{"paper_id":"8242c870-4eb1-46a9-b105-39d3077c9f00","body_text":"Endokrinologie\nJ.Gynäkol.Endokrinol.AT2023·33:112–114\nhttps://doi.org/10.1007/s41974-023-00280-z\nAngenommen:11.August2023\n©TheAuthor(s)2023\nRelevanz der chronischen\nEndometritis bei Frauen mit\nKinderwunsch\nIrisHolzer\nAbteilungfürGynäkologischeEndokrinologieund Reproduktionsmedizin,Universitätsklinikfür\nFrauenheilkunde,Wien,Österreich\nQR-Codescannen&Beitragonlinelesen\nEinleitung\nUntereiner chronischen Endometritis ver-\nsteht man eine chronische Entzündung\ndes Endometriums. Diese präsentiert sich\noft symptomlos oder nur mit milden kli-\nnischen Zeichen. Zu den typischen Symp-\ntomen zählen chronische Unterbauchbe-\nschwerden, Dyspareunie, eine abnorme\nvaginale Blutung oder vaginaler Ausﬂuss.\nAufgrundderfehlendenSpeziﬁtätoderdes\nFehlens von klinischen Symptomen wird\noft nicht an eine chronische Endometritis\ngedacht und deswegen auch keine Diag-\nnostik und Therapie begonnen [1, 2]. Ge-\nradefürFrauen mitKinderwunsch istdies\naber von großer Bedeutung.\nIn einer retrospektiven Datenanalyse\nkonnten intrauterine Verhütungsmetho-\nden und die Multiparität als Risikofakto-\nren fürdie Entwicklung einer chronischen\nEndometritis aufgezeigt werden. Hinge-\ngen sind Adipositas, orale Kontrazeptiva,\neine Eigenanamnese von Fehl- und Früh-\ngeburten und eine Eigenanamnese von\nKaiserschnitten nicht mit einem erhöh-\nten Risiko verbunden. Besonders wichtig\nerscheint auch, dass nach Entfernung ei-\nnerSpiraleeineanhaltendeAkkumulation\nder Plasmazellen bestehen bleibt [2]. Die\nchronischeEndometritisentstehtdurchIn-\nfektionen des Cavum uteri. Zu den typi-\nschen Pathogenen zählen Streptokokken,\nStaphylokokken,Enterokokken, E. coli,My-\nkoplasmen,Ureaplasmen,aberauchChla-\nmydien oder Neisseria gonorrhoeae.E s\nbildet sich eine erhöhte Anzahl an IgM,\nIgG und B-Zellen, welche letztendlich in\neiner veränderten Genexpression der En-\ndometriumzellen resultiert [3–5].\nDiagnostik und Therapie\nJahrelang wurde die Diagnose klassisch\ndurch eine hysteroskopische Untersu-\nchung gestellt. Typische Zeichen bei der\nHysteroskopie sind eine fokale oder dif-\nfuse Hyperämie, ein Stromaödem oder\nMikropolypen (<1mm). Der Vorteil der\nhysteroskopischenUntersuchungliegtun-\nter anderem darin, dass die Diagnose in\nden Händen der behandelnden Gynäko-\nlogen liegt. Trotzdem wurde üblicherwei-\nse zusätzlich eine Endometriumbiopsie\ndurchgeführt. Seit Verbesserung der im-\nmunhistochemischen Verfahren ist der\nGoldstandard eine immunhistochemische\nUntersuchung mit dem Nachweis von\nPlasmazellen in der Endometriumbiopsie,\nwobei Syndecan-1 (CD138) identiﬁziert\nwird [2]. Dies ist ein Proteoglykan auf der\nOberﬂäche derPlasmazellen.Obwohlhier\nklare Leitlinien vonseiten der Pathologie\nfehlen,wirdzumeisteinCut-oﬀvon5oder\nmehrPlasmazellenpro20HPFfürdieDia-\ngnose einer chronischen Endometritis\ngewählt [6].\nTherapiert wird die chronische Endo-\nmetritisganzklassischmitAntibiotika.Die\nStandardtherapie besteht aus Doxycyclin\n100mg 2× täglich über 14 Tage. Bei Kon-\ntraindikationen oderbeiAusbleiben eines\nTherapieerfolgsisteineKombinationsthe-\nrapie mit Cefuroxim 500mg für 14 Tage\nzusammen mit Metronidazol empfohlen.\nRoutinemäßig muss kein Antibiogramm\noder eine Kontrollbiopsie durchgeführt\nwerden, dies kann jedoch in besonde-\nren Fällen wie etwa bei Persistenz der\nSymptome sinnvoll sein.\n112 JournalfürGynäkologischeEndokrinologie/Österreich3·2023\n\nChronische Endometritis und\nKinderwunsch\nIn einem Kollektiv an Frauen mit Kinder-\nwunsch konnten gehäufte Prävalenzen\nan chronischer Endometritis vor allem\nbei Frauen mit „unexplained infertility“,\nAbortus habitualis und nach wiederhol-\ntem Implantationsversagen im Rahmen\nder IVF-Behandlung gezeigt werden [2].\nDie Prävalenzraten waren je nach Li-\nteraturangabe schwankend, erreichten\njedoch Werte von 28 bis 40,7% in einem\nKollektiv von Frauen mit „unexplained\ninfertility“, 30% bei Frauen mit wieder-\nholtem Implantationsversagen bei IVF-\nBehandlungen und ca. 12% bei Frauen\nmit Abortus habitualis [7–9].