{"paper_id":"2f4d0410-e688-451f-8552-05e737873508","body_text":"JOURNAL FÜR\nFERTILITÄT UND REPRODUKTION\nJOURNAL FÜR\nFERTILITÄT UND REPRODUKTION\nKrause & Pachernegg GmbH · VERLAG für MEDIZIN und WIRTSCHAFT · A-3003 Gablitz\nZEITSCHRIFT FÜR IN-VITRO-FERTILISIERUNG, ASSISTIERTE REPRODUKTION UND KONTRAZEPTION\nIndexed in EMBASE/\nExcerpta Medica\nHomepage:\nwww.kup.at/fertilitaet\nOnline-Datenbank mit\n Autoren- und Stichwortsuche\nBITZER J, ALDER J, GREINER-MAI E, SKOTT F\nEndometriose - wie fühlt sich meine Patientin?\nJournal für Fertilität und Reproduktion 1999; 9 (5) (Ausgabe für\nÖsterreich), 27-32\n\n\n\n\n27J. FERTIL. REPROD. 5/1999\nSummary\nEndometriosis is the second most\ncommon disease in gynecology.\nThe lack of clear course\nparameters and strongly diver-\ngent individual symptoms make\nits diagnosis difficult. As a result,\nit often remains undetected for a\nlong time. Since a causal therapy\nis not possible to date, the only\noption is to treat the symptoms.\nRelapse and chronic progression\nare very common. For many\npatients, the disease causes\nmajor physical and psychic\nproblems. Therefore, the relation-\nship between doctor and patient\nis under considerable strain. Due\nto this problems, we decided to\ncarry out an investigation that\ndealt specifically with the\nproblems facing the doctor and\nthe patient in the treatment of\nendometriosis. A study instrum-\nent consisting of 2 question-\nnaires for doctors and patients\nwas designed. 162 gynecologists\nand 34 patients receiving\ntreatment with a GnRH agonist\n(Decapeptyl) were included in\nthis study.\nThe results of the questionnaires\nfor doctors and patients show\nthat the communication needs\nwhen dealing with patients\nsuffering from endometriosis\nhave increased. The overall\npicture of the quality of life\nduring this treatment is positive\nand is confirmed by high\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHLT\nSICH MEINE\nPATIENTIN?\nJ. Bitzer, E. Greiner-Mai, F. Skott, J. Adler\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHLT SICH MEINE PATIENTIN?\nZUSAMMENFASSUNG\nDie Endometriose ist die zweit-\nhäufigste benigne Erkrankung in\nder Gynäkologie. Das Fehlen ein-\ndeutiger Verlaufsparameter und\nindividuell stark divergierende\nSymptome machen die Diagnose\nschwierig. So wird sie meist lange\nZeit nicht erkannt. Da bisher kei-\nne ursächliche Therapie möglich\nist, bleibt nur die Behandlung der\nSymptome. Rezidive und Chroni-\nzität sind häufig. Vielen Patientin-\nnen bereitet die Erkrankung so-\nwohl grosse physische als auch\npsychische Probleme. Die Bezie-\nhung zwischen Arzt und Patientin\nist aus diesen Gründen vielen\nBelastungen ausgesetzt. Diese\nProblematik war für uns Anlass,\neine Untersuchung durchzuführen,\ndie sich speziell mit den Schwie-\nrigkeiten für Arzt und Patientin\nbeim Umgang mit der Endometri-\nose beschäftigt. Es wurde ein\nUntersuchungsinstrument aus 2\nFragebögen für Ärzte und für Pati-\nentinnen entwickelt. An der Un-\ntersuchung beteiligten sich 162\nGynäkologen und 34 Patientinnen\nunter Behandlung mit einem\nGnRH-Agonisten (Decapeptyl).\nDie Ergebnisse der Ärzte- und der\nPatientinnenbefragung zeigen,\ndass die kommunikativen Anfor-\nderungen im Umgang mit Endo-\nmetriosepatientinnen gewachsen\nsind. Insgesamt ergibt sich ein\npositives Gesamtbild der Lebens-\nqualität unter der Behandlung,\nwas durch den hohen Prozentsatz\nder mit der Behandlung zufriede-\nnen Patientinnen bestätigt wird.