{"paper_id":"15a4e1a3-4a71-48db-8cf9-77a7f67a4f5f","body_text":"Endokrinologie\nGynäkologische\nJournalClub\nGynäkologischeEndokrinologie2025·23:278–279\nhttps://doi.org/10.1007/s10304-025-00652-y\nAngenommen:28.August2025\nOnlinepubliziert:1.September2025\n©TheAuthor(s)2025\nRedaktion\nHerbertFluhr,Graz\nMarenGoeckenjan,Dresden\nRoxanaPopovici,München\nBarbaraSonntag,Hamburg\nEinﬂussvonAdenomyoseauf\nplazentavermittelteSchwanger-\nschaftskomplikationen\nHerbertFluhr\nKlinischeAbteilungfürGeburtshilfe,SchwerpunktfürGynäkologischeEndokrinologieund\nFortpﬂanzungsmedizin,MedizinischeUniversitätGraz,Graz,Österreich\nQR-Codescannen&Beitragonlinelesen\nOriginalpublikation\nMatotR,Bar-PeledU,GeronY,Danieli-GruberS,\nGilboa Y, Drukker L, Krissi H, Borovich A,\nPerlmanS(2025)Eﬀect ofadenomyosison\nplacenta-relatedobstetriccomplications.\nReprodBiomedOnline.50(1):104414. https://\ndoi.org/10.1016/j.rbmo.2024.104414.\nHintergrund. Die Adenomyose als gut-\nartige gynäkologische Erkrankung betriﬀt\nschätzungsweise 20–30% der Frauen im\nreproduktiven Alter und ist häuﬁg asso-\nziiert mit Symptomen wie Dysmenorrhö\nund Blutungsstörungen [1, 2]. Zusätzlich\nzum Einﬂuss auf die Lebensqualität spielt\ndie Adenomyose eine relevante Rollehin-\nsichtlich Infertilität [3,4].Die Diagnose ei-\nnerAdenomyosestelltmituntereinerHer-\nausforderung dar, wobei hochauﬂösende\nUltraschalltechniken heutzutage alsGold-\nstandard zu betrachten sind [5,6]. Im Zu-\nsammenhangmiteinerAdenomyosewer-\ndenzudemhäuﬁgMyomesowieauchEn-\ndometriose beobachtet.\nDie aktuelle Datenlage hinsichtlich der\nKorrelationvonAdenomyoseundSchwan-\ngerschaftskomplikationen ist heterogen\nund nicht abschließend geklärt [7–9]. Als\nSchwäche der bisherigen Arbeiten sind\neinerseitsbeeinﬂussendeCo-Faktorenwie\nbeispielsweiseeine„artiﬁcialreproductive\ntechnique“ (ART)sowie auch die nicht va-\nlide Diagnosesicherung der Adenomyose\nzu sehen. Vor diesem Hintergrund wurde\nindervorliegendenStudiederZusammen-\nhang von sonographisch diagnostizierter\nAdenomyose sowie plazentamediierten\ngeburtshilﬂichen Komplikationen in einer\nklar deﬁnierten Kohorte untersucht.\nStudienaufbau.Bei dervorliegenden Ar-\nbeit handelt essichumeine retrospektive\nKohortenstudie, welche Daten aus dem\nZeitraum Januar 2010 bis August 2022\neinschließt. Untersucht wurden Patientin-\nnen mit einer Geburt nach SSW 23, bei\ndenen zugleich in einem Zeitraum von\n5 Jahren vor oder nach Geburt sonogra-\nphisch die Diagnose einer Adenomyose\ngestellt worden war. Ausschlusskriterien\nwaren uterine Malformationen, Myome,\nEndometriose, ART, Mehrlingsschwanger-\nschaftensowieauchGeburtenmitKindern\nmit größeren Fehlbildungen. Als primäres\nOutcome wurde das Auftreten plazen-\ntamediierter Komplikationen betrachtet\nund mit einer Kontrollgruppe verglichen.\nAls plazentamediierte Komplikationen\nwurden von den Autoren deﬁniert: Small-\nfor-gestational-age(SGA)-Fetus, hyper-\ntensive Schwangerschaftserkrankungen,\nPlazentaablösung sowie eine postpartale\nHämorrhagie.\nStudienergebnisse. Im Studienzeitraum\nwurdeninsgesamt710FrauenmitAdeno-\nmyose identiﬁziert, wobei 227 Patientin-\nnen selektiert wurden, die entsprechend\neineGeburthatten. NachAnwendung der\nstriktenAusschlusskriterienergabsicheine\nStudiengruppevoninsgesamt121Frauen,\nwobei 59 davon eine sonographisch dia-\ngnostizierte Adenomyose aufwiesen und\n62 Frauen als Kontrollen betrachtet wur-\nden. Insgesamt waren 203 Geburten zu\n278 GynäkologischeEndokrinologie4·2025\n\nverzeichnen, davon 90 in der Adenomyo-\nsegruppe und 113 in der Kontrollgruppe.\nBereits nach dieser Gruppenzuordnung\nzeigtensichsigniﬁkanteUnterschiedehin-\nsichtlichdesAltersderPatientinnen sowie\nauch der prophylaktischen Einnahme von\nAcetylsalicylsäure (ASS) zur Präeklamp-\nsieprophylaxe. Lediglich das „composite\noutcome“ „abnormal placental function“\nwarsigniﬁkant höherinderAdenomyose-\ngruppeverglichenmitderKontrollgruppe\n(27% versus 11%). Keine signiﬁkanten\nUnterschiedezeigtensichallerdingsinden\nEinzeloutcomeparametern (SGA, hyper-\ntensive Schwangerschaftserkrankungen,\npostpartale Blutung [Placenta praevia,\nPlacenta accreta]). Hinsichtlich hyper-\ntensiver Schwangerschaftserkrankungen\nwurde eine Prävalenz von 9,8% in der\nAdenomyosegruppe und 2,7% in der\nKontrollgruppe betrachtet, wobei dieser\nUnterschied nicht statistisch signiﬁkant\nwar.