperitoneum unter der Geburt\nAuthors\nZiel Ein spontanes Hämatoperitoneum unter Geburt ist ein seltenes, aber lebensbedrohliches Ereignis. Die geschätzte Inzidenz liegt bei 0.04 in 1000 Lebendgeburten. Endometriose und Adenomyose gelten als Risikofaktoren. Die folgenden beiden Patientinnen demonstrieren dass eine sofortige Entbindung, eine explorative Chirurgie und eine rasch eBlutstillung notwendig sind, um einen fatalen Ausgang für Mutter und oder Kind zu verhindern.\nFall 1 Eine 43-jährige Gravida 3, Para 1, mit Endometriose und Adenomyose, wurde in 40+1 SSW aufgrund von Gestationsdiabetes und wegen des V. a. fetale Makrosomie eingeleitet. Während der Eröffnungsperiode zeigte sich eine partussistenresistente terminale fetale Bradykardie und es erfolgte eine Notsectio. Intraoperativ wurde ein Hämatoperitoneum mit Blutung aus einer spontanen Ruptur eines Uteruswandgefäßes gefunden. Nach Entwicklung des Kindes wurde die Blutung chirurgisch versorgt. Der kumulative Blutverlust betrug 1800 ml. Das Kind wurde mit einem pH-Wert von 7,00 und einem APGAR von 5/7/9 geboren. Es adaptierte sich gut und konnte zum Bonding zur Mutter gegeben werden. Die mütterliche postoperative Versorgung umfasste die Verabreichung von Eisen- und Folsäurepräparaten zur Behandlung der Anämie. Der niedrigste mütterliche Hb war 9,4 g/dL.\nFall 2 Eine 31-jährige Primipara entwickelte in 38+4 SSW selbstständig Wehen. Während der Austreibungsperiode verspürte sie einen plötzlich neu aufgetretenen Schwindel, gleichzeitig fiel die fetale Herzfrequenze ab. Eine Notsectio wurde durchgeführt. Die intraoperative Exploration ergab ein Hämatoperitoneum. Ursächlich war eine Ruptur adenomyotischer Veränderungen der Uterushinterwand. Die Blutung konnte mittels zwei Umstechungen gestillt werden. Der kumulative Blutverlust betrug 1500 ml. Das Kind wurde mit einem pH-Wert von 7,24 und einem APGAR von 7/10/10 geboren und blieb bei der Mutter. Eine symptomatische maternale Anämie erforderte postoperativ eine Bluttransfusion. Der niedrigste mütterliche Hb war 6,9 g/dL.\nFazit Endometriosepatientinnen gelten als Risikopatientinnen für ein spontanes Hämatoperitoneum während der Schwangerschaft und unter Geburt. Durch die Dezidualisierung von ektopen, endometroiden Zellverbänden kommt es zur Gewebsinstabilität. Scherkräfte und Druckunterschiede können zu einer spontanen Blutung führen. Des Weiteren können intraabdominelle Gefäßrupturen peripartal auch ohne diagnostizierte Endometriose auftreten.\nEin rechtzeitiges Erkennen der mütterlichen und kindlichen Bedrohung anhand einer kontinuierlichen Überwachung unter der Geburt ist lebensrettend und eine sofortige Entbindung und Blutstillung sind notwendig, um schwerwiegende Komplikationen und Folgeschäden zu verhindern.\nPublication History\nArticle published online:\n24 May 2024\n© 2024. Thieme. All rights reserved.\nGeorg Thieme Verlag KG\nRüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany","source_license":"CC0","license_restricted":false}