{"paper_id":"07858362-314c-4ce3-8f92-f7f639e36428","body_text":"J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2007; 10 (1) 0\nOffizielles Organ der Österreichischen\nIVF-Gesellschaft\nOffizielles Organ der Österreichischen\nMenopause-Gesellschaft\nIndexed in EMBASE/Scopus/Excerpta Medica\nwww.kup.at/gynaekologie\nHomepage:\nwww.kup.at/gynaekologie\nOnline-Datenbank mit\n Autoren- und Stichwortsuche\nMember of the\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus bei Endometriose\nGöretzlehner G, Göretzlehner U\nJournal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)\n(Ausgabe für Österreich), 27-31\nJournal für Gynäkologische Endokrinologie 2008; 2 (2)\n(Ausgabe für Schweiz), 37-41\n\n\n\n\nJ GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 27\n Einleitung\nZur hormonalen Behandlung der Endometriose werden GnRH-\nAnaloga, orale hormonale Kontrazeptiva (OC) und Gestagene\nangewendet. Während die GnRH-Analoga entsprechend der\nWirkungsdauer appliziert werden, ohne dass dadurch perma-\nnent eine Therapiepause eingeschaltet wird, werden die OC\nund Gestagene sowohl zyklisch als auch kontinuierlich ver-\nordnet. Die zyklische Therapie der Endometriose mit Sexual-\nsteroiden ist mit mehreren Nachteilen verbunden: Es werden\npro Jahr 13 einwöchige Pausen eingelegt, in denen die endo-\ngene Steroidbiosynthese und damit die Bildung von Estradiol\nin den Ovarien immer wieder einsetzt. Außerdem kommt es in\ndiesen Einnahmepausen zu Hormonentzugsblutungen. Beide\nEreignisse können zur Aktivierung der Endometriose führen,\nda die erforderliche Therapie zyklisch unterbrochen wird.\nBekannt ist seit Langem, dass sich die Endometriose während\neiner Amenorrhoe, physiologisch (Schwangerschaft) oder thera-\npeutisch, bessert oder weitestgehend zurückbildet.\nBei der Einnahme der OC vom Kombinationstyp, vor allem\nbei Anwendung der sogenannten Mikropillen mit einer kon-\nstanten Dosis eines Gestagens und des Estrogens Ethinyl-\nestradiol in einer täglichen Dosis von ≤ 30 µg, hat sich in den\nletzten Jahrzehnten ein Wandel vollzogen. Gründe dafür gibt es\nmehrere. So treten z. B. bei zahlreichen Frauen mit den regel-\nmäßigen Hormonentzugsblutungen nach Mikropilleneinnah-\nme ebenso wie bei jenen mit der normalen Menstruation\nmitunter erhebliche Beschwerden auf, die die Lebensqualität\nsehr beeinträchtigen können. Dies führte dazu, dass besonders\nin den letzten Jahren in größerem Umfang ganz bewusst und\nindiziert die Einnahme der Mikropillen über Wochen oder Mo-\nnate verlängert wurde, ehe das 7-tägige einnahmefreie Inter-\nvall, die Pause, eingeschaltet wurde. Anstelle der zyklischen\nEinnahme über 21–22 Tage mit anschließender Pause wurden\nLangzyklen und die Langzeiteinnahme praktiziert, die bereits\nseit Einführung der Pille vor mehr als 50 Jahren, meist ohne\nWissen der verordnenden Ärzte, vereinzelt Anwendung fanden.\nBei der Einnahme der OC vom Kombinationstyp (Einphasen-\npräparate, Mikropillen) wird zwischen der zyklischen Ein-\nnahme, dem Langzyklus und der Langzeiteinnahme unter-\nschieden (Abb. 1).\n Langzyklus\nDer Begriff des Langzyklus steht nur für die zeitlich begrenzte,\nperiodisch sich wiederholende Einnahme aus mehr als einem\nBlister mit 21 Dragees oder Filmtabletten, entsprechend dem\nBegriff Zyklus. In einem Kalenderjahr sind wenigstens 2 und\nmaximal bis zu 6 Langzyklen möglich, d. h. die Mikropillen-\nEinnahme erfolgt beim Langzyklus im Rhythmus zwischen\n42/7 und 189/7 Tagen aus 2 bis maximal 9 Blistern (Abb. 1).\nNach 42 bis maximal 189 Dragees oder Filmtabletten schließt\nsich das 7-tägige einnahmefreie Intervall, die Einnahmepause,\nan. In dieser Einnahmepause kann es zwischen dem 2. und 5.