{"paper_id":"6b36abc9-a0a0-422a-a5d3-db89dbbe5e84","body_text":"J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2007; 10 (1) 0\nOffizielles Organ der Österreichischen\nIVF-Gesellschaft\nOffizielles Organ der Österreichischen\nMenopause-Gesellschaft\nIndexed in EMBASE/Scopus/Excerpta Medica\nwww.kup.at/gynaekologie\nHomepage:\nwww.kup.at/gynaekologie\nOnline-Datenbank mit\n Autoren- und Stichwortsuche\nMember of the\nDiagnostik der Endometriose: Neue Tests aus peripherem Blut\nHornung D\nJournal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)\n(Ausgabe für Österreich), 14-17\nJournal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)\n(Ausgabe für Schweiz), 14-17\n\n\n\n\n14 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)\n Einleitung\nDie Prävalenz der Endometriose beträgt 10 %. Dennoch scheint\nsie eine eher unbekannte Erkrankung zu sein. Die Zeitspanne\nzwischen den ersten Symptomen und der definitiven Diagnose-\nstellung beträgt ca. 6–9 Jahre [1]. In dieser Zeit haben ungefähr\n50 % der erkrankten Frauen fünf oder mehr Ärzte aufgesucht.\nFalls die Diagnose jedoch frühzeitig in einem niedrigen Endome-\ntriosestadium gestellt werden würde, wäre der operative Ein\ngriff\nkleiner und die Rezidivrate geringer. Die klinische Diagnostik\nder Endometriose liegt in den Händen von erfahrenen Ärzten,\ndie durch eine vollständige Anamneseerhebung, das Wissen um\ndas klinische Erscheinungsbild und eine gründliche gynäkolo-\ngische Untersuchung mit Ultraschalluntersuchung die Diffe-\nrenzialdiagnosen weitestgehend eingrenzen können. Wie gut\nist jedoch die tatsächliche klinische Diagnosestellung? Eine\nkürzlich durchgeführte, retrospektive Analyse ergab, dass die\nSensitivität der klinischen Diagnose „Endometriose“ bei nie-\ndergelassenen Ärzten nur 54,5 % beträgt. Bei Klinikärzten lag\ndieser Anteil mit 59 % auch nur geringfügig höher [2]. Es wäre\ndeshalb außerordentlich wünschenswert, wenn neue diagnosti-\nsche Tests für Endometriose aus peripherem Blut zur Verfü-\ngung stehen würden, die den langwierigen Leidensweg der be-\ntroffenen Frauen reduzieren könnten.\n Diagnostik\nDie Diagnose der Endometriose wird bislang präoperativ durch\ndie typischen Symptome und den Ausschluss von anderen Er-\nkrankungen gestellt. Bei einer Endometriose in der V orgeschich-\nte wird ein Rezidiv wesentlich eher in Betracht gezogen als bei\nder Primärdiagnose. Die Endometriose ist eine chronische Er-\nkrankung, die bislang nicht heilbar ist. Das klinische Erschei-\nnungsbild kann stark variieren, es existieren nicht für alle be-\ntroffenen Patientinnen pathognomonische Symptome. Durch\neine gründliche Anamneseerhebung und eine vollständige\ngynäkologische Untersuchung lässt sich die Verdachtsdiagnose\naber häufig bereits stellen. Schwierige Differenzialdiagnosen\nstellen die PID („pelvic inflammatory disease“) und die inter-\nstitielle Zystitis dar. Letztere ist als Erkrankungsbild relativ\nunbekannt und wird daher häufig nicht in Betracht gezogen.\nWeitere Erkrankungen, die ebenfalls ausgeschlossen werden\nmüssen, sind Reizdarmsyndrom, Adenomyose, Ovarialkarzi-\nnome, Adhäsionen, Kolonkarzinom und Divertikulitis.\nDie Endometriose wird in vier Stadien eingeteilt, die sog.\nRevised American Fertility Society- (rAFS) Stadien. Das Sta-\ndium I (rAFS I) ist gekennzeichnet durch ein minimales Er-\nkrankungsbild mit isolierten Herden ohne signifikante Adhä-\nsionen. Das Stadium II (rAFS II) wird als milde Endometriose\nmit oberflächlichen Herden bezeichnet. Die Herde sind kom-\nbiniert weniger als 5 cm groß und am Peritoneum und den\nOvarien verstreut. Es liegen keine signifikanten Adhäsionen vor.