\nDiskussion. In der Gesamtschau konnten\ndieAutorInnendervorliegendenStudiebei\nBetrachtung eines „composite outcome“\nzeigen, dass Frauen mit Adenomyose pla-\nzentamediierte Schwangerschaftskompli-\nkationen haben, wobei dies bei Betrach-\ntung der einzelnen Parameter nicht signi-\nﬁkantwar.AlsGrundhierfüristdiesicher-\nlich kleine Fallzahl dieser Studie zu sehen\nebensowieauchdiestriktenEin-undAus-\nschlusskriterien, welche das gemeinsame\nVorkommen von Adenomyose und Myo-\nmensowieAdenomyoseundEndometrio-\nseimStudienkollektivnichtzulassen.Auch\nder Aspekt des retrospektiven Charakters\nder Studie ist kritisch zu diskutieren. Mit\nVorsicht kann aus den vorliegenden Er-\ngebnissen geschlossen werden, dass das\nKrankheitsbild derAdenomyoseallein auf\neinzelne plazentavermittelte Schwanger-\nschaftskomplikationen keinen signiﬁkan-\ntenEinﬂusshat,diesjedochineiner„Real-\nlife“-Situation in den Hintergrund tritt, da\nbeiderMehrheitderbetroﬀenenPatientin-\nnenweiterePathologienwiebspw.Myome\noder Endometriose hinzukommen. Diese\nKombinationen wurden in dieser Studie\nnicht betrachtet, weswegen eine Übertra-\ngung auf das tägliche Alltagsgeschehen\nschwierig ist. In jedem Fall sind zukünftig\ngut strukturierte prospektive Studien not-\nwendig,umdieseThematikaussagekräftig\nzu adressieren.\nFazitfür diePraxis\nIm realen Alltag spielt sicherlich die häuﬁ-\ngervorkommendeKombinationmitanderen\nPathologienund deren nachweislichkompli-\nkationssteigernder Einﬂuss auf die Schwan-\ngerschaft eine Rolle in der Einschätzung.\nHinsichtlich grundlagenwissenschaftlicher\nFragestellungen sowie eines tieferen Ver-\nständnisses der Pathophysiologie bleibt es\nzunächstoﬀen,welchendetailliertenEinﬂuss\neine Adenomyose auf das Plazentationsge-\nschehenwährendeinerSchwangerschafthat.\nKorrespondenzadresse\nUniv.-Prof. Dr. Herbert Fluhr, MHBA\nKlinischeAbteilungfürGeburtshilfe,Schwer-\npunktfür GynäkologischeEndokrinologie\nundFortpﬂanzungsmedizin,Medizinische\nUniversitätGraz\nAuenbruggerplatz14,8036Graz,Österreich\nherbert.ﬂuhr@medunigraz.at\nBiograﬁe\nUniv.-Prof. Dr. Herbert Fluhr istLeiterder\nKlinischenAbteilungfürGeburtshilfe;Leiterdes\nSchwerpunktsfürGynäkologischeEndokrinolo-\ngieundFortpﬂanzungsmedizin.\nFunding. OpenaccessfundingprovidedbyMedical\nUniversityofGraz.\nInteressenkonﬂikt. H.Fluhrgibtan,dasskeinInter-\nessenkonﬂiktbesteht.\nOpenAccess. DieserArtikelwirdunterderCreative\nCommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz\nveröﬀentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung,\nBearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli-\nchemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die\nursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge-\nmäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz\nbeifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom-\nmenwurden.DieindiesemArtikelenthaltenenBilder\nundsonstigesDrittmaterialunterliegenebenfallsder\ngenanntenCreativeCommonsLizenz,sofernsichaus\nderAbbildungslegendenichtsanderesergibt.Sofern\ndasbetreﬀendeMaterialnichtunterdergenannten\nCreativeCommonsLizenzstehtunddiebetreﬀende\nHandlungnichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubt\nist,istfürdieobenaufgeführtenWeiterverwendun-\ngendesMaterialsdieEinwilligungdesjeweiligen\nRechteinhaberseinzuholen.WeitereDetailszurLizenz\nentnehmenSiebittederLizenzinformationauf http://\ncreativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.\nLiteratur\n1. LoringM,ChenTY,IsaacsonKB(2021)Asystematic\nreviewofadenomyosis:itistimetoreassesswhat\nwethoughtweknewaboutthedisease.JMinim\nInvasiveGynecol28:644–655\n2. NirgianakisK, Kalaitzopoulos DR, Schwartz ASK,\nSpaanderman M, Kramer BW, Mueller MD, Mu-\neller M (2021)Fertility,pregnancy andneonatal\noutcomesofpatientswithadenomyosis:asyste-\nmaticreviewandmeta-analysis.Reprod Biomed\nOnline42:185–206\n3. Cozzolino M, TartagliaS, Pellegrini L, Troiano G,\nRizzo G, Petraglia F (2022) The eﬀect of uterine\nadenomyosisonIVFoutcomes:asystematicreview\nandmetaanalysis.ReprodSci29:3177–3193\n4. 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