{"paper_id":"d15236f4-10dc-4f4f-aec3-486efb32adf1","body_text":"Subscribe to RSS\nDOI: 10.1055/s-0035-1558364\nKomplexität Endometriose-assoziierter Symptome – Erhebung des Schmerzprofils von Endometriose-patientinnen mit und ohne Hormontherapie\nFragestellung:\nBei Endometriose finden sich Endometrium-ähnliche Herde im Bauchraum, die auf den ovariellen Hormonzyklus reagieren. Es ist eine Erkrankung, die mit zyklischen und azyklischen Unterbauchschmerzen einhergeht. Die leitliniengerechte Therapie besteht in der operativen Sarnierung mit adjuvanter Hormontherapie in Form von gestagenhaltigen oralen Kontrazeptiva. Trotz leitliniengerechter Therapie bleibt aber eine große Zahl der Patientinnen nicht beschwerdefrei. Zum Teil entwickeln sich azyklische Schmerzen im Sinne eines chronischen Schmerzsyndroms. Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Modulierbarkeit Endometriose-assozierter Schmerzen durch hormonelle Therapie.\nMethoden:\nEs wurden 239 Patientinnen mit Fragebogentechnik befragt 118 bekamen keine hormonelle Therapie, 121 bekamen eine hormonelle Therapie. Die Fragebögen enthielten Fragen zu zyklischen und azyklischen Schmerzen, Schmerzstärke (numerische analog Skala = NAS), Schmerzqualität und Schmerzdauer. Außerdem wurde mit der Allgemeinen Depressions Skala (ADS) die psychische Komorbidität erfasst. Die Gruppen wurden mithilfe deskriptiver statistischer Verfahren verglichen.\nErgebnisse:\nFrauen unter Hormontherapie (HT) haben zwar signifikant weniger zyklische Schmerzen, hinsichtlich der azyklischen Schmerzen unterscheiden sich die Gruppen allerdings nicht (Tabellen 1 und 2).\n|\nGesamte Stichprobe |\nohne HT |\nmit HT |\nChi Quadrat (df = 1) |\np |\n|\n|\nKeine Schmerzen |\n40 (16,7%) |\n17 (14,4%) |\n23 (19,0%) |\n0,908 |\nns |\n|\nSchmerzen insgesamt |\n199 (83,3%) |\n101 (85,6%) |\n98 (81,0%) |\n0,908 |\nns |\n|\nZyklische Schmerzen |\n150 (62,8%) |\n86 (72,9%) |\n64 (52,9%) |\n10,213 |\np |\n|\nAzyklische Schmerzen |\n116 (48,5%) |\n51 (43,2%) |\n65 (53,7%) |\n2,636 |\nns |\n|\ngesamte Stichprobe |\nohne HT |\nmit HT |\nt-Wert |\np |\n|\n|\nBlutungs-assoziierte Schmerzen |\n3,45 (SA 3,363) |\n4,29 (SA 3,383) |\n2,70 (SA 3,160) |\nt =-3,743; df = 237 |\n< 0,001 |\n|\nAndere zyklische UBS |\n2,27 (SA 3,032) |\n2,99 (SA 3,051) |\n1,57 (SA 2,854) |\nt =-3,717; df = 236,026 |\n< 0,001 |\n|\nAzyklische UBS |\n2,55 (SA 3,091) |\n2,21 (SA 2,943) |\n2,88 (SA 3,206) |\nt = 1,667; df = 237 |\nns |\n14,2% aller befragten Patientinnen hatten mehr als zwanzig Tage pro Monat Schmerzen. Es finden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Auswertung der ADS ergibt bei 46,0% der befragten Patientinnen eine depressive Tendenz. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den Gruppen nicht signifikant.\nSchlussfolgerung:\nEs liegt die Vermutung nahe, dass die Einnahme von hormonellen Präparaten, die zur Downregulation des ovariellen Zyklus führen, wirkungsvoll gegen zyklische Schmerzen hilft. Chronische Unterbauchschmerzen, die azyklisch sind, reagieren nicht oder nicht mehr auf die schmerzlindernde Wirkung der Gestagene. Dem liegt vermutlich eine komplexe multifaktorielle Pathogenese zu Grunde. Zum einen sind lokale Faktoren wie ein chronischer Entzündungsprozess, lokale Östrogenproduktion, sowie die Progesteronresistenz in den Läsionen zu nennen. Zum anderen muss von einer zentralen Chronifizierung oder sogar Schmerzverstärkung im Sinne einer zentralen Hyperalgesie ausgegangen werden. Möglicherweise sind auch die teilweise massiven Adhäsionen und ein durch viscero-somatische Interaktionen gesteigerter Muskeltonus mitverantwortlich. Von einer Schmerzverstärkung durch depressive Tendenzen ist auszugehen.","source_license":"CC0","license_restricted":false}