\nVon besonderer Bedeutung ist das\nResultat, dass dem Medikament\nund der ärztlichen Betreuung zu\netwa gleichen Teilen eine heilen-\nde, bessernde Kraft zugeschrieben\nwird. Die Patientinnen wünschen\nsich eine enge, persönliche Be-\nziehung zu ihrem Arzt, die ihnen\nbei der Bewältigung der Erkran-\nkung hilft. Dies führt den hohen\nStellenwert der Persönlichkeit des\nArztes und der Wichtigkeit einer\nguten Arzt-Patientin-Beziehung\ndeutlich vor Augen. Die Unter-\nstützung durch Dritte (Psycholo-\ngen, Selbsthilfegruppen, Patienten-\nseminare, Beratungsstellen) wird\neher zurückhaltend beurteilt.\nEINLEITUNG\nDie Endometriose ist die zweit-\nhäufigste benigne Erkrankung in\nder Gynäkologie. Schätzungsweise\n7–15 % aller Frauen im reproduk-\ntionsfähigen Alter sind davon\nbetroffen  [1]. Die Erkrankung ist\nzwar nie lebensbedrohend, be-\neinträchtigt aber die betroffenen\nFrauen massiv aufgrund ihrer\nSymptome mit starken, sehr unter-\npercentage of patients who are\nsatisfied with the treatment. The\nfact that the drug and the\ndoctor’s care are both though to\nhave an equal healing, beneficial\neffect is particularly important.\nThe patients wish for a close\npersonal relationship with their\ndoctor, who supports them in\novercoming the disease. This\nclearly shows the high value of\nthe doctor’s personality, and how\nimportant a good relationship\nbetween doctor and patient is.\nSupport from third parties\n(psychologists, self-help groups,\npatient seminars, counselors) is\nassessed as less important.\n\nJ. FERTIL. REPROD. 5/199928\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHL T\n SICH MEINE\n PATIENTIN?\nschiedlichen Schmerzen und Un-\nfruchtbarkeit.\nDer Endometriose können häufig\nkeine eindeutigen Verlaufspara-\nmeter zugeordnet werden. Da sie\nausserdem individuell stark diver-\ngierende Symptome aufweist und\nin oft unberechenbaren Phasen\nverlaufen kann, ist sie nur schwer\nzu diagnostizieren. So wird sie\nmeist lange Zeit nicht erkannt\nund kann letztlich nur durch ein\ninvasives Verfahren gesichert wer-\nden. Der objektive Befund und\ndas subjektive Leiden klaffen zum\nTeil weit auseinander [2].\nÄtiologie und Pathogenese der\nEndometriose sind bislang nicht\ngeklärt. Eine ursächliche Therapie\nist deshalb nicht möglich, und\ndem Arzt bleibt nur die Behand-\nlung der primären und sekundären\nBegleitsymptome. Rezidivierung\nund chronische Verläufe sind lei-\nder nicht auszuschliessen [2, 3].\nDie Krankheit bereitet vielen\nPatientinnen enorme Probleme:\nNeben den zum Teil massiven\nSchmerzen sind sie verunsichert.\nSie wissen über die Erkrankung\nnicht Bescheid und erhalten oft\nwidersprüchliche Informationen.\nVerärgerung und Trauer sind die\nFolgen. Aufgrund der Chronizität\nder Beschwerden kann es zu an-\ndauernden Veränderungen des\npsychischen Befindens kommen,\nwie depressiven Verstimmungen,\nAngstzuständen, Veränderungen\nder Persönlichkeit. Die Krankheit\nhat deshalb häufig tiefgreifende\nAuswirkungen auf Partnerschaft,\nSexualität, Beruf und soziales\nUmfeld [1, 4].\nDie Beziehung zwischen Arzt und\nPatientin ist aus diesen Gründen\nvielen Belastungen ausgesetzt:\nDie Patientin fühlt sich auch vom\nArzt nicht ernst genommen, un-\nterversorgt oder überbehandelt.\nSie wird mit der Zeit misstrauisch\nund stellt dann alle Bemühungen\ndes Arztes in Frage. Der Arzt er-\nlebt sich in solchen Fällen nicht\nselten als hilflos, manchmal auch\nverärgert, läuft Gefahr, seinen\nFrust auf die Patientin zu projizie-\nren. Die Wahl sehr aggressiver\nTherapieverfahren oder das Ab-\nschieben der Patientin können die\nfür beide Seiten unerwünschten\nFolgen sein [4].