\nTag zur Hormonentzugsblutung kommen. Je nach gewähltem\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus\nbei Endometriose\nG. Göretzlehner, U. Göretzlehner\nKorrespondenzadresse: Prof. Dr. Gunther Göretzlehner, D-18057 Rostock, Parkstraße\n11, E-Mail: gggoe@arcor.de\nKurzfassung: Die Hormontherapie der Endometriose\nist mit GnRH-Analoga, oralen hormonalen Kontra-\nzeptiva (Mikropillen mit einer Ethinylestradiol-Dosis\n≤ 30 µg und einem Gestagen) und Gestagenen mög-\nlich. Unmittelbar nach der histologischen Sicherung\nder Diagnose Endometriose sollte mit der Hormon-\ntherapie begonnenen werden. Mikropillen können\nsowohl zyklisch (21/7 Tage), im Langzyklus (84/7–\n189/7 Tage) oder in kontinuierlicher Langzeiteinnah-\nme angewendet werden. Die klassische zyklische\nEinnahme der Mikropillen im Rhythmus 21/7 Tage mit\n13 Hormonentzugsblutungen pro Jahr und diversen\nZusatzblutungen in Form von Spottings und Durch-\nbruchblutungen führt zyklisch immer wieder zur\nAktivierung der Gonadotropin-abhängigen Ovarial-\nfunktion mit endogener Steroidbiosynthese. Durch\ndas endogen gebildete Estradiol und die Blutungen\nwerden bei der zyklischen Einnahme der Mikropillen\ndie Endometrioseherde immer wieder stimuliert. Bei\nder kontinuierlichen Langzeiteinnahme und im Lang-\nzyklus wird diese Möglichkeit der Stimulation der\nEndometriose reduziert oder entfällt gänzlich. Aus\ndiesem Grund wird bei Frauen mit einer Endo-\nmetriose die kontinuierliche Langzeiteinnahme oder\nder Langzyklus empfohlen.\nAbstract: Oral Hormonal Contraceptives and\nLong-Cycle in Endometriosis. The hormone therapy\nof the endometriosis is possible with GnRH analogues,\noral hormonal contraceptives (micropills with a\ndosage of ≤ 30 µg ethinylestradiol and a progestin)\nand progestins. Immediately after the histological\nprotection of the diagnosis of endometriosis the\nhormone therapy should be started. Micropills can\nbe used in the conventional cyclical regimen (rhythm\n21/7 days), in the long-cycle (extended regimen over\n84/7 to189/7 days) or in continuously long-term use.\nThe classical cyclical regimen of the micropills in the\nrhythm 21/7 days with 13 hormonal withdrawal\nbleeding per annum and various additional bleedings\nin form of spottings and breakthrough bleedings\nleads cyclically again and again to the activation of\nthe gonadotropin-dependent ovarian function with\nendogenous steroidal biosynthesis. Endometriotic\nlesions are stimulated by the endogenously synthesized\nestradiol and the withdrawal bleeding during the\ncyclical use of the micropills again and again. During\nthe continuously long-term use and in the long-cycle\nthis possibility of the stimulation on endometriosis\nis reduced or entirely dropped. For this reason the\ncontinuously long-term use or the long-cycle are\nrecommended with women with an endometriosis.\nJ Gynäkol Endokrinol 2008; 18 (2): 27–31 .\nAbbildung 1:  Zyklische Einnahme, Einnahme im Langzyklus sowie Langzeit-\neinnahme einer Mikropille bei Endometriose mit Angabe der möglichen Hormon-\nentzugsblutungen (  = Blister zu 21 Dragees oder Filmtabletten;  = Pillen-\npause mit Hormonentzugsblutung).\nFor personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH. \n\n28 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)\nModus, der individuell variiert werden kann, blutet die An-\nwenderin im Kalenderjahr nur noch zwischen 2- und 6-mal\nzyklisch. Je länger der Langzyklus gewählt wird, desto größer\nist die Wahrscheinlichkeit, dass die Hormonentzugsblutung\nausbleibt und es zu einer „silent menstruation“ kommt. Unab-\nhängig vom Einsetzen der Hormonentzugsblutung wird die\nEinnahme nach der 7-tägigen Pause fortgesetzt, da sonst der\nspontane Zyklus mit Selektion des dominanten Follikels und\nnachfolgender Ovulation wieder einsetzt und eine Schwanger-\nschaft möglich wird.