{"paper_id":"be0a8db4-df17-44ad-9205-f442f0347f99","body_text":"Der Schmerz\nEinführungzumThema\nSchmerz2021·35:157–158\nhttps://doi.org/10.1007/s00482-021-00553-6\nAngenommen:8.April2021\n©SpringerMedizinVerlagGmbH,einTeilvon\nSpringerNature2021\nStefanie Burghaus1 · Winfried Häuser2,3\n1 Frauenklinik,UniversitätsklinikumErlangen,Erlangen,Deutschland\n2 MedizinischesVersorgungszentrumfürSchmerzmedizinundseelischeGesundheitSaarbrücken\nSt.Johann,Saarbrücken,Deutschland\n3 InnereMedizin1,KlinikumSaarbrücke ngGmbH,Saarbrücken,Deutschland\nSchmerztherapie – ein Stiefkind\nder Frauenheilkunde?\nEndometriose – ein Stiefkind der\nSchmerzmedizin?\nSeit dem Editorial „Viszerale Schmer-\nzen–einStiefkindderSchmerzmedizin “\n[1] scheint sich auf den ersten Blick in\nderSchmerzmedizininBezugaufUnter-\nbauchschmerzen im Allgemeinen und\nzurEndometriose im Besonderenwenig\ngeändert zu haben. Beiträge zu chro-\nnischen Unterbauchschmerzsyndromen\nbei Frauen und Männern ﬁnden sich in\nDer Schmerz sehr selten [2]. Der letz-\nte Beitrag zur Endometriose in dieser\nZeitschrift ist aus dem Jahr 2016 [3].\nAuf der Homepage der International\nAssociation for the Study of Pain (IASP)\ngibt es ein Fact Sheet zur Endometrio-\nse in verschiedenen Sprachen (jedoch\nnicht auf Deutsch) aus dem Jahr 2007\n[4]. Das vom Arbeitskreis „Viszerale\nSchmerzen“ der Deutschen Schmerz-\ngesellschaft organisierte Symposium zu\n„Endometriose und Schmerz“ ist den\nKürzungen des Onlinekongresses 2020\nzumOpfergefallen.ImProgrammﬁnden\nsichbeidenschmerzsyndrombezogenen\nSymposien „die üblichen Verdächti-\ngen“ (Kopfschmerzen, muskuloskeletale\nSchmerzen,neuropathischeSchmerzen).\nIn der Frauenheilkunde gibt es ein\nDeﬁzitanepidemiologischenStudienzu\nchronischenUnterbauchschmerzen. Die\neinzige bisher in Deutschland durchge-\nführtePrävalenzstudiezumchronischen\nUnterbauchschmerz der Frau ermittel-\nte eine altersassoziierte Häuﬁgkeit von\n12% mit häuﬁgerem Auftreten bei jün-\ngeren Patientinnen [5]. Zur Prävalenz\nund Inzidenz der Endometriose liegen\nausDeutschlandkeineverlässlichenZah-\nlen vor. Daten zur Behandlungspräva-\nlenz(d.h.dokumentierteKontakte inei-\nnerVersorgungs- oderBehandlungsein-\nrichtung) reichen von 0,8 bis 2% [6].\nDie Diagnose einer Endometriose wird\noft erst nach mehreren Jahren gestellt.\nÄrztliche Fehldiagnosen und Bagatelli-\nsierungderSchmerzenimsozialenUm-\nfeld tragen zur Verzögerung der Dia-\ngnosebei[ 7].ManchePatientinnen füh-\nlen sich von ihren Bezugspersonen und\nÄrzt*innennichternstgenommen[ 8].In\nden S2-Leitlinien zum chronischen Un-\nterbauschmerz[9]undzurEndometrio-\nse [6] war ein Mangel an hochwertigen\nStudien zur symptomatischen Schmerz-\ntherapie (Medikamente, Physiotherapie,\nPsychotherapie)imVergleichzuhormo-\nnellen und operativen Therapien auﬀäl-\nlig.