\nDiese Problematik war für uns\nAnlass, eine Untersuchung durch-\nzuführen, die sich speziell mit\nden Schwierigkeiten für Arzt und\nPatientin beim Umgang mit der\nEndometriose beschäftigt.\nFolgende Fragen interessierten\nuns hierbei:\n1. Wie sehen Ärzte die Schwierig-\nkeiten bei der Betreuung von\nEndometriosepatientinnen und\nwelche Hilfe wünschen sie sich?\n2. Wie erleben Patientinnen die\nverschiedenen Phasen der Dia-\ngnostik und Therapie im Hinblick\nauf ihr Allgemeinbefinden und\nihre Lebensqualität?\n3. Welche Erwartungen haben\nPatientinnen im Hinblick auf die\närztliche Betreuung?\nMETHODIK\nEs wurde ein Untersuchungs-\ninstrument aus 2 Teilen entwickelt:\n1. Ein an Ärzte gerichteter Frage-\nbogen (Abb. 1): dieser Fragebo-\ngen wurde von 162 Gynäkologen\nzu Beginn der Studie ausgefüllt.\n2. Ein an die Patientinnen gerich-\nteter Fragebogen (Tab. 1): Dieser\nFragebogen wurde von den Ärz-\nten an 34 Patientinnen unter Be-\nhandlung mit einem LHRH-Ago-\nnisten (Decapeptyl Retard, Ferring\nPharmaceuticals) gegeben. Vom\nArzt erfasst wurde der Schwere-\ngrad der Endometriose, das Alter,\nder Konsultationsgrund.\nFür die Patientin wurden drei\nBefragungszeitpunkte gewählt:\nG nach Diagnosenstellung\nG 2–3 Monate nach Beginn der\nTherapie\nG ca. 2 Monate nach Ende der\nTherapie.\nDie Fragen wurden auf einer Ska-\nla von 1 (trifft überhaupt nicht zu)\nbis 6 (trifft voll zu) beantwortet\nund folgendermassen gewertet:\n1 + 2: nein, 3 + 4: weiss nicht,\n5 + 6: ja.\nZusätzlich wurde zum Zeitpunkt\nder Diagnosestellung nach den\nWünschen bezüglich Häufigkeit\ndes Arztkontaktes, Informations-\nmassnahmen (Broschüren, Videos,\nVorträge) und psychologischem\nSupport (Selbsthilfegruppen, Bera-\ntungsstellen, behandelnder Arzt,\nPsychologe) gefragt.\nNach Therapieende wurde die\nPatientin nach ihrem subjektiven\nBefinden befragt. Bei erfolgrei-\ncher Behandlung sollte sie Grün-\nde benennen, die nach ihrer\nMeinung zum Erfolg beigetragen\nhaben (Medikament, psychologi-\nsche Betreuung, Aufklärung,\nUnterstützung durch Arzt, Partner,\nFreunde).\nDie Analyse der Fragebögen –\nVergleich der Veränderungen der\nZeitpunkte 1 zu 2 und 1 zu 3 –\nwurde statistisch mittels des\nnicht-parametrischen Friedman\nTests vorgenommen. p \n< 0,05\nwurde als signifikant, p < 0,01 als\nhoch signifikant gewertet.\n\n29J. FERTIL. REPROD. 5/1999\nAbbildung 1: Ärztebefragung „Sie im Dialog mit Ihrer Endometriosepatientin“\nSind Sie einverstanden mit den folgenden Aussagen?\nDas Informationsbedürfnis Ihrer Endometriose-Patientinnen steigt zunehmend.\n  ja           nein          vielleicht           _____________________________\nEndometriosepatientinnen erwarten von Ihnen – neben der medizinischen\nBeratung – vermehrt psychologische Unterstützung zur Bewältigung Ihrer\nKrankheit.\n  ja           nein          vielleicht           _____________________________\nDurch den ausgeprägten Erklärungsbedarf Ihrer Patientinnen steigt Ihr zeitli-\ncher Aufwand.\n  ja           nein          vielleicht           _____________________________\nDie Diagnose und die Therapie der Endometriose kann bei Ihrer Patientin\npsychische Probleme ausl ösen. Wie begegnen Sie dieser Situation?\n1 = trifft überhaupt nicht zu, 6 = trifft voll zu\nIch kann auf die Probleme der Patientin im\npersönlichen Gespräch ausreichend eingehen. 