\nDie moderate Endometriose ist das III. Stadium (rAFS III) mit\nmehreren oberflächlichen und tief infiltrierenden Herden. Die\nAdhäsionen können ausgeprägt sein. Im letzten Stadium\n(rAFS IV) liegt eine schwere Endometriose mit mehreren ober-\nflächlichen und tief infiltrierenden Herden sowie großen ova-\nriellen Endometriomen und ausgeprägten Adhäsionen vor [3].\n Anamnese\nEine ausführliche Anamneseerhebung liefert erste richtung-\ngebende Hinweise, um die Beschwerden sicher einzuordnen.\nDiagnostik der Endometriose:\nNeue T ests aus peripherem Blut\nS. Dogan1, 2, S. Djalali1, A. Agic1, K. Diedrich1, D. Hornung1\nAus der 1 Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik Schleswig-\nHolstein, Campus Lübeck, Lübeck, Deutschland und dem 2 Department of Obstetrics\nand Gynecology, the University of Chicago Hospitals, Chicago, Illinois, USA\nKorrespondenzadresse:  Prof. Dr. med. Daniela Hornung, Universitätsfrauenklinik,\nD-23538 Lübeck, Ratzeburger Allee 160, E-Mail: D.Hornung@gmx.de\nKurzfassung: Endometriose wird auch heute noch zu\nselten rechtzeitig erkannt. Es vergehen durchschnitt-\nlich acht Jahre, bis die korrekte Diagnose gestellt\nwird. Eine rechtzeitige Diagnosestellung würde je-\ndoch der Patientin einen langen Leidensweg erspa-\nren, die Größe des operativen Eingriffs reduzieren\nund die Rezidivrate verringern. Die klinische Diagno-\nse liegt in der Verantwortung erfahrener Gynäkolo-\ngen. Durch eine sorgfältige Anamneseerhebung und\neine vollständige gynäkologische bimanuelle rekto-\nvaginale Untersuchung einschließlich Ultraschall-\nuntersuchung kann die Diagnose bei vielen Patien-\ntinnen vermutet werden. Aufgrund eines komplexen\nErscheinungsbildes und mangelnder pathognomoni-\nscher Symptome bei manchen Frauen kann die richtige\nDiagnosestellung dennoch ein schwieriges Unterfan-\ngen sein. Daher richten sich neue Forschungsansätze\nauf die Entwicklung von Bluttests für Endometriose,\ndie die Dauer bis zur korrekten Diagnose für viele\nbetroffene Frauen verkürzen könnten. Die Laparo-\nskopie wird derzeit als Goldstandard in der Diagnose\nder Endometriose betrachtet. Dieser minimal-invasive\nEingriff beherbergt jedoch ein zwar geringes, aber\ndennoch vorhandenes Morbiditäts- und Mortalitäts-\nrisiko. Unsere Übersichtsarbeit fasst die wichtigsten\ndiagnostischen Bluttests für Endometriose zusam-\nmen, die bisher jedoch noch nicht für den Routine-\neinsatz in der Praxis zur Verfügung stehen.\nAbstract: Diagnosis of Endometriosis: New Tests\nfrom Peripheral Blood. Present day diagnosis of\nendometriosis is recognized too late with the average\ndiagnosis taking approximately eight years. Timely\ndiagnosis could prevent years of patient discomfort,\nreduce the dimension of surgery and the rate of\nrecurrence. It is the responsibility of experienced\ngynaecologists to provide accurate and timely clinical\ndiagnosis. Through careful review of the patient’s\nmedical history, a complete gynaecological recto-va-\nginal examination and by using sonography, probable\ndiagnosis can be achieved in many cases, however,\nin some women, complex appearance and missing\nsymptoms make correct diagnosis difficult to achieve.\nAs a result, new research experiments focus on\ndeveloping blood tests for endometriosis. These tests\ncould possibly reduce the time frame necessary for\ncorrect diagnosis in many women. Laparoscopy is\nconsidered to be the “gold standard” for diagnosis,\nhowever, this minimal-invasive procedure carries\nthe albeit low but still existent risk of morbidity and\nmortality. Our review presents the most important\ndiagnostic blood tests for endometriosis although\nthese tests are not yet approved for clinical practice.