\nFavorisiert wird weltweit der 84- oder 63-tägige Einnahme-\nmodus der Mikropillen aus 4 oder 3 Blistern mit anschließen-\ndem, 7-tägigem einnahmefreien Intervall, d. h. 7-tägiger Pause\nmit Hormonentzugsblutung [1–9]. Die 84/7-tägige Anwendung,\ndie dem erweiterten Ovarialzyklus nach Lunenfeld folgt und\nbei der über eine Jahreszeit, kalenderabhängig und kalender-\nunabhängig, meteorologisch bedingt oder biologisch folgend,\nd. h. an eine Saison, ein willkürlich gewähltes Vierteljahr oder\nan die Biorhythmen der Anwenderin angepasst, die Mikropille\neingenommen wird, hat den V orteil, dass saisonal oder jahres-\nzeitlich bedingte zyklische Schwankungen durch diesen Lang-\nzyklus ausgeglichen bzw. vermieden werden können. Der 84/\n7-tägige Langzyklus hat sich auch deshalb als sehr geeignet\nerwiesen, da die Hormonentzugsblutung nicht wie bei der zy-\nklischen Einnahme 13-mal, sondern nur noch 4-mal jährlich\neintritt. Dadurch werden auch die blutungsbedingten Beschwer-\nden, die ebenfalls während der pillenbedingten Hormonent-\nzugsblutung noch abgeschwächt auftreten können (Dysme-\nnorrhoe, Migräne u. a.), reduziert bzw. ganz vermieden. In der\nCochrane-Analyse von Edelman et al. [10] wurde die länger\nals 28-tägige Einnahme der Pille mit der zyklischen Einnah-\nme verglichen. Die zyklusabhängigen Beschwerden traten\nseltener auf und es wurde bei guter Compliance eine höhere\nZufriedenheit nach der Langzyklus-Anwendung registriert.\n Langzeiteinnahme\nBei der Langzeiteinnahme legen die Anwenderin und der\nbehandelnde Arzt gemeinsam die Dauer der Einnahme der\nMikropille ohne Pause fest. Erfahrungen liegen seit Langem\nmit einjähriger, aber auch mit einer längeren Einnahme vor.\nBesonders bei Frauen mit einer Endometriose, bei denen\ngleichmäßige Hormonspiegel und keine Hormonentzugsblu-\ntungen wegen der Beschwerden und möglichen Reaktivie-\nrung der Grunderkrankung sinnvoll sind, erscheint die Lang-\nzeitanwendung ohne Pause indiziert.\n Endometriose\nAls Endometriose werden Absiedlungen und/oder Neubildun-\ngen, d. h. gutartige Wucherungen von Endometrium mit Drüsen,\nStroma, Nerven und peristromaler glatter Muskulatur, außer-\nhalb des Cavum uteri verstanden. Dieses heterotope Endome-\ntrium folgt morphologisch der zyklusgerechten Modulation\ndurch die Sexualsteroide nur unvollkommen.\nBei der Endometriose handelt es sich um eine Funktionsstörung\nmit Estrogen-abhängiger Autonomie, die weitestgehend nur\ndem 70- bis 84-tägigen, nicht dem 28-tägigen Ovarialzyklus\nfolgt. Die Endometriose ist aufgrund ihrer Abhängigkeit vom\nEstradiol nur in der Geschlechtsreife symptomatisch, kann durch\nexogene Estrogene, aber nicht oder nur sehr schwach durch\nEthinylestradiol stimuliert bzw. reaktiviert werden. Während\nder Menstruation kommt es immer zur Desquamation von\nFunktionalis, Spongiosa und Fragmenten des basalen Endo-\nmetriums mit Rezeptoren und hoher mitotischer Aktivität, die\nals „Saat“ für neue Implantate und Proliferationen wirksam\nwerden können. Die Endometrioseherde sind unterschiedlich\naufgebaut, wobei nebeneinander aktive und inaktive Herde\nexistieren. Die aktiven Endometrioseherde können zu Ver-\nwachsungen mit der Umgebung führen, die dann häufig Ursache\nvon Schmerzen, besonders im kleinen Becken, sind. Außer mit\nSchmerzen im Unterbauch ist die Endometriose noch mit Dys-\nmenorrhoe, Dyspareunie, Dyschezie, Infertilität und Migräne\nsowie einem 4-fach höheren Risiko für ein Ovarialkarzinom und\neinem 2-fach höheren Risiko für ein Mammakarzinom, einem\nNon-Hodgkin-Lymphom und einem Melanom assoziiert.\nV on einer Endometriose kann nur dann gesprochen werden,\nwenn die Diagnose histologisch gesichert wurde, vorher be-\nsteht lediglich der Verdacht auf dieselbe.