1     2     3     4    5     6\nIch brauche für die mentale Unterstützung mehr\nZeit, die ich nicht habe. 1     2     3     4    5     6\nIch gebe der Patientin Literatur mit. 1     2     3     4    5     6\nIch interessiere mich für eine Weiterbildung bzgl.\npsychosomatischer Fragestellungen. 1     2     3     4    5     6\nDie Patientin soll bei Experten wie Psychologen\nHilfe suchen. 1     2     3     4    5     6\nWelche Unterstützung im täglichen Umgang mit Ihren Patientinnen wünschen\nSie sich?\n  Patientinnenbroschüren zum Thema  ______________________________       __\n Videos zum Thema ____________________________       ___________________\n Schaubilder für die Praxis zum Thema _________________    ________________\n Faltblätter zum Erklären des Krankheitsbildes während der Konsultation\n Informationsveranstaltungen für Ihre Patientinnen zum Thema ______________\n Literaturservice\n Seminare für Ärzte, bzw. Therapeuten\n_________________________________________________________________\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHLT\nSICH MEINE\nPATIENTIN?\nERGEBNISSE\n1. Befragung der Gynäkologen\n75 % der Ärzte gaben an, dass\nnach ihrer Einschätzung das Infor-\nmationsbedürfnis der Endometriose-\npatientinnen zunehmend ansteigt.\nNur 4 % verneinten diese Aus-\nsage. 88 % waren der Meinung,\ndass dadurch ihr zeitlicher Auf-\nwand pro Konsultation zunimmt.\n76 % waren der Meinung, dass\ndie Endometriosepatientin neben\nder medizinischen Betreuung\nauch eine psychologische Unter-\nstützung zur Bewältigung ihrer\nErkrankung benötigt. 6 % waren\nnicht dieser Ansicht. Die psycho-\nlogische Betreuung gehört für\n92% der Ärzte in ihre Zuständig-\nkeit. Nur 8 % der Ärzte meinten,\ndass die Patientinnen die Hilfe\neines externen Psychologen auf-\nsuchen sollten. 64 % interessieren\nsich für eine Weiterbildung be-\nzüglich psychosomatischer Frage-\nstellungen im Zusammenhang mit\nder Endometriose. Gleichzeitig\ngaben aber 45 % an, für psycho-\nlogische Gespräche eigentlich\nnicht die nötige Zeit zu haben.\n69 % versuchen ihre Patientinnen\nbei der Krankheitsbewältigung zu\nunterstützen, indem sie ihnen\nLiteratur oder andere Informations-\nunterlagen mitgeben. Als Hilfs-\nmittel wünschten sich 89%\nPatientinnenbroschüren, 55%\nVideos, 50% Literatur, Bücher etc.,\n45% Schaubilder, 40% Faltblätter,\n41% Seminare für Ärzte und 9%\nInformationsveranstaltungen für\nPatientinnen.\n2. Befragung der Patientinnen\nDie Patientinnen gehörten drei\nAltersgruppen an: 40 % waren\nzwischen 20 und 30 Jahre, die\nHälfte bis 40 Jahre und knapp\n10% über 40. Der Schweregrad\nder Endometriose – nach Laparo-\nskopiebefunden eingeteilt – ergab\nfolgende Verteilung: 41% hatten\neine schwere Endometriose. rund\n40% wurden als mittlere Endo-\nmetriose und 20% als leichte\nEndometriose eingestuft. 70% der\nPatientinnen litten an Schmerzen,\n31% an Infertilität und 5% an\nZyklusstörungen (Mehrfach-\nnennungen möglich).\nAn begleitenden Massnahmen\nentschieden sich über 90% der\nFrauen für Informationsbroschü-\nren, 55% für Videos, aber nur\n10% Selbsthilfegruppen und 4%\nfür Beratungsstellen oder Bera-\ntungstelefone. Rund 20% der\nFrauen begrüssten Informations-\nveranstaltungen, 40 % zogen dies\neventuell in Betracht; 46%\nwünschten sich eine psychologi-\nsche Unterstützung durch den\nArzt und 30% beurteilten diese\nHilfe als vielleicht wünschenswert.\nNur 2% zögen eine Beratung\ndurch einen Fachpsychologen\nvor.