{"paper_id":"442b69cd-7730-4db2-96e3-5f9923f4398e","body_text":"DOI: 10.1055/s-0045-1813822\nEndometriose während der Schwangerschaft – ein Leitlinienvergleich über die Integration geburtsmedizinischer Themen in aktuellen Endometriose-Leitlinien nationaler und internationaler Fachgesellschaften\nAuthors\nEinleitung Endometriose (EM) ist mit einer Prävalenz von 10%-15% eine häufige gynäkologische Erkrankung. Die Relevanz von EM als Risikofaktor während der Schwangerschaft und der Geburt wurde in neueren Studien zunehmend beschrieben. Diese Erkenntnis bleibt in der klinischen Praxis noch weitgehend unberücksichtigt. Ziel der Literaturarbeit ist die Untersuchung aktuell geltender, nationaler und internationaler EM-Leitlinien hinsichtlich geburtsmedizinischer Empfehlungen, um einen Überblick über die Integration der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Diagnostik und Therapie zu gewinnen.\nMethodik Mittels einer systematischen Literatursuche wurden zehn nationale und zwei internationale EM-Leitlinien anerkannter Fachgesellschaften (ACOG (2010); ASRM (2012); CNGOF/HAS (2018); DGGG, OEGGG, SGGG (2020); ESHRE (2022); JSOG (2022); KSE (2024); NICE (2024); PTGiP (2024); SOGC (2024, 2023) und WES (2013)) analysiert. Sie wurden anschließend auf das Vorhandensein von Abschnitten zu Schwangerschaft und Geburt, konkreten Empfehlungen sowie auf deren Differenzierung bezüglich verschiedener EM-Entitäten untersucht.\nErgebnisse Eine Erwähnung geburtsmedizinischer Themen konnte in sieben der zwölf EM-Leitlinien (ASRM; DGGG, OEGGG, SGGG; ESHRE; JSOG; KSE; SOGC-AM und WES) identifiziert werden, wobei der Umfang der Informationen variierte. In fünf Leitlinien fanden sich geburtsmedizinische Empfehlungen (ESHRE; DGGG; KSE; SOGC-AM; WES). Vier der Leitlinien beschrieben hier EM als geburtsmedizinischen Risikofaktor (ESHRE; KSE; SOGC-AM; WES).\nIn zwei der untersuchten Leitlinien wurde die Schwangerschaftsvorsorge bei EM-Patientinnen thematisiert, es wurden jedoch keine konkreten Handlungsempfehlungen einer intensivierten oder angepassten Schwangerschaftsvorsorge abgegeben (ESHRE; KSE). Die gemeinsame Leitlinie der DGGG, OEGGG und SGGG beschrieb als einzige konkrete Empfehlungen bezüglich des angestrebten Geburtsmodus bei Patientinnen mit EM, bzw. tief infiltrierender EM. Hinsichtlich der verschiedenen EM-Entitäten wurde in keiner anderen der untersuchten Leitlinien eine konsequente Differenzierung vorgenommen.\nDiskussion Die Analyse aktueller EM-Leitlinien zeigt eine bislang geringe Berücksichtigung geburtsmedizinischer Aspekte, obwohl die Evidenz für EM-assoziierte Risiken für Schwangerschaft und Geburt zunimmt. Dies erschwert eine evidenzbasierte Betreuung betroffener Schwangerer und Patientinnen mit Kinderwunsch. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an aktualisierten Leitlinien, die geburtsmedizinische Risiken bei EM adäquat berücksichtigen.\nPublication History\nArticle published online:\n10 December 2025\n© 2025. Thieme. All rights reserved.\nGeorg Thieme Verlag KG\nOswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany","source_license":"CC0","license_restricted":false}