\nJ Gynäkol Endokrinol 2008; 18 (2): 14–17 .\nFor personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH. \n\nJ GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 15\nDiagnostik der Endometriose: Neue T ests aus peripherem Blut\nDie Endometriose ist eine hormonabhängige Erkrankung, die\nnie bei präpubertären Mädchen und selten bei postmenopau-\nsalen Frauen vorkommt. Sie wird am häufigsten bei Frauen\nzwischen dem 25. und 35. Lebensjahr diagnostiziert. Die\nDiagnose kann bereits wenige Monate nach der Menarche\ngestellt werden [4]. Je jünger die Patientinnen mit den ersten\nAnzeichen sind, desto mehr Zeit vergeht, bis die Endometrio-\nse diagnostiziert wird [5].\nEndometriose scheint bei hochgewachsenen, schlanken Frauen\nmit einem niedrigen Body-Mass-Index häufiger vorzukommen\n[6]. Im Vergleich zur allgemeinen weiblichen Bevölkerung\nzeigen Frauen mit Endometriose eine höhere Rate an Autoim-\nmunerkrankungen, Hypothyroidismus, Fibromyalgie, chroni-\nschem Fatigue-Syndrom, Allergien und Asthma auf [7]. Au-\nßerdem sollen häufiger rothaarige Frauen und Frauen, die eine\nSkoliose und dysplastische Nävi aufweisen, betroffen sein\n[8]. Nach einer Alterskorrelation konnte kein Unterschied\nzwischen einzelnen ethnischen Gruppen gesehen werden.\nIn der Familienanamnese muss man auf Hinweise achten, die\nauf eine Vererbung schließen könnten. Bei erstgradigen Ver-\nwandten besteht eine 7%ige Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an\neiner Endometriose zu erkranken [9].\n Klinik\nZu den Symptomen der Endometriose zählen zu 50 % Sterili-\ntät, zu 30 % Dysmenorrhoe, Dyspareunie sowie chronische\nUnterleibsschmerzen. 3 % aller betroffenen Frauen haben kei-\nnerlei Beschwerden. In fortgeschrittenen Stadien mit Darm-\noder Blasenbefall können Schmerzen und Blutungen bei der\nMiktion und/oder Defäkation auftreten. Ein weiteres Symptom\nist das sog. Erschöpfungssyndrom (Fatigue).\nIn der Klinik dominieren die Schmerzen, sie können zyklisch\noder azyklisch sein. Die Symptome sind häufig prämenstruell\nam stärksten. Der Schweregrad der Symptome korreliert nicht\nmit dem Ausmaß der Herde [10]. Bei einer schweren Dyspare-\nunie und schmerzhafter Defäkation während der Menstruation\nsollte an eine tief infiltrierende Endometriose im Bereich des\nSeptum rectovaginale gedacht werden.\nDie Sterilität wird einerseits durch Adhäsionen und Verlage-\nrung der normalen Anatomie und durch erhöhte Zytokinkon-\nzentrationen in der Peritonealflüssigkeit, andererseits durch\neine schlechte Ovarialreserve mit niedriger Oozytenanzahl\nund Embryoqualität verursacht.\nIn Bezug auf die Differenzialdiagnose der interstitiellen Zystitis\nist wichtig zu wissen, dass die Mehrzahl der Frauen mit diesem\nErkrankungsbild über generalisierte Unterleibsschmerzen\nklagt. Gelegentlich wird auch über lokalisierte Schmerzen im\nBereich der Urethra, des Rückens und der Vagina berichtet\n[11]. Frauen mit interstitieller Zystitis werden häufiger unter\nden Verdachtsdiagnosen Endometriose oder Myome operiert\n[12]. Aufgrund des breiten Beschwerdebildes sind weitere\nFehldiagnosen Harnwegsinfekt und Vulvodynie.\n Gynäkologische Untersuchung\nDie gynäkologische Untersuchung während der Menstruations-\nblutung ist häufig am aussagekräftigsten. In diesem Zeitraum\nsind die Läsionen am eindeutigsten zu ertasten, insbesondere\nlokalisierte Schmerzen während der Tastuntersuchung sind\nrichtungweisend. Ein häufiges Symptom ist die schmerzhafte\nPalpation des hinteren Scheidengewölbes. Weitere Merkmale\nsind lokale Schmerzen und tastbare Knoten im Bereich des\nDouglas (Excavatio recto-uterina), der uterosakralen Bänder\noder des Septum rectovaginale. Ferner kommen schmerzhafte\nUterusmobilisation, schmerzhafte, vergrößerte Adnexe und\nFixierung der Adnexe oder des Uterus in einer retrovertierten\nStellung vor [13, 14].