\nDie Fragen nach der Lebensquali-\ntät waren in drei Gruppen unter-\nteilt: globales Empfinden, kogniti-\nves Empfinden und emotionale\nZustände (Abb. 2):\n\nJ. FERTIL. REPROD. 5/199930\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHL T\n SICH MEINE\n PATIENTIN?\nAbbildung 2: Patientenfragenbogen Lebensqualität (Angaben in %)\na) Globales Empfinden\nJa Nein weiss nicht Stat. Signifikanz 1)\n„Ich fühle mich vor 38 15 47\n„optimistisch.“ während 50 12 38 ns\nnach 61 063 3 n s\n„Ich bin erleichtert, weil vor 64 12 24\n„ich weiss, woher die während 64 063 0 n s\n„Beschwerden kommen.“ nach 76 061 8 n s\nvor 38 21 41\n„Ich fühle mich gut.“ während 38 21 41 ns\nnach 56 12 32 ns\n„Ich bin emotional vor 21 38 41\n„nicht sehr betroffen.“ während 32 26 41 ns\nnach 24 36 39 ns\n„Ich leide unter Libido- vor 067 3 2 1\n„verlust bzw. sexuellen während 18 44 38 sig\n„Schwierigkeiten.“ nach 12 71 18 ns\nb) Kognition\nJa Nein weiss nicht Stat. Signifikanz\n„Ich benötige mentalen vor 30 36 33\n„Support.“ während 15 41 44 ns\nnach 094 4 4 7 n s\n„Ich suche nach vor 44 32 24\n„Aufklärung.“ während 12 53 53 sig\nnach 03 62 53 sig\n„Ich habe Angst, vor 18 76 06\n„an einer bösartigen während 00 82 18 sig\n„Krankheit zu leiden.“ nach 009 4 06 sig\nc) Emotionale Zustände\nJa Nein weiss nicht Stat. Signifikanz\nvor 32 32 35\n„Ich habe Angstgefühle.“ während 03 56 41 sig\nnach 09 76 15 sig\n„Ich fühle mich vor 26 35 38\n„verunsichert.“ während 06 68 26 sig\nnach 00 79 21 sig\n„Ich fühle mich nervös vor 26 27 26\n„und unausgeglichen.“ während 26 26 47 ns\nnach 09 47 44 sig\n„Ich fühle mich vor 18 56 26\n„deprimiert, während 095 3 3 8 n s\n„hoffnungslos.” nach 09 71 21 sig\n1) Statistische Signifikanz, Friedmann-Test, sig = signifikant, ns = nicht signifikant\na. Globales Empfinden\n„Ich fühle mich optimistisch“,\n„Ich fühle mich gut.“\nDer grösste Teil der Frauen kann\ndiesen Aussagen zu Beginn der\nBehandlung weder eindeutig zu-\nstimmen noch sie ablehnen. Etwa\n1/3 gibt aber ein optimistisches\nGrundgefühl an, das im Lauf der\nBehandlung stetig zunimmt. Die\nVeränderungen sind allerdings\nstatistisch nicht signifikant (p =\n0,2, p = 0,07). Die Antworten auf\ndie Frage “Ich bin emotional\nnicht sehr betroffen” bestätigen\ndieses Bild (p = 0,78, statistisch\nnicht signifikant).\n„Ich fühle mich erleichtert, weil\nich nun weiss, woher meine Be-\nschwerden kommen.“\nDer positive Haupteffekt der Auf-\nklärung über die Krankheit findet\nsich, wie erwartet, zu Beginn der\nBehandlung. Immerhin 20%\nempfinden jedoch keine Erleich-\nterung. Der statistische Vergleich\nergibt keine signifikanten Unter-\nschiede im Verlauf der Behand-\nlung (p = 0,32).\nb. Kognition\n„Ich suche nach Aufklärung.“\nDer grösste Teil der Frauen hat\nvor der Behandlung ein sehr star-\nkes Bedürfnis nach Aufklärung.\nDies nimmt statistisch hoch signi-\nfikant während und nach der Be-\nhandlung ab (p = 0,001). Hier\nfällt es allerdings einem grösseren\nTeil der Frauen schwer, klar Stel-\nlung zu nehmen.\n„Ich habe Angst, an einer bösarti-\ngen Krankheit zu leiden.“\nNur sehr wenige Frauen bejahen\ndiese Angst am Beginn der Be-\nhandlung. Das Angstgefühl nimmt\nwährend und nach der Behand-\nlung weiter statistisch signifikant\nab. Eine leichte Verunsicherung\nbesteht während der Therapie (p\n< 0,05).\n„Ich brauche seelische Unterstüt-\nzung (mentalen Support).“\nWiederum ist der Anteil der Frau-\nen, die keine eindeutige Aussage\nmachen können, sehr hoch. Am\nAnfang finden rund 20% der\nFrauen, dass sie eine solche\nUnterstützung brauchen. Dieser\nAnteil nimmt im Lauf der Behand-\nlung ab und wird am Ende stati-\nstisch signifikant (p \n< 0,05).