\n Dreiphasentherapie der Endometriose\nEine kausale Therapie der Endometriose ist aufgrund der wei-\ntestgehend ungeklärten Ätiologie nicht möglich. Ziel der Be-\nhandlung ist es daher, Rezidive zu vermeiden, Schmerzfrei-\nheit zu erreichen, Zyklusstörungen zu verhindern und bei\nbestehendem Kinderwunsch die Sterilität zu beheben. Seit\nJahren wird daher die Dreiphasentherapie praktiziert: In der\nersten Phase erfolgt die Diagnostik mit Laparoskopie und his-\ntologischer Sicherung der Diagnose einschließlich der Herd-\nsanierung. Daran schließt sich postoperativ die medikamentöse\nStufentherapie mit GnRH-Analoga, danach Mikropillen oder\nGestagenen, an. In der dritten Phase wird der Menstruationszy-\nklus zur Rezidivvermeidung und Schmerztherapie mit Gesta-\ngenen (einschließlich IUS mit Levonorgestrel oder Nesteron)\noder Mikropillen ausgeschaltet.\nDieses Konzept enthält aber keine Aussagen zur erforderlichen\nKontinuität der Hormontherapie bei einer operativ sanierten\nEndometriose. Diese Kontinuität ist jedoch unabdingbar,\nwenn die Inzidenz der Rezidive niedrig sein oder reduziert\nwerden soll.\nDurch eine kontinuierliche Hormontherapie können nicht\nnur ausgedehnte Endometrioseherde kleiner und damit tech-\nnisch operabel werden, sondern Rezidive reduziert oder ver-\nmieden werden. Bei Endometriomen (Endometriosezysten) ist\ndie Hormonbehandlung unwirksam.\nMit der Hormontherapie wird, unabhängig ob GnRH-Analoga,\nGestagene oder Mikropillen angewendet werden, lediglich\ndie Gonadotropin-abhängige Phase des Ovarialzyklus ein-\nschließlich der ovariellen Steroidbiosynthese unterdrückt.\nDas betrifft auch die Reifung der Follikel bis zur Auswahl des\ndominanten Follikels, die allerdings bei zyklischer OC- oder\nGestagen-Anwendung in der 7-tägigen Einnahmepause wei-\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus bei Endometriose\n\nJ GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 29\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus bei Endometriose\nter erfolgen kann. Die Rekrutierung der Primordialfollikel\nund die Apoptose – Prozesse, die sich genetisch determiniert\nautonom vollziehen – werden nicht beeinflusst. Die Suppression\nder Estrogensynthese in den Ovarien wird durch OC lokal für\ndie Zeit der Einnahme reduziert. Da die proliferative Aktivität\nvon Ethinylestradiol geringer ist als die von Estradiol [11],\nkann die Endometriose während der Einnahme von OC unter-\ndrückt werden. Nach dem Absetzen derselben kehren die\nSymptome aber wieder [12] und in der 7-tägigen Pillenein-\nnahmepause besteht bei zyklischer Anwendung der OC\nbereits das Risiko für die Aktivierung der Endometriose.\n Zyklische Rhythmusbehandlung mit\nMikropillen\nDie Behandlung mit monophasischen OC, Mikropillen mit\nkonstanter Gestagen- und Ethinylestradioldosis ≤ 30 µg, ist\nzur Therapie der Endometriose nach wie vor geeignet. Unter-\nschieden werden sollte allerdings zwischen der zyklischen\nRhythmusbehandlung und dem Langzyklus bzw. der Langzeit-\neinnahme.\nIndiziert ist die zyklische Rhythmusbehandlung bei geringen\nBefunden mit dysmenorrhoischen Beschwerden und vor allem\nim Sinne der symptomatischen Therapie zur Verminderung\nvon Rezidiven nach GnRH-Agonisten- oder Gestagen-Appli-\nkation bei Frauen, die Wert auf eine regelmäßige Menstrua-\ntion legen. Im Anschluss an eine therapeutische Amenorrhoe\nmit GnRH-Agonisten wird dann auf eine zyklische Behand-\nlung mit Mikropillen übergegangen. Im Cochrane Review von\n2000 werden die OC als „first line therapy“ bezeichnet. Gleich-\nzeitig wurde aber auch betont, dass weitere Forschung zur\nBeurteilung der OC bei der Endometriose erforderlich ist.