\nEine klinische Tastuntersuchung mit pathologischen Ergeb-\nnissen korreliert zu 70–90 % mit einer laparoskopisch bestä-\ntigten Endometriose [15]. Häufig zeigten sich bei Frauen mit\neiner laparoskopisch bestätigten Endometriose präoperativ\njedoch normale gynäkologische Verhältnisse [16].\nDie Transvaginalsonographie ist vor allem für die Diagnose\nvon ovariellen Endometriomen geeignet. Sie ist nicht dazu\ngeeignet, Peritonealläsionen, kleine ovarielle Endometriose-\nherde oder Adhäsionen zu diagnostizieren [17]. In einem sys-\ntematischen Review wurde gezeigt, dass diese Methode für\ndie Diagnose einer ovariellen Endometriose mit einem Durch-\nmesser von 20 mm oder mehr eingesetzt werden kann [18].\nDie Sonographie kann in speziellen Fällen auch zur Identifi-\nzierung einer Bauchdeckenendometriose eingesetzt werden.\nHierbei erscheint das sonographische Bild hypoechogen, vas-\nkularisiert und solide; zystische Veränderungen können je-\ndoch auch vorliegen [19]. Der Randsaum erscheint irregulär,\noft gespickt und das umliegende Gewebe infiltrierend [20].\nEine Magnetresonanztomographie (MRT) kann bei der Ade-\nnomyosis uteri eingesetzt werden. Sie ist zur Identifizierung\nhämorrhagischer und weicher Gewebeplatten besser geeignet\nals die Computertomographie [21]. Die MRT wird jedoch aus\nKostengründen selten für die Diagnose einer Endometriose\nverwendet.\n Labortests\nIn der Diagnose einer Endometriose ist die Bestimmung des\nTumormarkers CA-125 möglich. Dieser Tumormarker ist typi-\nscherweise beim Ovarialkarzinom stark erhöht. Es zeigten\nsich aber auch bei Patientinnen mit Endometriose signifikant\nhöhere CA-125-Werte im Serum (23,4 IU/ml, n = 45) im Ver-\ngleich zur Kontrollgruppe (11,4 IU/ml, n = 35). Der diagnos-\ntische Aussagewert ist jedoch limitiert. Die Sensitivität be-\nträgt nur 27 %, wohingegen die Spezifität 97 % beträgt. Eine\ngemeinsame Untersuchung von weiteren Parametern wie dem\nTumormarker CA-19-9 und dem Zytokin Interleukin-6 (IL-6)\nerbrachte keine weitere signifikante Information (Sensitivität\n42 %, Spezifität 71 %) [22]. Falls der CA-125-Wert bestimmt\nwerden soll, dann sollte er während der Menstruation entnom-\nmen werden, da die Konzentration dann bei erkrankten Frau-\nen höher liegt [23]. Es besteht ein Zusammenhang zwischen\ndem CA-125-Spiegel und dem rAFS-Stadium der Endometri-\n\n16 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)\nose, jedoch konnte kein Zusammenhang zwischen dem Se-\nrumspiegel des Tumormarkers und den Unterleibsschmerzen\nnachgewiesen werden [24]. Die durchschnittliche Konzentra-\ntion von CA-125 im Serum von Frauen mit Endometriose im\nrAFS-Stadium I, II, III, IV beträgt 19, 40, 77 und 182 IU/ml\n[25]. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es derzeit nicht\nempfehlenswert ist, den CA-125 als alleinigen Laborwert für\ndie Diagnostik der Endometriose heranzuziehen.