\nc. Emotionale Zustände\n„Ich habe Angstgefühle“,\n„Ich fühle mich verunsichert.“\nEindeutig zu beobachten ist, dass\nAngstgefühle und Verunsicherung\nwährend der Behandlung abneh-\nmen. Die Veränderungen zwi-\nschen „vor“ und „während“ (p \n<\n0,01), sowie zwischen „während“\n\n31J. FERTIL. REPROD. 5/1999\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHLT\nSICH MEINE\nPATIENTIN?\nund „nach“ der Behandlung sind\nstatistisch hoch signifikant (p <\n0,01). Auch hier fällt der grosse\nAnteil der Frauen auf, die ihre\nAngstgefühle schwer einschätzen\nkönnen.\nBezüglich „Nervosität und Unaus-\ngeglichenheit“ können ¼ bis die\nHälfte der Frauen keine eindeuti-\ngen Aussagen machen. Nach der\nBehandlung findet man trotzdem\neine statistisch signifikante Ab-\nnahme der Nervosität unter das\nNiveau vor der Behandlung (p =\n0,046).\n„Ich fühle mich deprimiert, hoff-\nnungslos.“\nInteressant ist auch hierbei der\nrelativ grosse Anteil von Frauen,\ndie keine eindeutige Aussage\nmachen können, insbesondere\nwährend der Behandlung. Nach\nder Behandlung ist eine statistisch\nsignifikante Abnahme der Depres-\nsion unter das Niveau vor der\nBehandlung zu sehen (p \n< 0,05).\nBezüglich der Sexualität und\nsexueller Schwierigkeiten werden\neher niedrige Ausgangswerte\nangegeben. Man findet eine stati-\nstisch hoch signifikante Vermin-\nderung der Libido während der\nBehandlung (p = 0,0001). Nach\nder Behandlung bleibt eine\ntendentielle, statistisch nicht si-\ngnifikante Verminderung beste-\nhen (p = 0,07).\nIm Gesamtbefinden gaben 69%\nder Frauen eine Besserung am\nEnde der Behandlung an. Knapp\n60% führten diese Besserung auf\ndas Medikament zurück. Eben-\nfalls 60% sahen in der Aufklärung\ndurch den Arzt einen wichtigen\nFaktor für die Besserung. Rund\n40% fühlten sich durch den Arzt\nemotional unterstützt, 20% sahen\nin der Unterstützung durch den\nPartner, 10% in der Unterstützung\ndurch Freunde einen wichtigen\nFaktor der Besserung.\nInteressant war, dass fast die Hälfte\nder befragten Frauen gerne einen\nhäufigeren Kontakt – möglichst\nmonatlich – mit dem Arzt hätte,\nals dies in der Regel geschieht.\nDISKUSSION\nDie Ergebnisse der Ärzte- und der\nPatientinnenbefragung zeigen,\ndass die kommunikativen Anfor-\nderungen im Umgang mit Endo-\nmetriosepatientinnen gewachsen\nsind. Dies entspricht den Erfah-\nrungen in der Literatur [4] und\nder allgemeinen Entwicklung der\nhöheren Kompetenz und Eigen-\nverantwortung von Patientinnen.\nDiese verlangen mehr Informatio-\nnen und Erklärungen und erwar-\nten Beratung und psychologische\nKompetenz durch den Arzt. Die\nmeisten Ärzte fühlen sich zwar\nausreichend ausgebildet, es er-\nscheint ihnen aber schwierig, die-\nsen veränderten Anforderungen\nim zeitlichen Rahmen einer\nSprechstunde gerecht zu werden.\nViele Ärzte wünschen sich des-\nhalb zusätzliche Hilfen durch\nInformationsmaterial und\nFortbildungsmöglichkeiten.\nWenig hilfreich finden Ärzte und\nPatientinnen die Überweisung zu\neiner psychologischen Fachperson.\nAllerdings ist keine grundsätzliche\nAblehnung der Zusammenarbeit\nmit anderen Fachpersonen, wie\nPsychologen zu erkennen. Dies\nscheint jedoch speziellen Frage-\nstellungen vorbehalten zu sein.