\nDochesgibtauchLichtblicke.Anden\nbeidengenanntenLeitlinienderFrauen-\nheilkundewurdedieDeutscheSchmerz-\ngesellschaft beteiligt. Beide Leitlinien\nenthalten ein Kapitel zur Schmerzthera-\npie[6,9].AnderzweitenAktualisierung\nder S3-Leitlinie „Langzeitanwendung\nvon Opioiden bei chronischen nicht-\ntumorbedingten Schmerzen“ (LONTS)\nh a ts i c ha u c hd i eD e u t s c h eG e s e l l s c h a ft\nfür Gynäkologie und Geburtshilfe be-\nteiligt [10, 11]. Im Kapitel „Potenzielle\nIndikationen“ wurden neu chronische\nUnterbauchschmerzen bei multilokulä-\nrer Endometriose aufgenommen [11].\nDer Schriftleiter der Zeitschrift Der\nSchmerz hat einem Themenheft zur En-\ndometrioseleitlinie zugestimmt, das Sie\ngerade in Händenhalten bzw.auf Ihrem\nMonitor lesen. Sie ﬁnden eine Manu-\nskriptfassung der drei Vorträge, die auf\ndem Deutschen Schmerzkongress 2020\nnicht gehalten werden konnten.\nFrauBurghaus,SprecherinderSteuer-\ngruppe der Endometrioseleitlinie, wird\neinen Überblick darüber geben, was\nNichtfrauenärzt*innen über Endome-\ntriose wissen sollten [12].\nFrau Mechsner wird einen Überblick\nüber die Empfehlungen des Kapitels\n„Schmerztherapie“ der Leitlinie geben.\nSie wird die aktuelle Studienlage zur\nsymptomatischen Schmerztherapie der\nEndometriose zusammenfassen und\nauch ihre eigenen umfangreichen klini-\nschen Erfahrungen im Endometriose-\nzentrum der Charité – Universitätsme-\ndizin Berlin darstellen [13].\nHerrHäuserwirddiemöglicheÜber-\nlappung von chronischem Unterbauch-\nschmerz bei Endometriose mit anderen\nchronischen Schmerzsyndromen wie\nSpannungskopfschmerzen und Fibro-\nmyalgiesyndrom und die möglichen\nKonsequenzenimFallevonchronischen\nüberlappenden Schmerzsyndromen für\ndie Behandlung der betroﬀenen Frauen\ndarstellen [14].\nDie Autor*innen wünschen sich,\ndass die Beiträge sowohl den Blick-\nwinkel der Leser*innen in ihrem Fach-\ngebiet als auch die Zusammenarbeit\nvon Frauenärzt*innen mit Schmerz-\nDer Schmerz 3 · 2021 157\n\nmediziner*innen fördern und zu einer\nbesseren interdisziplinären Versorgung\nvon Patientinnen mit chronischen Un-\nterbauchschmerzen und Endometriose\nbeitragen.\nS. Burghaus\nW. Häuser\nKorrespondenzadresse\nProf.Dr.WinfriedHäuser\nInnere Medizin 1,KlinikumSaarbrücken\ngGmbH\nWinterberg1,66119Saarbrücken,Deutschland\nwhaeuser@klinikum-saarbruecken.de\nInteressenkonﬂikt. S.BurghausundW.Häuser\ngebenan,dasskeinInteressenkonﬂiktbesteht.\nLiteratur\n1. Jänig W, Häuser W (2014) Viszerale Schmerzen.\nImmer noch einStiefkindder Schmerzmedizin?\nSchmerz28:230–232\n2. SiedentopfF,SillemM(2014)ChronischerUnter-\nbauchschmerzderFrau.Schmerz28:300–304\n3. Mechsner S (2016) Endometriose: Eine oft ver-\nkannteSchmerzerkrankung.Schmerz30:477–490\n4. International Association for the Study of Pain\nEndometriosis and its association with other\npainful conditions.https://www.iasp-pain.org/\nAdvocacy/Content.aspx?ItemNumber=1107.Zu-\ngegriﬀen:5.Dez.2020\n5. Beutel ME, Weidner K, BrählerE (2005) Chronic\npelvic pain of Women and its Co-Morbidity.\nGeburtshilfeFrauenheilkd65:61–67\n6. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und\nGeburtshilfe(2020)DiagnostikundTherapieder\nEndometriose.https://www.awmf.org/leitlinien/\ndetail/ll/015-045.html.Zugegriﬀen:4.Dez.2020\n7. HudelistG,FritzerN,ThomasA,NiehuesC,OppeltP,\nHaas D, Tammaa A, Salzer H (2012) Diagnostic\ndelayforendometriosisinAustriaandGermany:\ncausesandpossibleconsequences.HumReprod\n27:3412–3416\n8. Kriesl I(2018)ZwischenSchmerz undHoﬀnung\n„Ärztehabenmichnichternstgenommen“:Fünf\nFrauenerzählenüberihrLebenmitEndometriose.\nhttps://www.stern.de/gesundheit/leben-mit-\nendometriose---fuenf-frauen-erzaehlen-von-\nihrer-erkrankung-8181284.html.Zugegriﬀen:9.\nDez.2020\n9. DeutscheGesellschaftfürPsychosomatischeFrau-\nenheilkundeundGeburtshilfe(2021)Chronischer\nUnterbauchschmerzderFrau. https://www.awmf.\norg/leitlinien/detail/ll/016-001.html.Zugegriﬀen:\n4.Dez.2020\n10. HäuserW,KloseP,WelschP,PetzkeF,NothackerM\n(2020) Leitlinienreport der zweiten Aktualisie-\nrung der S3-Leitlinie „Langzeitanwendung von\nOpioidenbeinicht-tumorbedingtenSchmerzen–\nLONTS“.Schmerz34:245–278\n11.HäuserW ,BockF ,HüppeM,NothackerM,Norda\nH,RadbruchL,SchiltenwolfM,SchulerM,TölleT,\nViniolA, PetzkeF; Koautoren fürdie Konsensus-\ngruppeder2.AktualisierungderS3-LeitlinieLONTS\n(2020)EmpfehlungenderzweitenAktualisierung\nder Leitlinie LONTS: Langzeitanwendung von\nOpioidenbeichronischennicht-tumorbedingten\nSchmerzen.Schmerz34:204–244\n12. BurghausS,BeckmannMW(2021)Endometriose\n– gynäkologische Diagnostik und Therapie.\nSchmerz. https://doi.org/10.1007/s00482-021-\n00541-w\n13. MechsnerS(2021)Endometrioseschmerzbeherr-\nschen.Schmerz. https://doi.org/10.1007/s00482-\n021-00543-8\n14. Häuser W (2021) Endometriose und chroni-\nscheüberlappendeSchmerzsyndrome.Schmerz.\nhttps://doi.org/10.1007/s00482-021-00535-8\nFachnachrichten\nFranziska-Tiburtius-Preis:\nÄrztinnenaufneuenWegen\nAusschreibung\nDie Women´s Networking Lounge e.V.\n(WNL) vergibt erstmaligden Franziska-\nTiburtius-Preis. In Referenz an die\nNamensgeberin des Preises werden\nMedizinerinnengesucht,die neueWege\ngehen– Pionierinnen,dieetwaswagen.\nGefragt sind Präventionskonzepte,\nKooperationsmodelle,E-Medizin,soziale\nProjekte in der Medizin, neue Formen\nder Patientenkommunikation oder\nandere innovative Ideen. Teilnehmen\nkönnenÄrztinnenundZahnärztinnenaus\nDeutschland.Der Awardistmit10.000\ndotiert.\nChristine Wernze, Vorstandsvorsitzende\nder WNL zum Award: „Mit der Vergabe\ndieses Preises geht es uns darum,\nÄrztinnen zu zeigen, die neben ihrem\nalltäglichgrossartigenDienstinunserem\nGesundheitssystem dieKraftaufbringen,\neinebesondereIdeezuverfolgen,diedas\nSysteminsgesamtnachhaltigprägt und\nnochbessermacht.“\nFranziska Tiburtius war die erste Ärztin\ninDeutschland,alssiesich1877inBerlin\nniederließ. Zuerst führte sie zusammen\nmit der Zahnärztin Henriette Pagelsen-\nHirschfeldeineGemeinschaftspraxis.Da-\nnacheröﬀneteFranziskaTiburtiusmitihrer\nStudienkolleginEmilieLehmusinPrenz-\nlauerBerg einePoliklinikfür Frauenund\nKinder.BeidehatteninZürichstudiert,da\nFrauenbiszueinementsprechendenBun-\ndesratsbeschlussimJahr1899derZugang\nzudeutschenUniversitätenverwehrtwar.\nBewerbungen\nsind bis zum\n31.08.2021über\ndieWNL-Website\nmöglich\nwww.womensnetworkinglounge.de\n158 Der Schmerz 3 · 2021","source_license":"CC0","license_restricted":false}