\nEine retrospektive Studie der Arbeits-\ngruppe um Cicinelli schaute sich die\nSchwangerschaftsraten in einer Kohorte\nvon Frauen mit „unexplained infertility“\nnach Behandlung einer chronischen En-\ndometritis an. Von 95 eingeschlossenen\nFrauen mit hysteroskopisch bestätigter\nchronischer Endometritis zeigten 56,8%\neine chronische Endometritis. Nach der\nStandardtherapie mit Antibiotika war die\nHierstehteineAnzeige.\nK\nchronische Endometritis in 82,3% der\nFälleausgeheilt,in17,6%derFällejedoch\npersistierend. Die Schwangerschaftsraten\nbei ausgeheilter chronischer Endometritis\nwarenmit76,3%gegenüber20%beiPer-\nsistenz und gegenüber 9,5% bei Frauen,\ndie nie Zeichen einer chronischen Endo-\nmetritishatten,deutlicherhöht( p< 0,001)\n[7].\nEine andere Arbeit schaute sich Frau-\nen mit Abortus habitualis mit mindestens\nzweiaufeinanderfolgenden Spontanabor-\nten an. Von395Frauen zeigten 35Frauen\neine chronische Endometritis in der En-\ndometriumbiopsie. Nach Gabevon einem\noderbeiPersistenzzweiAntibiotikawardie\nchronische Endometritis bei allen Frauen\nausgeheilt. Die kumulative Lebendgebur-\ntenrate lag danach bei 88% gegenüber\n74% in der Gruppe ohne Hinweis einer\nchronischen Endometritis [10].\nFrauen mit wiederholtem Implantati-\nonsversagen nach IVF („recurrent implan-\ntation failure“ [RIF]) stellen ein sehr he-\nterogenes Patientinnenkollektiv dar. Eine\nStudiezeigte bei10von33FrauenmitRIF\neine chronische Endometritis in der En-\ndometriumbiopsie. Diese hatten danach\ndeutlich schlechtere Schwangerschaftsra-\ntenalsFrauenohnechronischeEndometri-\ntis, nämlich 11,5% gegenüber 32,7% bei\nFrauen mit unauﬀälliger Endometriumbi-\nopsie [11].\nFazit für die Praxis\nZusammenfassend lässt sich sagen, dass vor\nallem bei Frauen mit Kinderwunsch und „un-\nexplained infertility“ , Abortus habitualis und\nRIF eine immunhistologische Abklärung und\ngegebenenfalls antibiotische Therapie einer\nchronischen Endometritis auf jeden Fall emp-\nfohlen ist. Dies dürfte zu einer deutlichen\nSteigerung der Schwangerschafts- und Le-\nbendgeburtenraten führen. Für die Zukunft\nwären große prospektive, randomisierte Stu-\ndien wünschenswert.\nKorrespondenzadresse\nDDr. Iris Holzer\nAbteilungfürGynäkologischeEndokrinologie\nundReproduktionsmedizin,Universitätsklinik\nfürFrauenheilkunde\nWähringerGürtel18–20,1090Wien,Österreich\niris.holzer@meduniwien.ac.at\n\nEndokrinologie\nFunding. OpenaccessfundingprovidedbyMedical\nUniversityofVienna.\nEinhaltung ethischer Richtlinien\nInteressenkonﬂikt. I.Holzergibtan,dasskeinInter-\nessenkonﬂiktbesteht.\nFürdiesenBeitragwurdenvonderAutorinkeine\nStudienanMenschenoderTierendurchgeführt.\nFürdieaufgeführtenStudiengeltendiejeweilsdort\nangegebenenethischenRichtlinien.\nOpen Access.DieserArtikelwirdunterderCreative\nCommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz\nveröﬀentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung,\nBearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli-\nchemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die\nursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge-\nmäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz\nbeifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom-\nmenwurden.\nDieindiesemArtikelenthaltenenBilderundsonstiges\nDrittmaterialunterliegenebenfallsdergenannten\nCreativeCommonsLizenz,sofernsichausderAbbil-\ndungslegendenichtsanderesergibt.Soferndasbe-\ntreﬀendeMaterialnichtunterdergenanntenCreative\nCommonsLizenzstehtunddiebetreﬀendeHandlung\nnichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubtist,istfür\ndieobenaufgeführtenWeiterverwendungendesMa-\nterialsdieEinwilligungdesjeweiligenRechteinhabers\neinzuholen.\nHierstehteineAnzeige.\nK\nWeitereDetailszurLizenzentnehmenSiebitteder\nLizenzinformationauf http://creativecommons.org/\nlicenses/by/4.0/deed.de.\nLiteratur\n1. 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