\nBei den zusätzlichen Hilfsmass-\nnahmen sind die Patientinnen\njedoch unschlüssig bezüglich\nInformationsveranstaltungen. Eher\nerstaunlich im internationalen\nVergleich ist der geringe Anteil\nvon Frauen, die Beratungsstellen,\nBeratungstelefone oder Selbsthil-\nfegruppen als hilfreich betrach-\nten. Dies bleibt eine interessante\ninterkulturelle Fragestellung. Hier\nkönnten neue Entwicklungen ein-\nsetzen.\nBei der Erfassung der Lebensqua-\nlität vor, während und nach der\nBehandlung mit einem LHRH-\nAgonisten finden wir mehrere\ninteressante Befunde:\n1. Die Grundeinstellung der von\nuns befragten Frauen ist insge-\nsamt optimistisch und dies bleibt\nüber die Behandlung hinweg un-\nverändert. Die Frauen fühlen sich\ndurch die Diagnose und Erklärung\nihrer Beschwerden erleichtert und\nhaben positive Erwartungen im\nHinblick auf die Behandlung.\n2. Zu Beginn der Behandlung\nbesteht ein sehr hohes Informa-\ntions- und Aufklärungsbedürfnis,\ndem bisher für die Patientinnen\nnur teilweise befriedigend ent-\nsprochen wird. Die kognitiven\nVerarbeitungsprozesse scheinen\nmit der Zeit leichter zu fallen.\nDies hat wahrscheinlich damit zu\ntun, dass durch mehrfache Kon-\ntakte und Gespräche mit dem\nArzt/der Ärztin Einsichten und\nmehr Sicherheit gewonnen wer-\nden. Die Frage stellt sich, ob die\nÄrzte am Beginn der Behandlung\nmehrere Konsultationen durch-\nführen sollten, um auf Fragen und\nUnsicherheiten intensiver einge-\nhen zu können.\n3. Viele Patientinnen scheinen\nbezüglich ihres emotionalen Be-\nfindens Hemmungen und Schwie-\nrigkeiten zu haben, Selbstein-\nschätzungen vorzunehmen. Es ist\nin unserem Kulturkreis wohl im-\nmer noch so, dass emotionale\nBeschwerden eher verschwiegen\n\nJ. FERTIL. REPROD. 5/199932\nProf. Dr. med. Johannes Bitzer\nGeboren 1950 in Taiflingen, Deutschland.\n1985 Abschluß der Ausbildung und Anerken-\nnung als Facharzt für Gynäkologie und Ge-\nburtshilfe an der Universitäts-Frauenklinik\nBasel (Vorsteher: Prof. H. Ludwig). 1993 Ha-\nbilitation für gynäkologische und\ngeburtshilfliche Psychosomatik. Seit 1994 Abteilungsleiter “Gynä-\nkologische Sozialmedizin und Psychosomatik” der Universitäts-\nFrauenklinik Basel (Vorsteher a.i. Prof. A. C. Almendral, seit 1995\nProf. W. Holzgreve). Die Abteilung der Sozialmedizin/Psychosoma-\ntik umfaßt Familienplanung, Infertilitätsbehandlung, Sexualmedizin\nund Psychosomatik. Seit 1997 Titularprofessur in psychosomati-\nscher Gynäkologie und Geburtshilfe. Seit 1998 Präsident der Inter-\nnationalen Gesellschaft für Psychosomatische Gynäkologie und\nGeburtshilfe ISPOG.\nKorrespondenzadresse:\nProf. Dr. med. Johannes Bitzer\nUniversitäts-Frauenklinik Basel, Abt. Sozialmedizin/Psychosomatik\nCH-4031 Basel, Schanzenstrasse 46\nENDOMETRIOSE –\nWIE FÜHL T\n SICH MEINE\n PATIENTIN?\nwerden bzw. beim Verbalisieren\nMühe machen [1, 5]. Vielleicht\nbesteht auch die Angst der Frauen,\nals psychisch gestört und nicht\n„lebenstüchtig“ betrachtet zu\nwerden. Dies erschwert Aussagen\nüber Veränderungen erheblich.\nBei der Beurteilung muss berück-\nsichtigt werden, dass eine Verzer-\nrung zum „besseren“ Befinden\nhin erfolgt sein kann. Trotzdem\nzeigt das statistisch hoch signifi-\nkante Ergebnis der Antworten,\ndass Gefühle von Angst und Unsi-\ncherheit bereits während der Be-\nhandlung abnehmen.\nFür die ärztliche Betreuung ergibt\nsich hieraus ein wichtiger Ansatz-\npunkt: Den Frauen kann das Si-\ngnalisieren, dass ihre Emotionen\nvon Bedeutung sind, helfen, über\nVeränderungen zu sprechen.