\nEs wird angenommen, dass die Endometriose bedingt durch\neine retrograde Menstruation (Transplantationstheorie) zu-\nsammen mit immunologischen Ursachen entsteht. Es wurden\nverschiedene immunologische Veränderungen in der Perito-\nnealflüssigkeit und im Gewebe von Frauen mit Endometriose\nnachgewiesen, die darauf zurückzuschließen sind, dass eine\nUnfähigkeit des Immunsystems besteht, menstruelles Gewe-\nbe als solches zu erkennen und abzubauen. Aus dieser Überle-\ngung heraus wurden weitere immunologische Parameter un-\ntersucht, die man möglicherweise als diagnostischen Test\nverwenden könnte. So diskutiert man derzeit, ob Interleukin-\n6, Cognate-Chemokinrezeptor 1, Urokortin, Interleukin-2-\nRezeptor, Lysyl-Oxidase 1, B-Lymphozytenstimulator oder\nder antiendometriale Antikörper für die Diagnose der Endo-\nmetriose herangezogen werden könnten.\nInterleukin-6 ist ein Zytokin, das das Wachstum von endome-\ntrialen Zellen unterdrückt. Dessen supprimierende Wirkung\nist jedoch im Endometriosegewebe aufgehoben [26]. Zwei\nStudien zeigten, dass Interleukin-6 in der Diagnose einer En-\ndometriose eingesetzt werden könnte [27, 28].\nEin weiterer Serummarker könnte die Bestimmung von\nCCR1 („cognate chemokine receptor 1“) werden. CCR1 ist\nein G-Protein-gekoppelter Chemokinrezeptor mit hoher Affi-\nnität zu RANTES („regulated upon activation, normal T cell\nexpressed and secreted“), einem Chemokin, welches bei Pati-\nentinnen mit Endometriose vermehrt in der Peritonealflüssig-\nkeit vorkommt. CCR1 wird auf der Oberfläche von neutrophi-\nlen und mononukleären Leukozyten exprimiert. Es liegt eine\nerhöhte Expression von CCR1 in peritonealen Makrophagen\nvon Frauen mit Endometriose vor [29]. Eine Studie bezüglich\ndes Einsatzes der CCR1-mRNA-Messung im Blut als diag-\nnostischer Test für Endometriose ergab eine Sensitivität von\n90 % und eine Spezifität von 74 % [30]. Jedoch ist CCR1\nmRNA ebenfalls signifikant erhöht in der Schwangerschaft,\nbei gynäkologischen Malignomen und bei akuten Entzündun-\ngen. Daher bestand die Überlegung, CCR1 gemeinsam mit\ndem Tumormarker CA-125 und dem Zytokin MCP-1 zu be-\nstimmen, um eine bessere Diagnostik zu erzielen. Tatsächlich\nergaben die vorläufigen Ergebnisse eine Spezifität von fast\n95 % und eine Sensitivität von 80 % [31].\nUrokortin ist ein Neuropeptid, ein Mitglied der Kortikotropin-\nreleasing-Hormonfamilie, das vom menschlichen Endometri-\num produziert wird. Die Plasma-Urokortinspiegel sind doppelt\nso hoch bei Frauen mit ovarieller Endometriose im Vergleich\nzu der Kontrollgruppe. Erhöhte Urokortinspiegel identifizier-\nten 88 % der Frauen mit Endometriomen mit einer 90%igen\nSpezifität, wohingegen die Bestimmung von CA-125 im sel-\nben Patientenkollektiv nur 65 % der Fälle mit derselben Spe-\nzifität identifizierte. Die Bestimmung des Urokortinspiegels\nbei Frauen mit Endometriose könnte zur Differenzialdiagnose\nvon Endometriomen und anderen benignen, ovariellen Zysten\neingesetzt werden [32].\nEine genetische Analyse aus Blutleukozyten erbrachte, dass\ndie Gene für die Interleukin-2-Rezeptor-Gamma-Kette (IL2RG)\nund die Lysyl-Oxidase like 1 (LOXL1) bei Patientinnen mit\nEndometriose signifikant verändert sind. Es zeigten sich eine\n6,49-fache Erhöhung der Expression von IL2RG und eine\n0,06-fache Erniedrigung der LOXL-1-Expression [33].\nDer B-Lymphozytenstimulator (BLys) gehört zur Familie der\nTumor-Nekrose-Faktor-Liganden, er wird auf Monozyten ex-\nprimiert und verwandelt B-Zellen in reife Plasma-B-Zellen.\nEr ist essenziell zur Körperabwehr von Infektionen und Kar-\nzinomen. Er spielt aber auch eine wichtige Rolle bei Autoim-\nmunerkrankungen. Bei Frauen mit Endometriose wurden er-\nhöhte BLys-Proteinwerte aus Blutmakrophagen gefunden [34].