\nDiese Aussage wird im Cochrane Review 2007 wiederholt\nund dahin gehend erweitert, dass die weitere Forschung benö-\ntigt wird, um die Rolle der OC bei der Endometriose völlig\nauswerten und einschätzen zu können [13]. Bezogen wurden\ndiese Aussagen auf die klassische zyklische Einnahme im\nRhythmus 21/7 Tage mit 13 Hormonentzugsblutungen pro\nJahr und diversen Zusatzblutungen in Form von Spottings und\nDurchbruchblutungen. Diese 13 Pausen mit Hormonentzugs-\nblutungen sind der Grund für die ungünstige Einschätzung\nder OC bei der Endometriose in den Cochrane Reviews. Wie\nbereits beschrieben, wird in diesen 13 Pausen die Gonadotro-\npin-abhängige Ovarialfunktion mit endogener Steroidbiosyn-\nthese immer wieder aktiviert. Unabhängig von dieser nicht\nkontinuierlichen Suppression der Gonadotropin-abhängigen\nOvarialfunktion bei der zyklischen Einnahme der OC sind\nDysmenorrhoe, Schmerzen im Unterbauch und die Dyspareu-\nnie bereits geringer in ihrer Identität.\n Langzyklus – Langzeiteinnahme mit\nMikropillen\nSinnvoller als eine zyklische Rhythmusbehandlung mit Mikro-\npillen ist die Therapie der Endometriose in Form des Lang-\nzyklus 84/7 Tage oder noch besser als kontinuierliche Lang-\nzeiteinnahme, da bei diesen Therapieformen die Einnahme-\npausen reduziert werden bzw. entfallen und dadurch die\n\n30 J GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2)\nDie Einnahme von OC im Langzyklus oder noch besser in\nForm der kontinuierlichen, pausenfreien Langzeiteinnahme\nerscheint demnach zur symptomatischen Endometriose-The-\nrapie besonders geeignet zu sein.\n Zusatzblutungen\nBei jeder Hormontherapie können Zusatzblutungen auftreten.\nDieselben sind bei Anwendung von OC in den ersten Einnah-\nmezyklen in Abhängigkeit von der Estrogendosis, dem Gesta-\ngen, der Applikationsform und dem Raucherstatus am häu-\nfigsten. Alter und Body-Mass-Index beeinflussen die Anzahl\nder Zusatzblutungen nicht. Allerdings treten bei Rauche-\nrinnen im Vergleich zu Nichtraucherinnen sowohl im 1. als\nauch im 2. Langzyklus zu je 3 Blistern (63/7 Tage) signifikant\nhäufiger Zusatzblutungen auf, da bei Raucherinnen EE 2\nschneller metabolisiert und eliminiert wird. Neustarterinnen\nund Wechslerinnen von einer anderen Pille bemerkten im 1.\nLangzyklus mehr Zusatzblutungen als Anwenderinnen, die\nvor dem Langzyklus bereits das gleiche OC eingenommen\nhatten [20]. Unabhängig von der Ausgangssituation, ob Neu-\nstarterinnen, Wechslerinnen oder Langzyklus mit der gleichen\nMikropille, ist bei der Einnahme einer Dienogest-haltigen\nMikropille vom 4. Blister an die Inzidenz der Zusatzblutun-\ngen gleich niedrig mit ca. 5 %.\nBei länger bestehenden und rezidivierenden, therapieresistenten\nZusatzblutungen ist zum Ausschluss organischer Ursachen\ndie gynäkologische Untersuchung und vaginale Ultraschall-\nuntersuchung gegebenenfalls mit anschließender Hysterosko-\npie und fraktionierter Abrasio indiziert.\nDurch jede Blutung, ob Menstruation, Hormonentzugsblutung\noder Zusatzblutungen, wird die Kaskade der Prostaglandin-\nund Leukotriensynthese in Gang gesetzt und dadurch werden\nSchmerzen ausgelöst sowie die Endometriose aktiviert. Daher\nsollten auch im Langzyklus oder bei der Langzeiteinnahme\ndie Zusatzblutungen, Spottings oder Durchbruchblutungen\nimmer behandelt werden.\nIn Abhängigkeit vom Wunsch der Frau kann diese Behand-\nlung auch bei der Endometriose in unterschiedlicher Weise\nerfolgen, wobei die nachfolgende Reihenfolge gleichzeitig\neine Rangfolge darstellt:\n– Dosisverdopplung für die Dauer der Blutung, maximal 3\nbis 5 Tage, mit Einnahme je einer Mikropille am Morgen\nund am Abend,\n– zusätzliche Einnahme von 12,5 bis 25 µg EE\n2 jeweils 12\nStunden nach Pilleneinnahme für die Dauer der Blutun-\ngen, maximal 3 bis 5 Tage,\n– Einlegen einer Einnahmepause über maximal 3 Tage und\nUmwandlung der Durchbruchblutung in eine Hormonent-\nzugsblutung.