\nDirektes Nachfragen nach ihrem\nBefinden können sie ermutigen,\nselbstverantwortlich ihre Behand-\nlung mitzugestalten [1]. In diesem\nSinne wäre es hilfreich, für die\nFrauen eine Möglichkeit der\nSelbstevaluierung zu schaffen. Ein\nkurzer Fragebogen zur Lebens-\nqualität, zugeschnitten auf die\nProbleme der Endometriose-\npatientin kann hier sehr nützlich\nsein. Wir sind gerade dabei,\neinen solchen Fragebogen zu\nentwickeln. Wichtig scheint uns,\ndass neben dem Rating (Beurtei-\nlen) auch genügend Fragen zum\nReporting (Berichte über das Ver-\nhalten) eingeschlossen sind.\n4. Nervosität und Unausgeglichen-\nheit sowie depressive Verstim-\nmungen steigen, wie zu erwarten,\nzunächst während der Behand-\nlung an, sinken aber am Ende\nstatistisch signifikant unter das\nAusgangsniveau. Sexuelle\nSchwierigkeiten nehmen während\nder Behandlung statistisch signifi-\nkant zu und dauern nach der\nBehandlung tendenziell noch an.\nAlle Symptome erklären sich aus\nden hormonellen Veränderungen\ninfolge der Therapie. Hier können\nhäufigere Arztkontakte und eine\nHormonsubstitution (\nAdd back-\nTherapie) [6] sicher noch eine\nVerbesserung bringen. Wir glauben,\ndass ausserdem ein Involvieren\ndes Partners in die Behandlung\nsinnvoll wäre. Den Paar-dynami-\nschen und Familien-dynamischen\nAspekten der Endometriose sollte\nsicher stärkere Aufmerksamkeit\ngeschenkt werden.\nInsgesamt ergibt sich ein positives\nGesamtbild der Lebensqualität\nunter der Behandlung, was durch\nden hohen Prozentsatz der mit\nder Behandlung zufriedener Pati-\nentinnen bestätigt wird. Von be-\nsonderer Bedeutung ist das Resul-\ntat, dass dem Medikament und\nder ärztlichen Betreuung zu etwa\ngleichen Teilen eine heilende,\nbessernde Kraft zugeschrieben\nwird. Die Patientinnen wünschen\nsich eine enge, persönliche Be-\nziehung zu ihrem Arzt, die ihnen\nbei der Bewältigung der Erkran-\nkung hilft. Dies führt den hohen\nStellenwert der Persönlichkeit des\nArztes und der Wichtigkeit einer\nguten Arzt-Patientin Beziehung\ndeutlich vor Augen.\nLiteratur:\n1. Keckstein J. Endometriose – Die\nverkannte Frauenkrankheit!? Diagnostik\nund Therapie aus ganzheitsmedizinischer\nSicht. DIAMETRIC Verlag, Würzburg,\n1998.\n2. Litschgi M. Endometriose: Rätsel und\nLösungen. Gynäkologie 1997; 4: 4–9.\n3. Sillem M. Wirksame Hilfe bei Endo-\nmetriose: Ein Ratgeber für Frauen: wie\nIhr Arzt Sie behandelt. TRIAS, Stuttgart,\n1998.\n4. Bollweg ML. Endometriosis Source-\nbook. Endometriosis Association Inc.,\nMilwaukee, 1999.\n5. Colwell HH, Mathias SD, Pasta DJ,\nHenning JM, Steege JF. A health-related\nquality-of-life instrument for sympto-\nmatic patients with endometriosis: A\nvalidation study. Am J Obstet Gynecol\n1998; 179: 47–55.\n6. Lindsay PC, Shaw RW, Coelingh\nBennink HJ, Kicovic P . The effect of add-\nback treatment with tibolone (Livial) on\npatients treated with the gonadotropin-\nreleasing hormone agonist triptorelin\n(Decapeptyl). Fertil Steril 1996; 65: 324–\n8.\n\nMitteilungen aus der Redaktion\nHaftungsausschluss\nDie in unseren Webseiten publizierten Informationen richten sich ausschließlich an geprüfte \nund autorisierte medizinische Berufsgruppen und entbinden nicht von der ärztlichen Sorg-\nfaltspflicht sowie von einer ausführlichen Patientenaufklärung über therapeutische Optionen \nund deren Wirkungen bzw. Nebenwirkungen. Die entsprechenden Angaben werden von den \nAutoren mit der größten Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Die angegebenen Do-\nsierungen sind im Einzelfall anhand der Fachinformationen zu überprüfen. 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