{"paper_id":"578a6358-f92c-4b7d-8e3d-d598461f54a0","body_text":"Subscribe to RSS\nDOI: 10.1055/s-0035-1558355\nErfahrungen von Frauen mit Endometriose im Rahmen ihrer gesundheitlichen Versorgung\nHintergrund:\nObwohl seit einigen Jahren eine interdisziplinäre S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose vorliegt, scheint es sehr unterschiedliche Versorgungsmuster zu geben. Der Umgang mit der Erkrankung stellt hohe Anforderungen an die an Endometriose erkrankten Frauen. Es verlangt große Anstrengungen und viele Entscheidungen, trotz der Beschwerden eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten. Bislang liegen wenige Erkenntnisse darüber vor, welche Erfahrungen Frauen mit Endometriose im Rahmen ihrer gesundheitlichen Versorgung im deutschen Gesundheitswesen machen und wie sich die Erkrankung auf ihr Leben auswirkt.\nFragestellung:\nDaher wird an der Medizinischen Hochschule Hannover die durch das BMBF geförderte EndoHealthCare-Studie durchgeführt, deren Ziel es ist, mögliche Defizite und Probleme in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen mit Endometriose aufzudecken. Im Rahmen von Interviews wurden Frauen mit diagnostizierter Endometriose danach befragt, welche Erfahrungen sie gemacht haben, welche Lösungsansätze Sie für sich gefunden haben, wie Sie mit den Bedingungen in der gegenwärtigen Versorgungssituation umgehen und welche Verbesserungsvorschläge sie haben.\nMethoden:\nDie rund 40 Interviews wurden digital aufgenommen und vollständig transkribiert. Mittels der Qualitativen Inhaltsanalyse wurde das Inanspruchnahmeverhalten von Gesundheitsleistungen auf Fallebene zusammengefasst und verschiedene Muster der Nutzung von Gesundheitsleistungen identifiziert und die Erfahrungen im privaten Umfeld dokumentiert.\nErgebnisse:\nDas Interesse zur Studienteilnahme war unerwartet hoch (270 Anfragen). Die durchgeführten Interviews zeigten eine große Bandbreite an Erfahrungen mit substanziellen interindividuellen Unterschieden in der medizinischen Versorgung in Bezug auf die Diagnoseverzögerung, die Anbieter der Gesundheitsleistungen und den Umfang und die Art der diagnostischen und therapeutischen Leistungen, aber auch in der Wahrnehmung des privaten und beruflichen Umfeldes. Die Diagnoseverzögerung ist insbesondere bei jungen Frauen sehr lang, verkürzt sich aber bei bestehendem Kinderwunsch. Das mit Abstand häufigste Problem zeigt sich in der Trivialisierung und Psychologisierung der Beschwerden und Symptome seitens der Ärzte und auch der Einfluss des privaten Umfeldes und der Gesellschaft auf das Inanspruchnahmeverhalten der Frauen ist überaus bedeutsam. Die Arzt-Patienten-Beziehung ist gekennzeichnet durch wechselseitigen Vertrauensverlust und ungünstige Kommunikation. Darüber hinaus werden die Meinungen und die vorliegenden Ergebnisse der Kollegen seitens der behandelnden Ärzte nicht immer adäquat wahrgenommen.\nSchlussfolgerung:\nDas Informationsdefizit ist sowohl bei den Frauen wie auch den Ärzten weiterhin erschreckend hoch. Einfache Lösungsansätze erscheinen jedoch unrealistisch, da die Vorurteile und die Tabuisierung des Themas Unterbauchschmerz offensichtlich auch noch in heutiger Zeit tief in der Gesellschaft verwurzelt sind.","source_license":"CC0","license_restricted":false}