\nCoffee et al. [3] berichteten, dass sich bei der kontinuierlichen\nEinnahme des OC mit 3 mg Drospirenon und 0,03 mg EE\n2\nüber 1 Jahr bei 80 Frauen die Zusatzblutungen signifikant\n(p < 0,001) besser durch eine 3-tägige Einnahmepause im\nVergleich zur Fortsetzung der Einnahme von lediglich einer\nPille behandeln ließen. Die Einnahmepause sollte nicht über 3\nHormonentzugsblutungen und Zusatzblutungen seltener und\nschwächer sind oder gar nicht mehr auftreten. So werden mit\neinem Langzyklus 84/7 Tage mit einer Mikropille mit Dienogest\nund Ethinylestradiol im Vergleich zur zyklischen Einnahme\nüber 21/7 Tage im Kalenderjahr 28,8 Blutungstage weniger\nregistriert [14]. Gleichzeitig nehmen mit dem Langzyklus die\ndysmenorrhoischen Schmerzen ab, das Rezidivrisiko und die\nzyklusabhängige Migräne werden reduziert sowie die chroni-\nschen Unterbauchbeschwerden behandelt.\nIn den bisher erschienenen Mitteilungen zum Thema Lang-\nzyklus bei Endometriose wurden die Ergebnisse von meist\nnur relativ wenigen Patientinnen mitgeteilt. 50 Frauen wur-\nden nach konservativer chirurgischer Behandlung der Endo-\nmetriose wegen einer Dysmenorrhoe, die nach zyklischer\nEinnahme der OC weiterbestand, kontinuierlich über 2 Jahre\nmit der Kombination von 0,15 mg Desogestrel und 0,02 mg\nEthinylestradiol (EE\n2) behandelt. Die Dysmenorrhoe-beding-\nten Beschwerden nahmen ab und gingen nach Auswertung\nmit der visuellen Analogskala von 75 ± 13 auf 31 ± 17 zurück.\nBei 38 % der Patientinnen kam es zu einer therapeutischen\nAmenorrhoe und bei 62 % traten Zusatzblutungen auf, davon\n36 % Spottings und 26 % Durchbruchblutungen. 26 % der\nFrauen waren mit der Langzeiteinnahme sehr zufrieden, 54 %\nzufrieden, 16 % unzufrieden und 2 % sehr unzufrieden [15].\nNach sechsmonatiger kontinuierlicher Einnahme derselben\nOC-Kombination (n = 45) oder von 12,5 mg Cyproteronacetat\n(CPA) täglich wurden ähnliche Ergebnisse registriert: Dys-\nmenorrhoe, schwere Dyspareunie und menstruationsunabhän-\ngige Unterbauchschmerzen gingen signifikant zurück [16].\nDer Vergleich der kontinuierlichen Therapie der Kombination\nvon 3 mg CPA mit 0,01 mg EE2 mit der kontinuierlichen Ein-\nnahme von 2,5 mg Norethisteronacetat (NETA) über 12 Mo-\nnate ergab für beide Regime keine großen Unterschiede bei\nder Linderung von Dysmenorrhoe, Dyspareunie, Dyschezie und\nden Unterbauchbeschwerden nach vorher erfolgloser konser-\nvativer chirurgischer Therapie symptomatischer rekto vagina-\nler Endometrioseherde. Die Zufriedenheit war in der NETA-\nGruppe mit 73 % größer als in der OC-Gruppe mit 62 % [17].\nAnlässlich einer randomisierten prospektiven klinischen Stu-\ndie mit je 20 Patientinnen mit einer Dysmenorrhoe und/oder\nUnterbauchschmerzen, die nach konservativer chirurgischer\nBehandlung einer Endometriose noch bestanden, wurde bei\nEinnahme von 0,15 mg Desogestrel und 0,02 mg EE 2 oder\nnur 0,075 mg Desogestrel über 6 Monate ein signifikanter\n(p < 0,001) Rückgang der Dysmenorrhoe und Unterbauchbe-\nschwerden in beiden Gruppen beobachtet. Allerdings führte\ndie alleinige Desogestrel-Gabe zu mehr Durchbruchblutungen\n[18].\nIn einer randomisierten placebokontrollierten Studie über 6\nMonate an 222 Patientinnen nach konservativer chirurgischer\nBehandlung einer Endometriose r-AFS III–IV erwiesen sich\ndie Hormontherapien mit GnRH-a oder die kontinuierliche\nEinnahme der OC mit 0,75 mg Gestoden und 0,03 mg EE\n2 bei\nder Dysmenorrhoe und den Unterbauchschmerzen als effektiver\nals die Verordnung eines Placebos oder einer vitaminreichen\nDiät [19].\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus bei Endometriose\n\nJ GYNÄKOL ENDOKRINOL 2008; 18 (2) 31\nTage ausgedehnt werden, da es sonst in dieser Zeit oder aber\nauch schon während der Blutung zur Follikelreifung und damit\nwieder zur Reaktivierung der Endometriose kommen kann.