\nAufgrund vieler gemeinsamer Eigenschaften mit Autoimmun-\nerkrankungen wird die Endometriose mehr und mehr in die-\nsen Formenkreis eingegliedert. So besteht auch ein Zusam-\nmenhang zwischen dem zirkulierenden, antiendometrialen\nAntikörper (AEA) und der Endometriose. AEA wurde sowohl\nim Serum als auch in der Peritonealflüssigkeit von Frauen mit\nEndometriose nachgewiesen. In einer Multicenterstudie wur-\nde die laparoskopisch diagnostizierte Endometriose mit den\nErgebnissen eines AEA-Assays verglichen. Diese Untersuchung\nwies eine Sensitivität und Spezifität von jeweils 87 % auf. Der\nAEA-Assay ist jedoch eine aufwändige Prozedur, die nicht\neinfach in der Routine durchzuführen ist [35].\nAllen diesen Markern ist gemeinsam, dass weitere Untersu-\nchungen durchgeführt werden müssen, um die klinische Ein-\nsatzfähigkeit zu überprüfen.\n Schlussfolgerung\nEndometriose ist eine häufig verkannte, chronische, bislang un-\nheilbare Erkrankung. Tragischerweise vergehen durchschnitt-\nlich acht Jahre, bis eine Patientin die richtige Diagnose erhält.\nDie Ursache liegt darin, dass sie eine relativ unbekannte Er-\nkrankung ist und dass es keine pathognomonischen Symptome\ngibt. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Forschung mehr\nund mehr damit, neue Bluttests für die Diagnose der Endome-\ntriose zu entwickeln. Ein einfach durchzuführender Test wür-\nde den klinischen Alltag erleichtern und den Zeitdruck, unter\ndem viele Ärzte heutzutage stehen, reduzieren. Unsere Über-\nsichtsarbeit fasst die wichtigsten diagnostischen Bluttests für\nEndometriose zusammen, die bisher jedoch noch nicht für\nden Routineeinsatz in der Praxis zur Verfügung stehen.\nLiteratur:\n1. Husby GK, Haugen RS, Moen MH. Diag-\nnostic delay in women with pain and en-\ndometriosis. Acta Obstet Gynecol Scand\n2003; 82: 649–53.\n2. Djalali S, Janson D, Agic A, Dogan S,\nDiedrich K, Hornung D. Qualität der\nklinischen Diagnose der Endometriose.\nGeburtsh Frauenheilk 2007; 67: DOI:\n10.1055/s-2007-989150.\n3. Schenken RS. Pathogenesis, clinical\nfeatures, and diagnosis of endometriosis.\nUpToDate 2007; version 15.3.\n4. Yamamoto K, Mitsuhashi Y , Takaike T,\nTakase K, Hoshiai H, Noda K. Tubal endo-\nDiagnostik der Endometriose: Neue T ests aus peripherem Blut\n\nJ GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 17\nDiagnostik der Endometriose: Neue T ests aus peripherem Blut\nmetriosis diagnosed within one month after\nmenarche: a case report. Tohoku J Exp Med\n1997; 181: 385–7.\n5. 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Daniela Hornung\nStudium: 1985–1992 Humanmedizin an der\nAlbert-Ludwigs-Universität, Freiburg i. Br.\nKlinische Tätigkeiten: 1992–2003 Wissen-\nschaftliche Angestellte an der Eberhard-\nKarls-Universität Tübingen. 1998 Fachärztin\nfür Gynäkologie und Geburtshilfe. Seit 06/2003\nOberärztin an der Universität Schleswig-\nHolstein, Campus Lübeck. Seit 09/2006 Lei-\ntende Oberärztin an der Universität Schleswig-\nHolstein, Campus Lübeck. Seit 2007 Außer-\nplanmäßige Professorin der Universität Lübeck.\nForschungsaufenthalte: 1995–1996 und 1999–2001 DFG-Stipendien an\nder University of California, San Francisco, USA (Mentor: Prof. Dr. Robert\nN. Taylor).\nLiteratur: 60 Originalarbeiten, 12 Buchkapitel, 86 Abstracts.\n\nMitteilungen aus der Redaktion\nHaftungsausschluss\nDie in unseren Webseiten publizierten Informationen richten sich ausschließlich an geprüfte \nund autorisierte medizinische Berufsgruppen und entbinden nicht von der ärztlichen Sorg-\nfaltspflicht sowie von einer ausführlichen Patientenaufklärung über therapeutische Optionen \nund deren Wirkungen bzw. Nebenwirkungen. Die entsprechenden Angaben werden von den \nAutoren mit der größten Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Die angegebenen Do-\nsierungen sind im Einzelfall anhand der Fachinformationen zu überprüfen. 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