\n Empfehlungen für die Praxis\nNach histologischer Sicherung der Diagnose sollte ohne langen\nZeitverlust unmittelbar mit der Hormontherapie begonnen\nwerden. Die Hormontherapie ist aufgrund der Diagnose eine\nBehandlungsoption, die sich über Jahre erstreckt, wenn Rezidive\nverhindert und Schmerzfreiheit erreicht werden sollen. Fällt\naufgrund der Indikation die Entscheidung für die Hormon-\ntherapie mit einer Mikropille, so ist die kontinuierliche Lang-\nzeiteinnahme dem Langzyklus und der zyklischen Einnahme\nvorzuziehen, da alle Blutungen, Hormonentzugsblutungen und\nZusatzblutungen sowie die endogene Steroidbiosynthese in der\nPillenpause bei Frauen mit einer Endometriose unerwünscht\nsind. Wird nach der Diagnosestellung die Behandlung mit\nGnRH-Analoga begonnen, so kann spätestens 3 Wochen nach\nder letzten GnRH-a-Injektion mit der Einnahme begonnen\nwerden.\nBei infiltrierender Endometriose kann vor der Operation ein-\nbis zweimal ein Langzyklus 84/7 Tage oder ein Langzyklus\nüber 189/7 Tage empfohlen werden.\nSteht die symptomatische Therapie zur Schmerzbehandlung\nim V ordergrund, so sollte eine variable kontinuierliche Lang-\nzeiteinnahme oder zumindest der Langzyklus praktiziert wer-\nden. V oraussetzung ist dabei die Normalisierung der Ernährung\nmit Meidung von Alkohol und Nikotin, die Gewichtsreduktion\nbei Übergewicht und Adipositas sowie reichliche körperliche\nBewegung oder Sport.\nDie kontinuierliche Einnahme einer Mikropille ist neben der\nkontinuierlichen NETA-Einnahme die bevorzugte Option bei\nder Endometriose, da mit dem Ethinylestradiol in der Mikro-\npille der endogene Estrogenmangel bei Frauen, die wegen ei-\nner Endometriose über einen längeren Zeitraum die sympto-\nmatische Hormontherapie benötigen, verhindert wird.\nNachdem sich auch der „Zürcher Gesprächskreis“ mit dem\nLangzyklus wiederholt beschäftigte und seine Empfehlungen\n[21, 22] dazu mitteilte, ist es durchaus berechtigt, auch die\noffiziell für den Langzyklus oder die Langzeiteinnahme noch\nnicht zugelassenen Mikropillen im Rahmen der Therapiefrei-\nheit Frauen mit einer symptomatischen Endometriose zu ver-\nordnen.\nOrale Kontrazeptiva und Langzyklus bei Endometriose\ntive methods and risk of pelvic endome-\ntriosis. Contraception 1994; 49: 47–55.\n13. Davis L, Kennedy S, Moore J, Prentice\nA. Modern combined oral contraceptives\nfor pain associated with endometriosis.\nCochrane Database Syst Rev 2007;\nCD001019.\n14. Zimmermann T. Persönliche Mitteilung\n2006.\n15. Vercellini P , Frontino G, De Giorgi O,\nPietropaolo G, Pasin R, Crosignani PG.\nContinuous use of an oral contraceptive\nfor endometriosis-associated recurrent\ndysmenorrhea that does not respond to a\ncyclic pill regimen. Fertil Steril 2003; 80:\n560–3.\n16. Vercellini P , De Giorgi O, Mosconi P ,\nStellato G, Vicentini S, Crosignani PG.\nCyproterone acetate versus a continuous\nmonophasic oral contraceptive in the\ntreatment of recurrent pelvic pain after\nconservative surgery for symptomatic en-\ndometriosis. Fertil Steril 2002; 77: 52–61.\n17. Vercellini P , Pietropaolo G, De Giorgi O,\nPasin R, Chiodini A, Crosignani PG. Treat-\nment of symptomatic rectovaginal endo-\nmetriosis with an estrogen-progestogen\ncombination versus low-dose norethisterone\nacetate. Fertil Steril 2005; 84: 1375–87.\n18. Razzi S, Luisi S, Ferretti C, Calonaci F,\nGabbanini M, Mazzini M, Petraglia F. Use\nof a progestogen only preparation contain-\ning desogestrel in the treatment of recur-\nrent pelvic pain after conservative surgery\nfor endometriosis. Eur J Obstet Gynecol\nReprod Biol 2007; 135: 188–90.\n19. Sesti F, Pietropolli A, Capozzolo T,\nBroccoli P , Pierangeli S, Bollea MR,\nPiccione E. Hormonal suppression treat-\nment or dietary therapy versus placebo in\nthe control of painful symptoms after con-\nservative surgery for endometriosis stage\nIII–IV. A randomized comparative trial.\nFertil Steril 2007; 88: 1541–7.\n20. Zimmermann T. Pille im Langzyklus-\nRegime – medizinische Indikationen und\nbisherige Erfahrungen. Vortrag, 7. Stras-\nbourger Endokrinologie-Tag des Landes-\nverband Baden-Württemberg des Berufs-\nverbandes der Frauenärzte e.V ., Strasbourg,\n9.10.2004.\n21. Zürcher Gesprächskreis. Empfehlungen\nzur oralen Kontrazeption. Frauenarzt 2001;\n42: 750–4.\n22. Zürcher Gesprächskreis. Empfehlungen\nzur oralen Kontrazeption. Frauenarzt 2003;\n44: 1270–3.\nProf. Dr. med. Gunther Göretzlehner\nMedizinstudium in Greifswald 1955 –1960.\n1962 Promotion. Facharztausbildung an den\nUniversitäts-Frauenkliniken in Greifswald und\nRostock. Facharztanerkennung 1966. 1972\nHabilitation in Rostock. 1979 Berufung zum\nProfessor für Gynäkologie und Geburtshilfe\nan die Universitäts-Frauenklinik Greifswald.\n1993– 2002 Chefarzt an der Frauenklinik im\nKreiskrankenhaus Torgau.\nProf. Dr. Göretzlehner ist Mitglied zahlreicher\nnationaler und internationaler Fachgesell-\nschaften. Mehr als 360 Publikationen, darunter 10 Bücher.\n1. Anderson FD, Hait H, the Seasonale-301\nStudy Group. A multicenter, randomized\nstudy of an extended cycle oral contracep-\ntive. Contraception 2003; 68: 89–96.\n2. Cachrimanidou AV, Hellberg D, Nilsson\nS, von Schoulz B, Crona N, Siegbahn A.\nHemostasis profile and lipid metabolism\nwith long-interval use of a desogestrel-\ncontaining oral contraceptive. Contracep-\ntion 1994; 50: 153–65.\n3. Coffee AL, Sulak PJ, Kuehl TJ. Long-term\nassessment of symptomatology and satis-\nfaction of an extended oral contraceptive\nregimen. Contraception 2007; 75: 444–9.\n4. Foidart JM, Sulak PJ, Schellschmidt I,\nZimmermann D; Yasmin Extended Regimen\nStudy Group. The use of an oral contra-\nceptive containing ethinylestradiol and\ndrospirenone in an extended regimen over\n126 days.\n Contraception 2006; 73: 34–40.\n5. Göretzlehner G, Ahrendt HJ, Brucker C.\nLangzyklus und Langzeiteinnahme – Eine\nneue Form der oralen hormonalen Kontra-\nzeption? Frauenarzt 2004; 45: 199–203.\n6. Hommel HH, Zimmermann T, Feldmann\nHU. Kontrazeptive Langzyklus-Behandlung:\nist die allmonatliche Abbruchblutung\neigentlich notwendig? Gyne 2001; 22:\n153–8.\n7. Loudon B, Foxwell M, Potts DM, Guild\nAL, Short RV. Acceptability of an oral con-\ntraceptive that reduces the frequency of\nmenstruation: the tri-cycle pill regimen.\nBr Med J 1977; 2: 487–90.\n8. Sulak PJ, Scow RD, Preece C, Riggs MW,\nKuehl TJ. Hormone withdrawal symptoms\nin oral contraceptive users, continuous\nuse. Obstet Gynecol 2000; 98: 771–8.\n9. Wiegratz I, Hommel HH, Zimmermann T,\nKuhl H. Attitude of German women and\ngynecologists towards long-cycle treatment\nwith oral contraceptives. Contraception\n2004; 69: 37–42.\n10. Edelman AB, Gallo MF , Jensen JT,\nNichols MD, Schulz KF, Grimes DA. Con-\ntinuous or extended cycle vs cyclic use of\ncombined oral contraceptives for contra-\nception. Cochrane Datebase Syst Rev 2005;\nCD 004695.\n11. Brosens IA, Pijnenborg R. Comparative\nstudy of the estrogenic effect of ethinyl-\nestradiol and mestranol on the endometri-\num. Contraception 1976; 14: 679–85.\n12. Parazzini F , Ferraroni M, Bocciolone L,\nTozzi L, Rubessa S, LaVechia C. Contracep-\nLiteratur:\n\nMitteilungen aus der Redaktion\nHaftungsausschluss\nDie in unseren Webseiten publizierten Informationen richten sich ausschließlich an geprüfte \nund autorisierte medizinische Berufsgruppen und entbinden nicht von der ärztlichen Sorg-\nfaltspflicht sowie von einer ausführlichen Patientenaufklärung über therapeutische Optionen \nund deren Wirkungen bzw. Nebenwirkungen. Die entsprechenden Angaben werden von den \nAutoren mit der größten Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Die angegebenen Do-\nsierungen sind im Einzelfall anhand der Fachinformationen zu überprüfen. 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